Umbausatz iMortor 2.0 im Test: Fahrrad in 15 Minuten zum E-Bike nachrüsten

iMortor
Pro und Contra
  • einfacher Umbau
  • gut verarbeitet
  • Funktioniert nur mit App
  • Kaum Reichweite
  • illegal in Deutschland
  • 2.5

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Das E-Bike-Nachrüst-Kit iMortor 2.0 bietet Motor, Elektronik und Akku kombiniert im Vorderrad. Reicht das für ein vollwertiges E-Bike? Wir testen das Komplett-Set aus China.

Wer sein Fahrrad zum E-Bike umrüsten will, muss nicht tief in die Tasche greifen. Bereits ab 250 Euro gibt es Motoren für Front-, Heck- oder Mittelantrieb. Bezüglich der Legalität muss man jedoch ein paar Dinge beachten, wie wir im Beitrag Fahrrad legal zum E-Bike nachrüsten: Motor & Akku ab 300 Euro zeigen.

Nach den Tests von Mittel- und Heckantrieben wie Pendix Edrive (Testbericht), Bafang MM G340 (Testbericht), Bafang BBS-01B (Testbericht) und Bikight SW900 (Testbericht) folgt nun ein Frontmotor. Das iMortor genannte Kit ist seit knapp zwei Jahren auf dem Markt und vermeidet unnötigen Kabelsalat – alle Komponenten samt Akku und Elektronik stecken im Vorderrad.

Im Lieferumfang sind Vorderrad mit integriertem Nabenmotor (240 Watt), Controller, Smartphone-Halterung, Akku (130 Wattstunden), Netzteil (Achtung: Chinesischer Stecker) sowie Werkzeug und Schrauben enthalten. Unser Testgerät ist für Fahrräder mit Scheibenbremsen ausgelegt – entsprechend liegt eine Bremsscheibe bei. Für Felgenbremsen gibt es keine Version.

Der Austausch gelingt ungeübten Bastlern in 30 Minuten, geübten in gut 15 Minuten. Zuerst kommt das alte Vorderrad vom Fahrrad ab. Danach schraubt man die mitgelieferte Bremsscheibe ans neue Rad und setzt es in der Fahrradgabel ein. Bei uns waren nicht alle Löcher für die Befestigung der Bremsscheibe sauber gefräst. Das Resultat: Nur fünf von sechs Schrauben haben gepasst. Das hält ausreichend, deutet aber auf minderwertige Verarbeitung hin.

Mit Beilagscheiben und Muttern befestigen wir das neue Rad in der Gabel. Es sitzt fest und macht einen sicheren Eindruck. Der Akku sitzt direkt an der Motoreinheit im Rad. Im Anschluss ziehen wir die Kabel vom Rad zur Lenkstange und befestigen sie mit zwei mitgelieferten Kabelbindern. Die Motoreinheit in der Mitte des Reifens dreht sich übrigens nicht mit – so bleibt das Kabel sauber an einer Stelle.

Als Nächstes kommen Controller und Smartphone-Halterung an die Reihe. Beide kann man an der Lenkstange befestigen. Wer hier keinen Platz mehr hat, findet in der Verpackung von iMortor eine zusätzliche Schelle und Aluminiumstange, um die Komponenten anzubringen. Dann verbindet man die Kabel von Controller und Smartphone-Halterung mit dem Motor – eine farbliche Kennzeichnung macht die Arbeit einfach. Zwei Anschlüsse bleiben frei. Hier können Nutzer noch andere Sensoren oder etwa ein Display für die Geschwindigkeitsanzeige nachrüsten.

Nun kommt der spannende Teil, die Inbetriebnahme. Denn wo die Montage einfach ist, gestaltet sich die Aktivierung unseres neuen Pedelecs als Stresstest. Das Set funktioniert nämlich nur mit aktiver App. Deshalb gibt es auch die Smartphone-Halterung, die speist immerhin das Smartphone mit Strom, damit das nicht bei der Nutzung leer läuft. Der Strom kommt direkt aus dem iMortor-Akku, das Ladekabel muss man selbst mitbringen. Zum Vergleich: Kits mit Mittelmotor wie das günstige Bafang BBS-01B (Testbericht) oder das deutlich teurere Pendix-Kit (Testbericht) kommen ohne App-Zwang aus.

Laut Anleitung sollen Nutzer sich die App iMortor herunterladen. Die funktioniert aber nicht mehr. Stattdessen gibt es die App iMortor 2 für Android und iOS; über die Suchmaske der App-Stores findet man sie leicht. Um Fahrrad und App zu koppeln, schaltet man zuerst den Controller ein und startet dann die App. Diese erkennt das Fahrrad sofort und will ein Passwort wissen. Die Anleitung sagt „0000“, das ist falsch. Über Reddit haben wir das alternative Passwort „6666“ gefunden. Das funktioniert.

Danach folgt die nächste Hürde. Die App meldet „Controller failure“ – es passiert gar nichts. Um den Fehler zu beheben, halten wir den On-/Off-Button am Controller für gut zehn Sekunden gedrückt. Dann verschwindet die Fehlermeldung. Das Fahrrad ist nun einsatzbereit.

Das iMortor unterstützt nicht automatisch beim ersten Tritt in die Pedale. Wer dieses Verhalten von teuren E-Bikes kennt: Verantwortlich dafür zeigt sich ein Drehmomentsensor in der Nabe der Kurbel. Den gibt es bei dieser Variante nicht; wir mussten ja nur das Vorderrad austauschen. Je nach Motor erkennt eine Elektronik im Antrieb ab einer bestimmten Drehung des Vorderreifens den Wunsch, zu beschleunigen, und unterstützt – und die Unterstützung läuft auch noch ein wenig weiter, wenn man nicht mehr tritt. Das hilft wunderbar im Alltag, ist aber ein anderes Verhalten, als man es von erheblich teureren modernen E-Bikes mit Mittelmotor-Antrieb von Bosch, Yamaha oder Panasonic kennt.

Der iMortor löst es noch einfacher. Eine automatische Erkennung des Vortriebswunsches gibt es hier nicht. Der Fahrradfahrer drückt den Gashebel – je nach gewünschter Unterstützung stark oder weniger stark. Das sorgt bei längeren Touren für Krämpfe im Finger. Aber wirklich lange dauert eine Fahrt mit Motorunterstützung auch nicht. Bei voller Kraft und ohne eigenes Treten reicht der Akku für knapp 10 Kilometer. Wer zusätzlich in die Pedale tritt und nur zur Hälfte den Motor unterstützen lässt, kommt auf rund 15 Kilometer. Wem das zu wenig ist, der kann sich einen Zusatzakku besorgen; mit gut 100 Euro ist der verhältnismäßig günstig.

Die Fahrt mit dem iMortor macht trotz fehlender Tretunterstützung Freude. Der Motor ist kaum bis gar nicht hörbar. Wer schon mal mit einem Pedelec gefahren ist, kennt das leise vernehmbare „frrrrr“ während der Fahrt. Mit 240 Watt Motorenleistung kommen gut statuierte Männer auf rund 20 km/h ohne zusätzliches Treten auf ebenen Strecken. Das ist zwar toll, aber hierzulande illegal.

Bergauf muss man in die Pedale treten, dafür ist der Motor zu schwach. Wer aber sein altes Mountainbike mit iMortor upgradet, wird mit Gangschaltung und Motorunterstützung eine angenehme Bergfahrt machen, selbst in hohen Gängen.

China-Shops wie Banggood verkaufen das Set regelmäßig für rund 300 Euro. Derzeit ist es dort aber nicht lieferbar. Bei Amazon zahlt man für den Nachfolger iMortor 3.0 über 600 Euro. Und bei Geekbuying gibt es iMortor 3.0 rund 420 Euro. Der soll zwar eine höhere Reichweite haben, hat aber ebenfalls eine App-Pflicht und kommt auf 35 km/h laut Datenblatt – das ist viel zu viel Geld für ein illegales Nachrüst-Kit.

Alternativ entscheidet man sich für ein anderes Nachrüst-Kit. Viele günstige Sets stammen aus China und kosten als legale Version (ohne Gashebel) rund 600 bis 700 Euro samt Akku. Wir können die bereits getesteten Sets mit Mittel- beziehungsweise Heckmotor Bafang MM G340 (Testbericht), Bafang BBS-01B (Testbericht) und Bikight SW900 (Testbericht) empfehlen. Wer speziell ein Set für das Vorderrad sucht, findet bei Amazon Lösungen für rund 500 Euro inklusive Akku oder bei Banggood für rund 280 Euro ohne Akku.

Das Set von iMortor ist Spitzenreiter bei der Montage. Keine 30 Minuten braucht ein Laie, um das Rad nachzurüsten. Soweit der Vorteil. Die Nachteile überwiegen: Der Gashebel ist illegal, die App-Pflicht mies und die Reichweite lächerlich. Wir raten dringend dazu, dass man sich Alternativen ansieht. Die sind kaum teurer und deutlich besser.

Wir haben bereits die Kits Pendix Edrive (Testbericht), Bafang MM G340 (Testbericht), Bafang BBS-01B (Testbericht) und Bikight SW900 (Testbericht) getestet. Wer sich grundlegend in das Thema Nachrüsten einlesen will, findet an anderer Stelle im Beitrag Fahrrad legal zum E-Bike nachrüsten: Motor & Akku ab 300 Euro eine Übersicht.

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