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Vivo Y20s
Pro und Contra
  • sehr gute Akku-Laufzeit 
  • nur Micro-USB und kein NFC 
  • schlechtes Display 
  • schwerfällige Performance
  • 3.0

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Großes Display, großer Akku und drei Kameras für unter 200 Euro: Mit dem Y20s stellt sich der chinesische Hersteller Vivo der Konkurrenz von Realme. Reicht das?

Gleich vorneweg: Ja, für den Hersteller geht die Rechnung in jedem Fall auf. Der Wettbewerb ist natürlich Kalkül, denn hinter den Marken Vivo und Realme, aber auch Oppo und OnePlus, steckt ein und dieselbe chinesische Dachfirma, nämlich BBK Electronics. Zwar beteuern die einzelnen Marken immer wieder, völlig unabhängig voneinander zu agieren, die Ähnlichkeiten verschiedener Geräte ist aber bisweilen markenübergreifend so groß, dass eine Zusammenarbeit mehr als wahrscheinlich ist. So landet das Geld des Käufers auf diesem oder eben dem anderen Weg in der Tasche des Konzerns, ganz gleich, ob er sich für ein Vivo Y20s oder ein Gerät von Realme entscheidet. Das Gerät von Vivo kam für knapp 200 Euro auf den Markt, setzt für diese Preisklasse aber überraschende Schwerpunkte bei der Ausstattung.

Äußerlich kommt das Y20s wenig aufregend daher. Mit der tropfenförmigen Kameraaussparung vorne und dem Schimmereffekt hinten erinnert es an Honor-Smartphones aus den Jahren 2018 und 2019. Die Rückseite unseres schwarzen Testexemplars zieht Fingerabdrücke an und führt sie mit prächtigen Lichtbrechungen und Spiegeleffekten quasi doppelt vor Augen. Das Gehäuse des Smartphones besteht weitestgehend aus Kunststoff, zumindest der Rückseite fühlt man das aber kaum an. Den Rahmen hat Vivo etwas seltsam gestaltet, ein gutes Drittel seiner Breite geht auf die Display-Einfassung zurück.

Das Vivo-Smartphone verfügt über einen in die Power-Taste integrierten Fingerabdrucksensor. Zwar lässt der sich haptisch kaum vom Rahmen unterscheiden, befindet sich allerdings genau auf Daumenhöhe und lässt sich so intuitiv bedienen. Die darüber platzierte Lautstärkewippe hat knackige Druckpunkte. Auf der linken Rahmenseite findet man das Schubfach für zwei SIM-Karten und eine Micro-SD zur Speichererweiterung.

Während eine Klinkenbuchse wie am Fußende des Y20s immer gerne gesehen ist, macht der Micro-USB-Port daneben etwas ratlos. Ein USB-C-Anschluss zählt auch bei Geräten um 200 Euro heute zum Standard und ist durch keine Ausrede der Welt zu rechtfertigen.

Der IPS-Bildschirm des Vivo Y20s hat eine Diagonale von 6,5 Zoll. Leider stellt er nur 1.600 x 720 Pixel dar, die Anzeige fällt mit einer Pixeldichte von 270 PPI entsprechend grob aus. Die niedrige Auflösung ist nicht das einzige Manko am Display des Vivo-Smartphones: Farben sind blass, Kontraste mau, bereits bei geringer Neigung verliert der Bildschirm seine Strahlkraft. Um die ist es ohnehin nicht besonders gut bestellt, selbst bei maximaler Helligkeit lassen sich die dargestellten Inhalte draußen eher schlecht ablesen. Hinzu kommt ein sichtbarer Nachzieheffekt beim Scrollen, der selbst bei einem klassischen 60-Hertz-Display wie diesem heute nicht mehr auftreten sollte. Auch die bei IPS-Panels verbreiteten Schattierungen an den abgerundeten Bildschirmecken und um die Tropfen-Aussparung der Frontkamera herum sind bei genauerem Hinschauen sichtbar.

Die Einstellmöglichkeiten halten sich stark in Grenzen. Die Farbtemperatur lässt sich manuell verstellen, darüber hinaus gibt es einen Blaufilter und einen Dark Mode. Eine Always-on-Anzeige hat das Y20s nicht, ebenso wenig eine LED für Benachrichtigungen.

Drei Kameras zieren die Rückseite des Vivo Y20s: Eine Hauptkamera mit f/2.2-Blende und 26 Millimetern Brennweite, eine Makrokamera für Nahaufnahmen und ein Tiefenmesser, der für schöne Unschärfeeffekte sorgen soll. Die zwei zuletzt genannten Module haben eine 2-Megapixel-Auflösung, die Standardkamera knipst Fotos mit 13 Megapixel. Vivos Kamerakonstellation ist eher ungewöhnlich und nicht besonders alltagstauglich, eine ultraweite Kamera oder eine im Tele-Bereich hätten wir uns schon gewünscht.

Etwas ärgerlich in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Kamera-App offensiv eine zweifache Vergrößerung anbietet, es sich dabei aber nur um einen Digitalzoom handelt. Der Zugriff auf die beiden anderen Kameras ist dagegen im nicht ganz eindeutigen, arg kleinen Menüpunkt „Linsen“ versteckt. Ohnehin ist die Kamera-Anwendung ziemlich vertrackt: Hinter der Einstellung „Blende“ steht der Bildschirm-Auslöser, die Funktionsweise von „KI-Portraitaufbau“ wird durch die Beschreibung nicht deutlich und zusätzlich zur „Unschärfe“-Linse gibt es einen Porträts-Modus, in dem die Unschärfe noch manuell hinzugeschaltet werden muss. Eine Auto-HDR-Funktion gibt es nicht.

Die Hauptkamera kann in Situationen mit viel Umgebungslicht durchaus punkten. Die Bilddynamik ist oft ausgewogen, Farben werden realistisch gezeichnet. Trotz HDR kommen dennoch ausgebrannte Bereiche vor, bei Streif- und Gegenlicht zeigen sich Säume oder das Bild wird merkwürdig weich. Der Detailgrad geht noch in Ordnung, ebenso die Schärfe. Bei Nachtaufnahmen offenbart die Kamera große Schwächen. Längere Belichtungen sind nur über den manuellen Modus mit einem Stativ möglich – ein Nachtmodus fehlt schlichtweg.

Die Makrokamera hebt Strukturen gut hervor – sofern ein unbewegtes Motiv fotografiert und der Fokus unverändert bleibt. Bei näherer Betrachtung sind die 2-Megapixel-Aufnahmen arg verrauscht – wie immer ist der Nutzen daher extrem eingeschränkt. Die mithilfe des Tiefenmessers unscharf maskierten Hintergründe sind nicht einmal bei klaren Linien und Helligkeitskontrasten sauber ausgeschnitten, bei Porträts werden Haare und Ohren abgeschnitten. Eine positive Überraschung ist die brauchbare 8-Megapixel-Selfiekamera.

Videoaufnahmen macht das Y20s maximal in Full-HD-Auflösung bei höchstens 30 Bildern pro Sekunde. Das Speichern im platzsparenden H.265-Codec ist möglich. Fokus und Belichtung schalten sich während der Aufnahme angenehm schnell auf neue Bedingungen um, tatsächlich hilfreich ist der Schalter für eine verzögerungsfreie digitale Vergrößerung. Die Tonaufnahme ist dagegen ziemlich mies, der schlechte Mono-Lautsprecher des Smartphones verstärkt diesen Eindruck nur.

Das Herzstück des Vivo Y20s bildet der Snapdragon 460 von Qualcomm. Der 2020 eingeführte Einsteiger-Chipsatz hat acht Prozessorkerne, vier davon nach Cortex-A73-Design mit 1,6 GHz und vier weitere nach Cortex-A53-Bauart mit 1,8-GHz-Taktung. Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß. Im Geekbench-5-Test ergeben sich eher unterdurchschnittliche Werte: 255 Punkte im Single-Core- und 1.284 Punkte im Multi-Core-Test. Im Work-2.0-Performance-Test von PCmark springen 5.400 Zähler heraus. Das deckt sich mit dem subjektiven Eindruck zur Leistung des Y20s, das Smartphone reagiert eher etwas schwerfällig und spielt Animationen nicht immer flüssig ab. Zum Spielen aufwendiger 3D-Spiele eignet es sich nicht, hier sind eher einfache Titel gefragt.

Das Vivo Y20s hat wie viele Smartphones aus dem Einsteigersegment ein UKW-Radio verbaut, das sich mit einem kabelgebundenen Kopfhörer nutzen lässt. Leider verzichtet der Hersteller im Gegenzug auf ein NFC-Modul – kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone via Google Pay ist also nicht möglich. Ins Internet geht es per WiFi 5 und LTE, eine 5G-fähige Variante gibt es nicht.

Das Betriebssystem des Y20s ist nach einem Android-11-Update auf dem aktuellsten Stand, Sicherheitspatches bringt Vivo allerdings nur unregelmäßig heraus. Zwar setzen die Chinesen auf eine geforkte Android-Ausgabe namens Funtouch OS, diese sieht in der globalen Version dem Vanilla-ROM von Google aber zum Verwechseln ähnlich. Mit dabei sind folglich mehrere Google-Apps, der Assistant und die native Gestensteuerung. Bei Bedarf kann auch die klassische Navigation über On-Screen-Buttons eingestellt werden.

Verglichen mit vielen anderen China-Smartphones sind die Anpassungsmöglichkeiten am Erscheinungsbild der Oberfläche begrenzt, einen eigenen Themen-Store findet man nicht. Dennoch integriert Vivo haufenweise Features in das Betriebssystem, die vor allem die Bedienung erleichtern sollen. Dazu zählen ein kleines Seitenpaneel mit zusätzlichen App-Verknüpfungen und Werkzeugen, ein Einhandmodus oder Funktionen wie Double-Tap-to-Wake und Raise-to-Wake. Mit Mehrfingergesten wird die Split-Screen-Ansicht aufgerufen, über vorgegebene Berührungseingaben wird vom ausgeschalteten Bildschirm die Kamera gestartet oder der nächste Musiktitel abgespielt. Einige Features funktionieren besser als andere, viele werden vom Bildschirmrand ausgeführt und könnten so mit der Gestensteuerung in Konflikt stehen.

Der Akku des Vivo Y20s hat eine Nennleistung von 5.000 mAh und ist damit gleichauf mit diversen anderen Smartphones dieser Preisklasse, etwa dem Samsung Galaxy M21 (Testbericht). Der PCMark-Akku-Benchmark gibt bei einer Display-Helligkeit von 200 cd/m² eine beeindruckende Laufzeit von 17:46 Stunden aus. Kombiniert mit dem geringen Standby-Verbrauch sind auch bei intensivem Gebrauch gute zwei, bei wenig Nutzung sogar drei bis vier Tage Nutzung drin.

Das Y20s unterstützt schnelles Laden mit maximal 18 Watt, ein entsprechendes Netzteil liegt dem Lieferumfang bei. Drahtlosladen ist natürlich kein Thema, der unter anderem bei Samsung und Huawei gebräuchliche, auf dem Datenblatt des Y20s hervorgehobene Begriff „Reverse Charging“ lässt in diesem Zusammenhang aber zumindest kurz aufhorchen. Gemeint ist damit, dass das Smartphone wie eine Power-Bank Energie an andere Geräte abgeben kann. Kabelgebunden versteht sich, das Laden beispielsweise eines Wearables ohne dessen Ladestation fällt also aus. Zudem verliert die Funktion durch den Micro-USB-Port eindeutig an Reiz, ein Adapter muss separat erworben werden.

Das Vivo Y20s ist seit Herbst 2020 in Deutschland erhältlich, in den Verkauf gestartet war es mit einer UVP von 199 Euro. Inzwischen war das Smartphone schon für unter 140 Euro zu haben. Der Hersteller bietet zwei Farben an, Schwarz und Blau. Es gibt nur eine Konfiguration des Y20s, sie hat 128 GByte Festspeicher, 4 GByte RAM und ist Dual-SIM-fähig. Im Lieferumfang sind ein Schnellladenetzteil, ein Micro-USB-Kabel und ein Satz Kopfhörer mit Klinkenkabel enthalten, eine Schutzfolie ist ab Werk auf das Display aufgebracht.

Der Einstiegspreis von 199 Euro war für das Vivo Y20s klar zu hoch. Der Preis ist mittlerweile um mehr als ein Drittel gefallen und drücken wir es diplomatisch aus: In diesem Preisbereich nimmt man gewisse Kompromisse bereitwilliger hin. Muss man aber nicht, denn auch um 150 Euro gibt es Smartphones, die mit aktuelleren Komponenten daherkommen.

Das Y20s wirkt mit Ausnahme des – leider in Sachen Performance auch nicht gerade glänzenden Snapdragon 460 – wie ein Smartphone mit Teilen aus der Resterampe: Micro-USB-Anschluss und 720p-Display müssen heute wirklich nicht mehr sein, durch das fehlende NFC-Modul kann das Gerät außerdem nicht für die kontaktlose Zahlung eingesetzt werden. Hinzu kommen sichtliche Schwächen bei der Kamera, die uns unterm Strich nicht überzeugen konnte. Die Akku-Laufzeit ist beachtlich, leider kann diese Tatsache das Ruder auch nicht mehr herumreißen.

Das Xiaomi Redmi 9 (Testbericht) schlägt in eine ähnliche Kerbe wie das Vivo Y20s: Es bietet ebenfalls ein 6,5 Zoll großes Display, allerdings mit Full-HD-Auflösung. Zudem verfügt es über einen 5.000-mAh-Akku und moderne Standards wie USB-C und NFC. Noch immer knapp unter der 200-Euro-Marke, aber auch deutlich besser sind Geräte wie das Xiaomi Poco X3 NFC (Testbericht) oder Realme 6 (Testbericht). Noch mehr Geräte in dieser Preiskategorie stellen wir euch in unserem Kaufratgeber vor.

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