Xiaomi Poco X4 Pro im Test: Das beste Display unter 300 Euro?

Xiaomi Poco X4 Pro
Pro und Contra
  • super OLED-Display
  • strammer und schnell ladender Akku
  • gute Hauptkamera
  • schwächere Leistung als in Vorgänger
  • 4.5

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Poco X3 und X3 Pro mischten im vergangenen Jahr die Mittelklasse mit viel Leistung ordentlich auf. Das neue X4 Pro soll an den Erfolg anknüpfen, setzt aber andere Prioritäten.

2021 brachte Xiaomi Poco X3 NFC (Testbericht) und Poco X3 Pro (Testbericht) auf den Markt. Beide Modelle begeisterten mit viel Technik und Power für wenig Geld. Beim neuen Xiaomi Poco X4 Pro erwartet die Fanbase ähnliche herausragende Leistung, doch der Hersteller hat offenbar andere Pläne. So setzt er nun auf OLED statt LCD, baut eine riesige 108-Megapixel-Kamera ein und bietet 5G. Bei der Leistung gibt es allerdings einen Rückschritt. Außerdem gibt es starke Ähnlichkeiten zum Xiaomi Redmi Note 11 Pro 5G. Passt das Gesamtpaket trotzdem noch?

Das Xiaomi Poco X4 Pro ist weder klein noch grazil. 164 x 76 x 8,3 Millimeter sowie 205 Gramm Gewicht sind allein schon nicht unbedingt handlich, in Kombination mit dem kantigen Design des neuen Modells fällt die Klotzigkeit des Gerätes aber noch mehr auf. Und noch etwas kommt hinzu, warum wir anfangs etwas enttäuscht waren: Das X3 Pro wirkt in der Hand mit seinem eckigen Kunststoffrahmen irgendwie deutlich weniger hochwertig, als es auf den ersten Blick aussieht. Je nach Geschmack geht das Smartphone als abwechslungsreich und schick oder einfach als klobig durch.

Die Rückseite besteht aus Glas und wird von einer riesigen Kameraeinheit dominiert, die fast den kompletten oberen Bereich einnimmt und etwa 1,5 Millimeter aus dem Gehäuse vorsteht. Sie beinhaltet diverse Linsen und silberne Schriftzüge. Die Hauptlinse steht noch einmal rund 1,5 Millimeter vor, das ist schon sehr dominant. Die Glasoberfläche zieht Fingerabdrücke stark an. Wenn sie sauber ist, zeigt sie aber sehr schicke Lichtreflexe, die wie Laserstrahlen über die Rückseite wandern. Vorn profitiert das Smartphone von recht schmalen Rahmen rings um den großen Screen, der mittig oben ein Punchhole für die Frontkamera aufweist. Unten ist der Rahmen am breitesten, insgesamt wirkt das aber alles ziemlich hochwertig. Den klotzigen Eindruck kann aber auch die moderne Front nicht wettmachen. Selbst die gute Verarbeitung kann uns nicht über das extrovertierte „Poco-Design“ hinwegtrösten, immerhin gibt es eine IP53-Zertifizierung.

Knapp 6,7 Zoll misst das von Gorilla Glas 5 geschützte Display des Xiaomi Poco X4 Pro in der Diagonale. Neu ist die Technik: Im Gegensatz zum Vorgänger setzt der Hersteller nicht mehr auf IPS-LCD, sondern OLED. Bemerkenswert, dass die 120 Hz Bildwiederholungsrate übernommen wurden – trotz des niedrigen Verkaufspreises. Die Auflösung beträgt 2400 x 1080 Pixel, das resultiert in knapp 400 ppi (Pixel pro Zoll) und sorgt für scharfe Darstellung - alles also wie beim Redmi Note 11 Pro.

Selbst bei der Helligkeit spart Xiaomi nicht: Im manuellen Modus reicht die bis fast 470 cd/m², der Automatikmodus schafft bei direkter Sonneneinstrahlung sogar fast 800 Candela. Das kommt natürlich nicht ganz an Spitzenmodelle wie das 5x teurere Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) heran, ist aber in der Mittelklasse richtig gut. Die restlichen Kriterien wie Kontrast, Schwarzwert und Farbdarstellung sind ebenso wie die Blickwinkelstabilität hervorragend in dieser Preisklasse. Schade ist allerdings, dass Poco, kein vollwertiges Always-on-Display integriert. Mehr als eine 10-sekündige Einblendung von Grunddaten wie Uhrzeit, Datum und Akkustand sowie verpassten Nachrichten geht nicht. Eingehende Nachrichten werden nur als kurze Animation und anschließend als Icons kenntlich gemacht, lassen sich aber nicht lesen.

Das Display teilt sich das Poco X4 Pro also mit dem Redmi 11 Pro, auch die Kamera findet doppelte Verwendung. Im Detail sind das eine Hauptkamera mit 108 Megapixel und einer Blende von f/1.8 sowie eine Weitwinkelkamera mit 8 Megapixel und f/2.2. Wieder einmal komplettiert Xiaomi diese brauchbare Kombination mit einem überflüssigen Makrosensor mir nur 2 Megapixel.

Bei Tageslicht können sich die Ergebnisse der Hauptkamera wirklich sehen lassen. Details und Bildschärfe der Aufnahmen sind für die Preisklasse vorbildlich, die Bilddynamik ist ebenfalls ordentlich. Farben sind im Vergleich zum Vorgängermodell natürlicher – zumindest, solange man die AI-Funktion nicht hinzuschaltet. Dann entstehen teils bilddynamisch noch bessere Bilder, die allerdings auch schnell übersättigt wirken. Bildrauschen ist bei gutem Licht kein Thema. Das ändert sich schnell bei abnehmendem Licht. Dann tritt es zunehmend auf und die Bildschärfe geht etwas zurück. Für die Mittelklasse ist die Qualität aber noch recht zufriedenstellend. Das gilt erst recht für Nachtaufnahmen. Xiaomi belässt dunkle Bildbereiche beim X4 Pro erstaunlich dunkel, verzichtet also auf übertriebene Aufhellung. Das macht Nachtaufnahmen deutlich natürlicher als bei älteren Modellen. Im Gegenzug gehen in dunklen Bildbereichen Details schneller verloren. Farbwiedergabe und Weißabgleich gefallen uns dafür überraschend gut. Für unseren Geschmack geht die Entwicklung in die richtige Richtung.

Der Weitwinkel kann da nicht mithalten. Er nimmt Aufnahmen häufig in wärmeren Farben als die Hauptkamera auf, kommt nicht an deren Schärfe heran und zeigt an den Rändern Verzeichnung und stärkeres Bildrauschen. Bei gutem Licht reicht die Qualität trotzdem aus. Bei abnehmendem Licht wird der Weitwinkel hingegen schnell unbrauchbar. Das gilt für die Makrolinse erst recht – hier sogar unabhängig vom Licht. Wann werden Hersteller auf diese Art der Datenblatt-Manipulation endlich verzichten, nur um mit einer dritten Kameralinse prahlen zu können?

Die Selfiecam knipst Fotos mit 16 Megapixel und ist bestenfalls Durchschnitt. Für gelegentliche Aufnahmen bei moderaten Lichtverhältnissen reicht sie, insgesamt mangelt es aber etwas an Schärfe und Bilddynamik. Helle Hintergründe brennen schnell aus. Videos sind insgesamt eher enttäuschend, denn im Gegensatz zu den Vorgängern schafft das Poco X4 Pro maximal 1080p/30 – das ist im Jahr 2022 einfach zu wenig. Die Bildstabilisierung geht in Ordnung, dennoch sollten Filmer besser eine ruhige Hand haben oder gleich ein anderes Smartphone wählen.

Beim Antrieb gibt es erneut deutliche Parallelen zum Redmi Note 11 Pro, so kommt in beiden Modellen der recht neue Snapdragon 695 von Qualcomm zum Einsatz. Er bringt zwei Performance-Kerne mit bis zu 2,2 GHz Taktrate und sechs Stromsparkerne mit bis zu 1,6 GHz mit und wird im 6-Nanometer-Verfahren gefertigt. Die größte Krux: Der Snapdragon 860 aus dem direkten Vorgängermodell Poco X3 Pro (Testbericht) ist deutlich stärker – kein Wunder, handelte es sich dabei doch um ein 5G-Modem beschnittenen Spitzenchip aus 2020. 5G beherrscht der neuere Snapdragon 695, bei Benchmarks hat er aber deutlich das Nachsehen. So kommt er in PCmark Work 3.0 auf 10.700 statt 11.500 Punkte und bei 3Dmark Wildlife sind es 1200 statt 3500 Punkte. Vor allem die Grafikleistung scheint hier klar schwächer zu sein - für einen Nachfolger erscheint das zunächst ernüchternd.

Im Alltag ist davon allerdings kaum etwas zu merken. Apps laufen für gewöhnlich flüssig, die Navigation durch Menüs und auf den Homescreens ist es ebenfalls – nicht zuletzt auch wegen der 120 Hz des Displays. Selbst Ladezeiten gestalten sich insgesamt ausreichend schnell, obwohl das neue Modell einen Rückschritt auf UFS 2.2 macht. Selbst bei den meisten Spielen gibt es keinen Grund zur Beanstandung, nur sehr anfordernde 3D-Games machen die im Vergleich zum X3 Pro klar geringere Grafikleistung deutlich. Hier muss die Grafik reduziert werden und es kann vorkommen, dass selbst dann immer mal wieder Ruckler eingestreut werden. Für Hard-Core-Gamer ist das X4 Pro nichts, Gelegenheitsspieler werden hingegen glücklich.

Bis zu 8/256 GByte Speicher gibt es beim Poco X4 Pro, das ist eine ganze Menge. Unter 300 Euro kostet bei Artikelentstehung aber nur die Version mit 6/128 GByte. Der interne Speicher darf per Micro-SD-Karte erweitert werden, dann entfällt aber die Verwendung einer zweiten SIM-Karte. Der Fingerabdrucksensor im seitlich angebrachten Power-Button arbeitet sehr schnell und zuverlässig. Gut gefallen hat uns der Sound der Stereolautsprecher, er ist für die Preisklasse um 300 Euro voll und laut. Weitere Ausstattung lässt sich bequem der Tabelle entnehmen.

Bei der Software setzt Xiaomi beim Poco X4 Pro auf MIUI 13, das noch auf Android 11 basiert. Versprochen sind aber wieder zwei Android-Updates und drei Jahre Sicherheits-Updates. Ob der angekündigte, „zeitnahe“ Schritt auf Android 13 in dieser Zählung inkludiert ist, ist aktuell unbekannt. Die Oberfläche an sich ist nach kurzer Umgewöhnung weitestgehend eingängig und einfach zu bedienen und bietet einige Zusatzfunktionen. Uns stört allerdings die starke Verwendung von Bloatware. Neben den zahlreichen Mi-Diensten sind das vor allem Apps wie der Opera-Browser, diverse Spiele, Tiktok, Facebook, Amazon Music, Booking.com und noch einiges mehr. Je nach Zählart kommt man auch ohne die Mi-Dienste auf über 20 Zusatz-Apps! Der Sicherheits-Patch auf unserem Testgerät stammte noch aus Januar 2022, auch das ist nicht ganz optimal.

Erfreulicher ist da ein Blick auf den Akku. Der leistet 5000 mAh und damit etwas weniger als im Vorgänger, sorgt aber für problemloses Überdauern von 2 Tagen ohne Nachladen. Der Battery Test von PCmark bestätigt unseren guten Eindruck. Hier erreichte das Gerät mit aktivierten 120 Hz gute 11,5 Stunden, mit 60 Hz steigt die Laufzeit noch einmal um fast 3 Stunden. Damit ist die Laufzeit trotz minimal schwächerem Akku besser als im Vorgänger, Grund dürfte hier OLED als Display-Technologie sowie der modernere Chipsatz sein. Fortschritt gibt es auch bei der Ladegeschwindigkeit: Statt 33 Watt liegt jetzt ein Ladegerät mit 67 Watt im Lieferumfang. Das reduziert die Ladezeit von etwas über einer Stunde auf knapp unter 45 Minuten.

Das Xiaomi Poco X4 Pro gibt es in Laser Black, Laser Blue und Poco Yellow. Zudem besteht die Wahl zwischen den Speichervarianten 6/128 und 8/256 GByte. Die UVPs liegen bei knapp 300 und 350 Euro. Günstig ist das Poco X4 Pro derzeit bei Goboo. Die Ausführung mit 6/128 GByte kostet dort 279 Euro, mit 8/256 GByte liegt der Preis bei 329 Euro. Der Versand erfolgt kostenlos aus Deutschland oder Spanien.

Wer das Display seines Poco X4 Pro mit einer Schutzfolie oder einem Panzerglas schützen möchte, dem empfehlen wir einen Blick in unseren Artikel zum Displayschutz fürs Poco X4 Pro.

Modelle wie der direkte Vorgänger Poco X3 Pro (Testbericht) oder das Poco F3 (Testbericht) machten es leicht, von ihnen begeistert zu sein. Denn sie waren insgesamt klasse und brachten für ihren jeweiligen Preis geradezu brachiale Leistung mit. Dieses Alleinstellungsmerkmal nimmt Xiaomi dem Poco X4 Pro.

Das sorgt nicht nur in Benchmarks für niedrigere Ergebnisse, sondern auch an anderen Stellen für Nachteile. So erscheint eine maximale Videoauflösung von 1080p/30 im Jahr 2022 nicht mehr angemessen und für Hard-Core-Gamer ist das neue Modell auch nichts mehr. Gefühlt wiegen diese Rückschritte schwer – einfach, weil ein Nachfolger keine Rückschritte machen sollte.

Im Alltag ist die reine Leistung des X4 Pro hingegen absolut ausreichend und hier machen sich die Fortschritte für den Großteil an Interessenten vermutlich stärker bemerkbar. Dazu gehört das tolle OLED-Display, das zu den besten in der Preisklasse unter 300 Euro gehört, 5G ist jetzt an Bord und der Akku ist sowohl stärker als auch schneller geladen als beim X3 Pro. Unterschiede zum Xiaomi Redmi Note 11 Pro 5G liegen ausschließlich im Design – auch wenn uns das beim Poco-Modell nicht gefällt, wollen wir es an dieser Stelle außen vor lassen.

Alternativen sind je nach Vorliebe Modelle wie ein Samsung Galaxy S52s, dessen wichtigster Unterschied zum A52 (Testbericht) ein etwas schnellerer Chipsatz ist, Realme GT Master Edition (Testbericht) oder die eingangs erwähnten Poco-Modelle. Weitere passende Modelle zeigen wir in unseren Bestenlisten bis 300 Euro und bis 400 Euro.

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