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Pro und Contra
  • sehr günstig
  • gute Bildqualität bei Tag und Nacht
  • Bewegungserkennung unbrauchbar
  • Geräuscherkennung unbrauchbar
  • Datenschutz nicht gewährleistet
Rating:
  • 1.0
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Sie kostet rund 25 Euro und erkennt mit künstlicher Intelligenz (KI) Bewegungen und Geräusche: Wir haben die Neuauflage der Indoor-Kamera Yi Home getestet.

Kabelgebundene Überwachungskameras für Innenräume starten preislich meist ab 200 Euro – etwa die Arlo Pro 2 (Testbericht) oder Somfy One+ (Testbericht) . Der hohe Preis kommt unter anderem durch verbaute Sensoren zustande. Billigere Modelle setzen meist auf Software-Erkennung für Bewegung & Co.

Dass das gut funktionieren kann, zeigen etwa die Amazon Blink Mini (Testbericht) oder Ring Indoor Cam (Testbericht) für 40 beziehungsweise 60 Euro. Soll es noch günstiger sein? Dann sind die Yi-Kameras aus China eine Option. Während die Yi Home Camera 2019 (Testbericht) nicht überzeugte, soll die 2020-Version es richten – mit verbesserter Bewegungserkennung und aktualisierten Datenschutzbestimmungen. Wir zeigen, was die Kamera in der Praxis leistet.

Wer mit geringem Aufwand Wohnung oder Haus überwachen will, findet eine breite Auswahl an Indoor-Kameras mit App-Anbindung. Diese zeichnen beispielsweise Bewegungen oder Geräusche auf und senden Meldungen an das Smartphone des Eigentümers. Wenn also die Katze Polster aufkratzt oder der Hund wieder heimlich auf dem Sofa liegt, bekommt man das mit – selbst, wenn man gerade nicht zu Hause ist. Viele dieser Kameras besitzen eine Zwei-Wege-Audioverbindung, also eine Gegensprechanlage. So kann man mit Haustier & Co. direkt Kontakt aufnehmen.

Die aktuelle Yi Home Camera bietet genau das: Sie erkennt Bewegungen, nimmt Geräusche wahr, hat Gegensprech- und Nachtsichtfunktion. Aufnahmen werden in Full-HD, also 1920 × 1080 Pixeln gemacht. All das hat auch schon der Vorgänger, die Yi Home Camera 2019 (Testbericht) versprochen, aber nicht gehalten. Die 2020-Version soll mit einer überarbeiteten KI bessere Ergebnisse liefern.

Für die Einrichtung braucht die Kamera die kostenlose App Yi Home für Android oder iOS. Die App verlangt ein Nutzerkonto mit E-Mail-Adresse und Passwort. Im Vergleich zur Ring Indoor Cam (Testbericht) verzichtet Yi auf zusätzliche Informationen wie etwa Name oder Wohnort.

Sobald die Kamera am Stromnetz angeschlossen ist, ertönt der Satz „ready to connect“. Danach folgt man drei Schritten: Kamera im App-Menü auswählen, WLAN-Name und -Passwort eingeben und zuletzt einen QR-Code vor die Kamera halten, den die App zur Koppelung generiert. Im Anschluss wird noch ein Firmware-Update durchgeführt – das schaltet die neuen „smarten“ Funktionen mit KI-Unterstützung frei.

Für die Stromversorgung legt Yi ein Netzteil und Micro-USB-Kabel mit rund 1,5 Metern Länge bei. Das reicht gerade so, um die Kamera etwa auf einem Schrank zu stellen – vorausgesetzt eine Steckdose ist in der Nähe. Die Kamera selbst sitzt auf einem Standfuß, der sich wahlweise um bis zu 180 Grad nach vorne und hinten bewegen lässt. Das ist gut, denn so hat die Kamera auch von einem hohen Schrank ein gutes Blickfeld. Wahlweise kann man die Kamera auch an der Decke befestigen; Software-seitig lässt sich das Bild der Kamera zumindest um 180 Grad drehen. Entsprechende Klebe-Pads muss man allerdings selbst kaufen.

Mikrofon, Lautsprecher, Infrarot-LED für Nachtsicht sowie die eigentliche Kamera – das sind die wesentlichen Hardware-Komponenten. Ein Bewegungssensor (PIR) fehlt der Yi Home Camera. Das wäre zwar stromsparender, denn ein physischer Sensor aktiviert die Kamera nur bei Bewegung, so muss die Kamera dauerhaft aktiv sein, damit die Software Bewegungen analysieren kann. Modelle wie die Blink Mini (Testbericht) setzen ebenfalls auf eine digitale Erkennung, das kann gut funktionieren. Bei der Yi Home Camera tut es das aber nicht. Durchschnittlich nur eine aus fünf Bewegungen erkennt die Cam. Einbrecher, Haustier & Co. können im Zweifelsfall also komplett unbemerkt einen Raum betreten und verlassen.

Das zweite Erkennungs-Feature soll Geräusche identifizieren – vor allem von schreienden Babys. Auch das klappt nicht. In insgesamt 20 Versuchen löste der Alarm bei uns nicht aus. Auch die App-Einstellung Alarm-Empfindlichkeit hilft da nicht weiter. Selbst bei Empfindlichkeitsstufe hoch passiert nichts – schade. Da nützen so hilfreich klingende Zusatzfunktionen wie Menschen Erkennung oder Aktivitätsregion – also bestimmte Bereiche im Erfassungsradius der Kamera – auch nicht weiter. Dazu kommt: Registriert die Personenerkennung dann doch mal eine Bewegung, kann das auch der im Wind wehende Vorhang sein. Die Bewegungs- und Geräuscherkennung ist somit nicht zu gebrauchen. Das überrascht schon sehr beim beworbenen KI-Update und man kann nur hoffen, dass Yi diese Mängel rasch behebt.

Hier hat die Yi Home Camera zweifelsohne ihre Stärken. Die 25-Euro-Cam liefert bei Tag sehr natürliche Bilder und ausreichend viele Details – so erkennt man auf unserem Beispielbild etwa, ob die Schmuckschatulle geöffnet oder geschlossen ist.

Nachtaufnahmen sind ebenfalls detailliert und optimal ausgeleuchtet. Die IR-LED sorgt für ein helles Bild, die Aufnahme ist kontrastreich. Trotz 112 Grad Weitwinkel wirken die Aufnahmen nicht verzerrt. Insgesamt kommt uns die Bildqualität der aktuellen Yi Home im Gegensatz zu Yi Home 2019 (Testbericht) ein bisschen ausgewogener vor.

Mikrofon und Lautsprecher der Kamera schneiden ebenfalls positiv ab. Das Mikrofon nimmt Umgebungsgeräusche auch noch in einer Entfernung von rund 10 Metern wahr, der Lautsprecher ist ausreichend laut und die Sprachausgabe unverzerrt, um etwa den Hund zurechtzuweisen oder ein Kleinkind mit ein paar Worten zu beruhigen. Im Gegensatz zur Blink Mini (Testbericht) schneidet die Yi-Kamera hier deutlich besser ab.

Cloud oder Micro-SD-Karte in der Kamera selbst – diese Varianten stehen bei der Speicherung von Aufnahmen zur Verfügung. Wer sich für die Yi Home Camera 2020 entschließt, sollte aus unserer Sicht seine Aufnahmen maximal auf einer Micro-SD-Karte absichern. Von der Cloud raten wir grundlegend ab.

Wie bei der 2019-Version ist das Thema Datenschutz auch bei der 2020-Neuauflage bedenklich. Laut Datenschutzerklärung der App, werden persönliche Daten an Server in den USA und anderen Ländern, in denen Yi aktiv ist, übermittelt. Das ist wenig beruhigend, wenn man weiß, dass die Muttergesellschaft Shanghai Xiao Yi Technology Co. Ltd. ihren Sitz in China hat. Zu allem Überfluss gibt es noch einen kleinen Zettel in der Verpackung der Kamera, der darauf hinweist, dass die Kamera der EU-Richtlinie 2014/40/EU (Link zu eur-lex.europa.eu ) unterliegt. Das weckt erst einmal Vertrauen, leider bezieht sich die Richtlinie aber auf die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen und nicht etwa auf Datenschutz.

Verbesserte KI? Fehlanzeige. Überarbeiteter Datenschutz? Fehlanzeige. Die 25-Euro-Kamera von Yi hätte in der Neuauflage 2020 wirklich ein attraktives Modell für die Überwachung von Privathaushalten werden können. Stattdessen ist sie nicht empfehlenswert.

Für ein Anwendungsgebiet eignet sich die Kamera dennoch: Vogelhäuser. Hier kann man Vögeln beim Brüten und Aufziehen der Jungtiere zusehen . In Hinblick auf Datenschutz ist da selbst die Yi Home Camera eine Option.

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