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Xiaomi Mijia 1S
Pro und Contra
  • Grundsätzlich sehr gute Navigation
  • Sehr gute Saugleistung
  • Eigentlich sehr guter Preis
  • App-Steuerung nur über China-Server möglich, China-Netzteil
  • Beinahe Totalausfall auf höheren Teppichen
  • Keine automatische Teppicherkennung und Pin-to-clean
  • 3.0

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Der Xiaomi Mi Vacuum Robot war zu Recht sehr beliebt – auch bei deutschen Nutzern. Der Nachfolger Xiaomi Mi 1S will an den Erfolg anknüpfen. Klappt das?

Xiaomi, Dreame, Roborock – alles eine Suppe irgendwie. Zumindest könnte man das meinen und tatsächlich gehören oder gehörten die Brands irgendwann alle einmal zusammen. Das ändert nichts daran, dass die entsprechenden Produkte allesamt richtig gute Leistung abliefern. Zuletzt konnten wir das bei den Modellen Dreame D9 (Testbericht) und Roborock S7 (Testbericht) sehen, die beide extrem gut in unseren Tests abschnitten. Jetzt ist der Nachfolger des beliebten Xiaomi Mi Vacuum Robot dran. Das neue Modell heißt Xiaomi Mijia S1, hierzulande ist es unter dem Namen Xiaomi Mi 1S bekannt.

Was die Unterscheidung soll? Eigentlich ist der Saugroboter nicht für Europa gedacht, sondern ausschließlich für den asiatischen Raum, vornehmlich China. Das birgt mehrere Probleme in sich: Das Gerät kommt trotz aufgeklebtem CE-Kennzeichen nur mit China-Stecker samt Eurostecker-Adapter, lässt sich ausschließlich über China-Server betreiben und der Nutzer muss entsprechend schon zufrieden sein, dass der Roboter wenigstens auf Englisch mit ihm spricht. Was wie ein Ausschlusskriterium klingt, will der Roboter durch besonders gute Leistung wieder wettmachen. Ob das klappt, klären wir im Test.

Beim Design gibt es kaum Änderungen im Vergleich zum Vorgänger. Der erstaunlich flache Laserturm sitzt wieder hinten auf dem runden Roboter, es gibt eine Seitenbürste rechts und das Gehäuse lässt sich wieder nach oben aufklappen. Dort befindet sich der Schmutzbehälter, in einer Aussparung lugen Power- und Home-Knopf durch die Abdeckung, außerdem eine vermeintliche Kamera. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine herkömmliche Optik zum Aufnehmen von Bildern, sondern um einen Time-of-Flight-Sensor, der die Entfernung zu Objekten über dem Xiaomi Mijia 1S misst. Der Ultraschallsensor in der Front des Saugers ist dafür weggefallen. Gleichgeblieben sind neben dem grundsätzlichen Aufbau die Absturzsensoren sowie der Annäherungssensor rechts und der Frontbumper. Mit dem „grundsätzlichen Aufbau“ ist eigentlich so gut wie alles gemeint: Die Hauptbürste lässt sich gegen Zubehör vom Vorgänger austauschen, der Staubbehälter ist identisch und auch die Seitenbürste passt – das sorgt für günstiges Verbrauchsmaterial, da der Vorgänger inzwischen schon einige Marktzeit auf dem Buckel hat.

Optisch gefällt uns der Xiaomi Mijia S1 sehr gut. Wie fast alle Saugroboter besteht auch er ausschließlich aus Kunststoff, das weiße Material wirkt aber insgesamt hochwertig und ausreichend wertig. Durch seine überall leicht gerundeten Formen vermittelt der Sauger einen beinahe organischen Eindruck. Die LED-Einfassung rings um die beiden Bedientasten auf der Oberseite leuchtet oder pulsiert je nach Situation unterschiedlich (etwa weiß beim Laden oder rot bei Fehlern) und trägt zum modernden Erscheinungsbild des automatischen Saugers bei.

Beim Lieferumfang bekleckert sich Xiaomi nicht gerade mit Ruhm. Ersatzbürsten oder einen zusätzlichen HEPA-Filter suchen Käufer vergeblich. Lediglich ein einfaches Reinigungstool finden sie abgesehen von der Ladestation des Saugers im Lieferkarton – wenn das so weitergeht, müssen Interessenten wohl schon glücklich sein, dass sie den Roboter nicht selbst zusammenbauen müssen... Immerhin bietet die recht große Ladestation ein ordentliches Kabelmanagement, bei dem überschüssiges Kabel im Inneren der Station verstaut werden kann. Das war auch schon beim Vorgänger so, tatsächlich ist die Station bei neuem und altem Modell identisch.

Eingerichtet ist der Xiaomi Mijia 1S schnell und einfach – wenn man als Server China einstellt. Da das Gerät nach wie vor nicht für Märkte außerhalb Asiens gedacht ist, funktioniert der Sauger nicht mit deutschen Servern. Das kann ein echtes Datenschutz-Problem sein, denn in China gilt keine DSGVO. Zudem dauert bisweilen der Verbindungsaufbau recht lang. Bis die Karte des eigenen Reinigungsbereiches aufgerufen wird, vergehen jedes Mal etliche Sekunden, im Schnitt 10 bis 15. Anders geht es aber nicht, denn wer in der App nicht auf China umstellt, findet den Mijia 1S schlichtweg nicht. Späteres Zurückstellen auf Deutschland als Aufenthaltsort funktioniert ebenfalls nicht.

Davon abgesehen geht die Verbindung schnell und einfach von der Hand. Auf China als Sitz der Server eingestellt findet die App den Sauger sofort. Die App bleibt dann eine Mischung aus Deutsch und Englisch, chinesische Schriftzeichen findet man dort nicht. In der App gibt es fast alle typischen Komfortfunktionen vom automatischen Erstellen (und manuellen Anpassen) von einzelnen Räumen bis hin zu Nogo-Zones, Timer, Sprachausgabe und Saugmodus. Bei Letzterem fällt auf, dass eine automatische Teppicherkennung fehlt, die Saugleistung also auf Auslegeware nicht automatisch erhöht wird. Stattdessen gibt es nur vier festgelegte Saugstufen – das überrascht, weil inzwischen fast alle mittelpreisigen Saugroboter eine Automatik besitzen. Auch eine Möglichkeit, den Sauger mit einem Klick an einer gewünschten Stelle eine Spotreinigung durchzuführen zu lassen, gibt es nur sehr eingeschränkt: Man muss den Sauger entweder an der gewünschten Stelle abstellen oder mit der Fernbedienungsfunktion zuvor manuell dorthin dirigieren. Pin-to-Clean gibt es nicht, nur ganze Räume können autonom angefahren werden.

Bei der Reinigungsleistung kommt es immer auf mehrere Dinge an, die wichtigsten sind Navigation und Saugleistung. Bei der Navigation leistet sich der Xiaomi Mijia 1S eigentlich keine Blöße - mit einer gravierenden Ausnahme allerdings. So fährt der Roboter zielsicher seine Bahnen, navigiert exakt und rempelt normalerweise nicht rücksichtslos überall vor. Dabei ist er ausreichend beharrlich und gibt nicht sofort auf, wenn er etwa im Stuhlbeingewirr seine Mühe hat. Erst kurz vor einem Hilferuf per Sprache und App wird der Sauger recht rabiat und setzt ohne Rücksicht auf Verluste in dem Versuch zurück, sich aus der scheinbar aussichtslosen Situation wieder freizufahren. Das klappt normalerweise sehr gut, zu Schaden gekommen sind Möbel im Test nicht. Einen Teil der guten Navigation dürfte der Roboter der neuen Hilfe durch den ToF-Sensor verdanken.

Allerdings hat der Saugroboter ein Problem: mangelnde Bodenfreiheit. Die verhindert einerseits das Überfahren von Türschwellen, die höher als rund 1,3 Zentimeter sind und sorgt bisweilen für große Probleme beim Versuch, normale Teppiche zu befahren. Dann hört man ständig das Rubbeln der Gummiräder auf Laminat, wenn er sich vergeblich auf unterschiedliche Arten auf den Teppich zu schieben versucht. Schafft er es doch hinauf – was wegen der Hartnäckigkeit des Saugers meist funktioniert - bleibt der ansonsten toll navigierende Sauger schon auf mittelflorigem Teppich einfach hängen. Offenbar sinken die Räder unter dem Gewicht von fast 4 Kilogramm zu weit ein und der Bauch des Chassis liegt auf. Er merkt dann, dass er nicht so recht vorwärtskommt und versucht, mit wirren Mustern wieder zu alter Navigationsstärke zurückzukehren. Besser wird es dadurch nicht, er wirkt dabei eher wie ein Fisch an Land. Sogar festgefahren hat er sich mehrfach im Test auf freiem Teppich – laut Fehlermeldung, weil er der Meinung war, dass er von Hindernissen umzingelt war. Das kennen wir so nicht einmal von wesentlich günstigeren Saugrobotern.

Die eigentliche Saugleistung ist hingegen sehr gut. 2000 Pascal bringt der Saugroboter auf die Waage – 200 mehr als beim Vorgänger. Das ist trotzdem kein Spitzenwert, aber in Ordnung. Tatsächlich schafft er damit ein sehr gutes Ergebnis in unserem Saugroboter-Parcours. Von den 50 Gramm Schmutz, die wir auf einer Fläche von 4 Quadratmeter auf Hartboden, niedrig- und mittelflorigem Teppich verstreuten (30 Gramm Sittichfutter, 20 Gramm Vogelsand), fand er insgesamt 39 Gramm wieder (27 und 12 Gramm). Damit liegt der Mijia 1S im oberen Drittel unter den bislang getesteten Geräten, viel besser waren nur wenige Modelle.

Große Probleme zeigte er auch hier wieder auf mittelflorigem Teppich. Darauf kam der Roboter sichtbar langsamer voran und fuhr erneut völlig absurde Muster, statt gerade Bahnen zu ziehen. Dadurch brauchte der Sauger 11 Minuten für den kleinen, rechtwinkligen Testparcours. Dabei lief er auf der als Medium bezeichneten dritten von vier Saugstufen. Der Sauger ist vergleichsweise laut, auch wenn die gemessenen 58 bis 64 Dezibel im Test bei etwa einem Meter Abstand gar nicht so laut zu sein scheinen. Einerseits klingt der Sauger einfach störender als andere Modelle, außerdem sind die lauten Geräusche der regelmäßig durchdrehenden Räder da nicht mit inbegriffen. Eine Wischfunktion bietet der Mijia 1S nicht. Die Sprachsteuerung scheint aktuell nur über Xiaomi-AI-Speaker möglich zu sein.

Der Schmutzbehälter fasst 420 Milliliter, das reicht für mehrere Durchgänge auch in großen Haushalten. Entnehmen lässt er sich ganz einfach von oben, nachdem die Abdeckplatte hochgeklappt wurde. Eine Rückhalteplatte für den Dreck im Behälter gibt es nicht, daher muss man beim Entleeren etwas aufpassen. Das funktioniert trotz leichter Überstände an den Rändern aber sehr einfach und zielgenau.

Der Akku ist im Vergleich zum Vorgänger gleichgeblieben und bietet wieder 5200 mAh. Damit kommt er auf maximale Arbeitszeiten von 2,5 Stunden in der untersten Saugstufe und braucht bei leerem Akku rund 2,5 Stunden für eine volle Ladung. Bei etwa 20 Prozent kehrt der Sauger automatisch zur Ladestation zurück und setzt die Reinigung an der letzten Stelle fort. Im Test hatte er dafür den Akku wieder zu 77 Prozent geladen.

Der Xiaomi Mijia 1S ist inzwischen für rund 250 Euro zu bekommen – überwiegend bei asiatischen Online-Händlern. Einer davon ist Geekmaxi, bei dem der Saugroboter derzeit sogar schon für knapp 205 Euro zu bekommen ist – mit dem Code Mijia1SDE. Versendet wird aus Europa, Zollgebühren fallen nicht an.

So viele Vorschusslorbeeren von anderen Medien – das können wir nach unserem Test leider nicht ganz nachvollziehen. Ja, grundsätzliche Navigation und Reinigungsleistung sind gut. Allerdings nur, solange man keinen Teppich im Haushalt hat, der mehr als niedrigflorig ist. Denn hier ist der Mijia 1S nahezu aufgeschmissen, er vollführt abstrakte Fahrtmuster und selbst festgefahren hat er sich in unserem Test mehrfach – das schafften bislang nicht mal Modelle von (hierzulande) Noname-Herstellern! Zusammen mit dem Umstand, dass Nutzer zwangsläufig über China-Server mit dem Roboter kommunizieren müssen, bei denen Datenschutz sicherlich nicht an erster Stelle steht und wodurch der App-Start jedes Mal zur Geduldsprobe wird, können wir den Xiaomi Mijia 1S nicht empfehlen.

Wenn, dann sollten nur Menschen mit Haushalten ohne Teppich zugreifen, doch auch hier gibt es unserer Meinung nach bessere Saugroboter. Der Dreame D9 (Testbericht) saugt auch auf Teppich besser und wischt sogar – er kostet aber je nach Händler fast 100 Euro mehr als der Mijia 1S. Noch teurer, aber dafür nahezu makellos ist der Roborock S7 (Testbericht), dessen Wischfunktion aktuell ungeschlagen ist. Wer ganz auf deutsche Markenqualität setzen will, sollte einen Blick auf den Zaco A10 (Testbericht) werfen, der ebenfalls eine sehr gute Wischfunktion bietet.

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