Realme 9 Pro+ im Test: OLED, Spitzenkamera und guter Akku

Realme 9 Pro+
Pro und Contra
  • tolle Hauptkamera für den Preis
  • schickes Design, gutes Gesamtpaket
  • strammer Akku, viel Speicher, tolles OLED
  • kein IP-Schutz
  • 4.5

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Das Mittelklasse-Flagship Realme 9 Pro+ hat nach Aussagen des Herstellers nichts weniger als eine Spitzenkamera – ist das ein Marketing-Gag oder Realität?

Die Mittelklasse von Realme trägt 2022 die Nummer 9. Neben dem Realme 9i und Realme 9 Pro heißt das Spitzenmodell der Mittelklasse Realme 9 Pro+. Wichtigstes Feature soll nach Angaben des Herstellers eine Spitzenkamera sein – in einem 380-Euro-Modell! Zugegeben: Realme kann gute Smartphones mit viel Technik für wenig Geld. Aber das klingt dann doch zu schön, um wahr zu sein – oder?

Wenn der Hersteller schon die Hauptkamera in den Fokus rückt, schauen wir direkt mal darauf: In der oberen linken Ecke der Smartphone-Rückseite steht eine rechteckige Kamera-Einheit gut 2 Millimeter aus dem Gehäuse hervor. Darin integriert sind drei Kameralinsen – zwei untereinander auf der linken Seite, eine kleinere mittig rechts zwischen dem Schriftzug „50PM OIS“ und dem kleinen LED-Blitz. Alle drei Linsen stehen hervor, die beiden großen sogar deutlich. Tatsächlich wirkt die obere der beiden Hauptlinsen ziemlich groß und verspricht damit gute Bilder, aber dazu später mehr. Der Rest ist eher unspektakulär.

Rahmen und Rückseite bestehen aus Kunststoff, die hintere Verkleidung könnte man aber auch für Glas halten. Unser schwarzes Testmodell zeigt bei Lichteinfall hübsche Reflexionen, die wie silberne Strahlen auf Tiefblau aussehen. Das sieht ziemlich schick aus und wirkt alles andere als billig. Der Rahmen ist matt gehalten und spielt mit Schliffkante und Ecken, auch er wirkt insgesamt hochwertig. Wäre nicht die fehlende Kühle, die Metall beim Anfassen ausstrahlt, würde sich wohl niemand am Material stören. So gibt es nicht ganz zu Unrecht Kritiker, die auf Smartphone-Konkurrenten wie ein Oneplus Nord 2 (Testbericht) verweisen, das immerhin mit einer echten Glasrückseite zu einem ähnlichen Preis aufwarten kann. Insgesamt ist das Gerät aber schön dünn und liegt auch so gut in der Hand. An der Verarbeitung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen.

Vorn wirkt das Realme 9 Pro+ dank Punch-Hole-Notch und ausreichend schmaler Ränder rings ums Display hochwertig, nur unterhalb des Screens ist der Rand etwas breit geraten. Hier sieht man dann doch, dass das Modell in der Mittelklasse verortet ist. Ansonsten punktet das Gerät mit 3,5-Millimeter-Port und einem Fingerabdrucksensor, der im OLED-Screen steckt. Der hätte für unseren Geschmack aber einen Tick weiter oben und nicht so nah am unteren Rand platziert sein dürfen. Etwas schade: Eine IP-Zertifizierung gibt es nicht.

Realme baut in das 9 Pro+ ein 6,4 Zoll großes OLED-Display mit 2400 x 1080 Pixel ein. Damit bringt es das Gerät auf eine Bildschärfe von rund 410 ppi, das ist ein guter Wert. Das erinnert an den Vorgänger Realme 8 Pro (Testbericht), hinzugekommen ist jetzt aber eine erhöhte Bildwiederholungsfrequenz von 90 Hertz – Realme geht mit der Zeit. Zwar gibt es auch unter 400 Euro längst Modelle mit 120 Hertz, einen so großen Unterschied wie zwischen 60 und 90 Hertz gibt es aber bei 90 und 120 Hertz unserer Meinung nach nicht. Realme macht daher nichts falsch.

Das gilt auch für die generelle Darstellungsqualität des Screens. Die Helligkeit liegt mit rund 600 cd/m² zwar nicht im oberen Drittel der von uns bislang gemessenen Smartphones, ist aber trotz allem ordentlich. Auch in heller Umgebung sollte Ablesbarkeit kein Thema sein. Der Rest ist wie von OLED gewohnt klasse, das schließt Farbsättigung, Schwarzwert und Blickwinkelstabilität mit ein.

Bei der Kamera hat Realme ebenfalls Hand angelegt. Hatte der Vorgänger noch vier Linsen, so gibt es davon beim Realme 9 Pro+ nur noch drei. Was wie ein Rückschritt klingt, ist tatsächlich ein Fortschritt. Denn der Verzicht auf einen Tiefensensor tut im Alltag nicht weh, außerdem wurde im Detail an den Linsen geschraubt. So gibt es zwar „nur“ noch 50 statt 108 Megapixel, allerdings setzt der Hersteller jetzt auf einen Sony IMX766 als Sensor, der kam schon in Spitzenmodellen wie dem Oneplus 9 (Testbericht) und Oneplus 9 Pro (Testbericht) zum Einsatz. Dort sorgte er im hervorragenden Ultraweitwinkel-Modul für Furore. In unserem Foto-Blindtest 2021, bei dem unsere Leser ohne Wissen zur verwendeten Kamera über die Qualität von Bildern abstimmen durften, wurde die Weitwinkelkamera der beiden Oneplus-Modelle auf den ersten Platz gewählt. Hinzu kommt beim Realme 9 Pro+ zudem ein optischer Bildstabilisator (OIS), das ist in dieser Preisklasse selten.

Tatsächlich knipst das Realme 9 Pro+ damit richtig gute Bilder, in seiner Preisklasse gehört das Smartphone damit zu den besten Kamerasmartphones. Das gilt für die dank Pixel Binning normalerweise 12,5 Megapixel großen Bilder, aber auch für solche in voller Auflösung. Dann werden Fotos mit fast 20 MByte aber sehr groß. In der Voreinstellung mit 12,5 Megapixel überzeugen Aufnahmen mit guter Bilddynamik, ordentlicher Schärfe und hohem Detailgrad. In der Vergrößerung wird allerdings Bildrauschen sichtbar. Die Farbwiedergabe ist insgesamt ausgewogen und recht natürlich. Für die Mittelklasse sind die Aufnahmen hervorragend. Bei Nachtaufnahmen steigt das Bildrauschen deutlich an und der Schärfegrad geht schneller als bei teuren Smartphones zurück. Hier gilt: Für Mittelklasse top, ein Unterschied zur teuren Elite ist aber sichtbar.

Da kann der (Ultra)Weitwinkel mit seinen 8 Megapixel erst recht nicht mithalten. Er offenbart nicht nur einen deutlich niedrigeren Schärfegrad, sondern zudem auch noch Verzeichnung an den Rändern, mehr Bildrauschen und eine wesentlich schwächere Bilddynamik. Wie man es von anderen Geräten der Mittelklasse eigentlich kennt, werden Nutzer hier nur dann glücklich, wenn sie nicht zu genau hinschauen. Das gilt erst recht für die Makrokamera mit 2 Megapixel – diese Linse hätte sich Realme auch gleich sparen können.

Videos erlauben theoretisch Aufnahmen mit 4K/30. Sie sehen scharf aus, werden aber nicht mehr optisch stabilisiert und wirken wegen der niedrigen Framerate bei Schwenks ruckelig. Eine bessere Wahl ist daher 1080p/60, allerdings ist hier die generelle Schärfe etwas niedriger – schade. Die Frontkamera mit 16 Megapixel ist wie so oft mit schwierigen Lichtsituationen schnell überfordert, macht aber unter normalen Bedingungen ansprechende Selfies. Insgesamt ist die Hauptkamera des Realme 9 Pro+ richtig gut, der Rest typisch Mittelklasse.

Im Vorgänger Realme 8 Pro (Testbericht) steckte noch ein Qualcomm-Chipsatz, noch dazu der gleiche wie schon in dessen Vorgänger. Beim neuen Realme 9 Pro+ setzt der Hersteller nun auf einen Mediatek-Chip, nämlich auf den Dimensity 920. Der kombiniert zwei Cortex-A75-Kerne für anfordernde Aufgaben mit sechs A55-Kernen und taktet mit bis zu 2,5 GHz. Als Grafikeinheit kommt eine Mali-G68 zum Einsatz, die bei Spielen bis zu 9 Prozent mehr Leistung als im Vorgänger Dimensity 900 liefern soll.

Dabei handelt es sich nicht um einen Spitzenchipsatz, sondern um einen guten Mittelklasseantrieb. Damit schafft das Smartphone im Benchmark PCmark Work 3.0 gute 10.800 Punkte, bei 3Dmark Wildlife sind es 2200 Punkte. Das sind beileibe keine Spitzenwerte, aber sie sind ordentlich und bestätigen das Bild von der flüssigen Bedienung im Alltag, das sich während des Tests bot. Das preislich ähnliche Oneplus Nord 2 (Testbericht) mit Dimesity 1200 liegt in Benchmarks allerdings weiter vorn.

Je nach Version gibt es 6/128 oder 8/256 GByte Speicher. Das ist gut, allerdings setzt Realme hier auf UFS 2.2 statt UFS 3.1, was sich bei Spielen mit ohnehin langen Ladezeiten bemerkbar machen kann. Zudem ist der Speicher nicht erweiterbar, weshalb wir die nur wenig teurere größere Speichervariante empfehlen. Technisch ist das neue Smartphone voll auf der Höhe. So gibt es Bluetooth 5.2, Wifi-6, NFC, 5G, A-GPS mit Unterstützung von Glonass und Beidou und einiges mehr – was genau, steht in der Tabelle. Etwas schade ist die Verwendung von USB-C 2.0 statt 3.1, das ist in der Mittelklasse aber nach wie vor normal. Der Fingerabdrucksensor im Display arbeitet sehr zuverlässig, die Stereo-Lautsprecher sind kräftig. Hier sollten Nutzer eigentlich zufrieden sein.

Bei der Software setzt Realme auf Android 12 und RealmeUI 3.0. Die Oberfläche gibt sich gewohnt übersichtlich, uns stört am meisten die aufgespielte Bloatware wie Tiktok, Aliexpress, Facebook und Amazon. Der Sicherheitspatch unseres Testmodells stammt aus dem Januar 2022, das geht in Ordnung.

4500 mAh sind heute gar nicht mehr so viel, Realme hat den Stromverbrauch aber offensichtlich gut im Griff. So hält das Realme 9 Pro+ im Battery Test von PCmark gute 11,5 Stunden im Automatikmodus durch, bei dem das Smartphone selbstständig zwischen 60 und 90 Hz wechselt – ein guter Wert. Dank starkem 60-Watt-Ladegerät ist das Smartphone in weniger als 45 Minuten vollgeladen, auch das ist in der Mittelklasse löblich. Insgesamt sollte das Mittelklassemodell bei den meisten Nutzern nur alle zwei Tage an die Steckdose müssen.

Die UVP des Herstellers liegt für die Version mit 6/128 GByte bei knapp 380 Euro, 8/256 GByte kosten 430 Euro. Mangels Erweiterbarkeit würden wir zum größeren Modell tendieren. Als Farben gibt es Schwarz, Dunkelgrün und Dunkelblau.

Das Realme 9 Pro+ ist ein tolles Mittelklasse-Smartphone, keine Frage. Es punktet mit tollem OLED-Display mit 90 Hz, schickem Design, im Alltag absolut guter Performance, je nach Version viel Speicher und einem tollen Akku. Highlight ist aber vor allem die Hauptkamera, die in dieser Preisklasse nur wenig Mitbewerber auf Augenhöhe hat. Womit wir beim Thema wären: Konkurrenz.

Denn die gibt es abgesehen von der Kamera für das Realme 9 Pro+ zuhauf, sogar aus eigenem Hause. Ein Realme GT Master Edition (Testbericht) kostet in der kleinen Speicherausstattung satte 100 Euro weniger als das neue Modell, bietet sogar 120 Hz und ansonsten bis auf die Hauptkamera nahezu identische Ausstattung. Das Realme GT Neo 2 (Testbericht) ist zum Testzeitpunkt auch schon günstiger als das 9 Pro+, bietet ebenfalls 120 Hz, den schnelleren Chipsatz und bereits in der kleinsten Version 8 GByte RAM. Und ein Oneplus Nord 2 (Testbericht) kostet genauso viel wie aktuell das neue Realme 9 Pro+, bietet ebenfalls OLED mit 90 Hz, 8 GByte RAM, einen schnelleren Chipsatz, schnelleren Speicher, Glas statt Kunststoff auf der Rückseite und eine fast genauso gute Kamera. Da hat es das neue Realme-Modell bei aller Güte schwer.

Weitere hervorragende Smartphones zeigen wir in unseren Bestenlisten bis 300 Euro, bis 400 Euro und bis 500 Euro.

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