Sony Xperia 1 IV im Test: Sauteures Smartphone mit Profi-Kamera

Sony Xperia 1 IV
Pro und Contra
  • schickes Design und tolle Verarbeitung
  • grundsätzlich gute Kamera mit optischem Zoom
  • sauschnell und viel (erweiterbarer!) Speicher
  • viel zu teuer - und dann noch ohne Ladegerät und -kabel
  • zu schwacher Akku
  • nur 2 Major-Updates
  • 4.5

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Sony konzentriert sich seit Jahren auf einige wenige Smartphones, darunter sein Flagship Xperia 1 – da müsste das neue Modell der 4. Generation eigentlich perfekt sein. Ist es aber nicht.

Sonys Rückzug aus dem Smartphone-Geschäft stand schon mehrfach zur Diskussion, letztendlich hat der japanische Kult-Hersteller sich bislang aber nicht ganz, sondern nur teilweise zurückgezogen. Seit Jahren konzentriert man sich daher auf einige wenige Modelle für die Mittel, aber auch die Oberklasse.

Ein Vertreter der letztgenannten Kategorie ist das neue Sony Xperia 1 IV, das wie Vorgänger Xperia 1 III (Testbericht) mit kantigem Design ohne Notch, toller Software und erneut echter Zoomkamera punkten will. Leider bleiben bei aller Qualität, die das Spitzen-Smartphone zweifelsfrei mitbringt, einige Fragen offen, die bei uns Stirnrunzeln verursacht haben.

Sony bleibt seinem kantigen Design treu und hat damit definitiv ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Smartphone-Markt. Denn damit einher geht der Verzicht auf eine Notch, also eine Ausbuchtung oder ein Loch am Rand des Displays, wodurch eine Frontkamera ins Freie schaut. Stattdessen setzt Sony auch beim Xperia 1 IV auf „Kinn und Stirn“, also einen breiteren Rand über und unterhalb des großen Screens. Der Grund ist laut Sony nach wie vor der Wunsch, nicht ein einziges Pixel vom Display abgeben zu müssen und den Mediengenuss nicht zu stören. Und dass das Sony-Flagship auf „ganz großes Kino“ ausgelegt ist, zeigt schon der Formfaktor des OLED-Displays, denn der liegt nicht bei schnöden 16:9, sondern wie bei den Vorgängern bei 21:9 – Kino-Format eben.

Das hat den Nachteil, dass ein Smartphone ohne Notch, aber dafür mit vergleichsweise breiten Rändern oben und unten am Display etwas antiquiert und unnötig groß wirkt. Tatsächlich könnte Sony einen Teil der 165 Millimeter Länge sparen, wenn der Hersteller sein Smartphone genauso randlos wie die Oberklasse-Konkurrenz bauen würde. Im Gegenzug muss man Sony und dem Xperia 1 IV aber zugutehalten, dass der Platz nicht sinnlos verschwendet wird. Denn oben und unten sind nach vorn gerichtete Stereo-Lautsprecher eingebettet, oben kommen außerdem noch eine Benachrichtigungs-LED und eben die Frontkamera hinzu. Der Platz ist also überwiegend sinnvoll genutzt. So oder so ist das langgezogene Design nicht nachteilig, sondern birgt sogar einen Vorteil in sich: Das Spitzen-Smartphone wirkt trotz seiner Größe beinahe handlich. Grund ist die geringe Breite des Gerätes, wodurch das Handy aller Kantigkeit zum Trotz erstaunlich gut in der Hand liegt. Denn die Länge stört nicht, dank der geringen Breite lässt sich das Modell auch mit normal großen Händen bequem umschließen – das ist bei der Konkurrenz deutlich schwieriger.

Am guten Gefühl in der Hand hat natürlich auch die hervorragende Verarbeitungsqualität des Xperia 1 IV ihren Anteil. Der matte Alurahmen bietet an den Rändern eine schicke und praktische Schliffkante. Dadurch geht das Glas der Display-Front und auch das matte Glas auf der Rückseite (Gorilla Glas Victus) sanft in das Metall über und es gibt keine scharfen Kanten. Die wenigen Antennenfugen sind perfekt in das Aluminium eingelassen und die Hardware-Tasten weisen optimalen Druckpunkt und kurzen Tastenhub auf. Das gilt sowohl für die aus dem Rahmen ragende Lautstärkewippe als auch für den eingelassenen Power-Knopf mit integriertem Fingerabdrucksensor und den dedizierten Kamerabutton. Der ist nicht nur geriffelt und unterscheidet sich damit haptisch von den anderen Bedienelementen, sondern zudem zweistufig ausgelegt: Halb Eindrücken – Scharfstellen. Ganz durchdrücken – Foto auslösen. Wie bei einer echten Kamera halt. Das bietet heute kein anderer Hersteller mehr. Gleiches trifft in der Oberklasse auf den 3,5-Millimeter-Anschluss des Xperia 1 IV zu.

In puncto Design gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, sofern man die monolithische Formensprache mag. Hochwertig wirkt sie auf jeden Fall, besonders die Rückseite mit dem matten Glas sieht sehr edel aus. Sie zieht zudem keine Fingerabdrücke an, wodurch der schicke Anblick länger als bei vielen Konkurrenten erhalten bleibt. Optisches Highlight ist die Kamera. Sie wirkt viel filigraner als bei den Wettbewerbern, die ihre Bildbanner gern besonders imposant in Szene setzen. Bei Sony sieht man hier erst einmal nur einen schmalen, leicht vorstehenden Glasstreifen mit mehreren Objektiven und Sensoren. Erst auf den zweiten Blick fällt unten in dem Glasstreifen ein ziemlich außergewöhnliches Objektiv in fast rechteckiger Form wie beim Vorgänger ins Auge – die Zoomkamera. Etwas schade: Bei unserem Testgerät ist die Linse nicht ganz gerade eingesetzt – das passt nicht zur ansonsten makellosen Verarbeitung des Gerätes. Insgesamt ist das per IP68 zertifizierte und somit gegen Staub und Wasser geschützte Gehäuse eher zurückhaltend edel als extrovertiert ausgelegt und dürfte damit einem Großteil der Interessenten gefallen.

Wie bereits erwähnt ist der Formfaktor mit seinem 21:9-Verhältnis außergewöhnlich und auch die Auflösung ist nicht ganz alltäglich. Während die Konkurrenz – auch der Überflieger Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) – bei 1440p Halt machen, verpasst Sony seinem 6,5 Zoll großen OLED-Panel satte 3840 x 1644 Pixel und damit eine überragende Bildschärfe von 643 Pixel pro Zoll (ppi) – das ist spitze. Kombiniert mit einer Wiedergabefrequenz von 120 Hz sieht der Screen des Xperia 1 IV nicht nur scharf aus, sondern wirkt – nicht zuletzt natürlich auch wegen der schieren Power des eingebauten Prozessors – absolut flüssig.

Gut gefallen haben uns natürliche Farbwiedergabe (vor allem im Creator Mode) und starke Kontraste, bei denen Sony es schafft, beides nicht zu übersättigt zu zeichnen. Auch der Weißabgleich leistet gute Arbeit. Etwas Sorge hatten wir wegen der Helligkeit, die schon beim Vorgänger Xperia 1 III (Testbericht) in der Kritik stand. Mit gemessenen 570 cd/m² im manuellen und 840 Candela im Automatikmodus sind die Werte zwar in Ordnung, die Oberklasse-Konkurrenz ist hier aber teilweise deutlich stärker. Unzufrieden sind wir mit dem Screen des Sony-Smartphones trotzdem nicht, auch wenn es gerade bei dem hohen Preis des Gerätes besser geht. Immerhin lässt sich der Screen bei direkter Sonneneinstrahlung noch ordentlich ablesen und ein echtes Always-on-Display gibt es ebenfalls. Grund zu meckern gibt es also durchaus, allerdings ist das meckern auf hohem Niveau.

Kommen wir zum Highlight des Sony Xperia 1 IV, der Kamera. Wobei man da bei Sony leider immer etwas vorsichtig sein muss. Denn obwohl Sony hochwertige Kamerasensoren baut und verwendet und Jahrzehnte-lange Erfahrung mit seinen eigenen Kameras hat, schaffte es der Hersteller in der Vergangenheit immer wieder, dass die Konkurrenz mit den gleichen Sony-Sensoren bessere Ergebnisse aus seinen Kameras herauskitzelte. Teilweise täuscht das aber auch, doch schauen wir uns zuerst die technischen Spezifikationen der Kamera an.

Im Gegensatz zur Konkurrenz, die mit bisweilen enorm hohen Pixelzahlen bis 108 Megapixel protzt, verzichtet Sony auf Pixel Binning für bessere Bildqualität und setzt auf Linsen mit nur 12 Megapixel. Dabei verwendet der Hersteller für alle drei Objektive der Kamera 12 Megapixel, was grundsätzlich das Generieren des gleichen Looks für alle drei Linsen mit Blick auf Dynamik und Farbwiedergabe vereinfacht. Die Hauptkamera kommt zudem mit einer lichtempfindlichen Blende von f/1.7, optischem Bildstabilisator (OIS) und Farbspektrumsensor für natürliche Farben. Der Weitwinkel mit ebenfalls 12 Megapixel bietet 124 Grad Blickwinkel und f/2.2, spannender ist aber das Teleobjektiv. Damit lässt sich entgegen der Konkurrenz, die auf teils mehrere Festbrennweiten setzt, zwischen 85 und 125 Millimeter optisch zoomen. Alle drei Kameras sind mit hochwertigen Zeiss-Linsen versehen. Als vierte Kamera kommt ein Tiefensensor zum Einsatz, vorn können Nutzer sich selbst mit 12 Megapixel und f/2.0 ablichten.

Im Alltag macht das Sony Xperia 1 IV gute Bilder als Point-and-Shoot-Kamera, wer sich mit der extrem umfangreichen Kamera-Software auseinandersetzt, macht mit dem Smartphone sogar richtig gute Bilder. Das ist Vor- und Nachteil des Sony-Smartphones zugleich, denn wer einfach nur das Smartphone ausrichten und abdrücken will, der bekommt bei der Top-Konkurrenz wie iPhone 13 Pro Max oder Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) schlichtweg die besseren Bilder. Das liegt einerseits an den dort kräftigeren Farben und stärkeren Kontrasten, andererseits an der noch besseren Bildschärfe. Möglich macht das dort zu guten Teilen die Bildnachbearbeitung, also Software. Bei Sony setzt man stattdessen auf einen natürlicheren Look, der zudem die Nachbearbeitung von Hand leichter macht.

Das zeigt sich unter anderem bei der Verwendung der extrem umfangreichen Foto-Pro-App – wer zuvor eine Alpha-Kamera von Sony verwendet hat, wird sich hier sofort wohlfühlen. Alle anderen eher nicht, die werden von der Feature-Vielfalt erschlagen. Erst dann allerdings werden – das nötige Foto-Know-How vorausgesetzt - aus guten sehr gute Bilder. Die überzeugen insgesamt ohnehin mit hohem Dynamikumfang und generell natürlichem Look, im Automatik/Basic-Modus schleicht sich aber schnell sichtbares Bildrauschen bei wenig Licht ein. Generell sind Aufnahmen mit Vollautomatik bisweilen etwas inkonsistent: Mal sehen die klasse aus, bisweilen unterdurchschnittlich. Mit manuellen Eingriffen lässt sich das stark minimieren und im Schnitt ein besseres Ergebnis herauskitzeln.

Generell ist der Autofokus sehr zuverlässig und schnell und bleibt auch auf ein einmal ausgewählten Objekt im Sucher fixiert – auch bei anschließender Bewegung. Das macht das Sony Xperia 1 IV zum optimalen Begleiter für Foto-Profis oder alle, die sich generell gern mit Fotografie auseinandersetzen. Der Hang zu natürlichen Aufnahmen zeigt sich auch bei Aufnahmen mit wenig Licht. Einen echten Nachtmodus gibt es nicht, stattdessen werden Nachtaufnahmen im Vergleich zu Mitbewerbern ziemlich dunkel. Das mag den Durchschnittsnutzer stören, tatsächlich gibt die Sony-Knipse aber ein viel realistischeres Bild ohne zu starkes künstliches Aufhellen wieder. Bei Verwendung des Weitwinkels werden Nachtaufnahmen noch dunkler, ansonsten macht der aber ordentliche Bilder ohne zu starke Verzerrungen an den Bildrändern.

Highlight ist zweifelsfrei der optische Zoom der Telelinse. Sony verspricht im Bereich von 3,5 bis 5,2-facher Vergrößerung keine sichtbaren Qualitätseinbußen und das würden wir auch weitestgehend so unterschreiben. Ansonsten kommt Digitalzoom zum Einsatz, der mit zunehmendem Zoomfaktor wie immer an der Bildqualität nagt. Insgesamt benötigt der Zoom viel Licht, um scharfe und rauschfreie Aufnahmen zu zaubern – wie bei der Konkurrenz. Größtes Problem ist hier, dass man mit dem Zoom entgegen der meisten Konkurrenzprodukte nicht besonders kleine Objekte ähnlich einem Makroobjektiv nah heranholen kann. Die Aufnahmen sind dann immer unscharf. Nur weit entferne Objekte werden schön herangeholt, wobei der Zoom dabei dem Nutzer einfach mehr Flexibilität als mehrere Festbrennweiten liefert. Riesig ist der Unterschied aber nicht, zumal die Konkurrenz schlichtweg mit Hybridzoom dagegenhält. Wer nicht zu stark zoomt, sieht auch hier keine Qualitätseinbuße und erhält meist sogar noch schärfere Aufnahmen. Für den Digitalzoom auf noch größere Entfernungen gilt das ebenfalls.

Auch Videos sehen klasse aus, sie gelingen in 4K/60 gut gegen ungewollte Bewegung gesichert und liefern dann scharfe Bilder und guten Ton. Auch hier gilt aber: Samsung ist ohne manuellen Eingriff noch besser, bei Sony darf der Nutzer allerdings dank gleich zweier Kamera-Apps deutlich tiefer in die Materie eintauchen und mag damit noch bessere Ergebnisse erzielen. Die Frontkamera knipst ausreichend scharfe Bilder und ist besser als noch beim Vorgänger. Was bleibt, sind bisweilen immer noch etwas blass wirkende Gesichter. Insgesamt bietet das Sony Xperia 1 IV eine richtig gute Kamera, die aber vor allem in wissenden Händen ihre volle Leistung entfaltet. Für den typischen Smartphone-Fotografen sind Alternativen von Apple oder Samsung hingegen die bessere Wahl.

Sony bietet bei seinem Topmodell auch im Inneren Highend. Das geht vom Snapdragon 8 Gen 1 mit bis zu 3 GHz Taktfrequenz und 12/256 GByte Speicher bei den offensichtlichen Daten bis hin zu USB-C 3.2, Wifi-6e, Bluetooth 5.2 mit aptX Adaptive und LE Audio bis hin zum eingebauten DAC, der den Sound über den 3,5-Millimeter-Anschluss des Gerätes im Vergleich zur Konkurrenz zum Teil um Welten besser macht. Neben eben jener 3,5-Millimeter-Buchse, die kein anderer Hersteller mehr in seine Topmodelle einbaut, bietet Sony auch an anderer Stelle außergewöhnliches: erweiterbaren Speicher. Denn obwohl der Hersteller nicht 128, sondern gleich 256 GByte internen Speicher einsetzt, ist der sogar noch um bis zu 1 TByte per Speicherkarte erweiterbar – klasse! Ansonsten ist alles dabei, was technisch gerade in der Oberklasse machbar ist, weitere Informationen dazu liefert unsere Ausstattungstabelle.

Und wie schlägt sich das Xperia 1 IV nun im Alltag? Schlicht sehr gut. Der Chipsatz verhilft dem Smartphone in allen Lebenslagen zusammen mit der 120-Hz-Wiedergabe zu schnellem, direktem Betrieb – hier ruckelt oder zuckelt nichts. Tatsächlich gehört das Sony-Smartphone gefühlt zu den schnellsten Modellen am Markt – ein Prädikat, das früher immer den Oneplus-Modellen zukam. Tatsächlich spielt das Sony-Modell in Benchmarks auf Augenhöhe mit der Konkurrenz und untermauert so den subjektiven Eindruck. In Work 3.0 von PCmark schafft das Gerät 14.350 Punkte, in Wild Life Extreme von 3Dmark sind es stolze 2100 Zähler. Moment, Wildlife Extreme? Ja, denn für den normalen Wildlife Benchmark war das Sony-Smartphone schlicht zu schnell. Entsprechend ist auch die Leistung in Spielen hervorragend – so wie bei allen Smartphones mit Spitzenchipsatz. Größtes Problem hierbei: Dabei wird das Gerät schnell warm, in Benchmarks und beim Laden besonders zu Beginn sogar heiß. Grundsätzlich muss sich hier niemand Sorgen machen, allerdings scheint Sony die Hitzeentwicklung des Snapdragon 8 Gen 1 schlechter als einige Wettbewerber im Griff zu haben. Zu merklichen Leistungseinbußen kommt es dabei aber im Alltag nicht – dafür ist die schiere Kraft des Chipsatzes einfach zu groß.

Der DAC (Digital Audio Converter) des Xperia-Phones wurde bereits angesprochen, auch beim Sound über die Stereo-Lautsprecher macht das Handy eine gute Figur. Der abgegebene Sound ist erstaunlich laut und voll, gerade der Tiefgang ist im Vergleich zum Vorgänger besser. Überzeugt hat uns außerdem der Fingerabdrucksensor im seitlichen Powerbutton. Auch wenn Kritiker das als „zu billig“ für ein Spitzen-Smartphone abtun könnten, da die Konkurrenz den Sensor im Display versteckt: Er tut seinen Dienst im Sony-Gerät und ist dabei schnell und zuverlässig. Zumindest als Rechtshänder dürfte sich hier niemand beschweren.

Bei der Software gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Android 12 ist auf unserem Testgerät ab Werk aufgespielt und es gibt wenig echte Bloatware – sofern man die diversen Sony-Dienste nicht dazurechnen möchte. Die dürften aber für viele Nutzer durchaus interessant sein, zumal etwa der Streaming-Dienst Bravia Core zumindest im ersten Jahr kostenlosen Filmgenuss in 4K/60 erlaubt. Insgesamt orientiert sich XperiaUI stark an Vanilla-Android, was vielen Nutzern gefallen dürfte. Hand legt Sony nur an vergleichsweise wenig Stellen an, etwa an einen Multiwindow-Modus, die Side-Sense-Funktion (Schnellzugriffe) oder den Gaming-Modus.

Der installierte Sicherheits-Patch ist mit Juni 2022 ausreichend aktuell. Etwas schade: Sony verspricht seinen Kunden nur zwei Major-Updates und drei Jahre Sicherheits-Patches – das ist in Anbetracht des hohen Preises und der Konkurrenz, die inzwischen bei vier und fünf Jahren angekommen ist, zu wenig. Auch im Hinblick auf das schmale Portfolio von Sony-Smartphones erscheint das etwas zu geizig.

Der Akku ist im Vergleich zum Vorgänger um 10 Prozent gewachsen und bietet jetzt 5000 mAh. Das ist generell lobenswert und vor allem im Hinblick auf die nicht gewachsenen Ausmaße des Mobiltelefons eine Erwähnung wert. Schade nur, dass die Ausdauer des Spitzen-Smartphones dadurch nur auf dem Papier besser ist. Im Battery Test von PCmark kam das Xperia 1 IV nämlich bei einer Helligkeit von 200 cd/m² von 80 bis 20 Prozent im Test nur auf knapp 8 Stunden bei 120 Hz beim Display – das ist schwach. Fast zwei Stunden waren es bei 60 Hz mehr – aber wer will schon freiwillig bei einem Topsmartphone auf so ein Feature wie flüssige 120-Hz-Wiedergabe verzichten?

Hinzu kommt, dass Gerät mit maximal 30 Watt lädt – wenn man denn Ladegerät und -kabel hat, denn im flachen Lieferkarton fehlt das. Auch hier schützt der Hersteller mal wieder Umweltschutz vor, wir halten das bei einem Smartphone für knapp 1400 Euro aber für eine Ausrede und einen schlechten Scherz! Ohnehin: Selbst wenn man für rund 30 Euro das Sony-Ladegerät dazugekauft hat, dauert es mehr als 1,5 Stunden, bis das Smartphone wieder komplett voll ist. Das ist heutzutage richtig lahm. Immerhin nimmt das Gerät Strom auch kabellos auf und gibt ihn an andere Qi-Geräte wieder ab – das dauert dann aber noch länger.

1399 Euro ist die UVP des Sony Xperia 1 VI – das ist happig. Dafür gibt es aber immer auch 12/256 GByte Speicher. Als Farben stehen Schwarz, Weiß und Violett zur Verfügung.

1400 Euro ist ein extrem hoher Preis für ein Smartphone, dafür erwartet man dann auch das „perfekte“ Gerät. Das ist das Sony Xperia 1 IV aber nicht. Klar: Das Display finden wir richtig gut, die Kamera ist es generell auch. Außerdem ist die Verarbeitung spitze und das Design schick, die Leistung ist über jeden Zweifel erhaben und es gibt viel Software und Speicher. Toll ist auch, dass bisweilen Details mit an Bord sind, die die Konkurrenz längst gestrichen hat: 3,5-Millimeter-Anschluss mit hochwertigem DAC, eine Speichererweiterungsmöglichkeit, optischer Zoom.

Leider liegt der Teufel dafür in anderen Details. Das Display ist hell genug, aber nicht so hell wie bei der Konkurrenz. Die Kamera entfaltet erst in Profi-Händen ihr volles Potenzial und der Akku ist schlichtweg zu schwach. Kommen dann noch hohe Temperaturentwicklung, nur zwei Jahre Android-Updates und fehlendes Ladegerät und -kabel bei so einem Preis mit hinzu, wird eine Kaufempfehlung schwierig. Das Xperia 1 VI richtet sich an eine sehr spezielle Zielgruppe, für den Normalnutzer ist das nur eingeschränkt etwas. Ob das die richtige Strategie ist, um auch zukünftig noch am Smartphone-Markt teilzuhaben, Sony?

Den meisten Nutzern empfehlen wir wegen der oben genannten Gründe andere Highend-Modelle - da wäre etwa das Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) für (zum Testzeitpunkt) etwa 950 Euro, das Xiaomi 12 Pro (Testbericht) für knapp 810 Euro oder das Oneplus 10 Pro (Testbericht) für sogar nur 780 Euro. Alle diese Geräte werden in einzelnen Punkten vom Sony-Modell übertroffen, bieten aber das rundere Gesamtpaket.

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