Sony Xperia Pro I im Test: Das theoretisch beste Kamera-Handy der Welt

Sony Xperia Pro I
Pro und Contra
  • Kamera mit enorm vielen Optionen für Profis
  • gutes technisches Gesamtpaket
  • Kamera für typische Smartphone-Nutzer "nur" gut
  • extremer Preis
  • Akku nur Mittelmaß
  • 4.0

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1-Zoll-Sensor, variable Blende und umfassende Foto- und Video-Software sollen das Sony Xperia Pro I zum besten Fotohandy auf dem Markt machen. Wir zeigen im Test, warum das nur bedingt klappt.

Sony hat es seit Jahren schwer auf dem Smartphone-Markt. Das liegt unter anderem daran, dass der Konzern zwar mit seinen Alpha-Kameras nach wie vor Marktführer ist und eigentlich über das Know-How für Smartphone-Kameras verfügen sollte, allerdings konnte er das in der Vergangenheit meist nicht adäquat umsetzen. Schlimmer noch: Andere Unternehmen holten aus den Sony-IMX-Sensoren dank eigener Software mehr heraus, machten damit bessere Bilder.

Seit einiger Zeit konzentriert sich der japanische Hersteller daher auf einige wenige, ganz besondere Smartphones. Da das normalerweise mit hohen Preisen verbunden ist, ist Sony weit von früheren Marktanteilen entfernt. Achtungserfolge gibt es immerhin und in ihren ganz speziellen Nischen können Smartphones wie das Sony Xperia Pro (Testbericht) trotz extrem hoher Preise durchaus ihr Geld wert sein. Nur für den Normalnutzer sind sie dann größtenteils leider nichts. Ob das beim 1800-Euro-Klopper Sony Xperia Pro I (I wie der Buchstabe und für das Wort „Image“, nicht die römische Eins) anders ist?

Sony verspricht nichts weniger als die ultimative Kamera im Smartphone-Format und wirft dafür einen riesigen 1-Zoll-Sensor, der auf dem Chip der Kompaktkamera Sony RX100 VII basiert, eine variable Blende und umfangreiche Software für Foto und Video in die Waagschale.

Beim Design orientiert sich Sony grob am Xperia Pro (Testbericht), dessen kantiges Design übernommen wurde. Das hat Sony schon länger als Alleinstellungsmerkmal für sich gewonnen, ebenso wie die fehlende Punchhole-Notch. Stattdessen beharrt der Hersteller auf breiten Rändern oben und unten am Display, denn eine Kamera in der Darstellungsfläche stört – so zumindest der Hersteller – die Immersion bei Multimedia-Aufgaben. Kritiker könnten hingegen zu Recht anführen, dass die Lösung von Sony im Gegenzug ziemlich altbacken wirkt. Der Rahmen des Smartphones ist jetzt geriffelt statt glatt. Anders als beim Pro ohne I-Zusatz ist auch die Kamera. Sie ist optisch viel präsenter, untereinander angeordnet mit einer zentralen, besonders großen Linseneinheit in der Mitte. Diverse Hinweise auf den Kooperationspartner Zeiss und dessen Tessar-Linsen gibt es außerdem.

Trotz des kantigen Designs liegt das Sony-Modell gut in der Hand, allerdings passierte es uns immer wieder, dass wir mit Daumen beim Aufheben oder sogar beim Halten mit dem Handballen den zweistufigen Kameraauslöser betätigten. Der ist sehr weit unten auf der rechten Seite angebracht, sodass er im Querformat während des Fotografierens bequem mit dem Zeigefinger erreichbar ist. Der direkt daneben liegende, runde Druckknopf für direkten Zugriff zum Videomodus ist hingegen plan in den Rahmen eingelassen, ihn haben wir nicht unbeabsichtigt ausgelöst. Der Powerbutton mit Fingerabdruckbutton ist ebenfalls bündig eingelassen, er ist gut positioniert und somit bequem zu erreichen. Die Verarbeitung ist gut, dank IP68-Zertifizierung ist das Modell gegen Staub und Wasser gesichert.

Beim Display bietet Sony mal wieder Superlativen, zumindest auf dem Datenblatt. Der 6,5 Zoll große OLED-Screen im 21:9-Format bietet 3840 x 1644 Pixel (4K) und damit mehr als 640 Pixel pro Zoll (ppi) – schärfer ist derzeit kaum ein anderes Smartphone-Display. Bei der Farbwiedergabe bleibt Sony bei 8 Bit, das wundert bei einem ausgemachten Fotografen-Gerät etwas. Dafür gibt es wie von aktuellen Oberklassemodellen gewohnt 120 Hz Bildwiederholungsrate, die Abtastrate liegt bei ausreichenden 240 Hz. Der von Gorilla Glas Victus geschützte Screen überzeugt mit natürlichen Farben, tollem Schwarzwert und sehr guter Blickwinkelstabilität – OLED eben. Bei der Helligkeit gibt es bessere, Samsungs Topmodelle liegen hier meist deutlich über 800 cd/m², wir konnten beim Sony-Modell hingegen „nur“ 720 cd/m² im Automatikmodus messen. Im Alltag ist das mehr als ausreichend. HDR unterstützt der Screen natürlich auch, er deckt dafür den DCI-P3-Farbraum zu 100 Prozent ab. Insgesamt macht das Panel des Sony Xperia Pro I einen sehr guten Eindruck.

Kommen wir zum Herzstück des Sony-Modells, der Kamera. Auf dem Papier hören sich die Grundfakten gar nicht so spektakulär an: Hauptkamera mit 12 Megapixel und f/2.0 sowie optischem Bildstabilisator (OIS), Weitwinkel mit 12 Megapixel und f/2.2 sowie eine Telekamera mit ebenfalls 12 Megapixel und OIS. Eine Time-of-Flight-Kamera vervollständigt das Bild einer Quad-Cam, die auch in einem gehobenen Mittelklassemodell stecken könnte. Immerhin: Die Wahl gleicher Auflösung für verschiedene Kamera sollte sich grundsätzlich positiv auf die Abstimmung untereinander auswirken. Aber da ist mehr. Etwa der bereits erwähnte 1 Zoll große Sensor, der auf dem Chip aus einer Kompaktkamera basiert, außerdem die variable Blende der Hauptkamera, die entweder auf f/2.0 oder f/4.0 eingestellt werden kann. Ähnliche Versuche hatte Samsung bereits in seiner Galaxy-S9-Reihe gemacht, in den Folgemodellen aber wieder aufgegeben. Nokia hatte ähnliche Ansätze sogar schon 2009 im N86, neu ist die Idee also in einem Smartphone nicht.

Auch der auf dem Papier für ein Smartphone enorm große Sensor ist nicht neu. Bereits 2013 experimentierte Panasonic beim Android-Smartphone CM 1 mit 1 Zoll, im Jahr 2021 kamen Sharp Aquos R6 und Leitz Phone 1 mit 1-Zoll-Sensoren hinzu. So oder so: Sony erzählt mit seiner Aussage, man verwende einen 1-Zoll-Sensor, vermutlich nur die halbe Wahrheit. Denn wegen des limitierten Platzangebotes in einem flachen Smartphone und dem kleinen Objektiv ist es naheliegend, dass nicht die ganze Sensorfläche genutzt werden kann. Das erklärt auch, warum die als Vorbild dienende Kompaktkamera RX100 VII Fotos mit 20 Megapixel macht, das Xperia Pro I aber nur mit 12 Megapixel. Die effektive Sensorgröße des Sony-Smartphone betrage daher nur rund 1/1,3 Zoll, berichten mehrere andere Medien – und das wäre dann immer noch in Ordnung, aber weit weniger spektakulär.

Wie heißt es allerdings so schön: Wichtig ist, was hinten rauskommt. Und hier werden viele „Normalnutzer“ wohl eher enttäuscht sein. Denn die Bilder des Sony Xperia Pro I sind gut, keine Frage. Aber sie sind nicht besser als bei der Konkurrenz, die nicht so viel Wind um Sensor und Co. macht. Im Automatikmodus bei hellem Tageslicht sind Aufnahmen sehr ausgewogen, nicht megascharf, aber doch absolut ausreichend, detailliert und Farben wirken sehr natürlich. Konkurrenten wie ein Google Pixel 6 Pro (Testbericht) holen hier aber noch einmal sichtbar mehr heraus. Bildrauschen gibt es beim Sony-Modell nicht, die Bilddynamik ist ziemlich gut. Das gilt durchweg für alle drei Linsen, auch wenn der Weitwinkel nicht ganz bei der Schärfe mithalten kann, wohl aber das Teleobjektiv mit 2,1-facher Vergrößerung. Bei der eher mäßigen Vergrößerung ist es kein Wunder, dass der maximal 6,3-fache digitale Zoom nur noch auf dem Smartphone-Display, nicht mehr aber auf dem PC-Monitor scharf aussieht. Modelle wie das Huawei P50 Pro (Testbericht) machen das wesentlich besser.

Bei wenig Licht wird der Unterschied zur Konkurrenz noch größer – das wundert vor allem, weil Sony mit 2,4µm großen Pixel prahlt. Bildrauschen ist je nach Situation bei Sony trotzdem stärker ausgeprägt und an die Bildschärfe mancher Oberklassekonkurrenten kommt das Pro I auch nicht heran. Auf ihre Kosten kommen vor allem Fans von natürlichen Nachtaufnahmen ohne starke Aufhellung. Dadurch braucht das Smartphone aber auch deutlich mehr Licht als Konkurrenten, um noch brauchbare Aufnahmen zu knipsen.

Gut gefallen hat uns hingegen der Autofokus, der nicht nur automatisch Personen und Tiere im Sucher erkennt und markiert, er behält sie auch noch „eingelockt“. Das klappt auch mit Gegenständen per Fingertipp. So kann man anschließend die Position für ein besseres Bild ändern, ohne dass der Fokus geändert wird. Die manuell änderbare Blende wird von typischen Smartphone-Nutzern hingegen kaum Verwendung finden, dabei lässt sich damit der Schärfebereich sichtbar ändern. Wer etwa mit f/2.0 ein nahes Motiv fotografiert, wird nur einen sehr begrenzten Schärfebereich mit sehr starkem Bokeh im Hintergrund bekommen. Das macht das „Treffen“ des gewünschten Objektes und dessen Bildschärfe unter Umständen schwierig. Wechselt man auf f/4.0, wird das Bokeh sichtbar schwächer, dafür steigt der Entfernungsbereich, in dem das Bild scharf ist. Dann sind etwa mehrere Äste in leicht unterschiedlichem Abstand zur Kamera noch scharf.

Die Videofunktion ist wie die Fotofunktion gut, aber nicht ganz so gut wie bei anderen Spitzenprodukten. Die Selfiecam macht bei ordentlichem Licht gute Aufnahmen.

Der oben genannte „typische Smartphone-Fotograf“ ist genau das Stichwort des Sony Xperia Pro I. Denn der wird es schwerer als bei Konkurrenzprodukten haben, genauso gute Bilder zu knipsen. Trotz aller (abschaltbarer) Automatikfunktionen richtet sich das Sony-Smartphone eher an Fotografen, die wissen, was sie da tun und die möglichst viel Eingriff auf die Entstehung des Bildes haben wollen. Daher bietet die Foto- und auch die Video-Software enorm viele Einstellungsmöglichkeiten, die den Normalnutzer überfordern. Profis kommen hier hingegen weit mehr auf ihre Kosten, als bei anderen Smartphones. Interface und Funktionen orientieren sich dabei an den Alpha-Kameras von Sony, etwa das virtuelle Modus-Wahlrad. Es erlaubt die Wahl des Basic-Modus, in dem die meisten Eingriffsmöglichkeiten limitiert sind und das Interface am ehesten an eine normale Smartphone-Kamera erinnert, über den Automatik- und Programmautomatikmodus, weiter über „Priorität der Verschlusszeit“, „manuelle Belichtung“ und einen komplett manuellen Modus. Während alle anderen Hersteller bei ihren Smartphone-Kameras Rechenpower und KI-basierte Algorithmen dazu nutzen, ohne aktives Zutun möglichst gute Fotos zu erstellen, ermuntert Sony seine Nutzer geradezu zum manuellen Eingriff.

Die technische Ausstattung des Sony Xperia Pro I gerät darüber beinahe zur Nebensächlichkeit, dabei ist die alles andere als schlecht. Kernstück ist der Snapdragon 888 von Qualcomm, dem 2021er Spitzenchipsatz. Der zeigt sich in Verbindung mit stolzen 12 GByte RAM und 512 GByte internem, per Micro-SD-Karte erweiterbarem Speicher von seiner leistungstechnisch besten Seite, die in keiner Lebenslage Wünsche offen lässt. Im PCmark-Benchmark Work 3.0 erreicht das Gerät gute 11.400 Punkte, in 3Dmark Wildlife sind es 5900 Punkte – beides liegt auf Spitzenniveau und es gibt nicht viele Modelle, die hier deutlich stärker sind.

Auch beim Rest muss sich das Sony-Handy nicht verstecken. Es gibt neben NFC, Dual-SIM mit zwei 5G-fähigen SIM-Karten, eine 3,5-Millimeter-Buchse, USB C 3.1 und Wifi-6 kaum etwas, was andere Smartphones besser machen. Unsere Tabelle zeigt die Ausstattung im Detail. Mit Fingerabdrucksensor und Stereo-Lautsprechern sind wir insgesamt zufrieden.

Bei der Software setzt Sony auf Android 11 mit seiner eigenen Nutzeroberfläche. Sie ist insgesamt ausreichend übersichtlich und liefert viele Extra-Apps, die Funktionen rund um den Sony-Kosmos liefern. Beim Sicherheits-Patch ist Sony nicht ganz aktuell, bei unserem Testmodell stammt er vom Januar 2022.

Wer eine Profikamera dabei hat, braucht gute Akkulaufzeit. Während sich die dort per Wechselakku realisieren lässt, geht das bei einem modernen Smartphone nicht. Nutzer des Sony Xperia Pro I müssen entsprechend mit dem eingebauten Akku mit 4500 mAh auskommen und das klappt eher mittelmäßig gut. Nur rund 9 Stunden hielt das Smartphone im Battery Test von PCmark durch – das ist kein schlechter Wert, aber sicherlich schlechter, als man sich bei dem spezialisierten Aufgabenbereich des Handys wünschen würde. Im Alltag abseits langer Fotosessions hält das Gerät aber gut ein bis zwei tage ohne externe Stromversorgung durch. Die Ladezeit mit dem beiliegenden Ladegerät ist allerdings mit rund 2 Stunden nicht übermäßig gut, kabelloses Laden gibt es trotz des hohen Preises des Sony-Modells nicht.

Satte 1800 Euro verlangt Sony in der UVP für das Xperia Pro I in Schwarz und mit 12/512 GByte Speicher. Andere Versionen gibt es nicht.

Wer 1800 Euro für ein Produkt verlangt, das bei allen anderen Herstellern locker ein Drittel weniger kostet, muss perfekt abliefern. Das tut Sony aus unserer Sicht nicht. Das Display ist gut, aber nicht tadellos - beim Design mit Balken oben und unten dürften das die meisten Nutzer so sehen. Bei Konnektivität und Leistung passt alles, aber das ist bei der Konkurrenz auch nicht anders. Der Akku ist in Ordnung, aber nicht herausragend und die Kamera? Sie richtet sich definitiv nicht an „normale“ Nutzer, die einfach und unkompliziert tolle Urlaubsfotos knipsen wollen. In Profihänden mag sie ihre volle Wirkung entfalten, aber würden die wirklich zu einem Smartphone greifen? Wir richten uns eher an typische Smartphone-Nutzer und müssen daher auch hier sagen: Für das Geld gibt es einfach „besseres“.

Da sind etwa die Teilnehmer unseres Foto-Vergleichstests in 2021, an dem Apple iPhone 13 Pro, Xiaomi Mi 11 Ultra (Testbericht), Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) und Oneplus 9 Pro (Testbericht) teilnahmen. All diese Konkurrenten sind für jeden besser geeignet, der aus Fotografie keine Wissenschaft machen möchte. Hinzu kommen die Modelle in unserer Bestenliste an Smartphones bis 500 Euro – deren Kameras sind zwar möglicherweise bisweilen etwas schlechter, dafür kosten die Geräte aber auch deutlich weniger als das Xperia Pro I.

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