Homey Pro im Test: Smart-Home-Alternative zu Home Assistant und Raspberry

Homey Pro
Pro und Contra
  • Kompatibel zu Tausenden von Smart-Home-Komponenten
  • Grundfunktionen leicht zu bedienen
  • Umfangreiche Wenn-Dann-Verknüpfungen (Flows)
  • Homey Script zur Feinsteuerung von Flows
  • Tolle Web-App mit zahlreichen Statistiken zum laufenden Betrieb sämtlicher Komponenten
  • Energieüberwachung
  • lebendige und engagierte Community
  • teuer
  • funkt nur im 2,4-GHz-WLAN
  • kein Enocean-Support
  • Einbindung von Komponenten kann etwas komplexer sein
  • 4.5

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Ob Zigbee, Z-Wave, WLAN oder Bluetooth - Homey Pro integriert zahlreiche Funktechnologien und will damit Tausende Smart-Home-Komponenten unterschiedlicher Hersteller steuern. Wie gut das in der Praxis funktioniert, zeigt der Testbericht.

Im Smart-Home-Bereich kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Mit dem Resultat, dass in der Regel die Komponenten verschiedener Hersteller nicht kompatibel zueinander sind. Daher achten viele Anwender bei der Erweiterung ihres smarten Zuhauses penibel auf die Kompatibilität zum verwendeten System. Wer also Apple Homekit einsetzt, benötigt Homekit-kompatible Produkte. Das Gleiche gilt etwa für Samsung Smartthings, Homematic IP, Bosch, Smart Life (Tuya), Elesion (Pearl) und Devolo Home Control, sowie kabelgebundene Lösungen wie KNX, Loxone und SPS, um nur einige zu nennen. Das beschränkt die Auswahl erheblich.

In der Regel decken die jeweiligen Smart-Home-Systeme viele Anwendungsszenarien ab. Mithilfe eines Bewegungsmelders kann man etwa das Licht oder den Fernseher einschalten. Auch komplexere Automatisierungen sind möglich, sofern die dafür nötigen Sensoren und Aktoren unterstützt werden. Doch wer etwa einen neuen Luftreiniger (Ratgeber) mithilfe eines leistungsfähigen Raumluft-Messgeräts (Ratgeber) wie dem Air-Q effizienter steuern möchte, wird feststellen, dass es viele Geräte außerhalb dieser Systeme gibt, die sich nicht ohne Weiteres integrieren lassen. Die Problematik betrifft dabei nicht nur exotische Anwendungsszenarien, sondern nahezu sämtliche smarten Geräte wie Steckdosen, Schalter und Dimmer, Beleuchtung, Thermostate für Heizkörper und Fußbodenheizungen sowie Überwachungskameras.

Abhilfe soll erst der für Herbst 2022 erwartete Standard Matter schaffen, der zum Ziel hat, entsprechende Geräte unabhängig von der Herstellerplattform zu machen. Inwieweit das in der Praxis funktioniert, bleibt abzuwarten. Klar ist aber auch, dass das zusammen mit bestehenden Smart-Home-Geräten nur funktionieren kann, wenn eine Smart-Home-Zentrale verschiedene Funkstandards und Matter unterstützt.

Eine solche Steuereinheit ist Homey Pro der niederländischen Firma Athom. Sie unterstützt abgesehen von Enocean alle für den Smart-Home-Bereich relevanten Funkstandards wie WLAN, Zigbee, Z-Wave, Bluetooth sowie Infrarot und funkt auch in den Bändern 433 und 868 MHz, die von älteren Smart-Home-Devices genutzt werden. Insgesamt lassen sich damit laut Hersteller über 50.000 Geräte miteinander verbinden.

Anwender können diese über eine mobile App unter Android und iOS oder über eine Web-App von jedem Desktop-Rechner aus verwalten. Homey Pro unterstützt auch die intelligenten Sprachassistenten von Amazon und Google und als Experiment auch Apple Homekit. Die Smart-Home-Zentrale erlaubt Automatisierungen, die im Homey-Universum Flows heißen und mit Logiken und Variablen verfeinert werden können. Außerdem liefert sie mit zahlreichen Statistiken nützliche Einblicke in das smarte Zuhause und informiert über den Energiebedarf der im smarten Heim zum Einsatz kommenden Komponenten.

Die Smart-Home-Zentrale Homey Pro kommt in einer weißen Kunststoffkugel mit zwölf Zentimetern Durchmesser. Drei an der Unterseite verklebte Kunststoffkugeln sorgen für einen festen Halt der 315 Gramm schweren Smart-Home-Zentrale. Verziert ist sie mit einem Ring aus 24 RGB-LEDs, die in verschiedenen Farben leuchten können. Das Gimmick lässt sich aber auch abschalten, was auch der Leistungsaufnahme zugutekommt. Mit aktivierten LEDs benötigt Homey Pro 4 Watt, ohne sind es nur 2 Watt.

Die Stromversorgung wird über ein mitgeliefertes 10-Watt-USB-A-auf-Mini-USB-Netzteil (5 Volt, 2A) realisiert. Alternativ lässt sich das Gerät auch an einer Steckdose mit USB-Port oder einer Powerbank (Ratgeber) betreiben. Des Weiteren findet sich auf der Rückseite noch ein 3,5-mm-Anschluss für die Ausgabe von Audiosignalen.

Angetrieben wird die Smart-Home-Zentrale von einem 1 GHz schnellen Dual-Core-Prozessor vom Typ ARMv7 Cortex-A9, dem 1 GByte RAM und 4 GByte Flashspeicher zur Seite stehen.

Eingerichtet wird die Smart-Home-Zentrale mit der mobilen App Homey, die für Android und iOS vorliegt. Sie ist auch für Tablets optimiert und nutzt damit die größere Bildschirmfläche zur Darstellung von mehr Informationen aus. Ist die Smart-Home-Zentrale damit eingerichtet, können Anwender mit ihrem Homey-Konto auch über das Web-Interface unter my.homey.app auf das Gerät zugreifen und bequemer als mit der mobilen App Wenn-Dann-Regeln (Flows) erstellen und verwalten.

Die Flows können Anwender dabei mit mehreren Bedingungen verknüpfen und so komplexe Automatisierungen inklusive Alarmfunktionen mit Geofencing umsetzen. Wem das noch nicht ausreicht, der kann mit selbst erstellten Variablen und Logiken diese weiter verfeinern. Für Power-User steht außerdem noch Homey Script zur Verfügung, eine Javascript-basierte Sprache, mit der Anwender auf das Homey-SDK und Web-API zugreifen und ihre Flows noch weiter optimieren können.

Für die Smart-Home-Zentrale Homey Pro spricht außerdem, dass Anwender damit ihr Smart Home auch dann noch steuern können, wenn das Internet mal gerade nicht zur Verfügung steht. Die Automatisierungen führt Homey Pro lokal aus. Internet-basierte Dienste stehen im Offline-Betrieb natürlich nicht zur Verfügung.

Und für den Fall der Fälle bietet Homey Pro eine Backup-Funktion, mit der Anwender ihre Smart-Home-Konfiguration im Handumdrehen wiederherstellen können. Der Service ist allerdings nicht umsonst, sondern kostet 99 Cent pro Monat. Apropos Wiederherstellung: Einen Werksreset können Anwender auslösen, indem sie Homey Pro einfach umdrehen. Der Prozess wird sprachlich inklusive eines 10-Sekunden-Countdowns begleitet. Stellt man Homey Pro wieder in die korrekte Position, wird die Wiederherstellung abgebrochen.

Im Test kann Homey Pro seinen Anspruch, viele Geräte unterschiedlicher Hersteller und Systeme einzubinden, größtenteils erfüllen. Den Philips-Luftreiniger AC2889/10 erkennt die Smart-Home-Zentrale genauso wie den Raumluftanalysator Air-Q und Sensoren und Aktoren von Aeotec (Smartthings) und Aqara. Die Integration von Zigbee-basierten Stromsteckerleisten und Steckdosenadaptern von Lidl ist ebenfalls problemlos möglich. Auch die Anbindung an Amazon Alexa und Google Assistant funktioniert wie auch die Integration in Apple Homekit (Ratgeber) tadellos.

Funktioniert mal etwas nicht, wie das Anlernen einer Infrarot-Fernbedienung, lohnt ein Blick in den Homey App Store, der neben eigenen Entwicklungen auch zahlreiche Community-Lösungen bereitstellt. Mit einer App für Samsung-Fernseher kann das bereits 2017 vorgestellte TV-Modell UE55KS9090 von Homey Pro angesteuert werden.

Doch nicht immer klappt die Einbindung so einfach. Für die Integration der Tuya-basierten Teckin-Steckdose SP22 musste nicht nur die Community-App Tuya Cloud installiert, sondern auch ein Tuya-Entwicklerkonto angelegt werden, um an relevante Gerätedaten zu kommen. Zudem muss man die Tuya-App zur Steuerung der Steckdose mit dem Entwicklerkonto verknüpfen. Alles in allem war das zwar aufwändig, aber dank der guten Erklärung im Homey-Forum zur App kein Problem. Apropos Forum: Die meisten Beschreibungen der Community-Apps sind auf Englisch. Es gibt aber auch ein deutsches Hilfeforum.

Auch die Integration einer Tasmota-Steckdose hat im Test funktioniert. Hierfür mussten allerdings drei Community-Apps (MQTT-Broker, MQTT-Client und Tasmota-MQTT) installiert und konfiguriert werden. Aber eine aufwändige Integration einer Komponente ist noch immer besser, als diese gar nicht verwenden zu können.

Besonders die letzten Beispiele dokumentieren das Potenzial von Homey Pro als offene Plattform recht anschaulich. In vielen Fällen kann eine der über 750 Community-Apps helfen, Smart-Home-Komponenten in Homey Pro einzubinden. Andererseits ist man natürlich nicht davor gefeit, dass ein App-Entwickler an seiner Lösung das Interesse verliert und sie nicht mehr weiterentwickelt wird. So ließ sich etwa der Xiaomi Smart Air Purifier 4 (Testbericht) im Test nicht erfolgreich ansteuern. Die dafür nötige Community-App wurde bereits seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert und war trotz der korrekten Eingabe der Betriebsparameter wie Device-Token und IP-Adresse des Xiaomi-Luftreinigers nicht in der Lage, das Gerät in Homey Pro einzubinden.

Nicht ganz optimal verläuft auch die Einbindung der Eufy-Überwachungskameras (Testbericht) Cam 2 Pro und der Indoor Cam Pan & Tilt. Sie werden zwar erkannt und Homey Pro kann basierend auf dem Bewegungsalarm der Kameras Wenn-Dann-Regeln (Flows) erstellen, das Kamerabild wird aber aktuell noch nicht angezeigt. Aber gerade in Sachen Eufy dürfen Anwender hoffen. Athom hat kürzlich den zuständigen Entwickler ausgezeichnet. Insgesamt ist die Community inklusive der vielen Entwickler lebendig und engagiert, wie die vielen Beiträge im Blog des Herstellers und die wachsende Zahl von Community-Apps zeigen.

Trotz seiner Vielseitigkeit funktioniert nicht jedes Smart-Home-Gerät mit Homey Pro. Überwachungskameras von Arlo und Reolink unterstützt Homey Pro derzeit nicht. Und selbst mit einer App für die Integration von Komponenten einer bestimmten Marke wie Aqara lassen sich nicht alle Geräte des Herstellers mit Homey Pro nutzen. So konnte die Aqara-Überwachungskamera G3 (Test) mit integrierten Zigbee-Hub mit der Community-App nicht eingebunden werden. Das Gleiche gilt für die Tuya-Plattform, wovon lediglich Bewegungssensoren, Lampen, Steckdosen, Schalter und Fensterjalousien unterstützt werden.

Die Smart-Home-Zentrale Homey Pro ist für 399 Euro erhältlich. Der niederländische Hersteller Athom bietet mit Homey Bridge noch eine weitere Option, ein Smart Home zentral zu verwalten. Allerdings ist diese nicht so leistungsfähig wie die Pro-Version. Es fehlt etwa die Unterstützung von Community-Apps sowie der Zugriff auf das Homey-SDK. Zudem funktioniert Homey Bridge nur in Verbindung mit der Homey-Cloud.

Sämtliche Komponenten in einem Smart Home unter einer Oberfläche zu verwalten, bleibt auch weiterhin ein Traum. Doch Homey Pro kommt diesem Traum schon sehr nahe und bietet deutlich mehr als die Standardlösungen anderer Hersteller. Wer möchte, kann damit sogar KNX-basierte Smart-Home-Lösungen verwalten oder die Produktion seiner Photovoltaik-Anlage überwachen. Über ein nutzerfreundliches Interface, das nicht nur mit der mobilen App, sondern auch vom Desktop aus erreichbar ist, können Anwender Smart-Home-Komponenten von zahlreichen Herstellern relativ leicht einbinden und optimal verwalten. Auch die Einbindung von Geräten mit Tasmota-Firmware und Tuya-Devices gelingt oftmals mit der Hilfe von Community-Apps. Doch in diesen Fällen ist ein wenig Know-how gefragt, das für ambitionierte Anwender aber letztlich kein Problem darstellt.

Mit den gebotenen Leistungen ist Homey Pro vorwiegend für Anwender interessant, die viele Apps zur Steuerung von Smart-Home-Komponenten konsolidieren wollen und denen Open-Source-Lösungen auf Basis von ioBroker oder Home Assistant zu aufwändig sind. Homey Pro ist für diese Zielgruppe dank seiner offenen Architektur mit tollem Community-Support und -Apps eine vielseitige und einfach zu bedienende Lösung, mit der sie beim Ausbau ihres Smart Home nicht nur auf einen einzigen Hersteller und womöglich teuren Produkten angewiesen sind. Homey Pro ist quasi ein Raspberry mit vielen Antennen und einem eleganten und leistungsfähigen Betriebssystem für das smarte Heim, der in Sachen Einrichtung, Wartung und Anbindung klare Vorteile gegenüber der Konkurrenz bietet, auch wenn er nicht ganz an den Funktionsumfang einer Open-Source-Lösung herankommt.

Mehr Informationen zu einer intelligenten Haussteuerung bietet unser Themenschwerpunkt Smart Home. Für Einsteiger ins Thema empfehlen wir unseren Ratgeber Smart Home: Auch mit wenig Geld zum Erfolg. Auch interessant: Elesion als günstige Smart-Home-Alternative von Pearl. Wer smart heizen will, sollte sich den Ratgeber Smarte Thermostate für Fußbodenheizungen durchlesen und die Bestenliste Top 10: Die besten smarten Heizkörperthermostate 2022 ansehen. Und wie man den Standby-Verbrauch von Geräten reduzieren kann, erklärt der Beitrag WLAN-Steckdosen in der Praxis: Modelle, Einsatzzweck, Preise. Und im Beitrag Bessere Luft: Smarte Raumluft-Sensoren für CO2, Radon, Ozon, Feinstaub & Co erklären wir, wie man auf Basis smarter Sensoren das Raumklima verbessern kann.

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