Xiaomi Poco X4 GT im Test: Schnell, günstig, gut

Xiaomi Poco X4 GT
Pro und Contra
  • sehr schnell
  • gutes Display
  • ordentliche Akkuausdauer
  • günstig
  • Kamera nur Mittelmaß
  • "Plastikbomber"
  • 4.5

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144 Hz, Spitzenchip und 360 Euro – das ist typisch Xiaomi mit dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis seiner Poco-Tochter. Das neue Poco X4 GT verspricht viel – hält es das auch?

Xiaomi bietet mit vielen Smartphones tolle Pakete aus guter Hardware und vergleichsweise niedrigem Preis an, bei seinen Poco-Phones ist das besonders der Fall. Mit seinen neuen Modellen wie dem Poco X4 GT soll das nicht anders sein, im Gegenteil. Der Hersteller verspricht „pure Geschwindigkeit“ dank eines "Flaggschiff-Chipsatzes", ein 144-Hz-Display, schnelles Laden und eine „hochauflösende“ Dreifachkamera. Reicht das, um dem Ruf des tollen Preis-Leistungs-Verhältnisses seiner Phones gerecht zu werden?

Beim Thema Design gibt es Licht und Schatten – wobei das Licht heller strahlt und je nach persönlichem Geschmack die Schatten auslöschen dürfte. Denn „Schatten“ bezieht sich in erster Linie auf das verwendete Material: Das Poco X4 GT ist ein echter Plastikbomber mit Kunststoff für Rahmen, Bedienknöpfe und Rückseite. Das wirkt zwar nicht gerade übermäßig hochwertig, vor allem, wenn man auf die Rückseite klopft. Dafür bietet das an anderer Stelle Vorteile: Fingerabdrücke sind auf dem Material dank der matten, samtigen Oberfläche nicht zu sehen, brechen oder splittern wird hier normalerweise im Falle des Falles auch nichts. Kratzer fürchten wir hier tatsächlich weniger als bei Glas und falls es doch welche gibt, dann fühlt sich das einfach nicht so schlimm wie bei hochwertigen Materialien an.

Die Verarbeitung ist hingegen vorbildlich. Nichts quietscht oder knarzt, unregelmäßige Spaltmaße gibt es auch nicht. Dank der fließenden Übergänge von Rückseite zur Glasfront des Displays liegt das Smartphone trotz ausladender Maße von 164 × 75,5 × 8,9 Millimeter und satten 200 Gramm Gewicht ausreichend angenehm in der Hand. Etwas unschön sind hingehend die beiden deutlich aus dem Gehäuse hervorstehenden Kameralinsen auf der Rückseite. Dadurch kippelt das Gerät bei Bedienung auf einem Tisch liegend ständig und beim Einschieben in die Hosentasche bleibt man bisweilen an den Linsen hängen. Dafür protzt Poco hier nicht mit aufdringlichem Bling-Bling, sondern präsentiert eine zurückhaltende, schlichte Rückseite. Selbst die Kamera kommt ohne Werbeaufdrucke aus, lediglich ein 64MP-Schriftzug ist dort zu finden. Die Front wirkt dank relativ schmaler Ränder und Punchhole-Notch ausreichend modern, nur oben und vor allem unter dem Display wird der Rand dann doch recht breit.

Beim Display setzt Poco auf ein 6,6 Zoll großes IPS-LCD – wie, kein OLED? Tatsächlich nein, dafür bietet das Poco X4 GT satte 144 Hz bei 2460 × 1080 Pixel und damit ein richtig gutes Bild. Gemeint ist damit nicht nur die Bildschärfe, die bei ordentlichen 407 Pixel pro Zoll (ppi) liegt, sondern auch Kontraste, Farbtreue und Weißabgleich sind in Ordnung. Hier bietet das Modell außerdem viele Einstellungsmöglichkeiten, um den Screen an eigene Vorlieben anpassen zu können.

Bei der Helligkeit kommt das Smartphone mit maximal 580 cd/m² zwar nicht an teurere Modelle mit OLED-Technik heran, schlägt sich im Alltag aber gut. Positiv ist auch die dynamische Anpassung der Bildwiederholungsfrequenz, die abhängig von dargestellten Inhalten die Frequenz in festen Schritten auf 30, 48, 50, 60, 90, 120 und 144 Hz regelt. Das spart Energie und sorgt ansonsten für wunderbar flüssige Wiedergabe von bewegten Inhalten. Nur auf ein Always-on-Display müssen Interessenten beim X4 GT leider verzichten. Die Frage, ob 144 Hz sinnvoll sind, können wir ebenfalls nicht beantworten. Ein Unterschied von 120 zu 144 Hz fällt uns allerdings nicht wirklich auf, daher lautet die Antwort auf diese Frage vermutlich eher „nein“.

Die Kamera des Xiaomi Poco X4 GT stand bei der Entwicklung des Smartphones offenbar nicht im Fokus, echte Highlight bietet sie nicht. Der Hersteller setzt nominell auf eine Triplecam bestehend aus Haupt- und Weitwinkelkamera von Samsung mit 64 und 8 Megapixel, hinzu kommt eine überflüssige Makrokamera mit 2 Megapixel. Einen optischen Bildstabilisator gibt es nicht und auch die restlichen Werte der Kameras entlocken Datenblattfetischisten keine Begeisterungsstürme.

Im Alltag stört das zumindest bei gutem Licht im Freien nicht, denn hier liefert die Hauptkamera ausreichend scharfe und kontrastreiche Bilder. Farben werden kräftig, aber überwiegend natürlich in den Speicher gebannt, wer es bunter mag, sollte die AI-Funktionen in der Kamera-App aktivieren. Die Bilddynamik geht ebenfalls in Ordnung und Bildrauschen ist tagsüber kein Thema. Bei schlechtem Licht merkt man der Kamera hingegen ihre Mittelklasse-Fototechnik deutlich an. Aufnahmen werden wesentlich weniger scharf, Kontraste nehmen ab und Bildrauschen zu. Hier liegt die Hauptkamera trotz des vergleichsweise alten Sensors dennoch auf dem Niveau der ähnlich teuren Konkurrenz, was für gute Software spricht. Hilfreich ist dann der Nachtmodus, der noch einiges aus den Aufnahmen herausholt. Die generelle Beurteilung trifft – wenn auch insgesamt auf einem niedrigeren Niveau – auch auf die Weitwinkelkamera zu. Bei Tageslicht sind die Bilder damit zumindest bei eher nahen Objekten halbwegs in Ordnung, bei schlechtem Licht hilft dann aber auch der Nachtmodus nicht mehr.

Auch bei Videoaufnahmen brilliert das Poco X4 GT nicht, sondern bleibt sogar hinter dem in dieser Preisklasse gebotenen Standard zurück. Maximal 4K/30 ist als Auflösung möglich, eine vernünftige Bildstabilisierung fehlt dann zudem und wegen der niedrigen Bildanzahl sind Schwenks immer unscharf. Beides lässt sich mit 1080p/60-Aufnahmen beheben, dann sinkt allerdings die generelle Bildschärfe – schade. Immerhin ist der Sound gewohnt gut.

Im Xiaomi Poco X4 GT steckt entgegen vielen Konkurrenten kein Snapdragon-Chip von Qualcomm, sondern ein Mediatek-Pendant. Poco setzt auf den Dimensity 8100, der im 5-Nanometer-Verfahren hergestellt wird und daher nicht nur leistungsstark, sondern auch energieeffizient sein soll. Er setzt auf 4x ARM Cortex A78 mit bis zu 2,85 GHz und 4x ARM Cortex A55 mit bis zu 2 GHz für weniger rechenintensive Aufgaben. Als Grafikeinheit kommt eine Mali G610 MC6 zum Einsatz. Mediatek verspricht im Vergleich zu Vorgängerchips 25 Prozent mehr Energieeffizienz der CPUs sowie 42 Prozent effizientere GPUs, außerdem soll die AI-Leistung um satte 275 Prozent gestiegen sein. Die Leistung kann sich in der Tat sehen lassen: Zusammen mit 8 GByte RAM liefert das Poco X4 GT fast Leistung auf Flaggship-Niveau – und das für etwa 360 Euro!

Bei PCmark Work 3.0 erreicht das Modell gute 12.600 Punkte, in 3Dmark Wild Life sind es knapp 6000 Punkte – Konkurrenzmodelle wie ein auch nicht langsames Oneplus Nord 2 (Testbericht) oder ein Samsung Galaxy A52 (Testbericht) kommen da ganz klar nicht mit, selbst das ebenfalls enorm schnelle Realme GT Neo 3 (Testbericht) wird abgehängt – das ist extrem! Bei der restlichen Ausstattung gibt sich Poco auch keine Blöße und beschert dem X4 GT schnellen internen UFS-3.1-Speicher mit 128 oder 256 GByte Kapazität, den neuesten Bluetooth-Standard 5.3, Wifi-6, NFC und den Xiaomi-typischen IR-Sender. Sound wird über Stereo-Lautsprecher ausgegeben, die laut und kräftig klingen. Per Dolby Atmos darf nachjustiert werden. Der Fingerabdrucksensor im Powerbutton reagiert schnell und direkt – kein Wunder bei dem leistungsstarken Chipsatz.

Auch bei der Software gibt es nichts zu meckern – sofern man mit Launchern von Drittanbietern statt Vanilla-Android keine Probleme hat. Als Nutzeroberfläche setzt Xiaomi beim X4 GT auf MIUI for Poco, das mit dem inoffiziellen Versprechen kommt, zwei weitere Android- und drei weitere MIUI-Versionen als Update zur Verfügung zu stellen. Bedeutet im Fall von Android: Ab Werk ist Android 12 installiert, Android 13 und 14 werden also wohl in Zukunft nachgereicht. Bis dahin sollte jeder mit dem Gebotenen klarkommen, das stark an MIUI auf den Smartphones der Konzernmutter erinnert, aber mit kleinen Änderungen wie dem „Zwang“ zum App Drawer daherkommt.

Am nervigsten empfinden wir die Werbung, die teilweise geradezu unverschämt frech den Nutzer unterbricht. Wer etwa den Klingelton wechseln will, wird beim Anhören eines neuen Sounds knallhart von einem Werbefenster unterbrochen. Seltsam, dass es dagegen noch keinen Shitstorm gab, wo die im Internet doch so schnell für weit weniger aufkommen…

Der Akku des Poco X4 GT leistet 5080 mAh und damit so viel wie die meisten Smartphones heute. Die Ausdauer des Modells ist hingegen höher als beim Durchschnitt, was wohl auch ein Verdienst des modernen Chipsatzes sein dürfte. Im Battery Test von PCmark schaffte das Gerät 11 Stunden bei 200 Candela von 80 bis 20 Prozent Akku – das ist ein guter Wert im oberen Drittel, zumal das Gerät dabei im Automatikmodus ausschließlich auf 120 Hz gestellt blieb. Gut 1,5 Stunden mehr sind sogar bei fest eingestellten 90 Hz drin – der sichtbare Unterschied der niedrigeren Bildwiederholungsfrequenz ist dabei kaum vorhanden, ähnlich wie von 120 zu 144 Hz. Im Alltag sollte damit niemand Probleme haben, auf zwei Tage Laufzeit zu kommen.

Komfortfunktionen wie kabelloses Laden gibt es in dieser Preisklasse wenig überraschend nicht. Dafür sorgt das mitgelieferte Ladegerät mit 67 Watt für ein schnelles Aufladen des Smartphones: Nur rund 45 Minuten vergehen, bis der Akku wieder voll ist.

Das Xiaomi Poco X4 GT gibt es in Schwarz, Silber und Blau, außerdem mit 128 und 256 GByte Speicher. Wegen des geringen Aufpreises von wenigen Euro zum Zeitpunkt der Testbericht-Veröffentlichung raten wir zum „großen“ Modell.

OLED gibt es beim Display des Poco X4 GT zwar nicht, dafür aber 144 Hz und generell gute Qualität. Der Dimensity-Chipsatz des Smartphones kommt nicht ganz an einen Snapdragon 8 Gen 1 heran, ist aber nicht weit davon entfernt und profitiert zudem von besserem Heatmanagement. Zudem ist der Mediatek-Chip energieeffizient, was sich in einer ziemlich guten Akkulaufzeit des Poco X4 GT ausdrückt. Ausreichend schick ist das Smartphone trotz der ausschließlichen Verwendung von Kunststoff obendrein und die restliche Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen – und das zum Preis von unter 400 Euro. Wer nicht gerade eine Highend-Kamera erwartet, darf hier bedenkenlos zugreifen.

Alternativen finden sich in unseren regelmäßig aktualisierten Top 10 der besten Smartphones bis 300 Euro, bis 400 Euro und bis 500 Euro.

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