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Realme Techlife Robot Vaccum
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Realme ist seit rund 2 Jahren auch in Deutschland als Smartphone-Hersteller ein Begriff, mit Saugrobotern hatte das Unternehmen aber bislang nichts am Hut. Das ändert sich jetzt mit dem Test des ersten autonomen Staubsauger des Herstellers.

Die besten Saugroboter aus unseren Tests (Top 10) stammen meist von Herstellern, die schon lange entsprechende Geräte bauen. Richtig gut ist normalerweise nicht das erste Modell, sondern die Unternehmen lernen Stück für Stück aus ihren Fehlern und bauen immer wieder neue Technologie in ihre Staubsauger-Roboter ein. So gesehen ist es also unwahrscheinlich, dass der erste Saugroboter von Realme tatsächlich was taugt. Wir haben ihn trotzdem getestet und er musste sich gegen Spitzenmodelle wie den Roborock S7 (Testbericht) uns besonders günstige Geräte wie den Dreame D9 (Testbericht) behaupten.

Bei Design und Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Realme setzt auf rundes Äußeres in überwiegend glänzendem, teils mattem Schwarz. Die Oberseite mit dem mittig platzierten Laserturm besteht aus Glas, das wirkt sehr hochwertig. Das Innenleben des Turms, also das Behältnis für den sich drehenden Laser, ist als einziger Farbtupfer in der typischen Realme-Kontrastfarbe Gelb gehalten. Außerdem auf der Oberseite: Zwei mechanische Bedientasten, um den Bot zu starten und zurück zur Ladestation zu schicken.

Da Realme oben eine feststehende Glasscheibe verwendet, wird der große Staubbehälter hinten in den Sauger gesteckt. Zwei seitliche Zusatzbürsten sorgen für bessere Eckenreinigung. Die Verarbeitung ist vorbildlich – nicht klappert oder wackelt. Hier hat der Hersteller schon mal keinen Nachholbedarf. Auffällig ist die starre Aufhängung der Hauptbürste. Die Konkurrenz setzt hier überwiegend auf schwingend gelagerte Bürsten, die sich dem Untergrund besser anpassen können.

Viel ist nicht in der schmucklos weißen Lieferbox, die in einem Transportkarton mit passenden Aufdrucken steckte: Sauger, Ladestation, Werkzeug zur Reinigung, die beiden Seitenbürsten, ein Ersatz-Hepafilter – das war es. Ersatzbürsten oder Ähnliches gibt es nicht. Die Ladestation bietet neben EU-Stecker und rund 1,5 Meter langem Kabel gutes Kabelmanagement. Darauf verzichtet manch andere Hersteller leider.

Probleme traten im Test des Realme Vacuum schon bei der ersten Verbindungsaufnahme auf. Gelang das Anlegen eines neuen Kontos in der Realme-Link-App noch sehr simpel, gestaltete sich die Einbindung des Saugers schwieriger. Dabei läuft das in der Theorie ebenso simpel ab: Die App sucht nach verbindungsbereiten Devices und findet den Sauger. Ein Klick darauf führt zum nächsten Bildschirm, in dem nach dem Passwort für das gefundenen 2,4-Ghz-Netzwerk gefragt wird. Anschließend erkundigt sich die App, ob sie sich kurz mit dem WLAN des Saugers verbinden darf – fertig.

Leider klappte die anschließende Verbindung anfangs nicht, ein Neustart des Smartphones (Samsung Galaxy S21 Ultra – Testbericht) und ein Zurücksetzen der WLAN-Einstellung des Robots (beide Bedientasten einige Sekunden drücken) brachte Abhilfe. Anschließend wollte die App aber nach entsprechendem Klick partout nicht in die Übersicht des Saugers gelangen, sondern zeigte lediglich einen drehenden Kreis als Ladesymbol an. Nach einem erneuten Neustart des Smartphones klappte es dann endlich und wir konnten loslegen.

Die App selbst ist übersichtlich und überwiegend selbsterklärend aufgebaut. Große Unterschiede zur Konkurrenz gibt es hier nicht, das ist aber auch nicht nötig. Features wie automatisches Kartenerstellen samt anpassbarer Raumunterteilung, Reinigungspläne, DnD-Modus, Anpassung der Reinigungsreihenfolge und automatische Teppicherkennung sind ähnlich wie bei der Konkurrenz. Auch Features wie die Reinigung einzelner Zimmer oder eine Spot-Reinigung sind mit dabei. Sperrzonen lassen sich ebenfalls einrichten und beim Wischen mit dem optionalen, also nicht im normalen Lieferumfang enthaltenen, Mop-Set darf der Nutzer die Wasserzufuhrmenge bestimmen. Größter Nachteil im Vergleich zu anderen Modellen: Als Sprachausgabe stehen nur Chinesisch und Englisch zur Verfügung. Als mögliche Sprachassistenten kommen Amazon Alexa und der Google Assistant infrage.

Nach den anfänglichen Problemen beim ersten Verbindungsaufbau setzten sich die unbefriedigenden Zwischenfälle weiter fort. Die Saugleistung in der App ließ sich während der Reinigung nicht ändern – ein Klick auf eine andere Saugstufe schloss zwar das entsprechende Fenster wieder, allerdings wurde die Saugstufe nicht angepasst. Bei uns saugte der Bot als Resultat immer im Turbo-Modus. Beim Versuch, den Sauger per Fernsteuerung manuell durch einige Räume zu lotsen, gab es gerade zu Beginn ständige Zeitverzögerungen, die eine direkte Steuerung unmöglich machten. Zuvor gegebene Befehle wurden bisweilen nach dem Loslassen der virtuellen Tasten auf dem Smartphone-Display für etliche Sekunden „nachgeholt“. Das geschah in direkter Nähe zum WLAN-Router – schlechte Verbindung kann also kein Argument sein. Später klappte das Steuern des Robots und in der Ladestation auch das Umschalten der Saugleistung. Bei der Arbeitsaufnahme wechselte der Bot trotzdem immer wieder in den Turbomodus.

Warum eigentlich manuell navigieren? Ganz einfach: Beim Versuch, einen ersten Reinigungsdurchgang bei gleichzeitigem Erstellen der Karte durchzuführen, nervte der Realme Vacuum nach den ersten, fehlerfreien 15 Minuten mit kontinuierlichen Beschwerden, die Hauptbürste sei blockiert. Tatsächlich waren jedes Mal lange Tierhaare der im Testhaushalt lebenden Katze um die Bürste gewickelt, sodass der Verdacht nahelag, dass sie der Grund für die Unterbrechungen waren. Da sich die Bürste dennoch ohne Kraftaufwand drehen ließ und die Probleme nur auf Teppich auftraten, scheint das leider ein generelles Problem unseres Realme-Saugroboters zu sein. Ein einfacher Klick in App oder am Gerät auf „fortsetzen“ sorgte zudem stets dafür, dass der Sauger munter weitermachte – von tatsächlich blockierter Hauptbürste keine Spur.

Unsere Vermutung: Sobald der Bot Teppich befährt, steigt der Widerstand der mit Gummilamellen und langen, relativ weichen Borsten versehenen Bürstenrolle und der Bot vermutet eine Fehlfunktion. Schuld dürfte ein zu sensibel eingestellter Sensor sein, was durch die starr aufgehängte Rollenbürste verschlimmert wird. Der zeitliche Abstand der Fehlermeldungen sank im Test mit zunehmender Höhe des Teppichs – wobei bislang so gut wie kein anderes Testmuster zuvor Probleme mit den Teppichen hatte. Die starre Bürste sorgte im Test auch dafür, dass der Realme-Sauger „gegen den Strich“ auf Teppich hoppelt, was natürlich für eine effektive Reinigung hinderlich ist.

Ob es sich hier um ein generelles Problem oder nur ein nicht ganz funktionierendes Testmuster handelt, konnten wir aus zeitlichen Gründen nicht klären. Sollte Realme uns ein weiteres Testmuster zur Verfügung stellen, überprüfen wir das aber gerne.

Denn dieses nervige Versagen ist wirklich schade. Davon abgesehen navigiert der Sauger nämlich hervorragend. Er ist im Umgang mit Möbeln sehr vorsichtig, findet sich hervorragend zurecht und weist zudem eine ziemlich hohe Reinigungsleistung auf – kein Wunder bei angegebenen 3000 Pascal. In unserem Testparcours erwischte er von 20/30 Gramm Schmutz (Vogelsand und Sittichfutter) starke 12/26 Gramm im unveränderbaren Turbomodus – ein sehr guter Wert. Im Alltagstest bestätigte der Sauger seine gute Reinigungsleistung – wenn er seine Arbeit nicht gerade wie oben beschrieben komplett verweigerte. Der Schmutz landet im satte 600 Gramm aufnehmenden Staubbehälter, der leicht aus dem Bot entnommen und über dem Mülleimer entleert werden kann. Er hat sogar eine Rückhalteklappe, damit beim Transport dorthin nichts ungewollt herausfallen kann. Die Lautstärke des Realme Vacuum liegt mit 55 bis 65 Dezibel im Mittelfeld.

Die Wischfunktion haben wir uns nur kurz angeschaut. Sie muss einerseits separat erworben werden, was aktuell um 30 bis 40 Euro kostet und damit durchaus günstig ist, außerdem handelt es sich hier um ein sehr einfaches Feature. Das Tuch wird einfach nur hinterhergezogen und je nach Einstellung in der App mit mehr oder weniger Reinigungsflüssigkeit aus dem 350 Milliliter großen Tank versorgt. Der Inhalt des Schmutzbehälters sinkt beim Wischen auf eine Größe von 300 Milliliter. Immerhin integriert Realme eine wählbare Y-förmige Wischfahrt für den Sauger, sodass einzelne Stellen immer mehrfach „geschrubbt“ werden.

Stolze 5200 mAh leistet der integrierte Akku des Realme Vacuum Robots, entsprechend verspricht der Hersteller bis zu 5 Stunden Saugzeit und 250 Quadratmeter Reinigungsfläche am Stück. Das mag hinkommen – wenn die Saugleistung auf das Minimum reduziert ist. Das gilt auch für die angegebene Minimallautstärke von 55 Dezibel. Einerseits funktionierte das bei uns im Test aber nicht, außerdem ist das im Alltag ohnehin unrealistisch. Tatsächlich verzeichneten wir im Test eine maximale Reinigungsleistung im Turbomodus von etwa 120 Quadratmetern, bis er bei rund 15 Prozent zurück zur Ladestation fährt – trotzdem ein guter Wert. Nach erfolgreichem Nachladen setzt der Bot seine Arbeit fort. Der Ladevorgang an sich dauert aber gerne schon mal 5 oder 6 Stunden.

369 Euro kostet der Realme Vacuum in der UVP des Herstellers, das Wisch-Set kostet 30 bis 40 Euro extra. Eine andere Farbe als Schwarz gibt es nicht.

Die Ansätze sind richtig gut, für ein Erstlingswerk beinahe schon zu gut. Hier steht zu vermuten, dass der Sauger keine Eigenentwicklung ist, sondern ein Lizenzprodukt von einem Hersteller, der mit dem Thema Saugroboter schon mehr Erfahrung hat. Andererseits hat unser Testmuster ja durchaus so seine Probleme, die uns daran hindern, dem Gerät eine Kaufempfehlung zu geben. Denn was nützen theoretisch gute Reinigungsleistung, Navigation und tolles Aussehen, wenn der Bot keinen Reinigungsdurchgang vollständig ohne Eingreifen durchführen kann?

Solange wir uns nicht durch ein funktionierendes Austauschgerät vom Gegenteil überzeugen können, müssen wir leider vom Realme Vacuum abraten und vergeben nur 3 Sterne. Auch dann bleibt allerdings die Frage, ob 370 Euro für einen guten „Standard-Saugroboter“ ohne echte Highlights ein guter Einstiegspreis sind. Das beantworten wir, wenn es so weit ist.

Bis dahin sollten Interessenten lieber auf Roborock S7 (Testbericht) oder Dreame D9 (Testbericht) schauen.

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