Yamaha YH-L700A: ANC-Wireless Over-Ear mit 3D-Effekten

Yamaha YL700H
Pro und Contra
  • sicherer Sitz
  • angenehmer, transparenter und exakter Klang
  • passiver Betrieb möglich
  • App nur für neuere Android-Versionen
  • ANC etwas schwächer
  • hoher Preis
  • 4.5

Teile diesen Beitrag

Beliebt auf TechStage

Kaufberatung: Notfallhandys bis 20 Euro

Nokia, Doro & Co.: Handys zum Telefonieren & für den Notfall ab 12 Euro

Monatlich kündbar: Die besten Handytarife von 0 bis 30 Euro

Die besten monatlich kündbaren Tarife im Dezember 2022: Unlimitiertes Datenvolumen für 15 Euro

Kosmos, Fischertechnik & Co.: Von Roboter bis Experimentierkasten ab 8 Euro

Kosmos, Fischertechnik & Co.: Von Experimentierkasten bis Roboter ab 5 Euro

Wacom-Alternativen ab 10 Euro: Digital zeichnen mit smarten Stiften, Tablets & Co.

Wacom-Alternativen ab 10 Euro: Digital zeichnen mit smarten Stiften, Tablets & Co.

Der Over-Ear-Kopfhörer Yamaha YH-L700A bietet einen exzellenten Klang mit ANC. Außerdem beherrscht er 3D-Sound. TechStage stürzte sich im Test mit Yamaha in den Münchner Untergrund.

Kopfhörer sitzen entweder über dem Ohr, auf dem Ohr oder im Ohr. Wenn es um das passive Abschirmen gegenüber Umgebungslärm geht, ist die erste Variante, zu der der Yamaha YH-L700A gehört, immer noch die effizienteste. Doch ANC ändert die Spielregeln. So gibt es aktuell keinen Kopfhörer, egal ob Over-, On, oder In-Ear, der besser abschirmt als die Bose QC Earbuds II (Testbericht). Hier geht es zu unserer Bestenliste: Die zehn besten Over-Ear-Kopfhörer mit ANC.

Nicht erst seit der Maskenpflicht im ÖPNV sind Kopfhörer mit Kabel besonders für Brillenträger kompliziert. Maske und Brille und Kabelkopfhörer funktionieren zusammen schlecht. Die Brille im Zug abzunehmen, ohne dabei Kopfhörer und/oder Maske ebenfalls mitzunehmen, wird regelmäßig zur Slapstick-Nummer. Über-Ohr-Kopfhörer sind bei Brillenträgern aber wiederum wenig beliebt, weil sie dazu führen können, dass die Brille drückt. Der Vorgänger Yamaha YH-E700A (Testbericht) nervte beim Tragekomfort. Dabei hatte dieser sogar größere Ohrmuscheln als der hier besprochene Yamaha YH-L700A.

Da Kopfhörer im öffentlichen Personennahverkehr im Gegensatz zu früher gesellschaftlich akzeptiert sind, ist der YH-L700A hierfür eigentlich prädestiniert. Auch wenn der Yamaha-Kopfhörer für die Münchner S-Bahn eigentlich viel zu edel erscheint, wurde er hier von TechStage gnadenlos dem Härtetest unterworfen. Hat er diesen bestanden?

Neben dem Kopfhörer wird eine Schutztasche mit Adapter für Flugzeuge, Ladekabel und Klinkenkabel mitgeliefert. Der YH-L700A kann also auch über den Wolken kabelgebunden genutzt werden. Doch das Kabel ist auch von Nutzen, wenn das anzuschließende Gerät kein Bluetooth hat oder der Akku leer ist – was aber mit 11 Stunden (ANC und 3D-Sound) sowie 34 Stunden (nur ANC) wirklich lange dauert. Der Kopfhörer kann über das Kabel auch rein passiv genutzt werden, dann zwar ohne 3D-Effekte und ANC, dafür aber mit unlimitierter Betriebsdauer, auch wenn man das Laden mal vergessen hat.

Der Kopfhörer hat jeweils eine seitliche Taste zum Ein- und Ausschalten bzw. Pairen, für die Wahl des Geräuschunterdrückungsmodus (An, Aus, Transparent/Ambient) und des 3D-Effekts. Mit zwei oder mehr Geräten kann er keine Bluetooth-Verbindung aufbauen, da er kein Multipoint kennt. Auch wenn er ein vollwertiges Bluetooth-Headset darstellt, ist er primär zum Musikhören bestimmt.

Über drei Multifunktionstasten an einer Hörmuschel sind die üblichen Funktionen (Lauter, Leiser, Start/Pause, Vor/Zurück und Anrufe annehmen) verfügbar. Da alles in Schwarz gehalten ist, müssen die Tasten erfühlt werden – sehen kann man sie kaum. Vorteil dieses dezenten Designs ist Unauffälligkeit; nur das Yamaha-Logo sticht hervor.

Die Hörmuscheln sind auf der Innenseite mit L und R markiert. Diese Markierung braucht man zu Beginn auch, denn die Muscheln sitzen leicht angewinkelt auf den Ohren. Vertauscht aufgesetzt dichten die Muscheln nicht wirklich ab. Hat man den Kopfhörer richtig justiert, sitzt er aber gut, man kann auch beim Umsteigen rennen, wenn es mal knapp wird, ohne ihn zu verlieren. Und auch im Hochsommer sollte es keine Probleme mit heißen Ohren geben – im Winter freut man sich ohnehin über einen geschlossenen Kopfhörer auf den Ohren. Nieselregen macht dem Yamaha-Kopfhörer nichts aus; wenn der Regen einem selbst zu viel wird, sollte man allerdings dann auch den Kopfhörer schützen.

Aufs Erste scheint das ANC der Yamaha YH-L700A zu enttäuschen, Umgebungsgeräusche dringen zu Ohr durch. Aber deutlich gedämpft – ausgeschaltet brummeln Stimmen und Fahrgeräusche nerviger. Man merkt erst nach einer Weile, dass man mit weniger Lautstärke auskommt und entspannter ankommt. Ansagen bekommt man trotzdem noch mit und kann die Musik anhalten oder den Kopfhörer lupfen.

Zu Fuß kann man mit ANC auch komfortabel hören, ohne dass einem jedes laute Auto die Musik vermasselt. Man bekommt trotzdem noch genug von der Umgebung mit. Fahrrad fahren sollte man dagegen so nicht, wenn man nicht als Kühlerfigur enden möchte.

Im Büro ist allerdings bei einem gegenübersitzenden und dauertelefonierenden Kollegen nichts zu retten: Er wird zwar leiser, dringt aber trotzdem durch. Will man aber umgekehrt mitbekommen, wenn der Kollege einen etwas fragt, ist der Transparenz-Modus gut, der einen Umgebungsgeräusche hören lässt, ohne dass die Umgebung umgekehrt die Musik vom Kopfhörer hört. Den ganzen Tag getragen, wird einem der YH-L700A dann allerdings doch irgendwann zu viel.

Dass das ANC des YH-L700A so eingeschränkt ist, erscheint als Nachteil, macht das Tragen jedoch entspannter: 100 Prozent Isolation von der Umgebung irritiert, das sind die Ohren nicht gewohnt und es führt auch mal dazu, dass man ungewollt alleine im abgehängten Zug sitzen bleibt. Für den Zug und die Straße ist die Dämpfung des Kopfhörers brauchbar, weil sie dann auch gleichmäßig über alle Frequenzen geht und einem irritierendes einzelnes Durchdringen vom Grummeln oder Zischen erspart.

Die 3D-Sounds, die Yamaha dem YH-L700A spendiert hat, sind neben der dezenteren Formgebung, der größte Unterschied zum Vorgänger YH-E700A. Yamaha war der erste Hersteller, bei dem man mit in DSP erzeugten Hall- und Klangwelten Musik und Filme auf AV-Receivern aufpeppen konnte. Meist eine Spielerei, seine Lieblingsmusik oder Filme so virtuell in berühmten Kirchen oder tieferlegten Steinbacköfen abspielen zu können, doch auch mit einigen brauchbaren Varianten, die gewöhnliche Stereo-Klänge etwa auf fünf Lautsprecher eines Surround-Systems simulieren.

Ähnlich ist es nun mit den 3D-Sounds im Kopfhörer: Eine Studioaufnahme „wie live gespielt“ anzuhören, ist sicher mal ganz lustig, aber nichts, was man dauerhaft nutzen muss. Einige der Effekte wie „Musikvideo“ sind aber durchaus geeignet, den Klang klarer zu machen: Hier kommt der Sound jetzt von vorne, so wie man es mit Lautsprecher gewohnt ist – die Band spielt nicht mehr im Kopf, sondern davor.

Auch Transparenz und Verständlichkeit bei Podcasts gewinnen. Einziger Nachteil ist der etwas höhere Stromverbrauch, doch 11 statt 34 Stunden mit einer Akkuladung sind immer noch üppig. Nicht zu empfehlen sind die Klangprozessoren allerdings bei mangelhaften Signalquellen, sprich: solche mit zu geringer Bitrate. Die Artefakte werden dann durch die Hervorhebungen deutlicher hörbar und können störend werden.

Die Yamaha Headphones App bietet noch eine Zusatzfunktion: das Einmessen auf das Gehör des Benutzers. Diese liefert uns aber zu viel Bass, manuell kann man hier nichts nachregeln. Außerdem läuft die App auf älteren Android-Versionen nicht mehr. Alles andere wie das Umschalten der 3D-Sounds, das Ein- und Ausschalten der Geräuschunterdrückung oder die Lautstärkeregelung und Kopplung mit dem Abspielgerät ist jedoch auch ohne App möglich.

Mit DSP und ANC liefert der YH-L700A exzellenten Klang, er ist mit apt-X adaptive ausgerüstet, kann also alle apt-X-Varianten bespielen, auch apt-X HD mit 24 Bit. Puristen können auch den Passiv-Mode über Kabel nutzen, bei dem ANC und 3D-Effekte abgeschaltet sind. Dieser war auch notwendig, um den Kopfhörer an dem DAB+-Radio Technisat Viola 3 anzuschließen: Es verstummt sofort, sobald der Kopfhörer eingeschaltet wurde. Dessen Elektronik liefert zu viele Störungen am Klinkenanschluss, zumal das Technisat Viola 3 ja den Kopfhöreranschluss als Antenne nutzt. Mit einem Klinkenkabel mit Klappferriten funktioniert es einwandfrei, der Kopfhörer strahlt also keine Störungen ab, sie laufen nur über die Kabelverbindung.

Im Falle des DAB+-Radios ist der ohne Entstör-Ferrite rein passive Betrieb des YH-L700A jedoch nicht so tragisch, da so die nervigen Artefakte durch die niedrige Bitrate einiger DAB+-Sender nicht so hörbar sind. Auf ANC muss man dann allerdings auch verzichten.

Mit knapp 550 Euro Listenpreis ist der Yamaha YH-L700A leider nicht billig, der Straßenpreis liegt 100 Euro darunter. Der Vorgänger Yamaha YH-E700A (Testbericht) kostet gut 200 Euro.

Die Yamaha YH-L700A sind fantastische Kopfhörer. Unsere Begeisterung verdienen sie sich vor allem dank ihres exzellenten Klangs und der schlauen Zusatzfunktionen wie dem 3D-Sound, der in vielen Fällen das Musikerlebnis noch einmal verstärkt. Das ANC hätte gerne etwas stärker ausfallen dürfen. Da es sich jedoch gleichmäßig über alle Frequenzen verteilt, schlägt es sich im Alltagstest gut. Wer das beste ANC will, sollte unsere Bestenliste: Die zehn besten Over-Ear-Kopfhörer mit ANC durchlesen.

Die dezente Optik gefällt uns und auch der Tragekomfort ist hoch. Allerdings funktioniert die App auf alten Android-Versionen nicht. Auch hätte Yamaha gerne am Preis schrauben dürfen. Trotzdem sind die Yamaha YH-L700A ihren hohen Preis wert. Der Abschied vom Testgerät fällt daher schwer.

Wie viel man für ordentliche Kopfhörer ausgeben muss, verraten wir in unserer Kaufberatung: Soviel dürfen Kopfhörer für Alltag, Sport und Gaming kosten.

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.