Reolink Argus 3 Pro im Test: Autarke WLAN-Überwachungskamera mit Akku und Solarpanel

Reolink Argus 3 Pro mit 2K-Auflösung und Dual-Wifi (2,4 und 5 GHz)
Pro und Contra
  • Relativ autarker Betrieb dank WLAN, Akku und Solarpanel
  • 2K-Auflösung
  • Zeitraffer
  • Ohne Cloud vollständig nutzbar, optionale Cloud-Speicherung
  • Per Smartphone- und Desktop-App leicht zu bedienen
  • Dual-Band-WLAN (2,4, 5 GHZ)
  • Kein HDR-Support
  • Daten auf microSD-Karte nicht verschlüsselt
  • 4.5

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Die WLAN-Überwachungskamera Reolink Argus 3 Pro bietet eine LED-Leuchte, die für eine farbige Nachtsicht sorgt. Dank Akku und Solarpanel muss sie manuell nicht aufgeladen werden.

Überwachungskameras (Themenschwerpunkt) mit integriertem LED-Spotlight bieten mehrere Vorteile. Zum einen sorgen sie dank der zusätzlichen Beleuchtung für eine farbige Nachtsicht, zum anderen dient die von einer Bewegung ausgelöste Beleuchtung zur Abschreckung ungebetener Gäste. Das Bild ist dank der LED-Scheinwerfer zudem klarer, sodass ungebetene Gäste besser identifiziert werden können. Überwachungskameras mit integrierter Beleuchtung (Ratgeber) bieten damit ein höheres Sicherheitsniveau als Modelle ohne Lampen.

Bei der Reolink Argus 3 Pro handelt es sich um eine sogenannte Spotlight-Kamera. Im Unterschied zu Floodlight-Varianten wie der Eufy Floodlight Cam 2 Pro (Testbericht), die mit mehreren LED-Panels eine Leuchtkraft von bis zu 3000 Lumen bieten, strahlt die Argus 3 Pro „nur“ mit 850 Lumen. Damit teilt sie sich das Schicksal anderer, akkubetriebener Spotlight-Modelle wie die Eufy-Varianten Solocam L20 (Testbericht) und Solocam S40 (Testbericht), die deutlich weniger Helligkeit erzeugen als die am Stromnetz betriebenen Flutlicht-Varianten. Aber immerhin leuchtet die Argus 3 Pro 250 Lumen stärker als die meisten anderen Spotlight-Varianten.

Neben integrierte LED-Leuchten statten immer mehr Hersteller ihre Akku-basierten Überwachungskameras mit einem Solarpanel aus. Bei der Argus 3 Pro handelt es sich dabei um ein separates Modell, während einige Überwachungskameras wie die Eufy Solocam S40 bereits ein Photovoltaik-Panel ins Gehäuse integrieren. Der Vorteil dieser Lösungen: Set It & Forget It – zumindest, was die Energieversorgung anbelangt. Wir haben nun schon einige Überwachungskamera mit Solar-Option getestet und keine davon musste für das Laden des Akkus ans Stromnetz angeschlossen werden: In der Regel benötigen die Panels nur zwei bis drei Stunden Sonneneinstrahlung, um die Akkuladung zu halten. Und wenn einmal schlechtes Wetter die Aufladung durch das Solarpanel verhindert, überbrückt ein in den Überwachungskameras integrierter, starker Akku diese Zeit.

Die 330 Gramm schwere Reolink Argus 3 Pro mit Abmessungen von 121 × 90 × 56 mm ist wetterfest nach Standard IP67 und laut Hersteller im Temperaturbereich zwischen -10 und 55 Grad Celsius einsatzbereit. Wie viele andere Reolink-Kameras ist sie mit einem 6000 mAh starken Akku ausgestattet, dessen Laufzeit sich dem mitgelieferten Solarpanel verlängern lässt. Dieses können Anwender dank des vier Meter langen Verbindungskabels relativ flexibel positionieren. Sollte das nicht ausreichen, gibt es noch eine wetterfeste und 4,5 Meter lange Kabelverlängerung.

Wenn das Solarpanel genügend Licht zur Stromumwandlung erhält, wird der Akku der Kamera geladen. An einem sonnigen Tag sorgt das Panel im Test über die Mittagszeit innerhalb von 15 Minuten für 1 Prozent Akkuzuwachs. Über den Tag verteilt steigt die Akkukapazität von 45 auf 71 Prozent. Der solare Ladevorgang in der App wird mit einem Sonnensymbol neben der Akkuanzeige signalisiert.

Ein Ladegerät gehört nicht zum Lieferumfang. Wie üblich ist die Akkuleistung – ohne Solarpanel – abhängig von vielen Variablen wie Temperatur und Alarm- und Aufzeichnungshäufigkeit. Reolink gibt eine Laufzeit von ein bis vier Wochen an. Bei kontinuierlicher Nutzung mit aktiviertem Livestream sorgt der Akku für eine Betriebszeit von etwa acht Stunden.

Der in der Kamera integrierte CMOS-Sensor nimmt Videos mit bis zu einer Auflösung von 2560 × 1440 Pixel bei 15 Bildern pro Sekunde und einer voreingestellten Datenrate von auf 3072 kbps auf. Zusätzlich stehen die Werte 1024, 1536, 2048 und 4096 kbps zur Auswahl. Allerdings lässt sich die Datenrate nicht anpassen, wenn gleichzeitig eine Zeitrafferaufnahme aktiv ist (dazu später mehr). Bei voller Auflösung, die in der App mit „Klar“ oder mit „4MP“ und als Status mit „High“ bezeichnet wird, nimmt sie Videos im HEVC-Codec (H.265) und darunter mit H.264 auf. Die Bewegungserkennung erfolgt mithilfe eines integrierten PIR-Sensors (Pyroelektrischer Sensor), der einen Erkennungswinkel von 100 Grad bietet und Bewegungen bis zu einer Entfernung von bis zu 10 Meter erfasst. Die Nachtsicht von bis zu 10 Metern erfolgt automatisch oder manuell. Motive können Anwender mit dem integrierten 16-fachen Digital-Zoom vergrößern.

Mit der Integration von Mikrofon und Lautsprecher realisiert Reolink eine Zwei-Wege-Audiofunktion, sodass Anwender sich mit Personen vor der Kamera unterhalten können. Bei Bedarf ertönt bei einer Bewegungserkennung eine Alarmsirene, die über die App aktiviert werden kann und ungebetene Gäste abschrecken soll. Alarmmeldungen kann die Kamera per E-Mail oder Pushnachrichten an den Nutzer übermitteln.

Als Speichermedien unterstützt die Reolink Argus 3 Pro microSD-Karten mit bis zu einer Größe von 128 GByte. Im Test hat sie aber auch mit einer 400 GByte großen Variante von Sandisk problemlos funktioniert. Ist der Speicherplatz der microSD-Karte erschöpft, wird die älteste Aufnahme gelöscht, sodass aktuelle Aufnahmen immer abgespeichert werden.

Zusätzlich zur microSD können Anwender auch eine Speicherung in der Reolink-Cloud nutzen. Das Basis-Abo mit 1 GByte Speicherplatz und 7-Tage-Aufzeichnung ist kostenlos, gilt aber nur für eine Kamera. 30 Tage Cloud-Speicherung mit einer Kapazität von 30 GByte für maximal fünf Kameras bietet das Standard-Abo für monatlich regulär 5,99 Euro. Das Premier-Abo für monatlich 11,89 Euro bietet 80 GByte Kapazität für maximal zehn Kameras. Derzeit gibt es beide Variante vergünstigt für 3,59 respektive 7,19 Euro.

Der Lieferumfang umfasst neben der Kamera eine Sicherheitshalterung zur Montage an einer Wand und einen Standfuß zur Positionierung auf einer ebenen Fläche. Zusätzlich gibt es ein Netzkabel (Micro-USB auf USB-A), eine Montageschablone, Schrauben und Dübel zur Befestigung, eine Nadel für das Zurücksetzen der Werkseinstellungen, ein Aufkleber mit Hinweis zur 24-Stunden-Überwachung, ein Befestigungsband zur Montage an Bäumen sowie eine Kurzanleitung, die ausführliche und relevante Informationen zum Betrieb der Kamera enthält.

Gut gelöst hat Reolink die Sicherheitshalterung: Sie besteht aus zwei Komponenten, einem fest verschraubbaren Teil sowie einem runden Drehverschluss, der an der Kamera befestigt wird. So lässt sie sich leicht von der Halterung lösen.

Die Inbetriebnahme der Reolink Argus 3 Pro ist prinzipiell einfach. Man muss eine microSD-Karte einsetzen, in der Reolink-App ein Nutzerkonto anlegen, einen QR-Code auf der Kamera einlesen und das Gerätepasswort vergeben, fertig. Anschließend ist die Kamera einsatzbereit und per Smartphone-App steuerbar.

Zusätzlich zur App können Anwender die Kamera mit der für macOS und Windows vorliegenden Reolink-Desktop-Anwendung steuern. Hierfür muss man lediglich die UID der Kamera (abrufbar in der App unter Geräteinfos) sowie das Gerätepasswort eingeben. Sollten dabei Probleme auftreten, hilft das ausgezeichnete und deutschsprachige Handbuch.

Mobile App und Desktop-Anwendung bieten dieselben Einstellungsmöglichkeiten. Auch lassen sich beide Tools ähnlich bedienen, was eine konsistente Benutzererfahrung garantiert. Das ist nicht selbstverständlich. Oft sehen Kamerahersteller keine Desktop-Anwendung zur Steuerung ihrer Geräte vor oder, wie im Fall von Eufy (Themenschwerpunkt), steht nur eine Web-Anwendung mit reduzierter Funktionalität zur Verfügung, die sich auch in Sachen Bedienung von der mobilen Anwendung unterscheidet.

Über das Zahnrad-Symbol können Anwender mit der App oder der Desktop-Anwendung die Reolink Argus 3 Pro umfangreich justieren. Im Abschnitt Display lässt sich etwa die Position von Kameraname sowie Datum und Zeit im Live-Bild verändern. Die Angaben kann man aber auch wie das Wasserzeichen vollständig ausblenden.

Um die Überwachungskamera datenschutzkonform zu betreiben, wenn sie auf ein fremdes Grundstück oder einen öffentlichen Bereich ausgerichtet ist, können Anwender unter Privatsphärenmaske drei Zonen definieren, in denen keine Aufnahme erfolgt.

Die Kamera zeichnet Videos nicht nur bei Bewegung auf. Alternativ können Anwender auch eine Zeitraffer-Aufnahme konfigurieren, um so etwa den Fortschritt beim Hausbau oder anderer Ereignisse zu dokumentieren. Für die Konfiguration empfiehlt die App je nach Verwendung unterschiedlich lange Intervalle.

Im Abschnitt Alarm-Einstellungen können Anwender die Empfindlichkeit bei der Bewegungserkennung einstellen. Grundsätzlich unterscheidet die Kamera bei der Bewegungserkennung zwischen Menschen, Fahrzeuge und anderer sich bewegenden Objekte. Zudem können Anwender Alarme einschränken, indem sie unter Bewegungszonen Bereiche für Personen, Fahrzeuge und andere Objekte definieren, in denen keine Alarmierung erfolgen soll.

Unter Dimension des Objekts lässt sich außerdem noch ein minimaler und maximaler Größenbereich für ein Objekt festlegen, außerhalb dessen kein Alarm erfolgt. Zur Feinjustierung von Alarmen können Anwender diese auf bestimmte Wochentage und Stunden eingrenzen. Eine jährliche Planung ist allerdings nicht möglich.

Benachrichtigungen zu Alarmen erfolgen per Push in der App und optional über E-Mail. Für letzteren Übertragungsweg können Anwender bis zu drei E-Mail-Adressen konfigurieren, wobei die erste mit Angabe des SMTP-Servers und Ports konfiguriert sein muss. Im Test hat das mit einem Gmail-Konto mit aktivierter Zwei-Faktor-Überprüfung nicht funktioniert. Ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung verläuft die E-Mail-Benachrichtigung problemlos. Zusätzlich ertönt bei einer Warnung optional auch eine Sirene. Allerdings ist die nicht so laut.

Dank 2K-Auflösung liefert die Reolink Argus 3 Pro detailreiche und scharfe Bilder. Nachts leuchten die 850 Lumen starke LEDs das Bild gut aus, sodass auch bei Dunkelheit gute Aufnahmen gelingen. Im direkten Vergleich zu den Eufy-Modellen S40 und L20 sorgt sie dank der leuchtstärkeren LEDs für eine größere Helligkeit.

Tagsüber neigt die Kamera bei einem hohen Dynamikumfang dazu, helle Bereiche etwas überzubelichten. Hier wäre ein HDR-Feature sicher sinnvoll, um noch eine etwas bessere Bildqualität zu erreichen. Insgesamt ist die Bildqualität aber gut.

Dank der hohen Datenrate bei der Aufnahme liefert die Kamera auch beim Zoomen noch eine gute Darstellungsqualität. Sie ist deutlich besser als etwa bei der Eufy Solocam S40, die ebenfalls mit 2K auflöst, wenngleich die Pixelanzahl mit 2306 × 1296 etwas niedriger ausfällt als bei der Reolink Argus 3 Pro, die 2560 × 1440 Pixel bietet. Der 16-fach-Zoom ist bei höheren Stufen allerdings kaum nützlich, da zu viele Details verloren gehen. In dieser Disziplin bieten 4K-Kameras wie die Arlo Ultra 2 (Testbericht) mehr Potenzial.

Die Reolink Argus 3 Pro funkt sowohl im 2,4-GHz- als auch im 5-GHz-Band und unterscheidet sich damit positiv von vielen Konkurrenten, die oft nur im 2.4-GHz-Band funken. Im Test war die WLAN-Verbindung in beiden Funkbändern stabil. Allerdings können ein paar Sekunden vergehen, bis der Livestream in der App dargestellt wird. Das können etwa die Eufy-Modelle besser.

Die Reolink Argus 3 Pro arbeitet auch in Verbindung mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa. In Verbindung mit einem smarten Display (Ratgeber) können Anwender den Kamera-Livestream auch ein kompatibles Gerät wie Nest Hub oder Echo Show ausgeben. Ansonsten bietet Reolink keine weiteren Möglichkeiten, die Argus 3 Pro in Smart-Home-Systeme wie Aqara (Ratgeber), Bosch (Testbericht), Tuya (Ratgeber), Homekit (Ratgeber), Homey Pro (Test), Hornbach (Test) oder Smartthings (Testbericht) einzubinden. Auch zu Smart-Home-Diensten wie IFTTT ist die Reolink nicht kompatibel. Das Gleiche gilt für den Standard Open Network Video Interface (ONVIF), den Reolink mit seinen Akku-betriebenen Modellen nicht unterstützt. Der Grund dafür liege in dem fehlenden Support durch Dritthersteller-Software für den Batteriebetrieb, teilt Reolink in seinem Support-Forum mit.

Die Reolink Argus 3 Pro ist in den Farben Schwarz und Weiß inklusive eines farblich passenden Solarpanels für rund 150 Euro erhältlich. Aktuell gibt es einen Rabatt in Höhe von 40 Euro, sodass die 2K-Überwachungskamera für 110 Euro den Besitzer wechselt. Es gibt auch eine Variante der Argus 3 Pro, die noch günstiger ist, sich von der getesteten Version aber unterscheidet. Wie das Testmodell bietet sie zwar eine 2K-Auflösung, kann aber nur im 2,4-GHz-WLAN funken.

Reolink bietet mit der Argus 3 Pro eine Spotlight-Überwachungskamera mit farbiger Nachtsicht, die dank Dual-WLAN und Akku relativ flexibel positioniert werden kann. Dank des Solarpanels übernimmt die Sonne das Aufladen des Akkus. Unter günstigen Bedingungen müssen Anwender sie nicht einmal manuell laden. Die Aufnahmequalität ist gut, die Benachrichtigungen funktionieren zeitnah und zuverlässig. Fehlalarme sind dank umfangreicher Einstellungsmöglichkeiten und der Fähigkeit der Kamera zwischen Personen, Fahrzeuge und anderen Objekten zu unterscheiden, nahezu ausgeschlossen. Zudem lässt sich die Kamera nicht nur über eine Smartphone-App steuern, sondern auch bequem über den Desktop. Und mit einer Zeitraffer-Funktion bietet sie ein Feature, mit dem nicht viele Überwachungskameras aufwarten können.

Mehr Informationen zum Thema finden TechStage-Leser im Themenschwerpunkt Überwachungskameras. Nützliche Informationen zur Auswahl einer Überwachungskamera bietet der Beitrag WLAN, Cloud, Solar: Überwachungskameras für innen & außen ab 30 Euro. Darin erläutern wir die wichtigsten Kaufkriterien und präsentiert die besten Überwachungskameras der verschiedenen Kategorien mit Preisen zwischen 30 und 500 Euro.

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