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Trifo Max Pet
Pro und Contra
  • Hohe theoretische Saugleistung
  • Überwachungskamera
  • Miese Navigation
  • Überwachungskamera nur Gimmick
  • Ultralaut
  • 2.0

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Haustiere sind süß, aber verursachen viel Dreck im Haus und machen häufig in Abwesenheit Blödsinn. Mit dem Saugroboter Trifo Max Pet sollen Nutzer beides im Griff haben – wie, verrät der Test.

Das Unternehmen Trifo wird nicht vielen Nutzern in Deutschland ein Begriff sein, schließlich ist es hierzulande noch recht neu. Eines der ersten Produkte ist der Saugroboter Trifo Max Pet. Er richtet sich mit 4000 Pascal Saugleistung und Überwachungskamera gezielt an Haustierbesitzer, die damit selbst Tierhaare in den Griff bekommen sollen und auch von Unterwegs einen Blick auf ihren Liebling werfen können.

Die aktuellsten Tests aus dem Bereich Saugroboter sind Artikel zu den Modellen Lenovo T1 Pro mit Absaugstation (Testbericht) und Xiaomi Dreame D9 (Testbericht), der mit Lasernavigation und hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis punktet.

Gut sieht er aus, der Trifo Max Pet. Dabei brilliert er nicht mit außergewöhnlichem Material, denn der Hersteller setzt hier wie der Großteil der Konkurrenz auf weißen Kunststoff. Dennoch wirkt das Design insgesamt gefällig. Ecken versucht der runde Sauger mit einer rechts angebrachten Seitenbürste zu erreichen, der Frontbumper wird von einem langen schwarzen Streifen Kunststoff dominiert, der an den Visor von Geordi La Forge aus Star Trek Enterprise: Next Generation erinnert. Größter Unterschied zur Konkurrenz: Auf dem Trifo Max Pet ist kein Laser-Turm auf der Oberseite angebracht, stattdessen sieht man hier eine Aussparung für eine Kamera. Damit setzt Trifo zusammen mit iRobot als einer der letzten Hersteller auf diese im Vergleich ungenaue Navigation, bei der die nach schräg oben gerichtete Kamera die Navigation anhand der Übergänge von Wand zu Decke vonstattengeht, statt dem Roboter tatsächlich ein detailliertes Abbild seiner Umgebung zur Verfügung zu stellen. Dafür bietet dieses Feature andere Vorteile, einer davon ist die mit knapp 9 Zentimeter etwas niedrige Bauhöhe als bei Laser-Bots. Einen anderen Vorteil erörtern wir später.

Der Rest ist wie bei vielen anderen Robotern: Der obere Deckel lässt sich nach oben klappen, darunter befindet sich der große Schmutzbehälter. Er lässt sich nach oben entnehmen. Eine Wischfunktion hat das Modell nicht. Die Ladestation ist niedriger als bei Wettbewerbern und bietet Kabelmanagement. Damit lässt sich zu viel Kabel einfach im Inneren der Station aufwickeln und sie kann optimal positioniert werden, ohne dass Kabel irgendwo zusammengebunden herumhängen.

Bei der Navigation macht sich sofort der Unterschied von Kamera- zu Laser-Navigation bemerkbar. Der Trifo Max Pet weiß einfach nicht, was sich direkt vor ihm befindet, vor allem niedrige Gegenstände kann er schlichtweg nicht erkennen. Als Resultat rumst er ziemlich rustikal durch die Gegend. Während Laser-navigierte Bots ihren Frontbumper eher dazu verwenden, um nach dem Abbremsen langsam mit Hindernissen auf Tuchfühlung zu gehen, fährt der Trifo oft aus voller Fahrt dagegen. Nur vor großen Hindernissen wie Wänden oder großen Möbelstücken bremst das Trifo-Modell vorher ab. Kanten fährt er ganz ordentlich ab, dieses Adjektiv trifft aber auf die restliche Navigation nicht zu. Von Struktur ist nichts zu sehen, gefühlt fährt der Sauger wie ein Billigmodell planlos durchs Zimmer. Stößt er irgendwo an, dreht er mal ganz ab, mal versucht er, das Hindernis zu “ertasten”, in dem er es abfährt.

Dieses Chaos wird auch in der App ersichtlich. Dort versucht der Roboter mehr oder weniger erfolglos, eine genaue Karte der Umgebung darzustellen. Dass die deutlich weniger detailliert als bei Saugrobotern mit Laser ausfällt, ist verständlich. Dass die dargestellten Pläne aber nur mit Fantasie Ähnlichkeit mit den tatsächlichen Gegebenheiten aufweisen, ist sehr verwunderlich. Unser quadratischer Testaufbau zur Ermittlung der Reinigungsleistung war etwa nach abgeschlossenem Saugvorgang nicht annähernd quadratisch, sondern erinnerte eher an moderne Kunst. Zudem verkündete die App hinterher stolz, dass der Trifo Max Pet rund 6 Quadratmeter gesaugt hatte – grobe Selbstüberschätzung, misst der Versuchsaufbau doch nur knapp 4 Quadratmeter. Das alles zeigt, dass der Roboter keine verlässliche Vorstellung von seiner Umgebung hat, entsprechend unzureichend navigiert er. Dass er seine Ladestation regelmäßig wiederfindet, ist da schon beinahe ein lobenswertes Feature – und das ist eigentlich Grundvoraussetzung für einen modernen Saugroboter.

Ansonsten hält sich die App vornehm mit Features zurück. Nogo-Areas oder virtuelle Grenzen gibt es nicht. Eine Raumerkennung? Nada. Nicht einmal eine automatische Anhebung der Saugkraft auf Teppich beherrscht das Modell – das ist alles ziemlich ernüchternd. Immerhin gibt es inzwischen eine ordentliche deutsche Sprachausgabe, die über den kräftigen Lautsprecher ausgegeben wird. Außer einem Reinigungszeitplan hat der Trifo Max Pet ansonsten aber nichts zu bieten – wenn man von der Kamera-Überwachungsfunktion absieht, mit der der Hersteller groß wirbt. Die bietet eine Bewegungserkennung, für die ein Aktivitätszeitraum angegeben werden kann und sie lässt sich während des Saugens aktivieren. Die Bewegungserkennung funktioniert sehr zuverlässig, der Nutzer bekommt dann eine Push-Nachricht mit dem offensichtlich noch nicht ganz eingedeutschten Hinweis “Sich bewegenden Objekten schon erkennt” samt Datum und Uhrzeit, die ein kurzes Video beinhaltet. Das kann der Nutzer sich dann anschauen und direkt in den manuellen Steuerungsmodus wechseln, um dem gemeldeten Vorgang auf den Grund zu gehen.

Das Problem: Der Kamerawinkel ist so ungünstig, dass das tatsächlich nutzbare Blickfeld extrem klein ist. Das geliebte Haustier muss man also mit dem Roboter halb überfahren, bevor man es zu sehen bekommt, eine Katze hat bis dahin längst Reißaus genommen. Außerdem ist die Qualität in etwa mit einer 2-Megapixel-Kamera in einem sehr preiswerten Einsteiger-Smartphone zu vergleichen – selbst bei gutem Tageslicht gibt es wenig Details zu bestaunen und mit abnehmendem Licht wird die Kamera ganz nutzlos.

Trifo benennt vor allem Haustierbesitzer als Zielgruppe und wirbt in diesem Zusammenhang mit starken 4000 Pascal Saugleistung. In unserem Versuchsaufbau bleibt außer enorm hoher Lautstärke davon aber nur wenig übrig. Wir haben mangels fester Vorgaben oder eines Automatikmodus in der App den Schieberegler für die Saugkraft nach bestem Wissen und Gewissen auf die Mitte eingestellt. Damit erreicht der Trifo Max Pet immer noch recht laute und wegen seines pfeifenden Geräusches unangenehme 63 Dezibel in einem Meter Entfernung. Das optische Saugergebnis ist denkbar schlecht, auf den Teppichfliesen und dem glatten PVC-Boden liegt noch allerhand Vogelfutter rum, nur auf dem hochflorigen Teppich ist visuell kein Schmutz mehr zu finden. Der katastrophale Ersteindruck passt nicht ganz zum Ergebnis des Nachwiegens: 31 Gramm fand der Saugroboter nach abgeschlossenem Saugvorgang und 9 Minuten wieder – von 50 Gramm. Die genaue Verteilung von 30 Gramm Sittich-Futter und 20 Gramm Vogelsand: 24 Gramm Futter, 7 Gramm Sand. Das ist durchaus ordentlich. An einen Roborock S6 MaxV (Testbericht) mit 24/11 (36 Gramm gesamt) oder einen Dreame D9 (Testbericht) mit 25/13 (38 Gramm gesamt) kommt der Trifo Max Pet zwar nicht heran, besser als ein Lenovo T1 Pro (Testbericht) mit 13 Gramm gesamt ist er aber allemal. Alle anderen Roboter wurden im Normalmodus gemessen, hier ist also noch Luft nach oben.

Die hohe Saugleistung ist ein Hauptverkaufsargument des Trifo-Modells, daher wollten wir ihm eigentlich eine zweite Chance geben und ihn den Parcours noch einmal mit maximaler Saugleistung wiederholen lassen. Nachdem das Gerät aber auf mittlerer Einstellung schon so nervtötend laut ist und wir zwischenzeitlich bei maximaler Saugleistung knapp 75 Dezibel messen konnten, haben wir davon abgesehen. Denn wer will sich das im Alltag wirklich antun? Und erst die armen Haustiere, auf die der Hersteller ja so viel Wert legt – wer will seine Katze mit dieser Turbine auf drei Rädern wirklich traumatisieren? Bleibt abschließend noch der Blick auf den Schmutzbehälter. Er lässt sich recht einfach nach oben aus dem Roboter entnehmen, dabei muss man aber aufpassen, dass der Inhalt nicht schon auf dem Weg zum Mülleimer teilweise verloren geht. Denn eine einfache Klappe vor der Einsaugöffnung, die bei fast allen anderen Herstellern genau das verhindert, fehlt beim Trifo-Modell. Hinzu kommen breite überstehende Ränder des Behälters, der es schwierig macht, den kompletten Inhalt zielgerichtet in den Mülleimer und nicht auf dem Boden drumherum zu entleeren.

Noch ein abschließendes Wort zu Tierhaaren: Zwar haben wir dafür keinen genormten Test, aber im Haushalt des Testers lebt unter anderem eine weiße Langhaarkatze. Von den schwarzen Quadraten eines Kurzflor-Teppichs bekam der Trifo Max Pet die Haare genauso gut (und das ist weit von “perfekt” entfernt) wie ein Proscenic M7 Pro (Vergleich) entfernt. Ein Vorteil ist also auch hier nicht für den speziell an Tierbesitzer gerichteten Trifo zu erkennen. Immerhin ist der Sauger mit 120 Minuten Saugzeit angeben, nach Aufladung setzt er seinen Dienst fort.

450 Euro verlangen Händler in Deutschland für den Trifo Max Pet – selbst die Hälfte wäre noch zu viel.

Wer als unbekannter Hersteller in einen Markt kommen will, sollte das mit guter Leistung und niedrigem Preis versuchen – so haben sich in den vergangenen Jahren schon viele Hersteller in Deutschland etabliert. Wer hingegen so stümperhaft und dann auch noch derart überteuert Fuß zu fassen versucht, darf sich nicht wundern, wenn das nicht funktioniert.

Der Trifo Max Pet setzt mit der Kamera-Navigation aufs falsche Pferd und kann daher selbst mit deutlich günstigeren Laser-Saugrobotern nicht mithalten. Die Überwachungsfunktion ist ein nettes Gimmick, aber alles andere als ein Verkaufsargument. Nur die reine Saugleistung kann auf dem Papier noch weitestgehend überzeugen, auch wenn das optische Ergebnis auf unserem Testparcours unterdurchschnittlich war. Allerdings sollte Trifo hier gleich Gehörschutz mitliefern, selbst auf mittlerer Saugstufe ist der Roboter zu laut, auf maximaler definitiv unerträglich. Dem Hersteller können wir an dieser Stelle nur raten, zurück zum Reißbrett zu gehen und komplett von vorn anzufangen. So wie mit dem Trifo Max Pet wird ihm in Deutschland kein Erfolg beschert sein.

Fast jeder Saugroboter, den wir bis dato im Test hatten, erfüllt seine Aufgabe besser, viele davon sind sogar günstiger als das Trifo-Modell. Zu nennen wären da etwa der Lenovo T1 Pro mit Absaugstation (Testbericht) für weniger Geld, der zwar bei der reinen Saugleistung nicht überzeugte, dafür aber in allen anderen Punkten. Oder der Xiaomi Dreame D9 (Testbericht), den wir unter den aktuell getesteten Modellen als Preis-Leistungssieger ansehen. Vom Kauf des Trifo Max Pet raten wir hingegen dringend ab!

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