Samsung Jet Bot AI+ im Test: Ausfahrbarer Laser-Turm und Absaugstation

Samsung Jet Bot AI+
Pro und Contra
  • außergewöhnliches Design mit ausfahrbarem Laser-Turm
  • hervorragende 3D-Objekterkennung
  • sehr gute Reinigungsleistung auf Hartboden
  • viel zu teuer
  • ruppige Nahbereichs-Navigation
  • intelligente Saugkraftanpassung funktioniert nicht
  • 4

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Satte 1600 Euro kostet Samsungs neuester Saugroboter und bietet dafür spezielle Features wie eine 3D-Objekterkennung und einen ausfahrbaren Laser-Turm. Wir haben überprüft, wie gut der Sauger ist.

Alleskönner wie Roborock S7 MaxV Ultra (Testbericht) und Ecovacs Deebot X1 Omni (Testbericht) scheinen die neuen Stars der Branche zu sein. Sie nehmen dem Nutzer nicht nur Saugen und Wischen ab, sondern sind dabei durch Reinigungsfunktion für das Wischtuch und Absaugfunktion auch noch in einem zuvor nie gesehenen Grad autark. Samsung geht wie iRobot einen anderen Weg und schickt den Jet Bot AI+ ohne Wischfunktion ins Rennen um die Käufergunst. Der Preis liegt allerdings auf und sogar über dem, was die genannten Konkurrenten für zumindest auf dem Datenblatt mehr Leistung verlangen – kann das funktionieren?

Schon beim Design macht Samsung einiges anders als die Wettbewerber. Der runde Korpus des Jet Bot AI+ ist höher als die Konkurrenz, daran angeflanscht ist allerdings ein Konstrukt, dass aussieht, als verberge es Ketten statt Räder – ähnlich den Dyson-Saugrobotern. Zudem bietet dieses Konstrukt die Möglichkeit, eines der größten Probleme von runden Saugrobotern zu beseitigen: die Eckenreinigung. Denn durch die runde Form kommen solche Sauger auch mit langer Seitenbürste nicht richtig in die Ecken eines Raumes, weshalb dort immer Schmutz zurückbleibt. Der Jet Bot von Samsung hat aber neben dem runden Gehäuse vorn ein eckiges Design, er ist also von oben betrachtet eigentlich nicht rund, sondern folgt der D-Form, der auch Anbieter wie Neato weiter folgen. Tatsächlich verzichtet Samsung dafür im Gegenzug auf eine Seitenbürste. Stattdessen gibt es nur zwei kurze Gummilamellen, die Schmutz an der linken Seite zur Hauptbürste leiten sollen.

Um nicht mit der kantigen Front beim Navigieren hängenzubleiben, installiert Samsung an den vorderen Kanten kleine Rädchen. So schrammt der Roboter nicht an der Wand entlang, sondern rollt sich ab. Auffällig sind auch die zusätzlichen hinteren Sensoren die neben den vorderen Sensoren und der Kamera für verbesserte Orientierung sorgen. Das bietet sonst so gut wie kein anderer Saugroboter. Außerdem scheint der weiße Roboter gar nicht per Laser zu navigieren, zumindest ist in der Absaugstation und generell abseits der Arbeit kein Laser-Turm zu sehen. Tatsächlich fährt dieser zu Beginn einer Tour erst langsam und elegant aus – einzigartig!

Zum restlichen, eher klotzigen Design, passt dieser elegante Vorgang nicht unbedingt. Samsung verwendet zwar hochwertig wirkenden, weißen Kunststoff mit silbernen Applikationen, insgesamt wirkt der Roboter aber eher wie ein Schwebepanzer oder ein Droide aus Star Wars, als dezent. Ein Blick unter den Roboter sorgt außerdem für Irritation: Statt Ketten kommen hier ganz normale Laufräder zum Einsatz. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenzprodukten gibt es nicht nur ein, sondern gleich zwei Stützräder.

Auf der Oberseite gibt es zwei Sensortasten zur direkten Steuerung des Bots. Die komplette Oberseite lässt sie abnehmen, sie wird magnetisch gehalten. Darunter verbirgt sich nicht nur der große Schmutzbehälter, sondern auch ein Feinstaubfilter, der separat von oben in den Roboter eingesteckt wird. Ein weiterer Filter befindet sich im ausladenden Schmutzbehälter. Eine weitere Besonderheit: Entnimmt man den Schmutzbehälter, schaut man direkt auf den zu reinigenden Boden, auf dem der Roboter steht. Im Umkehrschluss schaut man von unten direkt auf den Staubbehälter – das ist sonst bei kaum einem anderen Saugroboter so. Ebenfalls anders: Unten am Gerät gibt es zwei Schrauben, die die Abdeckung für den Akku halten. Löst man sie, ist der Akkutausch kein Problem. Das ist bei der Konkurrenz weit schwieriger.

Die Absaugstation des Samsung Jet Bot AI+ ist recht schmal, dafür aber recht hoch. Sie bietet Kabelmanagement und vor allem weitere Filter. Wie bei anderen Produkten wie etwa dem Samsung Jet 90 (Testbericht) sorgt der Hersteller auch bei seinem Spitzen-Saugroboter wortwörtlich für gute Luft.

Der Lieferumfang des Jet Bot AI+ ist überschaubar. Im Lieferkarton befinden sich Ersatzfilter, mehrsprachiges Handbuch, Schnellstartanleitung, ein 2. Beutel für die Absaugstation und ein Kuriosum: ein Magnetband. Damit kann man manuell den Reinigungsbereich des Roboters begrenzen. Da das auch in der App problemlos funktioniert, ist das eigentlich überflüssig und dürfte bei 99 Prozent der Käufer im Lieferkarton verstauben.

Die Inbetriebnahme ist schnell absolviert. Als App verwendet Samsung seine Smartthings-Plattform (Testbericht), damit lässt sich der Roboter komplett ins inzwischen sehr umfangreiche Smartthings-Universum einbinden. Zur Einrichtung folgt man einfach Schritt für Schritt den Anweisungen auf dem Smartphone und nach wenigen Minuten ist alles bereit.

Die App selbst ist auf den ersten Blick etwas verwirrend aus – denn es scheint die Hälfte zu fehlen. Auf der Startseite des Roboters sieht man nämlich (später) nur die Karte mit unterschiedlichen Räumen, darüber die Auswahl „Räume“, „Um Möbel“ und „gezielt“, unter der Karte ist ein Start-Button. Das wars. Etwas nervig ist hierbei, dass alle Räume vorselektiert sind – will man nur einen Raum saugen, müssen jedes Mal alle anderen abgewählt werden. „Um Möbel“ ist selbsterklärend, „gezielt“ meint nichts anderes als das Festlegen eines temporären Reinigungsbereichs mittels eines virtuellen Rechtecks. Irgendwie fehlen hier doch wichtige Sachen?

Zwar gibt es oben rechts noch ein Drei-Punkte-Menü mit einem Einstellungs-Menüpunkt, doch viele Optionen verstecken sich hier nicht. Tatsächlich wird man durch einfaches nach- oben- Scrollen fündig. Hier erhält man Zugriff auf die Saugleistung (max, intelligent und normal) oder den Modus. Bei dem darf der Nutzer schön animiert erklärt auswählen, ob der Bot erst den Innen- und dann den Randbereich säubern soll, alternativ anders herum oder einfach ausschließlich im Zickzack ohne spezielle Randreinigung. Zudem befinden sich hier Punkte für Heimüberwachung, Zeitpläne und vor allem die Kartenverwaltung. Beim letzten Punkt lassen sich Sperrzonen einrichten, Räume verwalten, erkannte Möbel und Geräte anpassen oder die Karte zurücksetzen. Insgesamt wirkt das nicht gerade sehr intuitiv, mit etwas Einarbeitungszeit sollte damit aber jeder klarkommen. Als störend haben wir hingegen die Speichermöglichkeit nur einer einzigen Karte empfunden – das passt nicht zum Preis des Gerätes.

Die Navigation des Samsung Jet Bot AI+ ist teils erstaunlich gut, teils suboptimal. Fangen wir mit den nicht ganz gelungenen Dingen an. Der Roboter bewegt sich recht ruppig durch die Wohnung und schiebt und dreht sich trotz seiner zahlreichen Sensoren oftmals recht unbedarft durch die Gegend. Wenn er etwa mit einer vorderen Ecke an einem Möbelstück hängenbleibt, schiebt er immer noch etwas weiter und stellt sich dadurch leicht schräg. Das stört ihn zwar anschließend nicht und er setzt seine Arbeit direkt wieder unbekümmert fort, allerdings macht das keinen sehr professionellen Eindruck. Im Test hat er sich sogar einen kräftigen Kratzer auf der Rückseite eingefangen. Die generelle Navigation ist, was Wegfindung angeht, hingegen sehr gut. Festgefahren hat sich der Roboter während des Tests nicht, den Weg zurück zur Ladestation fand er ebenfalls immer. Gar nicht gefallen hat uns hingegen die „intelligente“ Saugkraftanhebung – die funktionierte bei uns auf Teppich kaum, dafür würde die Saugleistung an Stellen erhöht, an denen wir keinen Grund sahen. Und es gibt noch ein Problem: Der Jet Bot AI+ ist hoch – zu hoch. Er kommt auf fast 14 Zentimeter mit ausgefahrenem Laser-Turm – das ist zu hoch fürs Bett oder die meisten Couchen. Einen echten Grund, den Roboter so hoch zu bauen, konnten wir im Test nicht erkennen.

Dafür punktet der Jet Bot bei einer anderen Sache: 3D-Objekterkennung. Kein anderer Saugroboter erkannte bislang in unseren Tests verschiedene Objekte wie Kabel, Schuhe oder Socken so zuverlässig, wie der Samsung Jet Bot AI+. Das beinhaltete sowohl die Ersterkennung, die abgesehen von Kabeln bei allen Robotern mit dieser Technik gut funktionierte, sondern auch den anschließenden Umgang mit dem Problem. Denn während die Konkurrenz beim Umrunden von erkannten Hindernissen gerne immer mal wieder doch zu sehr auf Tuchfühlung geht, macht der Samsung-Roboter das deutlich weniger. Selbst bei der Paradedisziplin, nämlich dem Erkennen von Kabeln, die eine ähnliche Farbe wie der Untergrund haben, brillierte der Roboter im Test. Die 3D-Objekterkennung hat unserer Meinung nach bislang kein anderer Hersteller ähnlich gut umgesetzt.

Die Kamera nutzt der Roboter außerdem für einen anderen Zweck: zur Überwachung. Dabei überzeugen Bildqualität und Übertragungsgeschwindigkeit – auf dem Live-Bild ist nahezu keine Verzögerung zu erkennen. Dabei kann der Roboter Live genutzt oder auch automatisiert auf Patrouille geschickt werden. Er meldet dann auf Wunsch, wenn er Bewegung bemerkt.

Kommen wir zur Reinigungsleistung. Ein erster Blick auf die Hauptbürste ließ uns zuerst an deren Effizienz zweifeln, denn sie besteht aus dem typischen Flauschematerial für Hartböden kombiniert mit einer spiralförmig umlaufenden Gummilamelle. Tatsächlich macht die ihre Arbeit aber ziemlich gut. So fand der Saugroboter in unserem Testparcours von 30 Gramm Sittichfutter und 20 Gramm feinem Vogelsand 25 Gramm und 11 Gramm – das ist eher Mittelmaß. Ein genauerer Blick offenbarte dann allerdings, dass das durchwachsene Ergebnis an der Materialbeschaffung des Untergrundes unserer Testumgebung lag. Denn im Alltagstest tat sich der Roboter durch hervorragende Saugleistung auf Hartboden hervor, auf Teppich lag die aber her im unteren Mittelfeld. Erschwerend kam hinzu, dass der Sauger trotz der für 90-Grad-Ecken positiven Form nicht wirklich bis in die Ecke hineinsäubert – zumindest nicht, wenn dort etwas schwererer Schmutz liegt. Hier fehlt letztendlich die Seitenbürste.

Positiv bei der Absaugstation ist die vergleichsweise geringe Lautstärke und die generelle Funktion, hier gab es im Test keinerlei Probleme. Erreicht der Sauger im Normalbetrieb 64 bis 72 Dezibel, so sind es bei der anschließenden Absaugung knapp 80 Dezibel – da ist mancher Konkurrent lauter. Nicht ganz gefallen hat uns der Umstand, dass zwar der Inhalt des Staubbehälters komplett ausgesaugt wurde, nicht aber feiner Staub am Filter und an der Zyklon-Box im Staubbehälter. Hier muss der Nutzer doch immer wieder manuell ran. Die maximale Reinigungszeit gibt Samsung mit 90 Minuten an, anschließend wird für rund 210 Minuten geladen. Damit ist der Sauger eher für mittelgroße Umgebungen um 80 Quadratmeter geeignet. Wischen kann der Roboter nicht.

1599 Euro in der UVP will Samsung für den Jet Bot AI+ in Weiß mit Absaugstation. Zum Testzeitpunkt war das Modell bereits ab 1099 Euro erhältlich.

Das Kurzfazit lautet: 1600 Euro sind für die gebotene Leistung einfach viel zu viel. Denn die Konkurrenz bietet mit Modellen wie dem Roborock S7 MaxV Ultra (Testbericht) oder dem Ecovacs Deebot Xi Omni (Testbericht) einfach deutlich mehr. Und das betrifft nicht nur die zusätzliche Wischfunktion mit Selbstreinigungs-Feature und Absaugung, sondern auch andere Bereiche. Die generelle Navigation etwa hat uns bei etlichen Konkurrenten besser gefallen – einfach, weil sie im Detail deutlich weniger ruppig zu Möbeln ist. Hinzu kommt, dass der Samsung-Roboter unnötig hoch ist und somit unter viele Möbel nicht kommt, die die Laser- und erst recht die Kamera-Opposition meist problemlos erreicht. Auch die App hat uns bei der Konkurrenz etwas besser gefallen. Die Saugleistung – vor allem auf Hartboden – ist hingegen in Ordnung, wenn auch insgesamt nicht spitze.

Der größte Vorteil des Jet Bot AI+ ist die 3D-Objekterkennung. Das ist der einzige wichtige Punkt, in dem das Samsung-Modell die Konkurrenz übertrifft. Und natürlich beim Design mit dem motorisch ein- und ausfahrbaren Laser-Turm. Ob einem das wirklich 1600 Euro wert ist? Wohl eher nicht. Wenn doch, sollte die Reinigungsfläche am besten nicht zu groß sein und überwiegend Hartboden aufweisen.

Mehr Tipps zum Kauf von Saugrobotern geben wir hier. Außerdem haben wir an dieser Stelle eine Top 10 der von uns getesteten Saugroboter zusammengefasst.

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