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Realme GT
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Realme ist für sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei Smartphones bekannt, doch das neue Realme GT scheint jede Skala zu sprengen – so viel Power und Qualität für so wenig Geld? Wir haben im Test überprüft, ob das alles mit rechten Dingen zugeht.

Realme ist noch nicht lange auf dem deutschen Markt und entsprechend noch längst nicht allen Smartphone-Interessenten hierzulande ein Begriff. Zu Unrecht, denn das Unternehmen, das mit anderen Größen wie Oneplus und Oppo verbandelt ist, bietet bei vielen seiner Produkte ein richtig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das war schon zu Beginn der Deutschland-Offensive Anfang 2020 so und wir fragten daher bereits damals: Ist Realme das neue Xiaomi? Inzwischen hat Xiaomi reagiert und seine Poco-Marke an die Käuferfront geschickt, was wiederum Realme nun mit dem neuen Realmei GT zur Gegenoffensive bewegt. So viele Kriegsmetaphern in so wenigen Zeilen? Zu Recht, denn während echter Krieg grundsätzlich schlimme Folgen hat, profitieren von dieser Schlacht der Preis-Leistungs-Titanen zumindest Smartphone-Käufer. Das neue Realme GT bietet nämlich enorm viel fürs Geld, gerade bei den Preisen, die der Hersteller zum Marktstart am 21.06.2021 aufruft. Mehr dazu im Bereich Preise.

Unser Testmodell des Realme GT ist ein echter Hingucker. Denn wir haben vom Hersteller die knallgelbe Version mit schwarzem Streifen bekommen – viel auffälliger geht es kaum. Diese Version hebt sich deutlich von der blauen und silbernen Version ab, die mit typisch glänzender Kunststoffrückseite zum Kunden kommen - schick, aber heute fast schon gewöhnlich. Das gelbe Design ist hingegen nicht nur optisch, sondern auch haptisch außergewöhnlich. Denn Realme setzt nicht auf glatten Kunststoff, sondern auf “veganes Leder”, also Kunstleder - oder schnöde ausgedrückt: Kunststoff. Der fühlt sich mit seiner leicht rauen, aber dennoch weichen Beschaffenheit tatsächlich grob nach Leder an und ist eine willkommene Abwechslung vom Klassen-Einheitsbrei glatt-glänzender Smartphone-Rückseiten der Konkurrenz.

Ebenfalls richtig schick: Der schwarze GT-Streifen, der die vergleichsweise kleine Kameraeinheit visuell fortsetzt, bietet einen schönen Kontrast zum knalligen, aber nicht zu grellen Gelbton. Außerdem passt er toll zum Namen. GT bedeutet Gran Turismo und betitelte ursprünglich leistungsstarke Sportwagen, die mit Ausstattung und bequemer Auslegung eher für Langstreckenrennen statt Kurvenhatz gedacht waren. Viele derart betitelte Fahrzeuge haben farblich abgesetzte Streifen, die von vorn nach hinten über die gesamte Karosserie gezogen sind - ähnlich wie beim Realme GT. Dass dabei der schwarze Streifen aus glattem Kunststoff und nicht aus hochwertigerem Glas besteht, ist eher eine Randnotiz.

Das gilt auch für den chromglänzenden Rahmen, der gemessen am Preis eigentlich aus Metall bestehen sollte. Optisch kann man Realme allerdings keinen Vorwurf machen – der Rahmen sieht wie Aluminium aus. Auch an der Verarbeitung gibt es nichts zu mäkeln. Alles sitzt fest an seinem Platz, sowohl die Power-Taste rechts mit schickem gelbem Inlay als auch die Laustärketasten links lassen sich hervorragend bedienen und weisen nur minimales Spiel auf. Die Übergänge von Front zu Rückseite verlaufen fließend, spürbar sind die am ehesten wegen der wie so oft etwas scharfkantigen Schutzfolie, die ab Werk auf dem Display klebt. Auf der Front dominiert natürlich der große Touchscreen, der oben links eine Punchhole-Notch für die Frontkamera aufweist. Die Ränder oben und seitlich des Panels sind angemessen schmal, unter dem Bildschirm gibt es ein paar Millimeter mehr Fläche - das passt nicht ganz zum “Flaggschiffkiller”, als den der Hersteller das Realme GT bezeichnet. Auch eine fehlende IP-Zertifizierung und entsprechend kein Wasserschutz zeigen, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit doch noch Unterschiede bestehen.

Das sieht beim Display schon wieder anders aus. Hier setzt das Unternehmen zwar nur auf FHD+ (2400 x 1080 Pixel, 409 ppi) bei 6,4 Zoll, die Highend-Konkurrenz bietet da meist 2K. Mit 120 Hertz Bildfrequenz, 360 Herz Abtastfrequenz des Touchscreens und OLED-Technik spielt das Panel des Realme GT aber durchaus in der Oberklasse mit. Zumal diese harten Fakten nicht nur gut klingen, sondern auch von guter Darstellungsqualität untermauert werden. 380 cd/m2 im manuellen Helligkeitsmodus sind zwar nicht übermäßig viel, im Automatik-Modus (und auch im manuellen Modus) konnten wir hingegen unter starkem Licht rund 590 Candela messen – das ist ein ordentlicher Wert, den wir nach erstem Augenschein sogar noch höher vermutet hätten. HDR-Videos lassen sich per Option noch heller darstellen, das erklärt dann auch die Herstellerangaben von bis zu 1000 Candela. Echten Sparmaßnahmen hat Realme das Display nicht unterzogen.

Dass die restlichen Werte auch klasse sind, bedarf es da kaum noch zu sagen: Blickwinkelstabilität, Farbsättigung, Schwarzwert und Kontraste – alles optimal für ein halbwegs günstiges Modell, zumal Nutzer Farbtemperatur und Farbsättigung auch noch an die eigenen Vorlieben anpassen dürfen. Die Bildwiederholungsrate lässt sich fest auf 60 oder 120 Hertz einstellen, ein Automatikmodus wählt abhängig von der aktuellen Darstellung selbständig die optimale Frequenz. Das Always-on-Display (AOD) bietet etliche optische Einstellungsmöglichkeiten. In der Voreinstellung wird es zum Stromsparen nach kurzer Zeit ausgeblendet, es kann aber auch dauerhaft angezeigt werden. Eingehende Nachrichten werden auf Wunsch zusätzlich zum AOD auch per Randbeleuchtung angezeigt – beim Display ist das Realme GT tatsächlich Oberklasse.

Sind wir ehrlich: Realme-Smartphones schießen meist ordentliche Fotos, vor allem bei Tageslicht. Wenn es aber um die besten Foto-Smartphones geht, spielt der Hersteller bislang keine Rolle. Wenn das Realme GT aber wirklich ein “Flaggschiffkiller” sein soll, muss auch die Kameraqualität stimmen. Ein Blick auf die Kamerakonstellation lässt da aber nichts Gutes erahnen. Klar, die Hauptkamera bietet 64 Megapixel mit einer lichtempfindlichen Blende von f/1.8, der Sensor stammt von Sony (IMX682). Aber schon der Weitwinkel fällt mit seinen 8 Megapixel deutlich ab und zu allem Übel komplettiert der Hersteller die Triple-Cam mit einer Makro-Kamera mit gerade einmal 2 Megapixel. Solche Optiken haben was von einem Yps-Heft-Gadget von früher - irgendwie witzig, letztendlich aber unbrauchbar.

Die Hauptkamera ist alles andere als unbrauchbar. Aufnahmen werden normalerweise mit 16 Megapixel aufgenommen, da das GT auf Pixel Binning im Verhältnis 4:1 verwendet. Dabei werden Informationen aus vier Pixel zu einem zusammengefasst – als Resultat sind Fotos gerade bei schlechteren Lichtverhältnissen qualitativ besser und zudem benötigen sie weniger Speicher. Das funktioniert beim Realme GT insgesamt so gut, dass wir von der Möglichkeit, auch volle 64 Megapixel für eine Aufnahme zu verwenden, abraten – der Vorteil bei Bildschärfe und/oder Detailreichtum ist marginal.

Das liegt nicht daran, dass die Bildschärfe dann schlecht wäre, sondern dass sie bei den voreingestellten 16-Megapixel-Bildern schon ziemlich gut ist. Details sind ordentlich zu erkennen, Bildrauschen überwiegend kaum zu sehen. Die Bilddynamik ist ausreichend ausgeprägt, Farben werden intensiv, aber nicht zu überspitzt in den Speicher gebannt. Auffallend ist hier höchstens, dass Farben mit dem Weitwinkel blasser und natürlicher als mit der Hauptlinse ausfallen – von der generell deutlich niedrigeren Bildschärfe mal ganz abgesehen. Solche Unterschiede sollten eigentlich bei einem Flaggschiffkiller nicht in diesem Maße auftreten.

Wo wir gerade dabei sind: Ein Flaggschiffkiller sollte auch nicht mit einer mickrigen Makrokamera, sondern einer ordentlichen optischen Telelinse als Drittkamera ausgestattet sein. Die und auch die Hauptlinse sollte zudem einen optischen Bildstabilisator aufweisen. Zumindest bei der Hauptlinse des Realme GT stört dessen Fehlen beim Fotografieren aber nicht, Bilder sind bei gutem Licht immer knackscharf. Probleme macht aber bisweilen der Fokus. Er sitzt nicht immer auf dem gewünschten Motiv, entsprechend sind hinterher manche Bilder, die auf dem Smartphone-Display noch toll aussahen, am Rechner unscharf, während etwa der Hintergrund scharf ist. Außerdem ist uns – wenn auch nur selten – eine seltsame Farbwiedergabe bzw. ein Problem mit dem Weißabgleich bei Aufnahmen mit viel grünem Blattwerk aufgefallen.

Zurück zum Teleobjektiv. Das gibt es nicht, stattdessen setzt Realme beim GT auf einen Digitalzoom – und bevor jetzt alle aufschreien: Der ist erstaunlich gut. Zumindest in der vorgegebenen zweifachen Vergrößerung. Hier werden Details scharf abgebildet, einzeln sichtbare Pixel sucht man vergeblich. Die kommen erst in der fünffachen Vergrößerung dezent zum Vorschein, doch selbst dann sehen Aufnahmen noch ausreichend gut aus. Uns hat vor allem das tolle Bokeh in der doppelten Vergrößerung gefallen, welches das Realme GT zaubert, ohne dabei feinste Details an den Rändern des Hauptmotivs zu verschlucken. Beeindruckend. Selbst Nachtaufnahmen sehen mit dem gelben Testgerät ziemlich gut aus – die Bildschärfe ist trotz mangelndem OIS erstaunlich gut. Die Frontkamera mit 16 Megapixel kann da gut mithalten, zumindest bei gutem Licht. Hier sollte man allerdings für scharfe und natürliche Aufnahmen die Beauty-Funktion ausschalten.

Die Videofunktion des Realme GT kann sich ebenfalls sehen lassen. Sie erlaubt Aufnahmen in 4K/60 mit ziemlich guter digitaler Bildstabilisierung. Zoomen, auch stufenlos, kann man in den Aufnahmen zwar, das knabbert aber sichtbar an der Bildqualität.

Damit kommt Realme zwar insgesamt nicht ganz an Topniveau ala Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) oder Xiaomi Mi 11 Ultra (Testbericht) heran, das GT kostet aber auch deutlich weniger als die Hälfte der genannten Modelle. Nicht auszudenken, wie gut die Kamera des Realme GT wäre, wenn auch noch ein optisches Teleobjektiv mit dabei wäre.

Die Ausstattung ist ein weiteres Highlight des Realme GT, zumindest Chipsatz und Speicher. Denn zum Einsatz kommt hier Qualcomms Spitzenchip, der Snapdragon 888. Er bietet eine Spitzentaktung von bis zu 2,84 GHz und die starke Adreno 660 als Grafikeinheit. Damit erreicht das Mittelklassemodell satte 14.800 Punkte im Work-3.0-Test von PCmark und ist damit das bislang schnellste von uns getestete Smartphone – vor Snapdragon-888-Modellen wie dem Oneplus 9 Pro (Testbericht) oder dem Xiaomi Mi 11 Ultra (Testbericht). In 3DMark Wildlife liegt das Gerät mit 5800 Punkten hingegen “nur” auf Augenhöhe. Und wenn schon insgesamt kein eindeutiger Superlativ unter den besten Smartphones 2021 herausgelesen werden kann, dann doch wenigstens für die Mittelklasse: Das Realme GT ist zweifelsfrei das derzeit schnellste Mittelklassemodell auf dem Markt.

Beim Speicher trumpft das Gerät ebenfalls ganz groß auf: Je nach Ausstattungsvariante bietet das Modell 8/128 oder sogar 12/256 GByte (UFS 3.1) – das ist so viel, wie bislang nur Spitzen-Smartphones boten! Zusammen mit dem blitzschnellen Snapdragon 888 ist das GT derzeit nicht nur für Benchmark-Fetischisten eine Empfehlung, sondern auch für Zocker. Spiele, die das Smartphone leistungstechnisch in die Knie zwingen, gibt es aktuell nicht – und wenn doch, schafft die auch kein anderes Modell. Über zunehmende Wärme des Gehäuses darf sich dabei allerdings niemand wundern – der Snapdragon 888 stellt Hersteller bekanntermaßen für Temperaturprobleme. Richtig unangenehm wird es aber nicht, außerdem konnten wir keinen Leistungseinbruch in Games feststellen.

Ansonsten ist alles mit an Bord, was derzeit möglich ist: 5G, NFC, Wifi 6, Bluetooth 5.2, 3,5-Millimeter-Klinken-Port, ein richtig schneller Fingerabdruckscanner im Display und alle sonstigen Standards wie GPS (US-amerikanisch) mit Unterstützung der andere Positionierungssystem Glonass (russisch), Beidou (chinesisch), Galileo (europäisch) und QZSS (japanisch). Die Stereolautsprecher sind laut, übersteuern aber auf höchster Lautstärke leicht. Zu bemängeln ist beim GT wenn überhaupt die mangelnde Speichererweiterung – durch die Verfügbarkeit einer 256-GByte-Version ist das aber auch zu verschmerzen. Das Smartphone schluckt zwei Mikro-SIMs gleichzeitig.

Zum Einsatz kommt Android 11 mit Realme UI 2.0 als Nutzeroberfläche. Die orientiert sich stark an originalem Android und bietet nur hier und da Erweiterungen, ohne den Nutzer zu überfrachten. Etwas schade und nicht zu einem Flaggschiffkiller passend: Realme verspricht Käufern ein einziges Major-Update und Sicherheits-Patches für zwei Jahre. Konkurrenten wie Oneplus und Samsung sind da beispielsweise mit Sicherheits-Updates für vier Jahre deutlich weiter – das gilt allerdings für Topmodelle, während das Realme GT trotz markiger Sprüche in der Mittelklasse verortet ist. So oder so unverzeihlich: Der Sicherheits-Patch unseres Testmodells stammt von März 2021 – das ist zu alt. Hoffentlich schiebt der Hersteller hier bis zum Marktstart am 21. Juni noch ein Update nach.

Der Akku des Realme GT erscheint mit seinen 4500 mAh im Vergleich zur Konkurrenz beinahe unterdimensioniert. Aber keine Sorge: Der Hersteller hat hier offenbar gute Optimierung betrieben, denn im Battery Test von PCMark erreicht das Smartphone trotz automatischer 120-Hertz-Einstellung gute 10 Stunden – das ist in etwa auf Augenhöhe mit deutlich teurerer Konkurrenz wie dem Oneplus 9 Pro (Testbericht). Geladen ist das Gerät außerdem in kaum mehr als einer halben Stunde – dank starkem 65-Watt-Ladegerät mit Super-Dart-Funktionalität. Kabelloses Laden bietet das Realme GT nicht.

Realme bietet seinen Kunden die Wahl zwischen den Farben Gelb, Blau und Silber. Des Weiteren stehen zwei Speicherversionen mit 8/128 und 12/256 GByte zur Verfügung. Die UVP der Modelle liegt in Deutschland bei 449 und 599 Euro, Marktstart ist der 21.06.2021.

Vom 21. bis zum 25 Juni kostet die kleine Speicherversion bei Aliexpress sogar nur 369, beim Hersteller selbst ist sie auf Realme.com/eu bis zum 22. Juni für 399 Euro zu haben. Amazon bietet das Modell am 21. und 22. Juni zum Primeday in der großen Speicherkonfiguration für 499 Euro an. Die UVP liegt bei 599 Euro.

GT steht für Gran Turismo und bezeichnet eigentlich komfortable und leistungsstarke Sportwagen. Genauso, wie die besser auf der Autobahn als auf einer kurvigen Rennstrecke aufgehoben sind, ist auch das Realme GT kein Alleskönner. Zu den Schwächen gehört allerdings in erster Linie das markige Marketing des Herstellers: Ein Flaggschiffkiller ist das Smartphone schlichtweg nicht, denn dazu fehlen Dinge wie kabelloses Laden, eine Teleoptik für die Kamera, hochwertigere Materialien (auch wenn unser gelbes Testgerät klasse aussieht!) und eine IP-Zertifizierung.

Stattdessen ist das Realme GT ein hervorragendes Mittelklasse-Smartphone, das derzeit Seinesgleichen sucht. Die Kombination aus 120-Hertz-OLED, schickem Design, toller Fotoqualität der Hauptkamera, enorm viel Leistung und Speicher und einem ordentlichen Akku mit extrem kurzen Ladezeiten machen das Gerät zumindest zu den zum Marktstart angebotenen Preisen zur absoluten Kaufempfehlung – besser geht es derzeit nicht.

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