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Xiaomi Redmi Note 9T
Pro und Contra
  • Bärenstarker Akku
  • Performanter Chipsatz
  • Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Kamera nicht gut genug und falsch bestückt
  • 4.5

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Das mittlerweile vierte Redmi-Note-9-Modell will mit 5G-Funk und günstigem Preis punkten. TechStage überprüft im Test, ob das gelingt.

Wenn man dem chinesischen Hersteller Xiaomi eines vorwerfen kann, dann ist es ein verwirrendes Produktportfolio mit teilweise fragwürdigen Namen und Technikabstufungen. Beim Redmi Note 9 (Testbericht) ist es klar, das Redmi Note 9 Pro (Testbericht) ist offensichtlich darüber einsortiert. Aber ist das auch das Topmodell der Reihe oder doch das neue T-Modell? Oder ist das gar das Redmi Note 9S mit seinem S wie Super das Spitzenmodell? Eindeutig geht anders, aber anstatt das neue Modell klar vom Rest der Reihe abzugrenzen und so eine eindeutige Einsortierung zu ermöglichen, bleiben mehr Fragen, als Antworten gegeben werden. Klar ist nur: So günstig wie im Xiaomi Redmi Note 9T gibt es 5G derzeit in kaum einem anderen Smartphone. Die gleichen Fragen stellen sich übrigens auch bei der Redmi-9-Reihe (ohne Note), darum haben wir hier (Ratgeber) eine Einordnung vorgenommen.

Gab es eine Zeit lang Glas und Aluminium in immer günstigeren Modellen, so hat Xiaomi diesen Weg inzwischen hinter sich gelassen. Das neue Xiaomi Redmi Note 9T besteht abgesehen vom Gorilla-Glas-5 der Front komplett aus Kunststoff. Die Rückseite ist fein geriffelt. Die so entstehende matte Oberfläche verhindert das Anhaften von Fingerabdrücken und ist griffiger als glatte Kunststoffrückseiten. Sonderlich hochwertig wirkt sie allerdings nicht, billig im negativen Sinn aber zum Glück ebenfalls nicht.

Etwas überraschend, weil untypisch für die Redmi-Note-9-Reihe, ist die Anordnung der Kameras. Im Gegensatz zum Rest der Reihe sind die drei Linsen und der LED-Blitz beim Redmi Note 9T nicht untereinander, sondern quadratisch angeordnet und kreisförmig eingefasst. Die Kameraeinheit steht minimal aus dem Gehäuse hervor, störend ist das aber nicht.

Die Rückseite ist an den Rändern gewölbt, so liegt das Smartphone angenehm in der Hand. Der Übergang vom Rahmen zur Rück- oder Vorderseite ist kaum zu spüren, vorn ist bestenfalls die ab Werk aufgebrachte Schutzfolie minimal scharfkantig. Die Ränder rings um das Display fallen insgesamt ausreichend schmal aus, viel besser geht es um 200 Euro aktuell nicht. Wie bei der Redmi-Note-9-Reihe gewohnt, steckt die Frontkamera in einer Punchhole-Notch oben links im Display. Die Verarbeitung ist gut, das Redmi Note 9T wirkt trotz (oder wegen?) der Verwendung von Kunststoff stabil und robust. Die Tasten auf der rechten Seite des Rahmens sind fest und wackelfrei eingepasst, ihre Bedienung funktioniert tadellos. Eine IP-Zertifizierung gegen Staub und Wasser gibt es nicht, Kunden können auf Wunsch auf eine im Lieferumfang befindliche transparente Schutzhülle zurückgreifen. So ausgestattet dürfte dann allerdings die magische Bautiefengrenze von 10 Millimetern durchbrochen werden.

Smartphone-Displays sind in den letzten Jahren immer besser geworden, aber auch Xiaomi verzichtet bei einem Smartphone für 230 Euro auf eine höhere Bildwiederholungsfrequenz als 60 Hertz. Immerhin gibt es Full-HD+ bei einer Diagonale von etwas mehr als 6,5 Zoll, was für eine Bildschärfe von fast 400 ppi (Pixel pro Zoll) sorgt. Das ist im Alltag absolut ausreichend und scharf genug.

Auch die Helligkeit überzeugt. Rund 430 cd/m2 reichen zumindest in Innenräumen für problemloses Ablesen von Inhalten, im Sonnenlicht kann das aber etwas schwierig werden – in dieser Preisklasse verschmerzbar. Ansonsten gibt es nichts zu meckern: Farbwiedergabe und Kontraste sind in Ordnung, die Blickwinkelstabilität ist gut. Der TÜV Rheinland bescheinigt dem Gerät außerdem einen besonders niedrigen Blaulicht-Anteil, was der Augenverträglichkeit zugutekommt.

Was haben chinesische Hersteller immer mit ihren Fake-Linsen? Auf dem Papier baut Xiaomi eine Triple-Cam in das Redmi Note 9T ein, wirklich sinnvoll nutzbar ist davon aber nur eine. Denn abgesehen von der Hauptlinse mit 48 Megapixel und f/1.79-Blende setzt Xiaomi auf Makro- und Tiefensensor mit je 2 Megapixel – das braucht in dieser Form kein Mensch! Immerhin setzt Xiaomi wenigstens den Tiefensensor besser als die Konkurrenz ein, das Freistellen von Motiven zur Platzierung von künstlichem Bokeh klappt für ein so günstiges Smartphone erstaunlich gut. Andere Hersteller schaffen das aber auch ohne Tiefensensor. Definitiv Unfug ist die Makrokamera. Einerseits dürften weit mehr Nutzer Weitwinkel- statt Makroaufnahmen nutzen wollen, andererseits ist die Qualität der Makroaufnahmen wegen der zu niedrigen Auflösung einfach zu schlecht. Dadurch fällt der fehlende Weitwinkel doppelt ins Gewicht.

Immerhin stimmt die Qualität der Aufnahmen mit der Hauptkamera – zumindest bei gutem Licht. Voreingestellt nutzt die Kamera Pixel Binning und verwendet entsprechend immer die Informationen aus vier Pixel für ein verbessertes Pixel. Die so entstehenden 12-Megapixel-Aufnahmen sind ausreichend scharf und Farben sowie Kontraste sehen zumindest bei aktivierter KI stimmig aus. Bei schwierigen Lichtsituationen – etwa bei Gegenlicht – schleicht sich schnell eine Art Dunstschleier ins Bild, der die ganze Szenerie seltsam gedämpft wiedergibt. Farben sehen dann matt aus und aus der Aufnahme eines Sommertags wird so schnell eine Herbststimmung. Generell ist die Bilddynamik nicht so ausgeprägt wie bei teureren Smartphones des Herstellers. Aufnahmen mit vollen 48 Megapixel lohnen sich unserer Meinung nach kaum. Der Schärfezuwachs ist vernachlässigbar, dafür steigt das sonst nur dezent sichtbare Bildrauschen stark und die Dateigröße wächst deutlich.

Bei schlechtem Licht macht sich Bildrauschen breit und die Schärfe sinkt – keine Überraschung in dieser Preisklasse. Leider hilft dann auch der Nachtmodus nicht viel weiter. Highlights sind wie bereits angedeutet die Portrait-Funktion und generell Aufnahmen mit starkem Unterschied der Tiefenebenen von Motiv und Hintergrund. Kaum ein anderer Hersteller schafft es so gut, den Vordergrund scharf und lebendig vom Hintergrund abzugrenzen und ihn in sämiges Bokeh zu tauchen. Das verleiht Xiaomi-Aufnahmen eine ganz eigene Ästhetik. Gut gefallen hat uns auch die Bildschärfe von Selfies mit der 13-Megapixel-Frontkamera. Leider sehen Hauttöne bisweilen seltsam beige aus, das ist dann wenig natürlich. Videos gibt es zwar in 4K, aber nur maximal mit 30 Bildern pro Sekunde. Eine nennenswerte Bildstabilisierung fehlt zudem, sodass 4K bestenfalls unbewegt auf einem Stativ gut aussieht. Insgesamt ist die Kamera im Redmi Note 9T eine echte Schönwetterkamera.

Der im Xiaomi Redmi Note 9T eingesetzte Mediatek Dimensity 800U leistet für die 200-Euro-Preisklasse erstaunlich viel. Der recht neue Chipsatz wird in 7 Nanometer gefertigt, was eine ordentliche Energieeffizienz verspricht. Seine acht Kerne sind auf bis zu 2,4 GHz getaktet und mit einer Mali-G57-GPU kombiniert. Wie schon im Realme 7 5G (Testbericht) erweist sich der Chip im Alltag als zuverlässig und flott. Beim Redmi Note 9T kommt er in Verbindung mit 4 GByte RAM, das reicht in den meisten Alltagssituationen für flüssige Wiedergabe. An Grenzen kommt das Gerät erst bei sehr intensivem Multitasking oder besonders anfordernden 3D-Games.

Davon abgesehen dürften die meisten Nutzer mit der Performance zufrieden sein. Im PCmark Work 2.0 kommt das 9T auf rund 8800 Punkte und liegt damit knapp vor dem Redmi 9 Pro (Testbericht) - auch wegen der guten Grafikleistung. Auch vor dem Benchmark der 200-Euro-Klasse, dem Konkurrenten Poco X3 NFC (Testbericht), liegt das Redmi Note 9T. Starke Leistung - wortwörtlich.

Ansonsten bietet das Mittelklasse-Smartphone überwiegend das, was man für den aufgerufenen Preis erwarten darf. Highlight ist der moderne Datenstandard 5G mit allen wichtigen Frequenzen, der sogar doppelt vertreten ist. Denn das Redmi Note 9T verfügt über zwei SIM-Steckplätze, die beide 5G unterstützen - eine Seltenheit. Darüber hinaus schluckt das Modell zusätzlich Micro-SD-Karten, die den internen Speicher von je nach Version 64 oder 128 GByte erweitern. Des Weiteren gibt es WLAN ac, Bluetooth 5.1, einen 3,5-Millimeter-Anschluss für herkömmliche Headsets (im Lieferumfang gibt es keins), den Xiaomi-typischen IR-Blaster zum Steuern anderer Geräte wie Fernseher und Hifi-Anlage und sogar NFC. Außerdem baut Xiaomi Stereolautsprecher in das Gerät ein, die erfreulich kräftig klingen. Der Fingerabdrucksensor im Powerbutton funktioniert schnell und zuverlässig.

Über Android 10 liegt die Hersteller-eigene Nutzeroberfläche MIUI 12, die einige Änderungen am Ursprungs-Android vornimmt. Neben eigenen Cloud-Diensten gibt es unter anderem inzwischen auch einen App-Drawer, der auf Wunsch aktiviert werden darf. Leider scheint sich Xiaomi das Redmi Note 9T von Herstellern von Drittanbieter-Apps finanzieren zu lassen. So findet man zahlreiche Zusatz-Apps vorinstalliert, darunter mehrere Spiele. Immerhin können Nutzer diese bei Bedarf restlos entfernen. Topaktuell war bei unserem Testgerät der Sicherheits-Patch, er stammte von Februar 2020. Das macht Xiaomi eigentlich immer gut.

Preis-Leistung ist bei vielen Xiaomi-Smartphones ein Hauptaugenmerk, ein anderes ist Akkulaufzeit. Nicht ohne Grund landen in unserer Top 10 der Smartphones mit der besten Akkulaufzeit (Artikel) gleich vier Geräte von Xiaomi unter den ersten fünf Geräten. Sobald der Artikel ein Update erfährt, wird wohl das Xiaomi Redmi Note 9T den bisherigen Spitzenreiter verdrängen, denn mit stolzen 16,5 Stunden im Battery Test von PCmark setzt sich das Testgerät an die Spitze des Feldes – grandios! Wer es hier schafft, die durchschnittliche Nutzungsdauer unter zwei Tage zu drücken, muss Smartphone-süchtig oder Mobile-Gamer sein.

Neben der schieren Akkuleistung von 5000 mAh dürften der sparsame Chipsatz und gute Software-Optimierung Grund für das hervorragende Abschneiden des 9T sein. Bei der Ladezeit kann das Gerät leider nicht ganz mithalten: Zwar liegt ein Ladegerät mit 22,5 Watt im Lieferkarton, das Smartphone lädt aber nur mit maximal 18 Watt. Damit benötigt das Gerät für eine volle Ladung knapp 2 Stunden. Kabellos klappt das in der Preisklasse natürlich nicht.

Das Xiaomi Redmi Note 9T gibt es in den Farben Schwarz und Lila. Zudem besteht die Wahl zwischen 64 oder 128 GByte internem Speicher, der Arbeitsspeicher bleibt gleich. Das Smartphone kostet in der UVP ab knapp 230 Euro.

Machen wir es kurz: Das Xiaomi Redmi Note 9T ist ein tolles Smartphone mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Highlight ist die extrem gute Akkulaufzeit, für die teilweise auch der moderne Chipsatz des Smartphones verantwortlich ist. Der liefert gleichzeitig auch noch stramme Performance fürs Geld – klasse. Speicher und sonstige technische Ausstattung sind ordentlich, vor allem 5G fällt hier auf. Bei der Kamera spart der Hersteller zu sehr, wenigstens ein Weitwinkel anstelle des leidigen 2-Megapixel-Makro-Sensors wäre hier Pflicht gewesen. Ansonsten gibt es nur ein Problem: Das undurchsichtige Produktportfolio von Xiaomi. Wie soll ich mir als Interessent ruhigen Gewissens ein Smartphone des Herstellers kaufen, wenn ich Angst haben muss, dass in wenigen Wochen das nächste Modell mit minimal unterschiedlicher Ausstattung auf den Markt kommt? Und wie soll ich durchblicken, welches Modell wie positioniert und von anderen Modellen differenziert ist? Xiaomi: Manchmal ist weniger einfach mehr!

Wer unbedingt 5G haben will, sollte sich alternativ das ähnlich teure Oppo A73 5G (Testbericht) mit 90-Hz-Display anschauen. Ansonsten lohnt ein Blick auf die Konkurrenz aus eigenem Hause, nämlich das Poco X3 NFC (Testbericht). Für nicht einmal 60 Euro mehr gibt es aber auch schon Modelle wie das Realme X50 5G (Testbericht), das nicht nur bei der Kamera mehr zu bieten hat und ebenfalls 5G beherrscht. Hier lohnt auch ein Blick auf das Xiaomi Mi 10T Lite (Testbericht).

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