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360 S5
Pro und Contra
  • Sehr gute Navigation
  • Ordentliche Saugleistung
  • Extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • App bisweilen etwas träge
  • Keine Unterstützung für Sprachassistenten
  • 4.5

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Ein guter Saugroboter mit Laser-Navigation kostet ab 300 Euro – zumindest, wenn er neu auf dem Markt ist. Das älter nicht gleich schlecht heißt, zeigt der 360 S5 eindrucksvoll im Test.

Zugegeben: Fast zwei Jahre ist der Saugroboter 360 S5 schon auf dem Markt, aber hier das Lesen abzubrechen, wäre ein fataler Fehler für alle, die einen richtig guten und günstigen Saugroboter suchen. Obwohl Technik eigentlich als schnelllebig und im Handumdrehen überholt gilt, trifft das auf den S5 nicht zu. Stattdessen spielt die Zeit sogar für den Käufer – nämlich beim Preis. Der liegt mittlerweile bei Online-Händler Geekmaxi unter 200 Euro (siehe Abschnitt Preis) und das ist bei der gebotenen Feature-Vielfalt kaum zu schlagen.

Aber 360 – ist das bei dem seltsamen Namen ein seriöser Hersteller? Andere namhafte asiatische Anbieter wie Xiaomi oder Roborock sind mit Saugrobotern und anderen technischen Produkten wie Überwachungskameras, Smartphones und vielem mehr seit Jahren im Geschäft. Wie man es dreht und wendet, Argumente gegen den Kauf sind nicht zu finden – oder doch? Wir schauen uns den Methusalem im Test an.

Am Design des 360 gibt es nichts Auffälliges. Er ist rund, aus ausreichend hochwertig verarbeitetem Kunststoff, bietet einen Laserturm im vorderen Bereich der Oberseite und kommt mit den typischen Sensoren wie Bumper, Absturzsensoren und sogar einem zusätzlichen Ultraschallsensor, der im Nahbereich den Laser unterstützt. Eine einzelne Seitenbürste vorne rechts sorgt für ordentliche Rand- und Eckensäuberung, die Oberseite des Saugroboters lässt sich aufklappen. Darunter befindet sich der nach oben herausnehmbare Schmutzbehälter, außerdem eine LED als WLAN-Anzeige und ein geschützter Reset-Knopf.

Oben vor dem Laserturm platziert der Hersteller zudem noch einen Start/Stopp-Knopf und einen für die Rückkehr zur Ladestation. Der Sauger bewegt sich in den üblichen Maßen, sowohl bei Durchmesser, als auch Höhe, bei der er unter 10 Zentimeter bleibt. Wer also aufgrund des „hohen“ Alters einen großen, klobigen Plastikklumpen erwartet, wird positiv überrascht – sowohl bei den Maßen als auch beim Design und der Wertigkeit.

Das ändert sich beim Lieferumfang. Der fällt zwar nicht ganz so spartanisch wie beim kürzlich getesteten Xiaomi Mijia 1S (Testbericht) aus, das wäre aber auch schwer zu unterbieten. Der S5 bietet immerhin ein Netzteil mit mehreren Aufsätzen für amerikanische, asiatische und europäische Steckdosen, das war es aber abgesehen von einem Nutzerhandbuch auch schon wieder. Das Handbuch ist ausführlich in Bild und Text gehalten, in etlichen Sprachen verfügbar, darunter in fehlerfreiem Deutsch. Die relativ große Ladestation punktet mit vollständigem Kabelmanagement. Ein CE-Zeichen ist vorhanden.

Die Inbetriebnahme ist denkbar einfach: Nach dem Herunterladen der 360-Robot-App müssen sich Käufer lediglich ein kostenfreies Konto anlegen und können den Anweisungen der App folgend in wenigen Klicks und innerhalb von ein oder zwei Minuten den Sauger verbinden. Probleme traten dabei im Test nicht auf, auch wenn fälschlich ein Hinweis zum Wechseln der WLAN-Verbindung aufploppte.

Anschließend ist die App sehr übersichtlich gehalten und bietet alles, was man von aktuellen Saugrobotern erwarten kann – alles bis auf Wisch-Features, denn das beherrscht der Roboter gar nicht. Ansonsten ist alles dabei und noch dazu gut umgesetzt: Automatische Raumaufteilung samt manueller Anpassungsmöglichkeit, Bestimmbarkeit der Reinigungsreihenfolge, Einzelraumreinigung, Pin-to-Clean, Teppicherkennung, Timer, Anzeige des Abnutzungszustandes und einiges mehr. Einzig eine Unterstützung für Sprachassistenten fehlt. Außerdem reagiert die App meist recht träge - vermutlich ein Problem mit der Kommunikation nach China. Den aufwändigen Umweg eines neuen China-Kontos wie beim Mijia 1S (Testbericht) können sich Nutzer aber zum Glück sparen. Etwas amüsant ist die Selbstüberschätzung der gereinigten Fläche: 184 Quadratmeter waren für unsere Testetage selbst ohne Möbel etwas hochgegriffen, mit Möbeln rund um den Faktor 2.

Besser als bei manch anderem Produkt aus Fernost: Der 360 S5 hat nicht nur eine deutsche App, sondern auch deutsche Sprachausgabe eines nativen Sprechers. Die klingt aber in diesem Fall etwas gelangweilt. Außerdem ist der Lautsprecher, über den der Roboter die akustischen Mitteilungen ausgibt, arg blechern und scheppert.

Die Navigation des 360 S5 ist vorbildlich. Das sind wir von Laser-navigierten Saugrobotern gewohnt, beim Testgerät kommt aber noch der Ultraschallsensor an der Front hinzu. Er sorgt dafür, dass der Roboter in den meisten Fällen erst gar nicht auf Hindernisse auffährt, sondern davor schon abstoppt oder sie mit geminderter Geschwindigkeit berührt. Das ist besonders bei Gegenständen hilfreich, die niedriger als der Roboter sind und daher nicht vom Laser erfasst werden. Auf Wunsch lässt sich diese Option zugunsten von noch näherem Auffahren deaktivieren – wofür wir aber keinen Grund sehen. Denn der Roboter navigiert auch mit aktivierter Option sehr nah an Hindernisse heran und legt dennoch insgesamt eine enorm Möbel-schonende Fahrweise an den Tag. Im Test hat er sich damit kein einziges Mal festgefahren – sehr gut. Zum Verhängnis wären ihm dabei allerdings fast Schwingstühle, deren kantige, fast 3 Zentimeter hohe Gestelle der Sauger mehrfach zu überklettern versuchte. Kein anderer Sauger hat das bislang geschafft, auch der 360 S5 trat halb aufgelaufen nach wenigen Sekunden wieder den Rückzug an. Normalerweise überwindet der Sauger Hindernisse mit bis zu 2 Zentimeter.

Bei der reinen Saugleistung setzt der 360 S5 auf eine Mischung aus Saugleistung mit 2000 Pascal und eine flexibel gelagerte Hauptbürste mit Gummilamellen und Borstenreihen. Damit erreicht der Sauger besonders auf Hartboden hervorragende Ergebnisse, auf Teppich gibt es trotz automatischer Saugkraftanhebung nur mittelmäßige Werte, die ihm in unserem Testparcours insgesamt aber dennoch ein gutes Gesamtergebnis einbringen. Die Teppicherkennung ist zudem mit rund 2 bis 6 Sekunden seltsam unterschiedlich verzögert und entsprechend mal in Ordnung (2 Sekunden) und mal zu langsam.

Von 50 Gramm (30 Gramm Sittich-Futter, 20 Gramm Vogelsand) fand er 29 Gramm wieder (23/6 Gramm), damit platziert sich der „Oldie“ im mittleren Testfeld. Ganz weit oben ist er sogar bei der Lautstärke – im positiven Sinne. Mit 51 bis 60 Dezibel in 1 Meter Entfernung gehört er zu den leisesten Vertretern seiner Art. Der Teppichmodus funktioniert übrigens nicht in der leisesten von vier Stufen, die treffend „Leise“ heißt – eben, um auch wirklich leise zu bleiben. Am meisten störte uns bei maximaler Fahrgeschwindigkeit – etwa bei langen Bahnen – das leise Vibrieren und Rattern des Roboters. Eine Wischfunktion hat der 360 S5 nicht, allerdings vermissen wir eine einfache "Tuch-mitschleif-Funktion" auch nicht wirklich.

Das Ausleeren des 550 Milliliter großen Staubbehälters macht keinerlei Schwierigkeiten. Wegen leichter Überstände an den Rändern kann schon mal eine Kleinigkeit daneben gehen, außerdem fehlt eine Rückhalteklappe für den Inhalt des Behälters. Daher muss man bei der Entnahme Vorsicht walten lassen und sollte den Behälter auf dem Weg zum Abfalleimer nicht zu sehr neigen oder schwenken. Insgesamt gibt es hier aber kaum etwas zu beanstanden.

Der Akku des 360 S5 leistet vergleichsweise mickrige 2600 mAh. Damit kann der Saugroboter zwar nicht mit Highend-Modellen wie dem Roborock S7 (Testbericht) mithalten, schafft aber im Standard-Modus mit aktivierter Teppicherkennung dennoch rund 120 Quadratmeter (abzüglich Möbel). Das ist ein ordentlicher Wert. Sollte der Akkustand doch früher zur Neige gehen, lädt der Sauger an der Ladestation rund 80 Minuten wieder auf und setzt die Reinigung dann fort.

Anfänglich kostete der 360 S5 angesichts der guten Leistung „nur“ rund 350 Euro, inzwischen liegt er unter 250 Euro und bei Online-Händlern wie Geekmaxi mit dem Code S60S5DE sogar bei 190 Euro – ein Schnäppchen!

Es stand schon in der Überschrift und im Abschnitt zum Preis: Der 360 S5 ist ein echtes Schnäppchen! Er ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber enorm gut gealtert. Denn er bietet so gut wie alles, was modernere Sauger können, kostet aber aufgrund seiner längeren Marktverfügbarkeit wesentlich weniger. Bei den Punkten Navigation gibt es nur wenige bessere Modelle, die Saugleistung ist wenigstens im guten oberen Mittelfeld. Lediglich eine Unterstützung von Sprachassistenten fehlt zum Glück und die App könnte etwas direkter reagieren. Davon ab gilt der uneingeschränkte Kaufbefehl für alle, die ein echtes Preis-Leistungs-Schnäppchen suchen. Ähnlich gut ist der etwas teurere Dreame D9 (Testbericht), der sogar eine einfache Wischfunktion bietet. Gleiches gilt für den neuen Yeedi 2 Hybrid (Testbericht), der aber noch einmal einige Euros mehr kostet.

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