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Vivo Y70

Bild:TechStage.de

Pro und Contra
  • Schick
  • OLED-Display
  • Viel Speicher
  • Kein Weitwinkel- oder Teleobjektiv
  • Chipsatz etwas älter
Rating:
  • 4.0
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Der hierzulande noch unbekannte Hersteller Vivo greift mit dem Y70-Smartphone den Mittelklasse-Markt an. Viel Technik für vergleichsweise wenig Geld soll Käufer anlocken – mit Erfolg?

Nach dem Vivo X51 5G (Testbericht), das mit Gimbal-Kamera, gutem Technik Paket und hohem Preis eher in der Oberklasse angeordnet ist, schauen wir uns jetzt das Mittelklassemodell Vivo Y70 an. Das Gerät kostet knapp 300 Euro in der Preisvorstellung des Herstellers, viel niedriger ist der Straßenpreis noch nicht. Für das Geld gibt es viel Speicher, ein OLED-Panel, einen starken Akku – und viel Konkurrenz von Marken wie Xiaomi, Realme und Oppo. Wir überprüfen, ob das Vivo Y70 mithalten kann.

Plastic fantastic – das passt zum Vivo Y70 wie die Faust aufs Auge. Denn ja, das Mittelklasse-Smartphone besteht bei Rahmen und Rückseite aus Kunststoff, der sieht aber trotzdem richtig schick aus. Ein Grund dafür ist der nette Farbverlauf, der bei unserem Modell von hellem Silbergrau ins Tiefblau verläuft. Ansonsten hält sich das Modell auf der Rückseite dezent zurück. Neben einem per Chromrand abgesetzten Kameramodul, das durch seine längliche Form wenig aufdringlich wirkt, findet man nur noch den Hersteller-Aufdruck in Silber und einige filigrane Schriften samt CE-Kennzeichnung in dunkler Farbe vor. Die geht fast im Farbton des Smartphones unter und stört daher nicht.

Die Seiten sind allesamt angenehm gerundet, der Übergang in den Rahmen ist kaum zu spüren. Das gilt grundsätzlich auch für die Verbindung von Rahmen und Font, hier spüren Nutzer, die mit dem Daumen drüberstreichen, nur den Rand der aufs Display aufgebrachten Schutzfolie. Die lässt sich aber rückstandslos entfernen. Den Rahmen rings um das Display haben wir in der 300-Euro-Klasse schon schmaler gesehen, vor allem unter dem Screen. Zudem hart sich Vivo für eine Waterdrop-Notch statt einer Punchhole-Notch entschieden. Auch das sieht wenig modern, wenn auch nicht altmodisch aus.

Ansonsten gibt es wenig zu meckern. Die Verarbeitung ist vorbildlich, die seitlichen Tasten lassen sich dank optimalem Druckpunkt und kurzem Tastenhub hervorragend bedienen und obwohl das Gerät bis auf das Display-Glas komplett aus Kunststoff besteht, wirkt das Modell ausreichend robust. Überraschend handlich ist es auch. Das liegt neben den angenehmen Rundungen am niedrigen Gewicht von rund 170 Gramm und an der geringen Bautiefe von nicht einmal 8 Millimeter.

Etwas mehr als 6,4 Zoll bietet das Display des Vivo Y70 als Bilddiagonale und stellt darauf 2400 x 1080 Pixel dar. Das sorgt für etwas mehr als 400 Pixel pro Zoll (ppi) und damit scharfe Darstellung. Kontraste und Farben werden ebenfalls intensiv dargestellt dank OLED-Technologie. Davon profitieren zudem Schwarzwert und Blickwinkelstabilität, die gewohnt hervorragend ausfallen. Bei der Helligkeit überzeugt das Panel hingegen weniger: knapp 370 cd/m2 im manuellen und etwas über 400 Candela im Automatikmodus spielen bestenfalls im Mittelfeld – dabei ist der Screen eigentlich sogar für HDR10 zertifiziert.

Auch an anderer Stelle bietet das Y70 nur Standardkost: bei der Bildwiederholungsrate. Die liegt nämlich nur bei schlichten 60 Hertz. In der Mittelklasse geht das noch in Ordnung, auch wenn es auch dort längst Kandidaten mit klar besseren Werten gibt – manche, wie das Poco X3 NFC (Testbericht), sogar für weniger Geld. Insgesamt ist der Screen des Y70 dank OLED-Technik gut, aber nicht herausragend.

Als Hauptkamera verfügt das Vivo Y70 über eine Optik mit 48 Megapixel und f/1.8-Blende – und das war es eigentlich auch schon wieder. Denn die auf dem Papier ebenfalls installierten Makro- und Tiefenschärfesensoren mit je 2 Megapixel sind im Alltag weitestgehend unbrauchbar. Das liegt beim Makroobjektiv an der niedrigen Auflösung und den dadurch rauschenden und wenig scharfen Bildern – gerade das will man aber bei Bildern aus dem sonst für das menschliche Auge kaum sichtbaren Makrokosmos. Der Tiefensensor ist ebenfalls überflüssig, weil es auch ohne ihn geht – das hat Google bei seinen Pixel-Phones immer wieder eindrucksvoll bewiesen. Hier machts die Software. Vorne verfügt das Y70 über eine Optik mit 16 Megapixel.

Die Hauptkamera macht Aufnahmen mit 12 Megapixel, setzt also zur Bildverbesserung auf Pixel Binning. Dabei wird beim V70 ein Pixel mit den Informationen von vier Pixel gefüttert. Als Resultat kommen ordentliche Mittelklasse-Bilder zum Vorschein, solange Licht ausreichend vorhanden ist. Dann stimmt die Farbwiedergabe, die Bildschärfe geht in Ordnung und auch die Bilddynamik ist mit eingeschaltetem HDR ordentlich – alles nicht auf Spitzenniveau, aber dem Preis sehr angemessen. Bei Nacht gibt es typisches Bildrauschen und einen sichtbaren Abfall der Bildschärfe - auch im Nachtmodus. Hier merkt man dem Modell einfach den Preis an, im Vergleich zum teureren Vivo X51 5G (Testbericht) mit Gimbal-Kamera sind das Welten.

Das wäre ein guter Anfang – wenn nicht schon wieder Schluss mit dem Kamerateil wäre. Denn einen Weitwinkel gibt es nicht, erst recht keine Telelinse. Stattdessen gibt Vivo in der Kamera-App einen zweifach-Zoom per Onscreen-Button vor, hinter dem sich ein herkömmlicher Digitalzoom versteckt. Der macht sogar noch ganz erträgliche Arbeit, mehr sollten Nutzer aber nicht hereinzoomen. Besonders der Verzicht auf einen Weitwinkel stößt uns bei der Kamera bitter auf, denn der ist in dieser Preisklasse eigentlich Pflicht. Mangels adäquatem Ausgleich (etwa durch herausragende Bildqualität der Hauptlinse) ist das der größte Kritikpunkt bei der Kamera des Vivo V70.

Die Frontkamera knipst bei ordentlichem Licht ausreichend scharfe Bilder, die mittels künstlichem Bokeh und Beautyfilter aufgepeppt werden können. Auf Wunsch gibt das Smartphone sogar zahlreiche “coole” Posen vor, die für einen typischen “Influenzer” heute wohl zwingend nötig sind, um nicht “cringe” zu sein - schöne neue Technikwelt. So viel Spielerei in allen Ehren, aber die dafür benötigte Zeit hätte Vivo lieber in den Bildstabilisator bei Videoaufnahmen investieren sollen. Vor allem Aufnahmen in 4K30 oder Full-HD/60 verwackeln doch stark, das schmälert den ansonsten ganz ordentlichen Bildeindruck. Das 30 Bilder pro Sekunde gerade bei Schwenks zu wenig sind, zeigt mal wieder die dabei typische Unschärfe - auch in 4K.

Beim Chipsatz setzt Vivo beim Y70 auf einen etwas in die Jahre gekommenen Snapdragon 665. Der ist zwar nach wie vor ausreichend performant und sorgt zusammen mit stolzen 8 GByte RAM für ruckelfreie Alltagsbedienung, modernere Chips sind aber stromsparender und schneller. In PCmark Work 2.0 erreicht das Smartphone rund 6300 Punkte – gutes Mittelmaß. Nicht einmal 400 Punkte in 3DMark Wildlife zeigen allerdings, dass der Chip seine besten Zeiten hinter sich hat.

Ansonsten ist das Y70 ordentlich aufgestellt: 128 GByte interner Speicher plus Speichererweiterbarkeit bei gleichzeitiger Nutzung von zwei SIM-Karten – das ist klasse. Hinzu kommen USB C 2.0, 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss, WLAN ac, Bluetooth 5.0 und NFC, außerdem GPS mit Unterstützung von Glonass, Beidou und Gallileo. Der Fingerabdrucksensor im Display arbeitet ausreichend schnell und zuverlässig, der Lautsprecher ist überraschend kräftig.

Bei der Software setzt Vivo auf Android 11 und FuntouchOS mit wenig Bloatware und einigen sinnvollen Zusatzfunktionen. So lassen sich unter dem Menüpunkt Dynamische Effekte viele Darstellungsarten des Systems anpassen. Darunter fallen etwa Animationen für das Fingerabdrucksymbol oder das Ein- und Ausschalten des Displays. Der Sicherheits-Patch stammt von Januar 2021 und ist damit ausreichend aktuell.

Der Akku des Vivo Y70 leistet 4100 mAh und lässt sich mittels des beiliegenden 33-Watt-Ladegerätes in unter einer Stunde wieder voll aufladen. Nach 30 Minuten stehen bereits wieder gute 60 Prozent auf der Haben-Seite. Außergewöhnlich oft muss das Y70 aber niemand laden. Im Battery Test von PCmark hielt das Gerät bei 200 cd/m2 etwa 10,5 Stunden durch, das ist ein guter Wert. Im Alltag sollten die meisten Nutzer damit zwei Tage ohne Steckdosen-Suche auskommen. Kabelloses Laden gibt es nicht.

Das Vivo Y70 gibt es in zwei Farben, die beide mit schickem Farbverlauf daherkommen: Gravity Black und Oxygen Blue. Andere Ausstattungsvarianten als die von uns getestete mit 8/128 GByte Speicher gibt es nicht. Die UVP liegt bei 299 Euro.

Das Vivo Y70 ist ein solides Smartphone, das viel Speicher, ein OLED-Display, starke Akkuleistung und ein schickes Design bietet. Der Preis von 300 Euro passt unserer Meinung nach deutlich besser als der Preis, den das Unternehmen für sein derzeitiges Topmodell Vivo X51 5G (Testbericht) aufruft. Auch hier stellt sich aber die Frage, warum Vivo nicht mit einem echten Preiskracher in den Mittelklasse-Markt startet. Stattdessen liegt der Preis des Y70 auf einem Niveau, dass es aus der starken Konkurrenz nicht herausstechen lässt - dabei ist die schon länger am Markt und hat entsprechend schon einen besseren Namen als Vivo in Deutschland.

Wenn dann noch Patzer wie bei der Kamerabestückung mit ihrem fehlenden Weitwinkel hinzukommen, wird es schwer, das Y70 zu empfehlen. Denn dafür sind Konkurrenten wie Realme 7 Pro (Testbericht), Realme X50 5G (Testbericht) oder Samsung Galaxy A51 (Testbericht) einfach zu stark. Sie bieten entweder mehr fürs ähnliche Geld oder sind günstiger.

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