Dreame Bot L10 Pro
Pro und Contra
  • überwiegend zuverlässige Hinderniserkennung
  • gute Reinigungsleistung
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Hinderniserkennung senkt Arbeitsgeschwindigkeit leicht
  • 4.5

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Wer die Wohnung nicht vor jedem Arbeitsgang seines Saugroboters penibel aufräumen will, braucht ein Modell mit 3D-Hinderniserkennung. Neuestes Beispiel ist der Dreame Bot L10 Pro, der mit besonders intelligenter Navigation punkten will.

Wer kennt das nicht: Beim Verlassen des Hauses wird der Saugroboter aktiviert, damit bei Rückkehr alles blitzblank ist. Leider hat sich der Roboter an einem Kabel oder dem herumliegenden Katzenspielzeug festgefahren und nur einen Bruchteil erledigt. Oder schlimmer: Besagte Katze hat sich ihr Futter noch einmal „durch den Kopf gehen lassen“ und wunderbar auf dem Teppich drapiert. Anschließend hat der Saugroboter alles schön durchgequirlt und im ganzen Wohnzimmer verteilt – na prost Mahlzeit!

Solche Missgeschicke lassen sich mittels Technik vermeiden. Schon der Roborock S6 MaxV (Testbericht) aus dem Jahr 2020 konnte Hindernisse umfahren und statt sich Socken, Kabel oder deutlich unappetitlichere Überbleibsel einzuverleiben, diese einfach umfahren. Das funktionierte zwar nicht zu 100 Prozent zuverlässig, aber insgesamt doch recht gut. Durchgesetzt hat sich diese Technik aber bislang nicht, denn neben der nicht vollständigen Verlässlichkeit war sie bislang auch noch recht teuer. Das direkt mit Xiaomi in Verbindung stehende Unternehmen Dreame hat sich jetzt offenbar zur Aufgabe gemacht, Hinderniserkennung erschwinglich in den Markt zu bringen. Nach dem von uns getesteten Dreame D9 (Testbericht), der mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis punktete, sind die Erwartungen hoch. Kann der Dreame Bot L10 Pro sie erfüllen?

Unser Testgerät des Dreame Bot L10 Pro ist schwarz und nicht weiß wie der Dreame D9 (Testbericht), ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten. Der Laserturm mit Bumper ist nicht mittig, sondern leicht nach vorn verschoben installiert und stellt mit rund 9,7 Zentimeter Höhe den höchsten Punkt des Roboters dar. Davor befinden sich drei Hardware-Tasten für Start/Stopp, Rückkehr zur Ladestation und Spot-Reinigung. Die hintere obere Abdeckung kann der Nutzer hochklappen, sie verbirgt den Staubbehälter, der zum Dreame D9 kompatibel sein dürfte und 570 Milliliter Schmutz aufnimmt. Auch unter dem Gerätes sieht alles wie beim D9 aus: Mittig platzierte Hauptbürste mit einer Mischung aus Gummilamellen und Borstenreihen, sechs Absturzsensoren, eine Seitenbürste rechts, ein Stützrad vorn und hinten wieder der anklippbare Wassertank nebst Aufnahme für den Wischlappen.

Neu ist die Front. Die besteht zwar auch beim Dreame Bot L10 Pro zur Hälfte aus Bumper, der als letzte Bastion für den Fall dient, dass der Roboter doch mal ein Hindernis übersieht. Bei Kontakt stoppt das Gerät dann und wechselt die Richtung. Neben dem seitlichen Sensor für die Randabfahrt verfügt das neue Modell zusätzlich über drei 3D-Sensoren direkt vorne am Gerät, mittel derer der Saugroboter auch kleinere Hindernisse vor sich erkennen soll. Das System ähnelt dabei optisch True Detect 3D von Ecovacs, Dreame nennt es bei seinem Modell 3D Obstacle Avoidance. An der Verarbeitung ist wie immer bei Dreame nichts auszusetzen. Zwar verwendet der Hersteller für seinen Haushaltshelfer ausschließlich Kunststoff, der sieht jedoch ausreichend hochwertig aus und ist präzise verarbeitet.

Dreame punktet mit niedrigem Preis, das geht zulasten des Lieferumfangs. Entsprechend ist im Karton des Dreame Bot L10 Pro nur das Nötigste zu finden: Saugroboter, Schnellstart-Anleitung und Bedienungsanleitung in Papierform sowie die Ladestation. Verbrauchsmaterial wie eine zusätzliche Seitenbürste oder einen weiteren Hepafilter sucht man vergeblich, nur die zum Betrieb nötigen Materialien sind vorhanden. Die Ladestation besticht erneut durch Minimalismus. Sie ist sehr klein und durchaus schick, allerdings wird das Stromkabel ausschließlich an der rechten Seite angesteckt und Kabelmanagement gibt es nicht. Eine Unterlegmatte, damit der Boden unter der Ladestation mit aufgestecktem Wischaufsatz nicht langsam durchfeuchtet, fehlt ganz.

Die Steuerung funktioniert zwar zur Not auch über die bereits angesprochenen drei Tasten auf der Oberseite des Dreame Bot L10 Pro, vollen Funktionsumfang erlangen Nutzer aber erst in Verbindung mit der App. Der Roboter lässt sich wie gewohnt in die Mi-Home-App von Xiaomi einbinden. Das erlaubt dann ein reges Zusammenspiel des Modells mit anderen Xiaomi-Geräten, die über die App verbunden werden können, darunter auch mit Geräten von Roborock oder Viomi. Zudem geht das auch noch äußerst einfach und schnell. Mit einem Klick wird der Saugroboter innerhalb weniger Sekunden gefunden, die komplette Einbindung dauert keine Minute – so soll das sein!

Die App gibt anschließend keine Rätsel auf. Hier finden sich alle Features, die auch die Konkurrenz bietet. Dazu gehören Punkte wie eine automatische, anpassbare Raumaufteilung, Live-Ansicht des Reinigungsfortschritts, eine Akkustandsanzeige, die Möglichkeit zum Abspeichern von drei Karten, die Festlegung der Reinigungsreihenfolge (allerdings ohne einzeln anpassbare Wassermenge je Raum), Zonenreinigung, das Erstellen virtueller Grenzen und Sperrzonen, Reinigungspläne und einiges mehr. Interessant ist der Umstand, dass die 3D Hinderniserkennung auf Wunsch ausgeschaltet werden darf. Warum das sinnvoll sein kann, erklären wir im Punkt Navigation und Reinigungsleistung. Größtes Manko der App: Sie braucht immer einige Sekunden, um nach dem Start den aktuellen Stand des Robotes aufzurufen. Ansonsten war sie im Test sehr zuverlässig.

Die Navigation des Dreame Bot L10 Pro ist grundsätzlich mit ausgeschalteter 3D-Hinderniserkennung genauso gut wie beim Dreame D9 (Testbericht). Die Umgebung wird von der ersten Minute an hervorragend erkannt und Reinigungsfortschritt sowie das Erlernen der Umgebung werden direkt in der App dargestellt. Dabei verhält sich der Roboter weitestgehend möbelschonend und fährt nur selten vor Hindernisse. Schaltet man die 3D-Hindernisserkennung in der App an, ändert sich das Verhalten des Roboters. Er berührt Hindernisse jetzt so gut wie gar nicht mehr und erkennt Dinge wie ein Paar im Weg stehende Schuhe, um sie geschickt zu umfahren. Der noch schonendere Umgang mit der Umgebung sorgt im Gegenzug aber dafür, dass die Reinigungsgeschwindigkeit leicht sinkt. Das liegt daran, dass der Saugroboter bei Hindernissen immer mal wieder die Front mit den Sensoren dorthin neu ausrichtet, als ob er sicherstellen will, dass alles noch wie zuvor ist – auch beim Umrunden von Gegenständen. Diese Situation-Awareness kostet Zeit. So braucht der Roboter mit 3D-Erkennung für ein Quadrat mit sieben Quadratmeter und einem Paar Schuhe als Hindernis im Zentrum etwa sechs Minuten, wobei er die Schuhe kaum berührte und verschob. Ohne schafft er im gleichen Zeitraum rund acht Quadratmeter, berührte die Schuhe und verschob sie zudem einige Zentimeter. Der Unterschied ist also nicht groß, aber er ist da.

Hinzu kommt, dass bisweilen die Objekterkennung nicht fehlerfrei ist. So kann ein am Boden liegendes, aufgerolltes USB-Kabel schon mal übersehen werden. Im Gegenzug kam es vor, dass eine Wollmaus als Hindernis erkannt und entsprechend umfahren statt aufgesaugt wurde. Durch diese Fehlerkennungen und die generell häufige Absicherung der Umgebung und den damit verbundenen zusätzlichen Drehbewegungen wirkt die ansonsten sehr strukturierte Navigation bisweilen etwas konfus. Auch die Eckenreinigung ist im 3D-Erkennungsmodus nicht ganz so gut, da der Roboter in diesem Modus nicht auf Tuchfühlung mit Fußbodenleisten mittels des Frontbumpers geht, sondern schon vorher abdreht. Die Hinderniserkennung hat Vorteile, aber eben nicht nur.

Die reine Reinigungsleistung ist wie schon beim Dreame D9 (Testbericht) gut, aber nicht perfekt. Zumindest auf Hartboden scheint der Roboter bisweilen leichten Schmutz mit der Seitenbürste aus seiner Bahn zu schießen und durch die aktivierte Hinderniserkennung schien er sich bisweilen vom Schmutz sogar irritieren zu lassen. Unterm Strich überzeugte das Ergebnis dennoch: Von 30 Gramm Vogelfutter und 20 Gramm Vogelsand auf Hartboden und Teppich mit kurzem und mittlerem Flor saugte der Dreame Bot L10 Pro im Test 26 Gramm Vogelfutter und 13 Gramm Sand auf. Aufgrund der im Vergleich zum D9 von 3000 auf 4000 Pascal erhöhten Saugkraft hätten wir uns hier dennoch mehr erwartet.

Dabei erreicht der Sauger in etwa die vom Hersteller angegebenen 65 Dezibel in einem Meter Entfernung – im Turbomodus wohlgemerkt. Beim Ausleeren des Staubbehälters gibt es wieder kleine Überhänge, die ein restloses und zielgerichtetes Entleeren zwar nicht unmöglich machen, aber doch erschweren. Gerade Wolle von Teppichen oder Tierhaare lösen sich nicht von allein aus dem Behältnis, sodass der Nutzer zwingend in Kontakt mit dem Schmutz treten müssen. Auffällig bei der Reinigung: Die Absturzsensoren lassen sich von schwarzem Teppich täuschen, dann bleibt der Sauger früher oder später hilflos auf dem „Abgrund“ stehen und benötigt menschlichen Eingriff.

Die Wischfähigkeiten des Saugers haben wir uns nur rudimentär angeschaut. Soll der auch feucht in Aktion treten, muss zuvor der flache Wassertank (270 Milliliter) mit dem Wischtuch hinten unter dem Gerät installiert werden. Das Wischtuch ist fest und vibriert nicht, per App lässt sich immerhin die Wassermenge in drei Stufen bestimmen. Wir halten das eher für Staubwischen, Flecken lassen sich so nur im Ansatz entfernen. Teppiche kann der L10 Pro zwar erkennen, erhöht darauf auf Wunsch aber lediglich die Saugkraft und befährt sie auch mit installiertem Wischtuch. Hier hilft nur die Einrichtung von No-Mop-Zones in der App.

Auch der Dreame Bot L10 Pro verfügt wie schon der Dreame D9 über einen Akku mit 5200 mAh, der für 150 Minuten Reinigungszeit gut sein soll. Das erstaunt, schließlich ist die nominelle Saugkraft 25 Prozent höher und es sind weitere Sensoren hinzugekommen. Im Alltag lief der Saugroboter eher rund 100 Minuten bei aktivierter Saugkraftanhebung auf Teppich und schaffte dabei nach eigener Angabe in der App bei 17 Prozent Akkurestlaufzeit rund 75 Quadratmeter reine Reinigungsfläche. Tatsächlich dürfte es sogar etwas mehr gewesen sein, die erreichbaren Räume sollten eine Grundfläche von gut 140 Quadratmeter gehabt haben. Nach eventuellem Zwischenladen, was gut 1,5 Stunden dauert, setzt der Roboter sein Werk zudem an letzter Position fort. Damit ist er theoretisch auch für größere Areale geeignet.

Den Dreame Bot L10 Pro gibt es in Schwarz und – seltener – auch in Weiß. Der Straßenpreis für das dunkle Modell hat sich inzwischen bei rund 330 Euro eingepegelt, in Weiß kostet der Roboter etwa 40 Euro mehr.

Der Dreame Bot L10 Pro ist ein richtig guter Saugroboter. Im Vergleich zum sehr ähnlichen, aber ohne 3D-Hinderniserkennung ausgestatteten Dreame D9 (Testbericht) ist der Vorteil allerdings nicht gravierend. Denn dafür funktioniert die 3D-Funktion nicht perfekt genug. Ja, sie ist mehr Segen als Fluch, aber der noch schonendere Umgang mit Möbeln wird mit langsamerer, weil etwas konfuserer Navigation und schlechterer Eckenreinigung erkauft. Dafür hat man im Gegenzug die Chance, dass kleine Gegenstände nicht aufgesaugt werden und sich der Roboter dabei nicht festfährt oder gar eine richtige Sauerei anrichtet. Das allein ist einen Blick auf das Pro-Modell wert. Haushalte ohne Kinder oder Haustiere brauchen das ansonsten sinnvolle Zusatz-Feature nicht.

Wer ohne Objekterkennung auskommt, darf getrost zu unserem Preis-Leistungs-Sieger Dreame D9 (Testbericht) greifen, der nicht ohne Grund bautechnisch fast identisch, aber gute 100 Euro günstiger zu bekommen ist. Noch besser saugen kann der 360 S10 (Testbericht), der ohne Laserturm, aber trotzdem mit Laser zentimetergenau navigiert und klar teurer ist. Ebenfalls noch etwas besser saugen, vor allem dank vibrierendem und anhebbarem Wischtuch besser und vollständig autonom Wischen kann hingegen der Roborock S7 (Testbericht). Das hat natürlich auch seinen Preis. Mehr gute Saugroboter haben wir in unserer Top 10 der besten Saugroboter 2021 zusammengefasst.

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