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Xiaomi-Poco-X3-Pro-TEASER
Pro und Contra
  • 120-Hz-Display
  • Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Unglaubliche Power für den Preis
  • Kamera schlechter als im im X3 NFC
  • 4.5

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Das Poco X3 NFC war im vergangenen Jahr der Geheimtipp in der 200-Euro-Klasse, jetzt bringt der Hersteller den Nachfolger. Das X3 Pro punktet vor allem bei der Geschwindigkeit, doch das ist nicht alles.

Mit dem Xiaomi Poco X3 NFC (Testbericht) räumte das Unternehmen hierzulande richtig ab. Denn die Kombination aus niedrigem Preis und erschreckend guter Technik sorgte dafür, dass das Smartphone mehrmals in unseren Bestenlisten der Smartphones bis 300 und später auch bis 200 Euro auftauchte. Inzwischen gibt es für das Geld aber Besseres und Xiaomis Tochter Poco will entsprechend mit dem neuen Poco X3 Pro nachlegen. Das bietet vor allem noch mehr Prozessorleistung, behält die Tugenden wie das 120-Hertz-Display des Vorgängers und will auch sonst an alte Erfolge anknüpfen. Ob das gelingt, klärt der Test.

Beim Auspacken des neuen Xiaomi Poco X3 Pro kann man schon ins Stirnrunzeln kommen: Ist das wirklich das neue Modell oder doch das Poco X3 NFC (Testbericht) in der falschen Verpackung? Denn äußerlich ähneln sich die Geräte fast bis ins Detail. So ist die Rückseite erneut mit dem zweigeteilten Design versehen, das uns schon beim Vorgänger gut gefallen hat. Zwei matte Streifen an den Seiten sowie ein glänzendes Band in Kamerabreite mit der Gravur "Poco" zieren die Rückseite des Smartphones. Im Gegensatz zum X3 NFC ist der Schriftzug nicht ausgefüllt, die Buchstaben bestehen nur aus Außenlinien, die aber glänzen. Die Kamera ist wieder mittig in einen farblich abgesetzten Kreis platziert, das eigentliche Modul ist hingegen oben und unten abgeflacht und steht rund 2 Millimeter aus dem Gehäuse hervor.

Auch der Rest ist gleich: Die Maße sind mit 165 x 77 x 9,4 Millimeter identisch, ebenso das Gewicht von satten 215 Gramm. Damit ist auch der Nachfolger – oder doch eher das Schwestermodell – genauso übergewichtig, geschadet hat es dem X3 NFC aber nicht. Sonst bleibt alles gleich: rechts sitzt der Powerbutton mit integriertem Fingerabdrucksensor, darüber die Lautstärkewippe. Beide Tasten bieten guten Druckpunkt und knackigen Tastenhub, weitere Hardware-Tasten gibt es nicht. Die Frontkamera sitzt erneut mittig am oberen Display-Rand in einer Punchhole-Notch und die Rahmen rings um das Display fallen für ein Smartphone der unteren Preisklasse angenehm schmal aus. Die IP-53-Zertifizierung bleibt dem Poco X3 Pro genauso erhalten wie die Silikonschutzhülle im Lieferumfang. Warum diese trotz anderer Kameraform ein rundes Kameraloch aufweist, bleibt wohl für immer in den Gedanken des Designers verborgen. Praktisch ist das zumindest nicht, da sich in der unpassenden Form Schmutz sammeln kann.

Noch eine Gemeinsamkeit zum X3 NFC: Das Display ist erneut 6,7 Zoll groß, bietet eine Auflösung von 2400 x 1080 Pixel und damit eine ebenfalls identische Bildschärfe von 395 Pixel pro Zoll (ppi). Auch die Bildwiederholungsrate ist gleichgeblieben, das Poco X3 Pro stellt Inhalte mit 120 Hertz dar und bietet eine Abtastrate von 240 Hertz. Dank Dynamic Switch soll der Screen automatisch zwischen 50, 60, 90 und 120 Hertz wechseln – 90 und 120 Hertz für flüssige Darstellung, 50 und 60 Hertz zum Stromsparen. Als Display-Technologie kommt erneut IPS-LCD zum Einsatz, OLED mit erhöhter Bildfrequenz scheint nach wie vor zu teuer in dieser Preisklasse.

Entsprechend gibt es dezentes Bleeding an den Rändern und um die Frontkamera, was aber ausschließlich bei ganzheitlich weißer Darstellung auffällt. Ansonsten liefert das Panel wie schon im X3 NFC gute Werte: Die Helligkeit haben wir erneut mit knapp 500 cd/m2 im manuellen und bis zu 650 Candela im automatischen Modus gemessen, das ist für ein so günstiges Smartphone hervorragend. Die Blickwinkelstabilität ist ebenfalls nahezu perfekt – zumindest für ein LCD. Zudem bietet das Modell viele Einstellungsmöglichkeiten, etwa Anpassung der Farbtemperatur und Farbintensität. Dank Gorilla Glas 6 von Corning sollte der Screen gut gegen Kratzer gesichert sein, ab Werk klebt zudem eine Schutzfolie auf dem Display. Die ist an den Seiten minimal scharfkantig, lässt sich aber rückstandslos entfernen. Mangels OLED gibt es kein Always-on-Display, stattdessen bietet das Gerät wieder eine Benachrichtigungs-LED.

Bei der Kamera gibt es keine positiven Neuigkeiten zu berichten. Wieder setzt der Hersteller auf zwei Alibilinsen mit je zwei Megapixel für Makroaufnahmen und Tiefeninformationen. Außerdem gibt es jetzt statt 64 nur noch 48 Megapixel für die Hauptkamera, Sensor ist jetzt der Sony IMX582, der auch im Poco F3 zum Einsatz kommt. Zuvor war es der IMX682, der uns beim Poco X3 NFC (Testbericht) richtig gut für die Preisklasse gefallen hat. Auch beim Weitwinkel gibt es ein Downgrade: Statt 13 gibt es jetzt nur noch 8 Megapixel, statt Sony IMX355 auf einen Sensor von Omnivision. Das sieht man in beiden Fällen, vor allem aber beim Weitwinkel.

Denn zwar macht die Hauptkamera bei gutem Licht nach wie vor scharfe und detailreiche Bilder, bei denen Farben und Bilddynamik überzeugen. Erst im Detail offenbaren die aber etwas mehr Bildrauschen und die Software scheint hier stärker nachzuglätten. Das führt im Vergleich mit dem Poco X3 NFC zu etwas schlechterer Bildschärfe und minimal schwächeren Details. Um das zu verhindern, bietet sich der 48-Megapixel-Modus, der bei gutem Licht mehr Details in den Speicher bannt. Das geht zulasten der Speichergröße, die schnell den Faktor 4 erreicht. Gravierender ist der Unterschied beim Weitwinkel. Die Bildschärfe ist hier klar schlechter, außerdem sieht man zusätzlich zu den Rändern hin deutliche Verzeichnungen.

Insgesamt ist das kein himmelweiter Unterschied zur Kamera des X3 NFC, aber er ist da. Und er wird noch offensichtlicher, sobald das Licht schlechter wird. Dann rauscht es noch mehr als beim ersten Modell und die Bildschärfe nimmt deutlich ab. Waren wir 2020 noch von der Kamera des X3 NFC überzeugt, so läuft der Bildbanner des neuen Poco X3 Pro bei Nacht klar hinterher. Für die Preisklasse ist das aber vertretbar. Vorteile hat das Gerät allerdings bei der Auslösegeschwindigkeit, die dank stärkerem Chipsatz flotter ist, auch hier nur bei Tageslichtaufnahmen. Nachts ist die Auslöseverzögerung beim neuen Modell etwas hoch. Die Selfiecam macht ebenfalls ordentliche Bilder, solange das Licht stimmt. Mangels Autofokus ist die Schärfe manchmal aber nicht ganz wie erwartet. Bei Videos leistet das Poco X3 Pro bis 4K/30 gute Arbeit für die Preisklasse, selbst die Bildstabilisierung ist ordentlich.

Der im Poco X3 Pro steckende Snapdragon 860 ist "brandneu" und bietet Leistung satt – kein anderes 200-Euro-Smartphone bietet derzeit so viel Dampf. Eine Überraschung ist das bei dem Chip grundsätzlich nicht, handelt es sich dabei im Prinzip doch um einen Snapdragon 855+, also den Spitzen-Chipsatz aus dem vorletzten Jahr, der allerdings um das 5G-Modem beschnitten wurde. Er verspricht dank 7-Nanometer-Fertigung niedrigen Stromverbrauch, taktet aber gleichzeitig locker flockig bis zu 2,96 GHz und verfügt sogar über eine starke Adreno-640-GPU – eben die ehemalige Spitzen-GPU aus 2019. Zusammen mit 6/128 oder sogar 8/256 GByte Speicher sorgt das für Leistung, die bislang bestenfalls der oberen Mittel- oder unteren Oberklasse vorbehalten war. In Zahlen: PCmark Work 3.0 bescheinigt dem günstigen Smartphone satte 11500 Punkte, in 3Dmark Wildlife kommt es auf sagenhafte 3450 Punkte - für ein 200-Euro-Smartphone!

Das bedeutet im Klartext: Für kaum über 200 Euro bekommen sogar Gamer ein Smartphone, das abgesehen von fehlenden Schultertasten derzeit absolut jedes 3D-Spiel flüssig wiedergibt. Das ist eine echte Kampfansage an die Konkurrenz, denn selbst deutlich teurere Modelle schneiden hier klar schlechter ab. Natürlich macht sich die exzellente Performance im Alltag ebenfalls bemerkbar. Zusammen mit der 120-Hertz-Darstellung flitzen Inhalte geradezu über das Display, Hakler oder Ruckler haben wir nach einem Firmware-Update im Test nicht mehr gesehen. Heiß wird das Smartphone dabei auch nicht – erstaunlich, wie Poco so viel Leistung bei so wenig Geld unterbringt.

Einziger Wermutstropfen ist das bereits angesprochene Fehlen von 5G. Nicht, dass das in Deutschland bislang auch nur annähern flächendeckend ausgebaut und damit wichtig wäre – in anderen Ländern sieht das anders aus und wer besonders viel Wert auf Zukunftssicherheit legt, wird hier ins Grübeln kommen. Ansonsten ist fast alles an Bord, was aktuell wichtig ist: 4G, WLAN ac, Bluetooth 5.0, NFC, Infrarot, USB-C sowie GPS (mit Unterstützung von Glonass, Beidou und Galileo) und 3,5-Millimeter-Klinke. Im Detail fehlt es dann doch an Superlativen, Wifi 6 etwa ist genauso wenig mit dabei wie USB 3.x.

Auch bei der Software gibt sich Xiaomi beim Poco X3 Pro keine Blöße. Zum Einsatz kommt Android 11 mit MIUI 12 als Oberfläche, die mit vielen Einstellungsmöglichkeiten glänzt und optisch stark überarbeitet wurde. Etwas störend sind die vorinstallierten Mini-Games, sie lassen sich allerdings komplett deinstallieren. Der Sicherheits-Patch stammt von April 2021 und ist damit im 2-Monats-Rhythmus von Xiaomi.

Der Akku des Poco X3 Pro leistet 5160 mAh – auch das ist richtig stark und ebenfalls vom NFC-Modell bekannt. Im Battery Test von PCmark schaffte das Gerät bei aktivierten 120 Hertz 10,5 Stunden, das ist ein ordentlicher Wert. Mit 60 Hertz sollte das Modell entsprechend wieder in den Bereich der 16 Stunden des X3 NFC kommen, dort ließ sich der Wert nicht fest auf 120 Hertz stellen. Der deutliche Unterschied bei den Voreinstellungen 60 und 120 Hertz deutet allerdings darauf hin, dass "Dynamic Switch", also das automatische Wechseln der Frequenz abhängig von der Aufgabenstellung noch nicht richtig funktioniert. Das 33-Watt-Ladegerät im Lieferumfang kommt ebenfalls sehr vertraut vor, daher wundert es auch nicht, dass eine volle Ladung nur etwas mehr als eine Stunde dauert – wie beim Schwestermodell.

Das Poco X3 Pro gibt es mit 6/128 und 8/256 GByte Speicher. Als Farben stehen Schwarz, Blau und Bronze zur Auswahl. Wegen des marginalen Preisaufschlags, der zum Testzeitpunkt je nach Farbe teilweise unter 20 Euro liegt, würden wir auf jeden Fall zur 8/256 GByte-Version raten.

Wer zum Smartphone einen passenden Mobilfunktarif sucht, findet im Tarifrechner von heise vielleicht einen passenden Vertrag. Neben Netzanbieter und Datenvolumen kann man hier auch beispielsweise nach Vertragslaufzeit oder 5G filtern.

Ist das Poco X3 Pro ein Schwestermodell oder der Nachfolger zum Poco X3 NFC? Eher ersteres, allerdings hadern wir so oder so schon wieder mit der Namensgebung von Xiaomi. Denn ein Pro-Modell sollte einfach alles besser als ein Modell ohne "Pro" im Namen machen – aber das ist beim X3 Pro nicht so. Das macht das Pro nicht schlechter als das X3 NFC, das Gerät setzt vor allem andere Prioritäten. Wer möglichst viel Power für möglichst wenig Geld sucht, der wird beim Pro fündig. Dank Snapdragon 860 bietet das Gerät so viel Dampf wie derzeit kein anderes Mittelklassemodell – zu einem Preis, der nicht weit über der Einstiegsklasse liegt.

Dafür müssen Nutzer Einbußen bei der Kameraqualität hinnehmen. Bei Tag sind die mit der Hauptkamera gut verschmerzbar, bei schlechten Lichtverhältnissen werden sie aber immer offensichtlicher. Außerdem ist der Weitwinkel sichtbar schlechter. Das tolle Display und die gute Akkulaufzeit übernimmt das X3 Pro vom Schwestermodell, mehr Speicher gibt es obendrein. Unterm Strich ist das Poco X3 Pro ein mindestens genauso gutes Gerät wie das Poco X3 NFC (Testbericht) seinerzeit. Alternativen sind je nach Geschmack etwa Xiaomi Redmi Note 10 (Testbericht), Xiaomi Redmi Note 9 Pro (Testbericht), Oneplus Nord N10 5G (Testbricht) oder das Oppo Reno 4 Z 5G (Testbericht).

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