Twotrees Totem S: Desktop-Laser zum Gravieren und Schneiden ab 235 Euro

Twotrees Totem S
Pro und Contra
  • günstiger Preis
  • einfacher Aufbau
  • gute Leistung beim Gravieren und Schneiden
  • Schutzbrille zu klein
  • kein geschlossenes Gehäuse
  • keine Endstopps

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Der kompakte Tisch-Laser TT-5.5S von Twotrees lockt mit einem Preis von unter 250 Euro und der Möglichkeit Holz zu schneiden. TechStage hat sich die Laserschutzbrille aufgesetzt und das Gerät in der Praxis getestet.

Neben 3D-Druckern, Schneidplottern und CNC-Fräsen sind auch Laser-Gravur-Geräte in Preisregionen angekommen, die sie für Privatanwender sehr interessant machen. Die zweiachsigen Laser brennen Texte oder Grafiken per Knopfdruck auf Holz, Bambus, Kork, Leder oder sogar Spiegel und Schiefer. Die Leistung der aktuellen Modelle reicht sogar aus, um Materialien wie Pappe oder dünnes Holz präzise zu schneiden.

Allerdings sind Laser nicht gerade ungefährlich für die Augen, weswegen man während der Benutzung immer mit Schutzbrille arbeiten sollte. Teure Modelle verfügen zwar über einen geschlossenen Bauraum, der vor dem Laserlicht schützt – in der Einsteigerklasse mit großer Arbeitsfläche sucht man so ein Gehäuse aber vergeblich.

Den Hersteller Twotrees bietet neben 3D-Druckern wie dem Sapphire Pro (Testbericht) auch eine Reihe an bezahlbaren Desktop-Lasern an. Nach dem Atomstack A5 (Testbericht) muss nun das Modell Twotrees Totem S mit 5,5-Watt-Laser zeigen, was er in der Praxis leistet.

Der Totem S von Twotrees gehört mit einem aktuellen Marktpreis von 250 bis 320 Euro zu den mittelpreisigen Geräten für den Heimgebrauch. Im Vergleich zu den günstigsten Modellen um die 100 Euro ist nicht nur der Arbeitsbereich größer, auch das Laser-Modul ist deutlich leistungsfähiger. Die Maschine hat einen Arbeitsbereich von 300 × 300 mm. Zum Vergleich: Der Neje KZ schafft gerade einmal 38 × 38 mm, der Laser Pecker (Testbericht) schafft 100 × 100 mm und mit dem Atomstack A5 (Testbericht) sind bis zu 410 × 400 mm möglich.

Unser Testgerät ist die 40-Watt-Version des Totem S – dabei handelt es sich allerdings nicht um die Ausgangsleitung des Lasers. Diese erreicht lediglich 5,5 W bei einer Wellenlänge von 455 nm, was eine realistische Angabe ist. Im Vergleich zu den 1,6 Watt des Laser Pecker ist das schon sehr ordentlich.

Der Rahmen des Totem S ist gleichzeitig die y-Achse, auf der sich die x-Achse vor- und zurückbewegt. Der Laser-Kopf sitzt auf der x-Achse und vollführt dort die Seitwärtsbewegungen. Da es sich um einen Laser mit festem Fokus handelt, muss der Abstand von Lasermodul und Werkstück vom Nutzer angepasst werden. Das funktioniert mittels einer Stellschraube, mit der das Lasermodul entlang der z-Achse auf und ab bewegt wird. Das funktioniert bequem mit einer Hand und es wird, anders als beim Modell von Atomstack, kein Werkzeug benötigt. Als optimalen Abstand zur Oberfläche gibt der Hersteller zwei Millimeter an. Um den Abstand zu überprüfen, benutzen wir ein Holzplättchen mit exakt dieser Stärke. Passt dieses noch genau zwischen Laser und Werkstück, sitzt der Fokus an der richtigen Stelle und der Laser kann sein volles Potenzial ausschöpfen.

Über Endstopps verfügt der auch dieser Laser nicht. Schade, die waren uns auch schon beim Atomstack A5 abgegangen. Wer regelmäßig die gleichen Teile fertigt, muss so bei jeder Nutzung Laser und Objekt neu ausrichten. Ohne die Endschalter zur Positionsbestimmung sind exakt reproduzierbare Ergebnisse nicht möglich.

Die Daten bekommt der Laser per USB-Kabel vom PC. Das Bestücken mit Daten per Speicherkarte oder USB-Stick, wie beim 3D-Drucker, funktioniert nicht.

Der Bausatz des Totem S kommt zweckmäßig, aber ordentlich verpackt bei uns an. Im Inneren liegen die Einzelteile des Rahmens inklusive Schrauben und Werkzeug, der vormontierte Laser-Kopf, ein USB-Kabel, einige Musterstücke zum Gravieren und eine knappe Anleitung. Die einzelnen Teile und Komponenten sind ordentlich verarbeitet und hinterlassen einen wertigen Eindruck.

Das Montieren des Desktop-Lasers kostet uns im Test knapp 30 Minuten. Die Anleitung inklusive der Bebilderung ist zumindest den mechanischen Teil betreffend vorbildlich. Etwas kniffelig wird es dann aber bei der Verlegung der Leitungen. Hier ist die Beschreibung der Anleitung schlicht mangelhaft und wir brauchen mehrere Versuche, bis wir mit unserer Lösung zufrieden sind. Wie exakt die Verkabelung aussehen soll, ohne dass die Mechanik davon beeinflusst wird, muss der Nutzer nämlich selbst herausfinden. Das Anstecken der Leitungen am Mainboard funktioniert, dank Schaubild, immerhin problemlos.

Nach dem Aufbau suchen wir uns zunächst ein geeignetes Plätzchen für den Laser. Neben ausreichend Platz und einem Stromanschluss, sollte es auch eine Möglichkeit zum Lüften geben. Wer Haustiere oder Kinder zu Hause hat, sollte außerdem dafür sorgen, dass diese keinesfalls Zugang zum Laser haben, solange er in Betrieb ist.

Ein Holzbrett unter dem Laser sorgt nicht nur für Schutz von Boden oder Tischplatte, es dient gleichzeitig als Positionierungshilfe. Vor der Gravur zeichnen wir dazu passgenau einen Rahmen um unser Motiv und brennen diesen in das Holzbrett. So sehen wir, wo genau wir unser eigentliches Werkstück platzieren müssen.

Bei der beigelegten Software handelt es sich auch beim Totem S um die Open-Source-Software LaserGRBL. Diese funktioniert zwar irgendwie, wir finden sie allerdings weder übersichtlich noch intuitiv. Als Alternative nutzen wir deshalb die ebenfalls vom Hersteller genannte Software Lightburn. Das Programm kostet knapp 50 Euro und ist als kostenlose Testversion für 30 Tage benutzbar. Wer sich für den Kauf eines Laser-Engravers entscheidet, sollte dieses Budget unbedingt zusätzlich einplanen.

Nach dem Start der Software und Konfiguration der Arbeitsfläche müssen wir zunächst die Startposition des Lasers einstellen. Nun kann es auch schon losgehen. Es folgt der Import der gewünschten Vorlage, einer Pixel- oder Vektorgrafik und die Anpassung von Größe und Position. Lightburn unterstützt neben JPEG, TIFF oder DXF auch zahlreiche andere Formate. Wir setzten noch einen Rahmen um das Objekt und passen die Einstellungen für Geschwindigkeit und Laser-Power an. Im ersten Arbeitsgang geben wir lediglich den Rahmen aus und brennen diesen in unsere Holzunterlage, um die exakte Position der Gravur zu ermitteln. Anschließend positionieren wir das eigentliche Werkstück, passen den Fokus an und geben das gewünschte Motiv aus.

Schneller geht das bei Vektorgrafiken, die der Laser exakt abfährt. Pixelgrafiken werden hingegen Zeile für Zeile abgefahren. Das dauert deutlich länger, weshalb man Schriften oder Logos aus Zeitgründen unbedingt im Vektorformat verarbeiten sollte. Eine Software zum Erstellen solcher Grafiken ist etwa die Freeware Inkscape. Diese ermöglicht es auch, klassische JPEGs in Vektorgrafik umzuwandeln. Während kleine Schriftzüge nach ein paar Minuten fertig sind, dauern größere Grafiken auch schnell mal mehrere Stunden. Wie lange der komplette Prozess dauert, ist außerdem immer auch von den eigenen Settings abhängig und etwa in Lightburn ersichtlich.

Um verschiedene Graustufen darzustellen, verändert der Laser die Leistung und brennt unterschiedlich viele Punkte ins Material. Das Ergebnis liefert verschieden tief eingebrannte Stellen, die sich je nach Material und Einstellungen mehr oder weniger gut unterscheiden lassen. Um ein perfektes Resultat zu erzielen, sollte man vor der eigentlichen Gravur immer Tests mit verschiedenen Graustufen, Geschwindigkeiten und Leistungseinstellungen machen. Hier heißt es ausprobieren. Um das Lasermodul zu entlasten und so eine möglichst hohe Lebensdauer zu erreichen, sollte der Laser möglichst selten (besser nie) mit den vollen 100 Prozent arbeiten.

Der Totem S ist für Anwender mit Erfahrungen aus dem 3D-Druckbereich und für Nutzer mit technischem Grundverständnis einfach zu bedienen. Statt auf die mitgelieferte Brille, greifen wir auf unsere private Sicherheitsbrille zurück. Zwar sollte die beigelegte grüne Kunststoffbrille gegen das Laserlicht schützen, allerdings empfinden wir die Brille als zu klein und entsprechend unbequem.

Da der Engraver während der Tests am Boden steht, macht der aufgesteckte Sichtschutz auch schon ohne Brille einen guten Job. Wegen Reflexionen sollte man trotzdem immer nur mit zusätzlichem Augenschutz arbeiten. Kopfschmerzen oder brennende Augen wären Hinweise auf eine mögliche Schädigung, selbst wenn man nicht direkt in den Laser sieht. Hier ist Vorsicht angesagt! Die Benutzung eines so starken Lasers ist nicht ohne Risiko. Ob man dieses eingehen will, muss man selbst entscheiden. Am sichersten wäre es, wenn man den Arbeitsvorgang lediglich per Kamera beobachtet. Wir benutzen dazu eine einfache WLAN-Kamera. Ganz außer Sicht sollte der Laser niemals arbeiten, da etwa Holz bei falschen Einstellungen (zu langsam und zu viel Leistung) etwa in Flammen aufgehen könnte.

Schon die ersten Tests mit dem Totem S verlaufen hoch zufriedenstellend. Der Laser 5,5-Watt-Laser macht einen richtig guten Job. Umrisse und Details sind scharf und spürbar ins Holz eingebrannt. Auf dem benutzten 2 bis 4 mm starken Bastelholz aus dem Baumarkt sind Kontraste und Graustufen gut zu sehen und zu unterscheiden. Wir testen für die Gravur Geschwindigkeiten zwischen 800 und 2000 mm/min und 30 bis 90 Prozent Leistung. In Fall des Totem S haben wir für Grafiken mit 1200 mm/min und 60 Prozent ausgezeichnete Ergebnisse erzielt. Wer es eilig hat, bekommt aber auch bei 2000 mm/min und 90 Prozent Leistung gut aussehende Gravuren hin.

Um zu testen, wie gut der Totem S schneidet, verwenden wir 2 mm dickes Bastelholz und die Einstellungen 500 mm/min bei 90 Prozent. Je nachdem, wie genau der Fokus gesetzt ist, braucht der Laser damit fünf bis sieben Durchgänge, bis das Holz komplett durchgeschnitten ist. Das ist für einen 5,5 Watt Laser beachtlich. Mit dem getesteten A5 haben wir dafür mindestens zehn bis zwölf Durchgänge benötigt.

Leder oder Kunstleder zu gravieren funktioniert ebenfalls gut. Allerdings sind Rauch- und Geruchsentwicklung bei diesen Materialien extrem unangenehm. Hier sollte man grundsätzlich mit wenig Leistung arbeiten, um das empfindliche Material nicht zu verbrennen.

Mittelfristig würden wir uns für so einen Laser einen Kasten als Sichtschutz basteln. Dies würde die Gefahr für Haustier und Familienangehörige senken und die Installation einer wirkungsvollen Absaugung ermöglichen. Denn obwohl der Laser lediglich dünne Schichten der Oberfläche abträgt, werden diese doch verbrannt und dabei entstehen Rauch und Geruch. Bei der Gravur von Holz sorgt das bei schlechter Belüftung zu dichtem blauem Dunst und dem Geruch eines Lagerfeuers. Das mag für den einen oder anderen romantisch klingen, spätestens bei der Bearbeitung Leder hört der Spaß aber auf. Wer keine vernebelte und stinkende Bude will, muss das Fenster öffnen oder besser eine Absaugung installieren, um kreischende Feuermelder und Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden.

Wer plant Kunststoffe zu gravieren oder zu schneiden, sollte sich vorher genauestens über die Materialeigenschaften informieren. Bei vielen Kunststoffen entstehen beim Lasern krankheitserregende Stoffe, die keinesfalls ein die Lunge geraten sollten.

Laut Preisvergleich kostet der Totem S etwa 320 Euro. Hinsichtlich der Leistung empfinden wir das als gerechtfertigt. Ehrlicherweise sollte man allerdings noch etwa 50 Euro für die Software Lightburn mit einberechnen.

Das Testgerät wurde uns vom Onlineshop Geekmaxi zur Verfügung gestellt. Dort ist das Modell TT-5.5S ab etwa 234 Euro erhältlich.

Der Totem S hat trotz des moderaten Preises mit großartigen Ergebnissen überzeugt. Selbst das Schneiden von Bastelholz bis zu einer Stärke von maximal vier mm funktioniert mit dem Desktop-Laser problemlos. Durch eine bessere Fokussierung ist der Totem S anderen ähnlich starken Lasern wie dem Atomstack A5 in Sachen Schneideleistung überlegen. Bastler und DIY-Fans bekommen mit dem Totem S ein ungewöhnliches und gleichzeitig praktisches Werkzeug für den Hobbykeller.

Auch der kleine und nur zum Gravieren geeignete Laser Pecker (Testbericht) hatte uns begeistert, allerdings störte dessen kleiner Arbeitsbereich. Der A5 (Testbericht) bietet mit 410 × 400 mm zwar eine größere Arbeitsfläche als der Laser von Twotrees, dafür ist er aber weniger zum Schneiden geeignet.

DIY-Fans bekommen mit TT-5.5S für knapp 250 Euro ein ungewöhnliches, faszinierendes und gleichzeitig praktisches Werkzeug für den Hobbykeller. Am schönsten finden wir die Kombination aus Schnitt und Gravur. Wer solche Projekte plant, sollte allerdings genügend Zeit einrechnen. Eine komplexe Grafik und der anschließende Schneidvorgang können schnell mal mehre Stunden dauern.

In der Praxis stören uns der nicht durch Endschalter markierte Nullpunkt und das offene Gehäuse. Zudem ist die beigelegte Brille etwas zu klein und daher sehr unbequem.

Wer Holz bearbeiten möchte, sollte zusätzlich einen Blick in unsere Ratgeber zu Sägen und Schleifgeräten ansehen oder in unseren Laser-Ratgeber schauen.

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