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Yamaha YH-E700A

Bild:TechStage.de

Pro und Contra

  • Starker Bass 
  • Abschirmende & weiche Polster 
  • Lange Akku-Laufzeit
  •  Unausgewogener Klang 
  • Schwaches ANC 
  • Tragegefühl auf Dauer unangenehm 
Rating:
  • 3.5
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Klein kann jeder, bei Yamaha darf es bei den kabellosen ANC-Kopfhörern etwas größer sein. TechStage verrät, ob neben dem Preis auch der Sound groß ist.

Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung gehören mittlerweile zum Standardportfolio der meisten Audio-Hersteller. Günstige Modelle sind bereits für weniger als 80 Euro erhältlich. Was von deren Leistung zu erwarten ist, zeigt unser Ratgeber: ANC-Kopfhörer unter 100 Euro . Die Markengeräte der Highend-Klasse, wie Testsieger der Sony WH-1000XM4 (Testbericht), sind allerdings deutlich teurer.

Kopfhörer sollen unauffällig sein? Pah, Zurückhaltung ist für Yamaha offenbar ein Fremdwort. Die YH-E700A kann man nicht übersehen, sie wollen auch optisch Eindruck schinden. Und das gelingt ihnen gleich auf den ersten Blick. Besonders die ungleichmäßig geformten und mit Leder bezogenen Polster der großen und runden Ohrhörer fallen ins Auge: An der breitesten Stelle sind sie rund drei Zentimeter dick – und das spürt man auch. So weich wie ein Kissen schmiegen sie sich an den Kopf. Der breite Bügel ist ebenfalls gepolstert und mit Leder ummantelt. Die Aufhängung der Ohrhörer lässt sich aus dem Kopfbügel herausziehen und so für unterschiedliche Kopfgrößen verlängern. Die Ohrhörer selbst hängen an einer sehr beweglichen Vorrichtung, so lassen sie sich zum Beispiel um 90 Grad nach innen drehen, um den E700A flach zusammenzupacken. Die runde Form der Ohrhörer hat den Vorteil, dass man sie etwas flexibler auf dem Ohr platzieren kann, es gibt nicht die eine richtige Position. Allerdings wirkt das Design dadurch sehr wuchtig. Auf dem Kopf sehen die Kopfhörer sehr voluminös aus, fast so wie die Ohrschützer auf Baustellen und Flughäfen. Macht nichts, man sieht sich ja nicht selbst. Aber der Vergleich passt, denn in der Tat blockiert die Over-Ear-Bauweise bereits physikalisch sehr effektiv eine Menge Außengeräusche.

Die Bedienelemente befinden sich an den Kanten der Ohrhörer, links sitzt der Button für ANC und der Klinkeneingang fürs Hören mit Kabel. Rechts befinden sich neben dem USB-C-Anschluss zum Aufladen der Power-Button, die Lautstärkeregelung und eine Taste zum Starten und Stoppen der Musik und zur Annahme von Anrufen. Die Tasten befinden sich jeweils an der unteren Kante. So fallen sie zwar optisch nicht auf, dafür kann man sie eigentlich nur mit dem Daumen bequem bedienen. Auf eine Touchbedienung hat Yahama verzichtet.

Die Verarbeitung der hochwertigen Materialien ist prima, die Kopfhörer fühlen sich ausgezeichnet an. Und trotz der Größe und des mit immerhin 325 g beträchtlichen Gewichts fühlen sie sich auf dem Kopf angenehm an. Zumindest vorerst, denn nach einer Weile wird es unter den dicken Polstern unbehaglich. Es kommt zu wenig Luft herein, immer wieder erwischt man sich dabei, die Puschen kurz anzuheben. Das auffällige Design ist insgesamt sicher nicht jedermanns Sache, aber es ist auf jeden Fall ein Statement. Verstecken ist nicht: Wer die E700A trägt, zeigt dem Umfeld sehr eindringlich, dass man gerade nicht gestört werden will.

Den Yamaha YH-E700A gibt es in den Farben Schwarz und Weiß. In der Verpackung befinden sich neben der Tragetasche auch ein USB-A- auf USB-C-Ladekabel, ein 3,5-mm-Audiokabel zum kabelgebundenen Hören und ein Flugadapter.

Die Bluetooth-Verbindung wird durch einen längeren Druck auf den Powerbutten hergestellt. Mit der ANC-Taste wird Noise Canceling entweder aktiviert, deaktiviert oder der Modus „Ambient Sound“ gestartet, mit dem Außengeräusche ans Ohr gelassen werden. Die Tasten auf der rechten Seite liegen relativ dicht beieinander, es ist manchmal etwas Glück im Spiel, wenn man beim ersten Versuch die richtige Funktion startet. Es hat sich als praktisch erwiesen, mit dem Daumen langsam von hinten nach vorne zu gleiten und dann mitzuzählen: erster Halt ist die Lautstärke, zweiter Halt Start und Stopp und beim dritten Halt schaltet man den Kopfhörer an oder aus. Insgesamt ist die Bedienung simple und zweckmäßig.

Das gilt auch für die Begleit-App „Headphones“, die nur wenige Funktionen bietet. Vor allem werden die Funktionen „Listening Care“ und „Listening Optimizer“ aktiviert. Dabei handelt es sich um eine Soundanalyse der abgespielten Musik und der Umgebung nahezu in Echtzeit. Damit sollen zum Beispiel die Ohren vor zu hoher Lautstärke geschützt werden, gleichzeitig wird der Sound in der jeweils bestmöglichen und unverfälschten Version ausgespielt – selbst bei aktivierter Geräuschunterdrückung. Das ist auch der Grund, weshalb die App über keinen dezidierten EQ verfügt, denn laut Yamaha ist ein manueller Eingriff in die Soundqualität nicht nötig. Könnte man per App nicht zusätzlich die Firmware aktualisieren, wäre die Installation nicht notwendig.

Die YH-E700A haben mit ihren 40-mm-Treibern, Bluetooth 5 und den Codes SBC, AAC und aptX auf dem Papier alles an Bord, was man für einen guten Sound benötigt. Wie das in der Praxis klingt, zeigen ein paar Testtracks unserer Spotify-Playlist.

Los geht es mit „Hey Boy“ von Sia. Der Track startet mit einem lauten Ruf der Sängerin, der so unmittelbar ins Ohr geht, als säße Sia direkt vis-à-vis. Der Bass setzt ein und trägt richtig schön dick auf. Instrumentenfetzen flattern herum, ein Zirpen hier, ein Sample dort und immer wieder ein „Ohohoho“-Chorus der mal links, mal rechts auftaucht. Etwas zu viel für die Kopfhörer, die Verbindung der einzelnen Zutaten greift nicht, gleichzeitig versuppt der Sound etwas und bleibt blass. Die Bässe arbeiten zwar fleißig mit und bilden ein fettes Fundament, die Mitten und Höhen wissen dieses Soundplatteau aber nicht zu nutzen.

Beim Retrosound von Andra Day wird es gefälliger. „Tigress & Tweed“ beginnt mit ein paar Piano-Akkorden im Hintergrund, warm und weich legt sich die Stimme der Sängerin darüber, wenn sie „Say, say, say a prayer for me“ ins Mikrofon schmachtet. Die Hommage an Billie Holiday glückt, die musikalische Zeitreise entfaltet sich im Ohr und lässt dennoch Platz für einen modernen Sound. Der Bass zeigt sich in voller Breite, die Mitten klingen ein wenig belegt und eng, den Höhen fehlt das letzte Quäntchen, um den Sound optimal zu strukturieren. Ja, die Tiefen sind satt und voll, aber alles wirkt aufgrund ihrer Dominanz insgesamt etwas unausgewogen.

Aber lassen wir doch bei „No Son Of Mine“ von den Foo Fighters mal Gitarren sprechen. Die simplen Riffs starten auf im rechten Ohr, erreichen die Mitte, Dave Grohl krächzt die Titelzeile, ein Schlagzeug setzt ein, im Hintergrund gniedelt die Gitarre herum – und dann kracht es aus allen Poren. Ein Tohuwabohu ohne Nährstoffe, dem Sound gelingt es nur selten, sich zur vollen Größe zu entfalten. Der Bass wabert und wummert, die Mitten nutzen den Raum nicht und die Höhen haben keine besonderen Fähigkeiten. Rock dieser Art verlangt nicht viel, aber dennoch animieren die Kopfhörer nicht dazu, dass man die Luftgitarre auspacken möchte.

Beim Lounge- und Club-Sound zeigt sich dagegen die Stärke der E700A. „Drive“ von Black Coffee ist auf einen wuchtigen Bass angewiesen – und den stellen die Kopfhörer exzellent dar. Warm und gar nicht so aufdringlich lässt der Song den Gehörgang mit Teppich auskleiden. Sogar die Mitten zeigen hier eine erfreuliche Frische und nutzen den weiten Raum. Die Höhen sind nicht eindringlich genug, bieten aber genügend Klarheit, um den insgesamt recht dumpfen Klang-Charakter aufzulockern. Was dem Track an Originalität fehlt, spielt dem Kopfhörer in die Karten. Es zeigt sich, welches Genre wie gemacht ist für die Yamaha-Boliden: Es sind die Kopfnicker-Headphones für den Dancefloor-Sound. Musik, bei der es auf Wumms und nicht auf Feinheiten ankommt. Als hätten die Beats by Dre ein edles Gewand angezogen bekommen, malt der E700A Musik mit einem groben Pinsel in den Gehörgang. Es ist also nicht nur die äußere Größe, auch bei den inneren Werten ist Bescheidenheit offenbar ein Makel. Immer feste druff auf den Bass, damit das Trommelfell nicht mitbekommt, dass es im oberen Bereich, dort, wo die feinen Nuancen sitzen, etwas dünn aussieht. So, als würde man das Essen mit Maggie würzen. Aber Geschmäcker sind verschieden: Wer im Akustik-Bereich wenig Nuancen hört und es gerne überbetont mag, wird mit den Yamaha-Lautmalern garantiert glücklich.

Beim Noise Cancelling ist der Kopfhörer allerdings ein zurückhaltender Leisetreter. Viel mehr als die physische Abschirmung schafft das von Yamaha hoch gepriesene Advance Active Noise Cancelling nicht. Das gleichmäßige Kühlschrankbrummen bleibt deutlich hörbar, Straßenlärm rauscht weiterhin – wenn auch etwas leiser – in den Gehörgang. Das machen Wettbewerber für weniger Geld besser.

Bis zu 35 Stunden hält der nicht austauschbare Akku des Kopfhörers bei mittlerer Lautstärke durch – und das sogar mit eingeschaltetem ANC. Damit ist der Kopfhörer gut 5 Stunden ausdauernder als beispielsweise der Sony WH-1000XM4 (Testbericht). Für eine volle Ladung muss der E700A etwa dreieinhalb Stunden am Strom hängen.

Yamaha bietet seine ANC-Kopfhörer in Schwarz und in Weiß an. Der UVP des YH-E700A von Yahama liegt bei 359 Euro – der zum Testzeitpunkt aufgerufene Preis ist sogar noch höher. Eine stolze Summe für einen Kopfhörer in einem hart umkämpften Markt, der in dieser Preis-Range von Sony und Bose dominiert wird. Aus unserer Sicht hat Yamaha hier nicht nur beim Design zu dick aufgetragen.

Es reicht nicht, optisch aufzutrumpfen, um zu überzeugen. Auch wenn es für einige vielleicht eine Überraschung sein mag: Ein Kopfhörer sollte mehr sein, als ein modisches Statement. In dieser Preisklasse muss der Klang überzeugen. Schaut man nur auf den Bass, gelingt es auch, hier spielt der Kopfhörer in der Königsklasse. Allerdings ist Sound ein Teamspiel, auch die Mitten und Höhen müssen passen. Und hier ist der Bass zu dominant und nimmt Mitten und Höhen die Luft zum Atmen. Es wirkt häufig dumpf und eng. Das ist der Sound, den man bei halb so teuren Modellen erwartet. Schlecht klingt es zwar nicht, aber eben auch nicht hochwertig, rund und ausgewogen. Der Sound zielt auf den schnellen Effekt, hinterlässt aber keinen bleiben Eindruck. Vergleicht man Klang mit Kulinarik, dann wäre der Kopfhörer mehr guter Imbiss als ein Sterne-Restaurant.

Die Geräuschunterdrückung ist so unauffällig, dass man sie kaum wahrnimmt. Das liegt zum Teil auch am sehr guten physikalischen Abschirmungseffekt der Over-Ear-Kopfhörer. Der Kopfhörer sitzt trotz der Größe gut, nach einer Weile möchte man aber etwas Luft ans Ohr lassen. Dafür zieht das auffällige Design auf der Straße Blicke an wie ein Ed-Hardy-T-Shirt.

Würde der Kopfhörer unter 200 Euro kosten, hätten wir in deutlich besser bewertet. Doch so reicht es insgesamt nur für freundliche 3,5 Sterne. Für den aktuellen Preis würden wir definitiv zu einem anderen Modell wie unserem Testsieger Sony WH-1000XM4 (Testbericht) greifen. Selbst dessen günstigeres Vorgängermodell Sony WH-1000XM3 (Testbericht) für aktuell knapp 230 Euro liegt in Sachen Soundqualität vor den YH-E700A. Wer sich einen schnellen Überblick über die Top-Modelle verschaffen möchte, sollte sich unseren Artikel Testsieger: Diese Kopfhörer sind die Besten ihrer Klasse ansehen.

Übrigens: Alle Testtracks sind auf der Spotify-Playlist „In the name of the review“ zu finden.

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