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Review: Microsoft Surface für Windows RT

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Das im Juni 2012 angekündigte Tablet Surface für Windows RT von Microsoft ist verfügbar. Die etwas stärkere Variante, das Surface für Windows 8 Pro, soll Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar 2013 auf den Markt kommen. Die Surface-Tablets sind keine richtigen Referenzgeräte; sie sollen anderen Herstellern nicht zeigen, wie ein Tablet mit der neuesten Windows-Generation zu funktionieren hat. Dennoch will Microsoft, der schon immer eigene Hardware herstellen wollte, zeigen, wie man sich ein Tablet vorstellt. In diesem Review haben wir uns das neue Betriebssystem und Surface für Windows RT angeschaut.

Das Microsoft Surface für Windows RT ist ein extrem hochwertig verarbeitetes Tablet. Das Gehäuse besteht nahezu komplett auch Magnesium. Der Hersteller nennt das Material „VaporMG“ – der aktuellste Stand der Technik. Es fühlt sich solide an – ein wenig wie kaltes Aluminium. Schaut man sich den Computer im Querschnitt an, erkennt man, dass es die Form eines Trapez‘ besitzt. Das Besondere am Surface für Windows RT ist der eingebaute Ständer. Dieser ist ideal, wenn man sich Filme, Bilder oder andere visuelle Medien anschauen möchte.

Bei einem Winkel von ungefähr 42 Grad rastert der Ständer sich fest ein – zu steil und unstabil für das Arbeiten auf dem Schoss. Auch wenn man das Tablet um 180 Grad dreht, sodass die obere Seite angehoben wird, ist das Arbeiten mit dem Touchscreen nicht möglich, da die Masse für den Ständer zu viel ist; er klappt unverzüglich ein. In den letzten 16 Tagen haben wir den Ständer sehr oft auf und zu geklappt, das Scharnier blieb unverändert solide, wie eine Autotür.

In dem 9,4mm dicken Korpus hat Microsoft einen 31,5 Wattstunden Akku platziert. Die offizielle Kommunikation lautet: Acht Stunden. Überraschenderweise haben neun Stunden erreicht, wie immer ein Mix aus Videos schauen, Musik hören, im Internet surfen und Dokumente mit Office – in diesem Fall mit Microsoft Office 2013 – bearbeiten. Für ein Tablet dieser Art: Ein ausgezeichneter Wert. Der interne Speicher des Surface für Windows RT liefert 32GB. Analog dazu gibt es auch eine 64GB-Variante. In unserem Fall hatten wir 24GB zur Verfügung. Davon sind noch einmal 9GB für das Betriebssystem Microsoft Windows RT drauf gegangen. Unter dem Strich muss man mit rund 15GB bis 16GB leben. Wem das Alles zu wenig ist, der kann der Speicher mittels microSDXC-Karte um 64GB erweitern.

Ganz oben auf der vorderen Seite sitzt mittig die 720p-Kamera. Die Auflösung ist nicht besonders hoch, aber qualitativ hat man ein gutes Bild. Der primäre Einsatzzweck ist Videotelefonie, zum Beispiel über Skype oder Google+. Videos lassen sich genauso aufzeichnen wie Fotos. Das Surface für Windows RT besitzt unter dem Display eine elektrische Taste, die mit dem neuen Windows 8-Emblem gekennzeichnet ist. Auf der linken Seite gibt es den linken Stereo-Lautsprecher, darunter 3,5mm-Klinkenanschluss, die Lautleise-Wippe und eine Ritze für das Öffnen des Ständers. Diese gibt es nur einmal am Gehäuse. Man geht davon aus, dass sich diese (symmetrisch) auch auf der rechten Seite befindet – das ist aber nicht der Fall.

Auf der rechten Seite des Tablets gibt es eine abgerundete Vertiefung, in der fünf Kontakte sitzen. Diese sind für die Stromzufuhr. Mit Magneten, ähnlich wie der MagSafe-Anschluss von Apple, wird der Anschluss gehalten. Sinn und Zweck ist das schnelle Verbinden und Lösen. Das Lösen klappt reibungslos, da man es einfach nur ziehen muss. Das Verbinden ist schwer: Die magnetische Anziehung ist so schwach, dass man den Anschluss sehr präzise auf die Vertiefung positionieren muss.

Etwas weiter oben kommt der weibliche USB 2.0 Anschluss nach Typ A, gefolgt von weiblich microHDMI in der Version 1.4 nach Typ D. Darüber sitzt der rechte Stereo-Lautsprecher. Mit der Taste auf der oberen Seite lässt sich das Windows-Tablet (ent)sperren und Ein/ausschalten. Weiter in der Mitte wurden zwei Mikrofone platziert – der Abstand dazwischen ist dreifingerbreit. Die Kamera auf der Rückseite ist ähnlich wie die auf der vorderen Seite: gleiche Auflösung, dieselben Funktionen. Um ein ebenes Bild zu erhalten, falls der integrierte Ständer verwendet wird, ist die Kamera um 22° nach oben ausgerichtet. Nein, es verhält sich nicht wie adaptives Fahrlicht; der Winkel ist fest.

Anders als das Surface für Windows 8 Pro löst das Surface für Windows RT mit W ide Ex tended G raphics A rray, statt High Definition auf. Das Bild entsteht auf einem 10,6-Zoll großen Flüssigkristallbildschirm und ist 1.366 Pixel breit und 768 Pixel hoch. Die daraus errechnete Pixeldichte beträgt 147,8ppi. Das ist nicht sonderlich viel, wenn man sich andere Tablets anschaut. Dabei kann der verbaute Vierkernprozessor simultan zwei QXGA-Auflösungen (= 2.048x1.536 Pixel) plus eine High Definition-Ausgabe (1.920x1.080 Pixel) über HDMI verarbeiten. Dennoch, das sogenannte „Microsoft ClearType-HD“-Display soll für mehr Schärfe bei Schrift und Grafik sorgen, obwohl die Darstellung physisch festgelegt ist. Gutes können wir über den Schwarzwert, Blickwinkel und die Farbwiedergabe berichten. Diese Werte sind toll.

Neben der Bildschirmtastatur kann das Surface für Windows RT auch mit einer physikalischen Tastatur verwendet werden. Sie besitzt nicht nur die Funktion einer Tastatur, sondern auch die einer Schutzhülle, denn die Tastaturfläche ist genauso groß wie das Tablet. Die optional oder im Bundle erhältlichen Zubehörteile werden über einen starken Magnetanschluss verbunden. Microsoft stellt dem Nutzer freie Wahl: Es gibt eine „Touch Cover“- und „Type Cover“-Tastatur. Beide verfügen über ein gutes Multi-Touch Trackpad, das präzise reagiert.

Microsoft Touch Cover

Die Tasten der 3,25mm dünnen Touch Cover-Tastatur sind leicht angehoben und druckempfindlich. Dass man sich auf den Tasten befindet, spürt man an den Fingerkuppen. Ob eine Taste wirklich betätigt wurde, sieht man allerdings auf dem Display, wenn die Eingabe erscheint, denn ein haptisches Feedback oder ähnliches gibt es bei der 208g schweren Tastatur nicht.

Microsoft Type Cover

Die Tasten der Type Cover-Tastatur sind mechanisch, dadurch ist das Arbeiten komfortabler, angenehmer und produktiver als mit der Touch Cover-Tastatur. Mit einer Tiefe von 6mm ist es laut Microsoft die dünnste Tastatur der Welt. Das Gewicht liegt bei 250g.

Die Touch Cover-Tastatur gibt es in fünf verschiedenen Farben: Hellblau, Weiß, Pink, Schwarz und Rot. Dagegen ist die Type Cover-Tastatur nur Schwarz erhältlich. Die Rückseite kann entweder aus Softtouch-Oberfläche oder Filz bestehen.

Windows RT ist die Low-power Variante des neuen Betriebssystem Windows 8. Sie wurde speziell für Tablets entwickelt. Ermöglicht wird das durch die ARM-Architektur, die einen geringeren Energiebedarf hat, als die herkömmliche x86 oder x86-64 Architektur von Intel. Dementsprechend wurden einige Einstellungen weggelassen. Zum Beispiel gibt nicht mehr den klassischen Autostart (sorgte dafür, dass sich Programme wie Skype oder ähnliche beim Anmelden automatisch einschalten).

Mit Windows 8 macht Microsoft einen großen Sprung, was Oberfläche angeht. Seit mehr ein Jahrzehnt gibt es den klassischen Desktop mit Startbutton und Programmverknüpfungen. In Windows 8 ändert sich alles: Die neue Oberfläche  trägt den Namen „Microsoft Modern Desktop UI“. Zuvor war diese unter „Metro UI“ bekannt. In einem Gespräch erklärte uns Oliver Gürtler, Direktor Partner Strategy & Programs Microsoft Deutschland GmbH, dass Metro der Name einer Entwicklungsstufe war – mehr nicht.

Das neue Desktop besteht aus einzelnen Gruppen, die wiederum von Kacheln zusammengehalten werden. Eine Kachel – im Windows-Jargon „Tile“ genannt – repräsentiert eine Applikation. Die Kachel kann quadratisch (klein) oder rechteckig (groß), dabei statisch oder dynamisch sein. Dynamische Tiles zeigen Informationen, wie zum Beispiel Wetter, Termine oder News an. Windows RT ist extrem Gesten-lastig. Und das ist auch gut so, denn schon nach wenigen Tagen entwickelt man eine unwillkürliche Art und Weise für die Bedienung. Der Nutzen: Man arbeitet automatisch schneller.

Auf Windows 8, Windows 8 Pro und Windows RT gibt‘s den Internet Explorer 10. Die Darstellungsfläche für Inhalte ist großzügig. Internetseiten können als Favoriten angelegt oder als Kacheln auf dem Desktop platziert werden. Microsoft hat dem Browser eine feste Suchmaschine verpasst: Microsoft Bing. Eine Alternative, Google oder Yahoo!, kann man nicht einstellen. Manchmal braucht das Surface etwas Zeit, bis eine Seite angezeigt wird. Das liegt nicht am WLAN; dieser ist schnell.

Im Vergleich zu Windows 8- oder Windows 8 Pro- kann man auf Windows RT-Geräten nur zertifizierte Apps aus dem hauseigenen Windows Store installieren. *.exe-Dateien lassen sich zwar herunterladen oder von einem Speichermedium, wie USB-Stick, beziehen, aber nicht ausführen. Bei dem Versuch erscheint entweder die Fehlermeldung: „Die gewünschte App wird unter dieser Windows Version nicht unterstützt“ oder „Diese App kann auf dem PC nicht ausgeführt werden“. Die Auswahl im Windows Store ist nicht groß. In unserer Testphase haben wir lediglich 48 Spiele gefunden. Bei Apps war die Zahl höher. Unter den Top-Apps befinden sich Sachen wie Skype oder TuneIn. Insgesamt ist die App-Vielfalt mangelhaft. Täglich sollen unzählige Apps dazu kommen, so Windows-Entwickler Microsoft. Gut für alle Office-Nutzer: Käufer von Windows RT-Geräten erhalten ab Werk eine vorinstallierte Version von Microsoft Office 2013. Die Suite, bestehend aus OneNote, Excel, PowerPoint und Word, wird noch in einer Preview-Version ausgeliefert. Ein bald erscheinendes Update wird Funktionen finalisieren und/oder ergänzen.

Das Surface für Windows RT überzeugt durch hervorragende Verarbeitung und Haptik. Die System-Performance ist manchmal schwach, gerade wenn viele Applikationen nebeneinander laufen. Sehr kritisch: Die Stereo-Lautsprecher. Obwohl es zwei sind, ist die Lautstärke mit 51db sehr leise. Andere Tablets liefern teilweise 70db bis 80db. Ab Ende Oktober kann das Surface für Windows RT im Microsoft eigenen Store gekauft werden. Ab 479€ geht‘s los.

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