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Sony WF-1000XM4
Pro und Contra
  • Erstklassiger Klang und starkes ANC
  • Umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten
  • Gute Akkulaufzeit
  • Nur IPX4-Zertifizierung
  • Kein Multi-Pairing
  • 5.0

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Die True-Wireless-Kopfhörer Sony WF-1000XM4 sind teuer, versprechen dafür aber Top-Leistungen in Sachen Klangqualität, ANC-Funktion und Akkulaufzeit. TechStage hat sie getestet und verrät, wie sie sich in der Praxis schlagen.

Dieser Einzeltest findet im Rahmen unserer Themenwelt True-Wireless-Kopfhörer(TWS) statt, in der wir etwa die Modelle EPOS GTW 270 (Testbericht), die Bose Sport Earbuds (Testbericht) oder das High-End-Modell Momentum True Wireless 2 von Sennheiser (Testbericht) getestet haben. Nach dem günstigen 50-Euro Modell Tribit FlyBuds NC (Testbericht) müssen jetzt die fast 300 Euro teuren Sony WF-1000XM4 zeigen, ob sie das Zeug zum neuen Top-Modell haben.

Die Sony WF-1000XM4 kommen in einer (ungewohnt) Kunststoff-freien Verpackung beim Kunden an. Sony nutzt für den Karton einen Materialmix aus Bambus- und Zuckerrohrfasern. Das ist umwelttechnisch super und beruhigt das Konsumentengewissen – der Hersteller will diese Verpackung deshalb zukünftig auch bei anderen Produkten einsetzen.

Nach dem Auspacken fällt zunächst die etwas ungewöhnliche Farbe von Ladeschale und Kopfhörern ins Auge. Der Farbton Silber wirkt für uns eher Hühnereierschalen-Beige, das Erscheinungsbild passt so aber gut zur ökologischen Verpackung. Wem die helle Variante nicht zusagt, der kann die Kopfhörer in klassisch schwarz kaufen.

Die zu allen Seiten hin abgerundete Ladeschale mit den Maßen 66,5 x 39,5 x 28,9 mm bringt inklusive der jeweils 7,15 g leichten Ohrstöpsel 55 g auf die Waage. Das Design mit Hersteller-Logo auf dem Deckel, breiter Status LED auf der Vorderseite und USB-C-Ladebuchse auf der Rückseite ist unauffällig und stimmig. Die Verarbeitung ist hochwertig, wie für den Preis zu erwarten. Der Deckel schließt zuverlässig und ohne Spiel. Selbst mit kräftigem Schütteln ist kein Klackern im Inneren zu hören. Die beiden Kopfhörer sitzen fest und zuverlässig in der magnetischen Halterung. Das Herausnehmen klappt trotzdem problemlos und ohne Gefummel. Die Ohrstöpsel mit den 17-mm großen Touch-Flächen zur Bedienung wirken zunächst sehr wuchtig. Was uns direkt auffällt, sind die beiden Ohrpolstern aus weichem Schaumstoff statt aus Silikon. Zwar passen auf die Sony-In-Ears auch klassische Silikon-Aufsätze, wir bevorzugen allerdings privat die Cloud-Foam-Polster (Ratgeber). Neben Kopfhörer und Ladeschale gehören zwei zusätzliche Größen an Ohrpolstern und ein Ladekabel zum Lieferumfang.

Nachdem es die Sony WH-1000XM4 (Testbericht) vor gut einem Jahr auf den Thron der besten On-Ear-Kopfhörer mit ANC geschafft haben, sind unsere Erwartungen an das True-Wireless-Modell hoch. Neben Standard-Codecs SBC, AAC sind schließlich auch der Hi-Res-Audio-Codec LDAC und die für die Klangverbesserung zuständige KI-Engine DSEE Extreme (Digital Sound Enhancement Engine), die bereits in den großen WH-1000XM4 zum Einsatz kommen, an Bord. Im Test probieren wir die annähernd verlustfreien High-Res-Audio-Daten natürlich aus – unser Hauptaugenmerk liegt aber auf Standard-Audio-Streams von Spotify & Co.

Beim Sound-Check mit der Spotify-Playlist „In the name of the review“ können die In-Ears dann voll überzeugen. Der Klang der Bluetooth-5.2-Kopfhörer ist in allen Belangen beeindruckend. Die Kombination aus warmem, vollmundigem und druckvollem Bass gepaart mit fein abgestimmten Hoch- und Mittelton-Bereichen überzeugt spätestens nach Aktivierung der 3D-Audio-Funktion. Eine Differenzierung zwischen linken und rechten Ohr fällt dann extrem schwer, der Sound scheint aus allen Richtungen zu kommen.

Ein Beispiel: Thinking Of von Tricky beginnt mit einem kurzem, sattem Doppelschlag auf das Bass-Drum. Bereits hier machen die Sony-Kopfhörer deutlich, wie fein, warm und weich ein Bass eigentlich klingen kann. Die weiche Stimme von Marta legt sich sanft darüber, dann ein Synthie und das Schlagzeug im Hintergrund – Soundminimalismus in par excellence und eine geeignete Bühne für den WF-1000XM4, um sein volles Potenzial auszuspielen. Alle Instrumente sind optimal differenzierbar, nichts drängt sich ungewollt in den Vordergrund oder geht in der Masse unter. Der Bass ist dabei voll und dominant, ohne dass sich der Rest der Soundkulisse unterordnen muss. Die Höhen sind perfekt abgestimmt und verleihen dem Klang Leichtigkeit. Die Mitten sind ebenfalls nahezu optimal, lediglich bei maximaler Lautstärke drängen sie sich minimal in den Vordergrund.

Die hervorragende Gesamtleistung beim Klang setzt sich auch bei der aktiven Geräuschunterdrückung fort. Der Lärm des Straßenverkehrs wird auf ein kaum wahrnehmbares Minimum reduziert, vom Lüfter des PCs oder dem monotonen Geräusch der Spülmaschine dringt mit aktiviertem ANC kaum etwas ans Ohr. Und soll doch etwas von der Umgebung ans Ohr kommen, macht der Transparenz-Modus ebenfalls einen ausgezeichneten Job. Richtig praktisch finden wir die Speak-to-Chat-Funktion. Ist sie aktiviert, registrieren die Kopfhörer, sobald man spricht und pausieren dann die Musik und wechseln in den Transparenz-Modus. Die Dauer des Stumm-Schaltens ist dabei in der App einstellbar. Kurze Gespräche, etwa die Bestellung beim Bäcker, sind so bequem möglich, ohne die Ohrstöpsel herauszunehmen.

Auch wer die TWS-Kopfhörer im Home-Office oder zum Telefonieren benutzen will, wird zumindest nicht enttäuscht. Die eigene Stimme wird durch die Vielzahl an Mikrofonen optimal erfasst und klar wiedergegeben. Über eine aktive Geräuschunterdrückung verfügen die WF-1000XM4 allerdings nicht und so sind für den Gesprächspartner auch die Umgebungsgeräusche klar zu hören.

Auch zum Filme schauen und zum Zocken sind die Kopfhörer geeignet. Eine spürbare Latenz konnten wir im Test nicht feststellen.

Wie so oft gilt: Für einen perfekten Klang müssen In-Ears straff sitzen und die Polster gut abschließen. Das funktioniert mit den Sony WF-1000XM4 dank der flexiblen Ohrpolster bestens. Trotz der Größe sitzen die TWS bei uns optimal, ohne dabei zu stören oder unangenehm zu drücken. Obwohl wir Anfangs befürchtet hatten, die Ohrstöpsel würden aufgrund des unauffälligen Tragegefühls nicht zuverlässig sitzen, halten sie im Alltag optimal. Die optischen Sensoren auf der Rückseite der In-Ears stoppen die Musik, sobald die In-Ears aus den Ohren genommen werden. Im Test funktioniert das fehlerfrei – wer die Funktion nicht wünscht, kann sie in der App deaktivieren.

Die Steuerung mit den beiden großen Touch-Flächen funktioniert einwandfrei und zuverlässig. Lediglich der spürbare Zeitversatz zwischen Eingabe und Ausführung irritiert zu Anfang. Bevor unsere Berührung die Wiedergabe tatsächlich stoppt, vergeht knapp über eine Sekunde. Wer es eilig hat, hat zu diesem Zeitpunkt bereits ein zweites Mal getippt und die Musik so wieder gestartet.

Die Sony Kopfhörer sind IPX4 zertifiziert und gegen Spritzwasser geschützt, aber eben nicht völlig wasserdicht. Eine Multi-Pairing mit mehreren Geräten, etwa PC und Smartphone, ist nicht möglich.

Ohne die Sony-App Headphones Connect kann man nur einen kleinen Teil der Funktionen der True-Wireless-Kopfhörer zurückgreifen. Natürlich kann man die Kopfhörer auch gänzlich ohne App einsetzen, aber für die Belegung bestimmter Funktionen ist es zumindest bei der Einrichtung sinnvoll, die Anwendung zu installieren.

Das wichtigste Feature der Software ist die Belegung der Touch-Flächen mit Titelwahl, ANC-Auswahl oder Lautstärkeregelung. Die App ermöglicht aber noch deutlich mehr. Der Kopfhörer kann beispielsweise auf das Ohr des Nutzers abgestimmt werden. Außerdem lassen sich etwa automatisch die optimalen Einstellungen für bestimmte Orte oder Aktionen aktivieren. Darüber hinaus gibt es einen Equalizer und ein paar Einstellungen zur Soundqualität. Auch das von Sony propagierte 360 Reality Audio, bei dem der Sound ein immersives Erlebnis bieten soll, lässt sich in der Software aktivieren. Zwar besteht noch immer ein Mangel an entsprechenden Inhalten, der Effekt ist aber auch bei Standard-Inhalten deutlich spürbar.

Tatsächlich gelingt es Sony seine Apps immer weiter zu optimieren – auch wenn die User Experience aufgrund der großen Funktionsfülle nicht immer optimal ist. Im Alltag benötigt man die App ohnehin kaum, wenn man einmal alles nach seinen Wünschen eingestellt hat.

Die Reichweite auf freiem Feld beträgt im Test gut 12 Meter. In Innenräumen ist die maximale Distanz geringer. Der Gang ins Nebenzimmer ist im Test ohne Störungen oder Abbrüche möglich. Im Testzeitraum kam es auch ansonsten zu keinerlei Funkabrissen oder sonstigen Störungen. Das Pairing und die Wiederverbindung mit Smartphone und MP3-Player (Ratgeber) funktioniert problemlos.

Die gesamte Akkulaufzeit inklusive des Nachladens in der Ladeschale gibt Sony mit 24 Stunden an. Die Akkulaufzeit mit ANC soll bei acht, ohne ANC bei 12 Stunden liegen. Im Praxistest bei mittlerer Lautstärke und aktivierter Geräuschunterdrückung hält unser Review-Sample sogar fast neun Stunden durch. Fünf Minuten in der Ladeschale reichen für eine weitere Stunde Musikgenuss. Das vollständige Aufladen der Ohrstöpsel dauert etwa 90 Minuten. Das Laden der geleerten Ladeschale braucht per USB-C-Kabel gut drei Stunden. Alternativ funktioniert auch das kabellose Laden per Qi-Ladepad.

Die in Schwarz und Silber erhältlichen Sony WF-1000XM4 kosten zum Testzeitpunkt 279 Euro. Damit gehören sie zu den teuersten TWS-Kopfhörern mit ANC, hinsichtlich der sehr guten Leistung in Bezug auf Klang, ANC, Akkulaufzeit und Handling ist dieser Preis zwar hoch, aber gerechtfertigt.

Die Sony WF-1000XM4 haben im Test mit erstklassigem Sound, umfangreicher und einstellbarer Bedienung, überdurchschnittlichen Akkulaufzeit und einer exzellenten aktiven Geräuschunterdrückung überzeugt. Der Unterschiede zu günstigeren True-Wireless-Kopfhörern sind zwar nicht riesig, aber in allen Belangen spürbar. Neben dem brillanten Klang macht sich das vor allem beim Bedienkonzept und beim Tragegefühl bemerkbar. Auch die praktische Speak-to-Chat-Funktion ist ein nennenswertes und sehr praktisches Extra.

Außer der relativ niedrigen IPX4-Zertifizierung und der Tatsache, dass sich nur ein Gerät gleichzeitig verbinden lässt, fällt uns nichts wirklich Negatives ein. Wer gerne und viel Musik hört und dabei auch auf das letzte Quäntchen Qualität wert legt, macht mit den Sony WF-1000XM4 trotz des hohen Preises alles richtig. Ein derartiges Abtauchen in feinste Klangwelten ist derzeit mit kaum einem anderen True-Wireless-Kopfhörer möglich – eines der klanglich stärksten Konkurrenz-Geräte sind die Momentum True Wireless 2 von Sennheiser (Testbericht). Diese hatten im Test allerdings bei der ANC-Funktion enttäuscht.

Wer nur zwischendurch Mal eben einen Musik-Stream abspielt und primär auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis Wert legt, bekommt gute Kopfhörer aber auch deutlich günstiger. So haben in den vergangenen Test beispielsweise auch die Huawei Freebuds Pro (Testbericht) oder die günstigen Earfun Free Pro (Testbericht) gut abgeschnitten. Und das bei einem Bruchteil der Anschaffungskosten im Vergleich zum High-End-Modell von Sony. Weitere Einzeltests gibt es auf unserer Themenseite True-Wireless-Kopfhörer.

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