Retro-Computer A500 Mini im Test: Liebevolle Amiga-Neuauflage, durchwachsenes Spielpaket

The A500 Mini
Pro und Contra
  • Tolle Verarbeitung und Optik
  • Emulation von Amiga 500, 600 & 1200 (OCS/ECS/AGA)
  • Solide Firmware-Versorgung
  • Lautloser Betrieb
  • Unterstützung für Third-Party-Controller
  • Workbench und einige Programme wie Deluxe Paint und Pen Pal funktionieren
  • Durchwachsener Spielekatalog
  • Beiliegendes Gamepad von minderer Qualität
  • Lückenhafte Unterstützung für 3rd-Party-Controller
  • Keine echte Tastatur
  • 4.0

Teile diesen Beitrag

Beliebt auf TechStage

Top 10: Das sind die besten Smartphones bis 750 Euro

Top 10: Die besten Smartphones bis 750 Euro – Spitzenleistung zum fairen Preis

Überwachungskameras mit Beleuchtung ab 90 Euro: Modelle, Preise, Technik

Überwachungskameras ab 80 Euro: Außenleuchten mit Kamera, Flutlicht & Co.

Geschenkratgeber: RC-Autos, Bagger, Flugzeuge und Hubschrauber zu Weihnachten

Geschenktipp RC-Spielzeug: Ferngesteuerte Autos, Bagger, Hubschrauber & Co.

Digitalradio: DAB+ im Auto und zu Hause ab 25 Euro nachrüsten

Digitalradio: DAB+ im Auto und zu Hause ab 25 Euro nachrüsten

Retro-Fans bekommen mit dem A500 Mini eine Neuauflage des Amiga 500. Wir testen, ob die Konsole ihr Versprechen einlöst.

Eigentlich war es nach dem THE VIC 20 und THEC64 Mini (Testbericht) nur eine Frage der Zeit: Der Entwickler Retro Games bringt mit dem THEA500 Mini eine Miniatur-Neuauflage des Commodore Amiga 500 auf den Markt, einem der beliebtesten Heimcomputer Ende der 80er. Wer die Blütezeit des gräulichen Gerätes miterlebt hat, wird sich vor allem an eine Sache erinnern: Die herausragende Spielesammlung voller zeitloser Klassiker, wie zum Beispiel Lemmings oder Another Word. Manch ein schelmischer Schüler konnte seine oder ihre Eltern damals vom Amiga 500 überzeugen, indem man vorgab damit intensiv und berufsvorbereitend EDV lernen zu können. Tatsächlich war das Gerät auch leistungsstark genug, um Grafikprogramme oder Tracker zur Musikproduktion betreiben zu können. Die meisten Besitzer ließen sich aber vor allem von den Spielen und Grafikdemos der Demoscene begeistern. Auch wenn sie mehr können, waren der Amiga 500, seine verbesserte Revision Amiga 500 Plus und sein Nachfolger Amiga 600 vor allem als Spielecomputer beliebt.

Daher ist es kein Wunder, dass sich THEA500 Mini vorwiegend auf seine Spiele konzentriert, auch wenn es möglich ist, Workbench darauf zu starten, dem Betriebssystem des Amigas mit grafischer Oberfläche. Der sonderbare Name der Mini-Neuauflage lässt es aber bereits vermuten: Für Retro Games war es offenbar nicht einfach, sich durch den Dschungel der über die Zeit überwucherten Lizenzen zu kämpfen, wenn sie nicht einmal den offiziellen Namen des Originals verwenden dürfen. Deren Machete hat ein paar ehrenwerte Klassiker im Katalog freischlagen können, doch gleichzeitig vermisst man viele Titel. Da Retro Games aber in anderen Aspekten mit Liebe zum Detail vorgegangen ist, könnte der THEA500 Mini trotz ausgeprägter Emulationsszene durchaus interessant für Amiga-Liebhaber sein. Wir gehen im Test auf alle Einzelheiten ein.

Der Verpackungsinhalt ähnelt anderen Mini-Konsolen: Neben dem Hauptgerät liegen ein USB-C-Kabel für die Stromverbindung sowie auch ein HDMI-Kabel dabei. Dazu gibt es eine USB-Nachbildung der originalen Tank-Maus, allerdings statt einer Kugel mit einem optischen Sensor. Ebenso liegt ein USB-Gamepad bei, das dem Design der Controller des AMIGA CD32 nachempfunden ist. Das war damals Commodores gescheiterter Versuch, in den Konsolenmarkt vorzudringen. Alle Kabel sind im passenden Grau gehalten und haben eine Länge von 1,8 Meter, womit sie für die meisten Haushalte ausreichend lang genug sein sollten. Wir erinnern uns: Nintendo hatte zu ihren Mini-Konsolen derart lächerlich kurze Kabel verwendet, dass höchstens Schlümpfe zufrieden wären. Ein Stromadapter liegt nicht bei, aber es kann der USB-Anschluss des Fernsehers oder ein USB-Ladegerät verwendet werden.

Leider ist kein Competition Pro im Paket. Dabei handelt es sich um den schwarz-roten Joystick, auf den etliche Amiga-Spiele ausgelegt waren. Retro Games verkauft einen passenden Stick separat. Allerdings ist es seit Firmware 1.1.1 auch möglich, den Nachbau von Speedlink zu verwenden. Die Maus und das Gamepad lassen sich ebenfalls einzeln erwerben, falls man Ersatz oder zusätzliche Einheiten benötigt. Beide können auch regulär in Windows, Mac oder Linux verwendet werden. Darüber hinaus funktioniert das Gamepad auch mit dem THEC64 Mini.

Für die Verarbeitung des Hauptgeräts verdient Retro Games großes Lob: Das Gehäuse wirkt trotz Plastik nicht nur robust, sondern ist dem Original in allen Details perfekt nachempfunden. Die LED-Anzeigen, der Disketten-Schacht, die Öffnungen für die Kühlung - es wirkt fast so, als hätte jemand mit einer Schrumpfkanone einfach einen echten Amiga 500 verkleinert. Besonders im gut beleuchteten Regal sieht es einfach sehr schick aus. Selbstverständlich ist aber mangels Funktion das klotzige externe Netzteil nicht dabei und die Tastatur ist ebenfalls nur Zierde. Eigentlich schade, denn die Tasten sehen so echt aus, dass man dazu verführt, wird darauf rumzutippen. Eingaben betätigt man stattdessen über eine virtuelle Tastatur im Betriebssystem, was bei den allermeisten Spielen nur gelegentlich notwendig ist. Da Retro Games mit dem THEC64 Maxi bereits einen großen Nachbau des C64 mit funktionierender Tastatur nachträglich veröffentlicht hat, halten wir eine spätere Maxi-Version des Amiga-Pendants nicht für ausgeschlossen.

Neben dem USB-C-Anschluss für den Strom befinden sich auf der Rückseite noch ein HDMI-Ausgang und drei USB 2.0-Anschlüsse. Für den Regelfall sollten diese ausreichend sein, da man dauerhaft einen USB-Stick für externe Spiele, als auch Maus und Gamepad angeschlossen lassen kann. Für Mehrspielerpartien muss man die Maus gegen den zweiten Controller oder Joystick tauschen. Spiele, in denen mehr als zwei Spieler gleichzeitig aktiv sind, sind auf dem Amiga eine Seltenheit gewesen, weshalb es damals einen 4-Spieler-Joystick-Adapter für den damaligen Parallel-Port nur separat zu erwerben gab. Die Maus kommt vorwiegend bei Einzelspieler-Titeln zum Einsatz. Im seltenen Fall muss man damit trotzdem das Hauptmenü eines Spiels bedienen. Da die Firmware 1.1.1 auch Hot Swapping unterstützt, ist ein Wechsel zwischen Maus und Gamepad während des Betriebes kein unlösbares Problem, auch wenn es nicht ganz bequem ist.

Mit Ausnahme des Evercade VS (Testbericht) gab es bisher zu keiner Mini-Konsole nennenswertes zum Thema Wärme- und Geräuschentwicklung zu sagen. Das ändert sich auch beim THEA500 Mini nicht: Das Gerät ist lautlos und erzeugt im Betrieb nur wenig Wärme. Das ist keine Überraschung, da die verbaute Allwinner H6 Quad-Core Cortex-A53 CPU und die Mali-T720 GPU beide auch in Android-Boxen verbaut werden, die schließlich unauffällig unter dem Fernseher Platz finden sollen. Etwas anderes hätte uns aber bei dem geringen Stromverbrauch aber auch gewundert: Benötigt werden lediglich 5V/1A.

Mit dem beiliegenden USB-Gamepad hat sich Retro Games leider keinen Gefallen getan: Das Pad wirkt zu leicht, zu unpräzise und erhält dadurch eine billig wirkende Haptik, die nicht anderen Controllern der konkurrierenden Mini-Konsolen mithalten kann. Darüber hinaus sind viele Spiele nicht auf ein Gamepad ausgelegt, sondern auf den vorhin erwähnten Competition Pro. Ein gutes Beispiel dafür ist California Games: Das ist eine Sammlung von Sportdisziplinen, die Minispiel-Charakter haben und die man vom Konzept her als Vorläufer von Wii Sports und Konsorten betrachten kann. Die Disziplinen erfordern teils ein heftiges und rhythmisches Rütteln des Joysticks, können deshalb aber auch mit einer Hand gespielt werden - nein, nicht was ihr Schweinchen jetzt denkt, sondern weil man den Competition Pro entweder auf den Tisch stellt oder mit der anderen Hand an der Unterseite festhält, während nur der Daumen einen der beiden Knöpfe bedient. Möchte man Inliner fahren, drückt man den Stick im richtigen Takt nach links oder rechts, passend zu den Bewegungen der Beine bei der Fortbewegung. Mit dem Gamepad funktioniert das aber nicht so gut, da die Richtungstasten sowohl zu klein sind als auch nicht so zuverlässig anschlagen wie einst der Competition Pro.

Bei vereinzelten Titeln funktioniert das Gamepad trotzdem gut, zum Beispiel beim Shump Project X, das sich dann wie moderne Konsolenpendants anfühlt. Positiv hervorzuheben ist ebenso, dass man in den Optionen die Tasten angeschlossener Steuergeräte frei belegen kann. Das ist vorteilhaft bei anderen 3rd-Party-Controllern, auch wenn deren Unterstützung noch lückenhaft ist. Im Test konnten wir problemlos per Kabel einen Playstation DualShock 4 oder einen Xbox 360-Controller anschließen. Den Dienst verweigert hatte allerdings der Xbox One-Controller. Hat man mehrere Controller gleichzeitig angeschlossen, kann man im Optionsmenü festlegen, welches davon verwendet werden soll. Man muss also nicht ständig etwas abkoppeln, wenn man häufig zwischen Spielen wechselt.

Die Tank-Maus macht im Vergleich zum Gamepad einen guten Eindruck, auch wenn sie uns etwas zu leicht erscheint. Das liegt zum einen daran, dass nun keine schwere Kugel mehr eingebaut ist, die unsere Bewegungen überträgt, sondern ein heute üblicher optischer Sensor. Ebenso ist die Maus ein wenig kleiner als das Original. Das laute Klicken und somit das unverkennbare Feedback des Vorbilds kommt aber auch beim Nachbau gut rüber. Anwendung findet die Maus zum Beispiel bei Adventures, wie dem beiliegenden Simon The Sorcerer. Es funktioniert nach dem von Lucas Arts etablierten Konzept einer “Scumm-Bar”, wo wir Aktionen aus dem unteren Bildschirmbereich anklicken und mit Elementen aus der Spielszene kombinieren.

Bei dem Betriebssystem handelt es sich um ein angepasstes AmiBerry, das wiederum eine stark modifizierte Version des WinUAE (Ultimate Amiga Emulator) ist. Das Ziel des Open Sources-Projektes ist vor allem die Optimierung auf ARM-Prozessoren, wie etwa dem Raspberri Pi. Der Einsatz auf dem THEA500Mini ergibt also Sinn. Alle 25 enthaltenen Spiele im Paket werden in einem schön aufgeräumten, schnörkellosen Menü dargestellt. Jedes Spiel erhält dort eine kurze Beschreibung und Kurzinformationen, wie zum Beispiel die benötigte Steuerungsart. Zwar hätten wir uns ein etwas Amiga-treueres Design gewünscht, zum Beispiel wie eine Workbench, aber dieser Wunsch wird nur in den Systemoptionen erfüllt.

Da das Menü sehr schnell ist, gibt es da aber trotzdem wenig zu bemängeln. Die Kurzinformationen sind leider etwas knapp und geben keine guten Hinweise darauf, um was für ein Spielprinzip es sich handeln mag. Trotz einblendbarer Tastenbelegung steht man zum Beispiel bei dem 3D-Puzzlespiel Sentinel auf dem Schlauch und versteht nicht wirklich, was zu tun ist. Im Gegensatz zu heutigen Spielen sind viele aus den 90ern nicht intuitiv. Ohne Vorerfahrung muss man da Geduld mitbringen oder etwas Rechercheaufwand im Internet betreiben. Ironischerweise sind die Angaben auf der offiziellen Webseite von Retro Games aussagekräftiger als in ihrem eigenen Systemmenü des THEA500 Mini.

Spiele auf dem USB-Stick werden über ein Untermenü aufgerufen. Das eingesteckte Laufwerk erscheint dann neben den Thumbnails der anderen Spiele. Beim Start derer stehen aber einige fortgeschrittene Expertenoptionen zur Verfügung, um die Kompatibilität zu erhöhen. Eine tiefergehende Erklärung für Laien gibt es hier nicht. Selbsterklärend dürften die Einstellung für die Bildausgabe sein, also ob es in PAL oder NTSC dargestellt wird, Interlaced oder ob das Bild angeschnitten wird. Auch die Einstellung für den emulierten RAM erklärt sich von selbst.

Beim Blitter-Mode wird es schon spezifisch: Hierbei handelt es sich um einen Coprozessor des Amigas, der für das schnelle Management von Speicherblöcken, den sogenannten Bit Blits verantwortlich ist. Er wird oft für die Darstellung von animierten Objekten verwendet und diese werden im Gegensatz zu Sprites ohne Umwege direkt in den Bildspeicher kopiert. Hierbei kann es zu Darstellungsproblemen kommen, wenn ein Spiel auf einer schnelleren CPU-Taktrate läuft als eigentlich vorgesehen. Mit den beiden alternativen Einstellungen “Wait” lässt sich das Problem beseitigen, während “Immediate” alle Schranken auflöst und die sofortige Verarbeitung des Blitters forciert. Dadurch kann man bei einigen Spielen die Performance erhöhen, aber das Risiko für Darstellungsfehler ist höher. Ebenfalls beeinflussen kann man, ob der JIT-Compiler und der Co-Prozessor (Copper) akkurat oder optimiert emuliert werden soll. In letzterem Fall kann sich die Performance ebenso erhöhen, aber auch hier kann es bei einigen Spielen oder Demos zu Darstellungsfehlern kommen. Lobenswert ist, dass Retro Games den Zugriff auf diese Optionen erlaubt, auch wenn es nicht die Komplexität des Ultimate Amiga Emulators (UAE) erreicht.

Ein Blick in den Software-Katalog des Internet Archives listet über 13.000 Titel. Trotzdem haben wir vereinzelte Spiele bei einer stichprobenartigen Suche nicht gefunden, so dass man von noch mehr Einträgen ausgehen kann. Das Software-Archiv des Amiga ist riesig, weshalb es unrealistisch zu erwarten wäre, dass der THEA500 Mini auch tatsächlich alles flächendeckend fehlerfrei emuliert. Trotz des Namens gibt es Unterstützung für alle drei unterschiedlichen Chipsätze: OCS (Original Chip Set, z.B. Amiga 500 oder 1000), dem Nachfolger ECS (Enhanced Chip Set, z.B. Amiga 600 oder CDTV), und dem damals aktuellsten AGA (Advanced Graphics Architecture, z.B. Amiga 1200 oder Amiga CD32). Retro Games gibt offiziell eine Unterstützung aufwärts bis zum Amiga 1200 an, aber wir waren im Test auch in der Lage CDTV- oder CD 32-Spiele zu starten. Vereinzelte Titel ließen sich trotzdem gar nicht erst zum Start überreden. Die Community schreitet hier zum Glück bereits ein und stellt eine Liste mit funktionierenden Spielen auf (siehe dieses Google-Doc).

Mit dem Kauf des THEA500 Mini erwirbt man auch die passenden Kickstart-ROMS mit. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich beim Kickstart um grundlegende Systembibliotheken, als auch dem Kernel oder dem Disk Operating System. Ab dem Amiga 500 wurde der Kickstart nicht mehr von Diskette geladen, sondern im fest verbautem ROM-Chip auf der Platine. Für die heutige Emulation benötigt man mehrere Revisionen des Kickstart-ROMS, da diese nicht unbedingt zueinander abwärtskompatibel sind. Diese sind in Paketen, wie z.B. von Amiga Forever, enthalten. Die Alternative wäre es den Kickstart-ROM aus einem echten Amiga auszulesen, sofern man noch einen besitzt. Der Erwerb eines THEA500 Mini macht aus dieser Sicht also durchaus Sinn, wenn man ein Sorglos-Paket erhalten möchte.

Anzumerken ist, dass man für zusätzliche Spiele für einen legalen Einsatz auch das Originalspiel benötigt. Mit dem Softwarepaket WHDLoad kann das Originalmedium zu diesem Zweck auslesen. Zwar findet man große Software-Archive im Netz, wie zum Beispiel im bereits erwähnten Internet Archive, aber ob Amiga-Spiele als Abandonware einzustufen sind, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, dass viele Lizenzen im Limbus verschwunden sind, da viele Studios heute nicht mehr existieren. Eine Ausnahme ist Team 17, von denen aber auch viele Spiele auf dem THEA500Mini vorhanden sind.

Diskussionswürdig ist, wie viel Wahrheitsgehalt in der angeblich “perfekten AGA-Emulation” laut des Herstellers steckt. Tatsächlich werden Amiga-Enthusiasten, die bestens mit dem UAE vertraut sind, dem widersprechen. Eine absolut akkurate AGA-Emulation ist bis heute nicht gelungen, was angesichts der schieren Menge an verfügbaren Spielen und Demos auch unmöglich erscheint. Während unserer Tests macht sie aber trotzdem einen ordentlichen Eindruck. Das Bonus-Spiel “Citadel” liegt in der A1200-Version vor und hatte keine offensichtlichen Fehler bei der Emulation. Schön, denn die A500-Fassung lief damals selbst mit dem Bildausschnitt einer Briefmarke nur mangelhaft. ECS- oder OCS-Spiele bereiteten uns keine Probleme, wenn wir in der Lage waren sie zu starten. Bemerkenswert ist, wie knackig einige Spiele auf dem Fernseher rüberkamen. Trotz 720p-Auflösung wirkte das Bild immer scharf und die Musik über den Soundchip des Amiga ist ohnehin eine Klasse für sich. Es macht Spaß dies über heutige Boxen zu hören und es klang in unseren Ohren ziemlich akkurat. Der Input-Lag kam uns ebenfalls minimal vor. Bei einem Abgleich von Eingabe und Reaktion konnten wir bei einem groben Test im Schnittprogramm einen Versatz von 40ms ausmachen, was im Vergleich zu den anderen Mini-Konsolen nicht viel ist.

Die vielleicht größte Schwäche des THEA500 Mini der Katalog an vorinstallierten Spielen. Positiv hervorzuheben sind Kultklassiker wie Pinball Dreams, The Chaos Engine oder Speedball 2, die fest zu dem Image des Amiga gehören. Sehr gefreut hat uns auch die Anwesenheit von Project X, einem ausgezeichnetem SHMUP, welches die Fähigkeiten des Amiga mit coolen Grafiktricks unter Beweis stellt. Wer es lieber ruhiger mag, wird mit den Adventures Cadaver oder Simon The Sorcerer zufrieden sein, die auch heute nichts von ihrem Charme verloren haben. Vor allem die Abenteuer des Nachwuchszauberers haben einen zeitlosen Wortwitz, der trotz fehlender Sprachausgabe immer noch schön rüberkommt. Stunts ist ein erwähnenswertes Rennspiel in Vektorgrafik, das damals als Geheimtipp galt, und am Spielkonzept von Worms gibt es ohnehin nichts zu rütteln. Das ist damals wie heute ein großer Multiplayer-Spaß.

Ab hier wird es kritisch. Wir vermissen schmerzlich andere Spiele, die zweifelsohne zum guten Ruf des Amiga beigetragen haben. Das niedliche Strategiespiel Lemmings zum Beispiel ist fest mit der Identität des Amiga verbunden. Das gilt ebenso für andere Spiele von dem Studio Psygnosis, die u.a. auch Shadow of the Beast entwickelt haben. Und wo ist Turrican? Alle Spiele der Reihe wurden kürzlich noch für die Nintendo Switch und die Playstation 4 von Publisher ININ neu aufgelegt, daher schmerzt es sehr, nicht zumindest einen Ableger auf dem THEA500 Mini vorzufinden. Besonders die Musik von Chris Hülsbeck hat einen Charme, den Retro-Enthusiasten vor allem mit dem Amiga in Verbindung bringen. Die Liste lässt sich weit fortführen und sicher ist der eingangs erwähnte Lizenz-Dschungel mitverantwortlich. Bei einigen Spielen, wie zum Beispiel Stardust, fragt man sich trotzdem, ob nicht mehr möglich gewesen wäre. Die Asteroid-Neuauflage mit Raytracing-Grafiken stammt von Housemarque, die heute noch am Start sind und als letztes Returnal veröffentlicht haben.

Die Lücken füllen Spiele, die heute entweder schlecht gealtert sind oder deren Qualität keinem hohen Standard entspricht. Alien Breed 3D war damals als Doom-inspirierter Ego-Shooter eine technische Errungenschaft, aber die grobpixelige Grafik im kleinen Fenster ist heute nur noch schwer zu entziffern. Es gibt ein Fan-Remake für GZ-Doom, dass heute die bessere Alternative ist. Ebenfalls viel Geduld erfordern die beiden Plattformer Quak oder Titus The Fox, die sich nicht im Ansatz so präzise steuern wie vergleichbare Titel zur damaligen Zeit. Mit F-16 Combat Pilot ist eine Flugsimulation vertreten, um die umfangreiche Simulations-Sparte des Amiga zu repräsentieren, aber ohne richtige Tastatur, Joystick und ausgedruckte Anleitung ist das Unterfangen eher holprig - zumal das eigentlich Spiel schon damals in Schneckengeschwindigkeit lief.

Ein Hoffnungsschimmer ist der Ausblick auf Bonusspiele, die Retro Games über ihre Webseite zum Download anbieten möchte. Zum Zeitpunkt dieses Artikels gab es Citadel, ein Hybrid aus Dungeon Crawler und FPS, der sich auch heute noch wunderbar spielt und überraschend atmosphärisch ist. Es ist nicht nur eins der besten Spiele in der offiziellen Sammlung, sondern es handelt sich hierbei sogar um eine verbesserte Fassung gegenüber dem Originalrelease vor etwa 25 Jahren. Hier wurden die letzten Bugs entfernt, die Grafiken verbessert und die Steuerung angepasst. Wenn Retro Games es schafft noch mehr solcher Bonusspiele mit Vorteilen zu organisieren, könnte der THEA500Mini sich zum Geheimtipp für Amiga-Fans mausern. Die Zeit wird es zeigen.

Für wen lohnt sich die Anschaffung des THEA500 Mini? Schließlich ist der UVP von 120 Euro ziemlich gesalzen, vor allem wenn man es mit der Konkurrenz wie dem Mega Drive Mini vergleicht, der damals nur für knapp 80 Euro über die Ladentheke ging. Für Amiga-Enthusiasten dürfte das kleine Gehäuse am reizvollsten sein: Das Gerät ist eine teure, aber sehr schicke, liebevoll gestaltete Dekoration, die vor allem in einer Sammlung anderer Mini-Konsolen sehr gut aussieht. Wer sich allerdings viel mit Amiga-Emulation beschäftigt, findet darüber hinaus keinen Grund für die Anschaffung. Die Anwendung des Raspberry Pi 400 zum Beispiel, wo ähnlich zum Amiga der ganze Computer in die Tastatur verbaut ist, bietet selbstredend mehr Bastelmöglichkeiten zu einem geringeren Preis. Mehr Performance für aufwendigere Emulation abseits des Amigas gibt es obendrauf. Im Vergleich erscheint der THEA500 Mini einfach zu teuer.

Was aber, wenn man wirklich ein bequemes Gerät unter dem Fernseher haben möchte, der sich im Vergleich zum UAE einfacher handhaben lässt? Für die ist die Miniversion genau richtig. Einen einfacheren Weg, um viele Nachmittage lang in Amiga-Nostalgie zu schwelgen, gibt es derzeit nicht, auch wenn man dazu unbedingt noch einen Competition Pro-Nachbau einkalkulieren sollte. Für eine vollumfängliche Empfehlung ist uns das beiliegende Gamepad zu schwach und die vorinstallierte Spieleauswahl zu lückenhaft. Wer aber eine Affinität zum Amiga hat und schon mit vorherigen Mini-Konsolen Freude hatte, kann dem THEA500 Mini durchaus eine Chance geben.

Der Beitrag erscheint in unserer Themenwelt Retro-Konsolen. Dort haben wir beispielsweise die Evercade VS (Testbericht), das sehr gute Sega Mega Drive Mini (Testbericht) oder den SNES Classic Mini (Testbericht) ausprobiert. Eine schnelle Übersicht liefert unsere Bestenliste zu offiziellen Retro-Konsolen.

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.