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Xiaomi Mi 11
Pro und Contra
  • Schickes Design
  • Tolle Gesamtausstattung
  • Klasse Hauptkamera
  • Wieder nur Makro statt Tele
  • Kein IP-Zertifizierung und nur USB 2.0
Rating:
  • 4.0
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Xiaomi beginnt sein diesjähriges Smartphone-Feuerwerk zumindest bei den Spitzengeräten mit dem Mi 11. Es ist schick, schnell und klasse ausgestattet. Preislich liegt es im Vergleich ordentlich. Klingt gut - TechStage überprüft das im Test.

Beim Xiaomi Mi 10 (Testbericht) bemängelten wir noch zu wenig Innovation in Kombination mit schwachen Zusatzlinsen der Hauptkamera. Das neue Xiaomi Mi 11 soll nun alles besser machen. Es kombiniert Spitzentechnik wie den neuen Snapdragon 888 und ein herausragendes Display mit 120 Hertz mit einer Kamera, die schon wieder ein Makro-Objektiv mitbringt. Trotzdem liefert der Hersteller auf den ersten Blick ein richtig gutes Smartphone ab – und auf den Zweiten?

Design

Xiaomi hat es einfach raus. In puncto Design kann dem chinesischen Hersteller inzwischen kaum noch einer etwas vormachen, nicht ohne Grund wird Xiaomi gern „das chinesische Apple“ genannt. Natürlich hatte das anfangs in erster Linie den Hintergrund, dass Xiaomi gern und erfolgreich Anleihen beim US-Rivalen nahm. Doch das ist längst vorbei, inzwischen produziert das Unternehmen hochwertige und eigenständige Smartphones. Oder doch nicht? Beim Blick auf die Hauptkamera auf der Rückseite kommen da leichte Zweifel auf, denn die Anordnung der einzelnen Linsen – zwei große links übereinander, eine weitere Kleine samt LED-Blitz daneben – in einem hervorgehobenen Quadrat mit sanften Rundungen statt Ecken erinnert im erweiterten Sinne an ein iPhone 12.

Bei genauerem Hinsehen gibt es allerdings Unterschiede. So sind die Hauptlinsen unterschiedlich groß und in eine annähernd ovale zweite Erhebung eingefasst, außerdem gibt es beim Mi 11 eben eine dritte Linse samt Blitz statt eines Sensors mit LED. Das sind kleine Unterschiede, die bei genauerer Betrachtung die Stimmen, die „Kopie!“ rufen, verstummen lassen sollten. Außerdem ist das Gesamtwerk Mi 11 eigenständig genug, um sich von einem iPhone 12 abzusetzen. So setzt Xiaomi auf der Rückseite zwar auch auf mattierte Glasoberfläche, verwendet aber weiterhin Curved Glas (Gorilla Glas 5) auf Front und Rücken. Ein iPhone 12 wirkt da eher monolithisch. Durch die starken Rundungen der Rückseite an zu den Kanten hin und die nahezu perfekten Übergänge in den glänzenden Metallrahmen wirkt das Mi 11 viel ergonomischer und organischer – es liegt einfach toll in der Hand.

Das Smartphone mit riesigem Display verdankt das den relativ geringen Maßen von 164 x 75 x 8.1 Millimeter, dem Gewicht von knapp unter 200 Gramm und eben der makellosen Verarbeitung. Die Front erinnert stark an den Vorgänger Mi 10 (Testbericht): Schmale Ränder über und unter dem Display, kaum sichtbare seitliche Rahmen dank des an den Rändern gebogenen Displays. Das sieht insgesamt sehr hochwertig aus, nur der Radius der Innenrundungen des Screens passt nicht ganz zum Radius des Gehäuses, das ist nicht ganz stimmig. Und noch etwas ist für ein Oberklasse-Smartphone nicht ganz angebracht: Das Xiaomi Mi 11 hat keine IP-Zertifizierung. Das halten wir in der 800-Euro-Klasse (UVP in Deutschland) für unpassend.

Display

Der OLED-Screen des Xiaomi Mi 11 misst satte 6,8 Zoll und liefert erstmals bei Xiaomi WQHD-Auflösung, also 3200 x 1440 Pixel. Damit erreicht das Smartphone eine Bildschärfe von rund 515 Pixel pro Zoll – wahrlich Spitzenniveau. Das gilt auch für andere Werte des Screens: 120 Hertz Bildwiederholungsfrequenz sind eines Spitzen-Smartphones absolut würdig. Eine Abtastrate von stolzen 480 Hertz ist bislang kaum erreicht. Das klingt nicht nur auf dem Papier fantastisch, so bedient es sich auch in der Praxis. Denn auch bei den restlichen (Mess)Werten gibt sich das Mi 11 keine Blöße. So erreicht das Smartphone zwar bei manueller Steuerung „nur“ eine Maximalhelligkeit von rund 480 cd/m2, im Automatikmodus kommt es hingegen auf ausgezeichnete 850 Candela. Das ist zwar wie immer recht weit von der Herstellerangabe von 1500 Candela entfernt, dürfte sich aber mit lokalen Spitzenwerten bei der Wiedergabe von HDR-Inhalten erklären lassen.

So oder so: das von Gorilla Glas Victus geschützte Display bietet in der Grundeinstellung sehr natürliche, auf Wunsch sogar sehr knackige Farben. Die Kontraste sind erwartungsgemäß sehr hoch, Schwarz ist wirklich tiefschwarz. Im Verbund mit hervorragender Blickwinkelstabilität lässt sich das Mi 11 auch bei Sonnenschein im Freien noch ziemlich gut ablesen – was will man mehr? 10-Bit-Darstellung vielleicht oder ein Always-on-Display? Kein Problem, ist mit dabei – genauso wie zahllose Einstellungsmöglichkeiten vom Darkmode über Anti-Flimmer-Einstellungen bei niedriger Helligkeit bis hin zu diversen Bildverbesserungen für Bild- und Videobetrachtung. Da sollten selbst kritischen Gesellen die Fragen ausgehen.

Kamera

Beim Xiaomi Mi 10 aus dem vergangenen Jahr hat uns die Kamera mit am meisten gestört. Genaugenommen ging es dabei nicht um die Hauptkamera, denn die brachte gewohnt tolle Ergebnisse. Vielmehr war es das fehlende Teleobjektiv und stattdessen die Makrokamera mit niedriger Auflösung, die für ein Spitzen-Smartphone keine angemessenen Bilder lieferte. Die schlechte Nachricht vorweg: Das ist auch beim Mi 11 nicht anders. Wie beim Vorgänger gilt aber auch hier: Hauptlinse und Weitwinkelobjektiv machen gute Bilder.

Dafür verlassen sie sich auf satte 108 Megapixel, einen optischen Bildstabilisator (OIS) sowie eine Blende von f/1.85. Die Weitwinkelkamera bietet 13 Megapixel und eine deutlich lichtschwächere Blende von f/2.4. Die Makrokamera nimmt Aufnahmen mit 5 Megapixel auf. Fotos mit der Hauptkamera sehen in voller Auflösung bei gutem Licht sehr scharf und detailreich aus. Im Werkszustand setzt das Mi 11 aber auf 27-Megapixel-Aufnahmen, also 4:1-Pixel-Binning. Das sorgt zwar gerade bei nicht optimalen Lichtbedingungen für bessere Schärfe und weniger Bildrauschen, kommt aber nicht ganz an die nominell sehr ähnliche 108-Megapixel-Kamera des Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) heran. Vor allem bei schwachen Lichtverhältnissen ist der Unterschied eindeutig, hier hat das Mi 11 klar das Nachsehen. Schade, hier hätte Xiaomi mehr herausholen können. Statt auf die dritte Sensor-Generation wie Samsung setzt der chinesische Hersteller aber immer noch auf die erste Generation und das sieht man. Bisweilen sitzt der Fokus nicht perfekt und auch der Weißabgleich scheint sich gelegentlich unschlüssig über die korrekte Farbdarstellung zu sein. Insgesamt sehen die meisten Aufnahmen gerade bei gutem Licht aber dank ordentlicher Bilddynamik und kaum vorhandenem Rauschen in Verbindung mit dem natürlich wirkenden Bokeh sehr gut aus.

Ähnliches gilt für die Weitwinkellinse, bei der allerdings sichtbare Verzeichnungen an den Rändern zu sehen sind. Mangels OIS und wegen der lichtschwächeren Blende schleichen sich hier aber frühzeitig Unschärfe und Rauschbildung ein. Die Makrokamera ist ... vorhanden. Das ist das Positivste, was wir darüber sagen wollen. Wie im Vorjahr erneuern wir unseren Aufruf: Xiaomi, lass diese unsinnigen Makrolinsen. Einerseits dürften Makroaufnahmen bei der Mehrheit der Nutzer nach anfänglichem Ausprobieren weit weniger als ein ordentliches Teleobjektiv genutzt werden, außerdem lassen sich mit dem Weitwinkel wie bei der Konkurrenz wesentlich bessere Makroaufnahmen erstellen, als bei einer Minilinse mit niedriger Megapixel-Zahl! Also: Lasst diesen Unfug oder macht es richtig.

So wie bei der Selfiecam. Die nimmt Fotos mit 20 Megapixel auf und die sehen richtig klasse aus. Zumindest, wenn zuvor der „Beauty-Modus“ deaktiviert wurde. Dann sind sie scharf und detailreich und das auf Wunsch mit schönem künstlichem Bokeh. Erst bei schlechtem Licht nicht auch hier der Schärfegrad sichtbar ab, aber das ist bei so gut wie allen Frontcams so. Und Videos? Lassen sich in 8K aufnehmen – was nach wie vor eine Spielerei bleibt. Filmchen in 4K/60 sehen hingegen klasse aus und sind auch ordentlich stabilisiert, das passt. Bleibt abschließend nur festzustellen, dass Konkurrenten wie Oneplus 9 Pro (Testbericht), Oppo Find X3 Pro (Testbericht) oder Vivo X51 5G (Testbericht) mit ihren herausragenden Weitwinkel- und zusätzlichen Telelinsen insgesamt mutiger sind und einen besseren Job machen – ohne dass die Kamera des Mi 11 dadurch schlecht wäre.

Ausstattung

Der Vorgänger setzte – abgesehen von der Kamera – schon auf Spitzentechnik, beim Mi 11 ist das nicht anders. Als Antrieb kommt der Snapdragon 888 zum Einsatz, damit ist das Xiaomi-Modell das erste Smartphone mit diesem Chip – zumindest, wenn man die chinesische Version mit einbezieht, die schon seit Monaten auf dem Markt ist. Der Qaulcomm-Chip verfügt über einen auf Cortex X1 basierenden Hauptkern mit bis zu 2,84 GHz, drei schnelle auf Cortex-A78 basierende Kerne mit bis zu 2,42 GHz und vier auf Cortex A55 mit bis zu 1,8 GHz, die für einfache Aufgaben zum Stromsparen vorgesehen sind. Als GPU kommt eine Adreno 660 zum Einsatz, zudem eine Hexagon-780 Recheneinheit und das Qualcomm Sensing Hub für Aufgaben aus dem Bereich Künstliche Intelligenz – das klingt beeindruckend.

Das ist es im Alltag auch, in Benchmarks gibt es hingegen ein Problem: Wärme. So erreicht das Xiaomi Mi 11 in PCmark Work 2.0 stolze 13.000 Punkte, bei 10 oder mehr Versuchen fällt das Ergebnis aber unter die 10.000-Punkte-Marke – ein deutliches Zeichen für Throtteling, also Heruntertakten der Chips zum Selbstschutz. Noch schneller geht das im anfordernden Wildlife-Benchmark von 3DMark, hier reichen schon weniger Durchläufe für eine Senkung von etwa 6000 auf rund 5000 Punkte. Im Alltag macht sich das allerdings nicht bemerkbar. Hier rennt das Gerät in allen Lebenslagen und wer sich fragt, warum das Gerät trotz mindestens 8 GByte DDRLP5-Arbeitsspeicher und dem schnellen Prozessor doch irgendwie nicht ganz flüssig zu laufen scheint, der sollte in den Display-Einstellungen die 120-Hertz-Funktion aktivieren. Die ist ab Werk nämlich abgeschaltet. Danach läuft alles rund.

Auch sonst hat das Mi 11 einiges zu bieten: Schnellen UFS-3.1-Speicher mit mindestens 128 GByte etwa, Dual-SIM-Fähigkeit mit doppelter 5G-Befähigung und auch alle anderen Standards wie Wifi6, NFC, Dual-Band-GPS und den Xiaomi-typischen IR-Blaster zum Steuern von anderen elektronischen Geräten. Das ist vorbildlich. Nur USB-C im 2.0-Standard passt nicht so recht zum Rest. Der optische Fingerabdrucksensor im Display erscheint bisweilen nicht als der Schnellste, ist aber zuverlässig. Er soll auch den Blutdruck messen können, eine App dafür haben wir auf dem deutschen Modell aber nicht gefunden. Die Stereolautsprecher von Harman Kardon leisten sehr gute Arbeit, sie klingen voll und werden sehr laut, ohne zu übersteuern. Nur im obersten Grenzbereich klingen sie etwas spitzer als zuvor.

Bei der Software setzt Xiaomi auf Android 11 mit MIUI 12. Das System passt gut zum umfangreichen Hardware-Paket – MIUI ist zwar noch ausreichend übersichtlich, bietet aber zahlreiche Features über Vanilla-Android hinaus an. Dazu gehören Spielereien wie die Möglichkeit, verschiedene Designs für das Always-on-Display oder die Fingerabdruck-Animation zu wählen bis hin zu hilfreichen Tools, mit denen etwa der Touch-Bereich an den gebogenen Kanten angepasst werden darf – clever. Der Sicherheits-Patch ist bei unserem Testmodell von Februar 2021, er dürfte in den nächsten Tagen aktualisiert werden. Zuletzt zeigte sich Xiaomi zumindest bei seinen teureren Modellen sehr zuverlässig.

Akku

Der Akku war beim Mi 10 (Testbericht) mit 4780 mAh ordentlich dimensioniert. Das brachte Xiaomi offenbar auf die irrige Annahme, die Leistung des Akkus im Nachfolger Mi 11 ruhig wieder etwas reduzieren zu können – leider falsch. 4600 mAh leistet der Akku hier, eigentlich nicht viel weniger als zuvor, doch hier hat der Hersteller offensichtlich die Rechnung ohne das große 120-Hertz-Display gemacht. In PCmark Battery Test schafft das Gerät nur rund 9 Stunden bei 200 Candela und simuliertem Alltag von 80 bis 20 Prozent. Das ist zwar kein schlechter Wert, der Vorgänger schaffte aber bei 90 Hertz noch 3 Stunden mehr. Insgesamt kommen Nutzer damit beim Mi 11 über den Tag, viel mehr ist aber nicht drin.

Da trifft es sich gut, dass Xiaomi ein starkes 55-Watt-Ladegerät mit in den Lieferumfang packt – was ja dank Apple und Samsung 2021 längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Damit ist das Smartphone nach einer knappen Dreiviertelstunde wieder komplett voll und selbst 15 Minuten Zwischenladen bringt bei leerem Akku wieder rund 50 Prozent Ladung zurück. Das ist kein Spitzenwert, aber sehr solide. Und nicht nur das: Kabellos lädt das Mi 11 jetzt mit 50 Watt, dazu wird allerdings der kabellose Lader von Xiaomi benötigt. Dann ist das Smartphone in unter einer Stunde wieder voll. Reverse Wireless Charging beherrscht das Mi 11 auch wieder.

Preis

Die UVP des Xiaomi Mi 11 beginnt bei 799 Euro für die Version mit 8/128 GByte Speicher, die Version mit 8/256 GByte kostet knapp 100 Euro mehr. Bei den Farben stehen dunkles Grau und recht helles Blau zur Verfügung. Sondermodelle mit 12 GByte RAM oder Lederrückseite bleiben vermutlich dem chinesischen Markt vorbehalten. Überraschend: Die Version mit mehr Speicher ist mangels Speichererweiterbarkeit nicht nur die bessere, sondern zum Testzeitpunkt auch die günstigere Option.

Fazit

Das Xiaomi Mi 11 ist ein tolles Smartphone, das vor allem mit schickem Design, tollem Display und viel Leistung punktet. Der Straßenpreis von knapp 800 Euro für die Version mit 8/256 GByte Speicher erscheint im Kontext mit der Konkurrenz vertretbar. Die bietet für ähnliches Geld bisweilen mehr Alleinstellungsmerkmale, etwa bei der Kamera. Die ist – abgesehen von einigen Kleinigkeiten wie nur USB 2.0 und fehlender IP-Zertifizierung – erneut unser größter Kritikpunkt. Makro- statt Telelinse ist für uns einfach kein adäquater Ersatz, schon gar nicht mit niedriger Auflösung. Eine Abgrenzung zum Pro-Modell hätte Xiaomi besser hinbekommen können – erneut.

Nicht ganz zufrieden sind wir mit dem Akku. Der ist nicht schlecht, aber schwächer als beim Vorgänger. Insgesamt ist das Mi 11 ein gutes Oberklasse-Smartphone mit Luft nach oben. An Modelle wie das Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) kommt es nicht heran, dafür ist aber auch der Preis deutlich niedriger. Das gilt auch für einen eher passenden Vergleich zu einem Samsung Galaxy S21 Plus. Schwieriger hat es das Mi 11 gegen Modelle mit ähnlichem Preisgefüge wie Oneplus 9 Pro (Testbericht), Oppo Find X3 Pro (Testbericht) oder Vivo X51 5G (Testbericht). Hier hätte Xiaomi ein noch perfekteres Gesamtergebnis oder einfach mehr Mut für ein echtes Alleinstellungsmerkmal beim Mi 11 aufbringen müssen.

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