Realme 9 im Test: Handy mit 108-Megapixel-Kamera ab 250 Euro

Realme 9
Pro und Contra
  • tolles Display
  • schickes Design
  • gute Hauptkamera 
  • kein 5G
  • ohne IP-Zertifizierung
  • Kamera mit Schwächen bei Nacht und Videos 
  • 4.0

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Das Realme 9 verspricht Fotos in guter Qualität zum günstigen Preis. Welche Stärken das Mittelklasse-Smartphone noch hat und wo der Haken ist, zeigt der Test.

Seit zwei Jahren macht sich Realme einen Namen mit guten Smartphones mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis. So überzeugte uns das Realme GT Neo 2 (Testbericht) als starkes Alleskönner, das Realme GT (Testbericht) bot Flagship-Power zum fairen Mittelklasse-Preis. Auch das Realme 9 Pro+ (Testbericht) überzeugte als Mittelklasse-Handy mit starker Kamera und guter Ausstattung. Mit dem Realme 9 folgt nun ein neuer Ableger, der sich auf das Wesentliche konzentrieren möchte.

Im Vordergrund steht beim neuen Mittelklasse-Smartphone für unter 300 Euro die 108-Megapixel-Kamera. Damit möchte der Hersteller Flagship-Technik auch in einem preiswerten Modell zur Verfügung stellen. Gespart wird hierbei beim Prozessor. Anders als die anderen Realme-Modelle ist dieser nicht auf Highspeed getrimmt – größtes Manko: 5G fehlt. Wer unterwegs mit dem noch nicht weitverbreiteten, aber schnellsten Standard surfen will, muss auf das Realme 9 5G ausweichen – bekommt dort aber ein LCD und eine andere Kamera. Wir haben das Realme 9 auf Herz und Nieren geprüft und zeigen, wie gut das Mittelklasse-Smartphone ist sowie welche Abstriche Käufer machen müssen.

Was das Design angeht, gibt sich Realme größte Mühe – was man den meist schicken Geräten ansieht. Nicht anders ist es beim Realme 9, das uns in einer edlen, goldenen Lackierung entgegentritt. Der Hersteller nennt die Farbe „Sunburst Gold“. Diese glänzt effektvoll in Goldgelb, je nach Lichteinstrahlung und ist wahrlich ein Hingucker. Realme nennt das Ripple Holographic Design. Einziger kleiner Nachteil: Wie bei den meisten glänzende Oberflächen sieht man Fingerabdrücke recht deutlich. Am Ende verschwindet das Smartphone aber vermutlich in einer Schutzhülle. Realme legt immerhin eine transparente Variante bei, um den Goldglanz damit nicht zu verbergen. Wer es seriöser möchte, bekommt das Realme 9 auch in Schwarz und Weiß.

Designsprache und Formgebung ähneln den übrigen Modellen des Unternehmens. Alles wirkt wie aus einem Guss. Das Smartphone ist zudem leicht und schlank. Dafür sorgt die Bautiefe von 8 mm und das Gewicht von 178 g. Damit liegt es gut und angenehm in der Hand. Die Rückseite könnte allerdings etwas mehr Halt bieten – wie gesagt, am Ende nutzen die meisten eine Schutzhülle. Zum einhändigen Bedienen ist mit 160 x 73 mm etwas zu groß geraten – was aber auf fast alle Android-Smartphones zutrifft. Die Rückseite ist nur aus Kunststoff, was für den Preis nicht ungewöhnlich ist und durch die Lackierung auf den ersten Blick gar nicht auffällt. Der Rahmen ist aus Metall.

Typisch für Realme: Die Triple-Kamera ordnet die Linsen so an, dass sie einem überraschten Emoji entsprechen, wenn man genau hinschaut. Das Kameramodul ragt dabei etwa 2 mm heraus, wodurch das Handy minimal wackelt, wenn es auf der Rückseite liegt. Die vordere Karma ist dezent auf der rechten Seite des oberen Bildschirms in einer Punch-Hole-Notch eingelassen. Der Rand um das 6,6-Zoll-Display fällt sehr dünn aus. Der Power-Button befindet sich bei Realme üblicherweise auf der rechten Seite, links sind zwei Tasten für die Lautstärke. Beide Knöpfe bieten einen festen und soliden Druckpunkt, die gute Verarbeitung hält keinerlei störenden Spaltmaße bereit. Schutz vor Wasser in Form einer IP-Zertifizierung bietet das Realme 9 aber nicht.

Das Display misst 6,6 Zoll in der Diagonale und nutzt OLED-Technologie. Die Auflösung beträgt 2412 x 1080 Pixel, was Full-HD+ entspricht. Das sorgt für eine messerscharfe Darstellung mit 400 ppi (Pixel pro Zoll), bei der Bildpunkte nicht mehr sichtbar sind. Das OLED-Panel beschert dem Realme 9 ausgezeichnete Kontraste, kräftige Farben und tiefe Schwarzwerte, das für eine wahre Bildpracht sorgt. Dank der guten Blickwinkelstabilität bleibt das Display aus allen Winkeln gut ablesbar.

Die maximale Bildwiederholfrequenz liegt bei 90 Hertz. Das sorgt für eine flüssige und geschmeidige Bilddarstellung beim Scrollen oder bei Videos. Standardmäßig ist eine Automatik aktiviert, die je nach Einsatz automatisch zwischen 60 und 90 Hertz wählt. Die Abtastrate von 360 Hertz ist zudem ordentlich und erlaubt eine präzise Erkennung von Touch-Eingaben.

Die maximale Helligkeit des Displays im manuellen Modus beträgt 430 cd/m². Bei automatischer Bildhelligkeit konnten wir bei starker Sonneneinstrahlung bis zu 600 cd/m² messen. Das ist ein ordentlicher Wert, der aber weit von der Helligkeit von Top-Smartphones entfernt ist. An die von Realme versprochenen 1000 Nits kommt das nicht heran. Zum Vergleich: Das Realme GT Neo 2 (Testbericht) und das deutlich günstigere Xiaomi Redmi Note 11 (Testbericht) erreichen bis zu 700 cd/m², das Samsung Galaxy S22+ (Testbericht) kommt sogar auf 1100 cd/m². Alles in allem bleibt das Display auch im Freien noch ausreichend ablesbar. Bei direkter Sonneneinstrahlung reicht es in der Regel zum Lesen von Text, bei Videos wird es dann wegen des starken Spiegelns schwierig.

Realme verspricht nichts weniger als eine Flagship-Kamera in einem günstigen Mittelklasse-Handy. Bei der Triple-Kamera des Realme 9 kommt ein Hauptobjektiv mit satten 108 Megapixel zum Einsatz sowie eine Weitwinkellinse mit 8 Megapixel und ein Makroobjektiv mit 2 Megapixel. Eine Telelinse gibt es leider nicht – auf dem Papier sorgen speziell die beiden Nebenlinsen nicht gerade für Begeisterungsstürme. 108 Megapixel sind durchaus eine Ansage für unter 300 Euro – aber kein Alleinstellungsmerkmal. Dasselbe bekommt man etwa in Form des Mittelklasse-Königs Xiaomi Redmi Note 10 Pro (Testbericht), dessen Nachfolger Redmi Note 11 Pro sowie das Xiaomi Poco X4 Pro (Testbericht) oder Motorola Edge 20 (Testbericht). Wer gerne mit dem Handy fotografiert, empfehlen wir unseren Ratgeber Für jeden Geldbeutel: Diese Smartphones haben die beste Kamera.

Die Hauptkamera fasst per Pixel Binning standardmäßig 9 Pixel zu einem zusammen, was zu Aufnahmen in 12 Megapixel führt. Auf Wunsch können auch die vollen 108 Megapixel abgerufen werden, was gigantische Fotodateien nach sich zieht. Bei Tageslicht gelingen damit gute Aufnahmen mit hoher Bilddynamik. Schärfe, Kontraste, Farbgebung und Bilddetails sind zufriedenstellend. Besonders hervorzuheben ist der digitale Zoom – hier kommen die 108 Megapixel zum Tragen, die bei dreifacher Vergrößerung wirklich brauchbare Aufnahmen liefern. Trotzdem hätten wir uns lieber eine Telelinse gewünscht. Der Nachtmodus kann uns hingegen nicht überzeugen, hier kommt es zu übermäßigem Bildrauschen. Selfies mit der 16-Megapixel-Frontkamera gelingen ordentlich, lassen allerdings ein wenig an Bildschärfe missen.

Bei Tag liefert auch die Ultraweitwinkellinse ordentliche Aufnahmen mit einem Sichtwinkel von 120 Grad. Hier machen sich die 8 Megapixel bemerkbar, die für eingeschränkte Bilddetails sorgen. Farblich weichen die Aufnahmen von der Hauptlinse etwas ab. Störende Verzerrungen an den Rändern gibt es hingegen keine. Die Makrolinse mit 2 Megapixel hätte sich Realme unserer Ansicht nach sparen können. Zwar gelingen Nahaufnahmen damit meistens auf Anhieb, die Bilddetails und Schärfe fallen aber gering aus. Dass Makroaufnahmen per Software gut mit der Ultraweitwinkellinse klappen, zeigt eindrucksvoll das Motorola Edge 30 (Testbericht).

Schwächen zeigt das Kamerasystem beim Erstellen von Videos. So stehen maximal nur 1080p (Full-HD) zur Verfügung, nicht aber 4K. Das dürfte dem eher schwachen Prozessor geschuldet sein, denn die Hauptlinse bietet eine mehr als ausreichende Auflösung dafür. Zudem sind nur 30 fps möglich, was für sehr ruckelige Videoclips sorgt. Die Bildschärfe fällt mäßig aus und bietet nur mangelnde Detailtiefe. Ein optischer Bildstabilisator fehlt ebenfalls (OIS), es kommt lediglich eine elektronische Stabilisierung (EIS) zum Einsatz, die nicht überzeugen kann. Bei der Selfie-Kamera finden wir die Videoclips tatsächlich recht gelungen, für eine Videochat reicht das absolut aus.

Die „Achillesferse“ ist die Mittelklasse-CPU des Realme 9. Der Qualcomm SM6225 Snapdragon 680 samt der Grafikeinheit Adreno 610 ist kein Leistungsmonster. Der Prozessor beinhaltet jeweils vier Cortex-A73-Kerne mit bis zu 2,4 GHz und Cortex-A53-Kerne mit bis zu 1,8 GHz. Zudem fehlt es an einem 5G-Modem. Das ist zwar im Alltag noch kein großer Nachteil mangels guter Netzabdeckung in Deutschland außerhalb von Ballungszentren. Es bleibt aber ein Gefühl, hier auf moderne Technik und den Standard der Zukunft verzichten zu müssen.

Der eher mäßigen CPU-Leistung ist es vermutlich zu verdanken, dass Videos nur mit 1080p bei 30 fps möglich sind. Im Alltag selbst ist die Performance ausreichend und sorgt für einen halbwegs flüssigen Betrieb von Apps und Betriebssystem. Laut dem Benchmark Work 3.0 von PCmark kommen wir durchschnittlich auf gut 8100 Punkte. Damit übertrifft es etwa das Xiaomi Redmi Note 11 (Testbericht) und liegt auf Augenhöhe mit dem Sony Xperia 10 III (Testbericht). Verglichen mit dem unwesentlich teureren Realme GT Neo 2 (Testbericht) mit 14000 Punkten ist das aber insgesamt bescheiden. Abseits von Casual Games ist das Realme 9 für Spiele zudem nicht gemacht, was die 450 mageren Punkte aus dem Test „Wild Life“ von 3Dmark belegen.

Im Gegensatz dazu ist die Ausstattung beim RAM mit 8 GByte und internem Speicher mit 128 GByte UFS 2.2 bei unserem Testmuster mehr als ordentlich. Die Variante mit 6 GByte RAM ist 50 Euro günstiger. Eine Erweiterung per Micro-SD-Karte ist möglich. Bei der Ausstattung wechseln sich Licht und Schatten ab. So beherrscht das Realme 9 NFC und Bluetooth 5.1 mit aptX, zum Surfen in heimischen Netzwerken steht nur Wi-Fi 5 zur Verfügung, nicht aber Wi-Fi 6. Mobiles Internet geht nur bis maximal LTE, wie bereits erwähnt. Der USB-C-Anschluss unterstützt lediglich den langsameren Standard USB 2.0. Dafür findet sich trotz des schmalen Gehäuses ein Klinkenanschluss mit 3,5 mm. Zum Orten nutzt das Handy A-GPS, GLONASS, Beidou und Galileo. Der Fingerabdrucksensor ist im Display untergebracht und arbeitet zuverlässig. Der Monolautsprecher wiederum kann weniger überzeugen und neigt zum Scheppern bei größerer Lautstärke.

Als Betriebssystem kommt Android 12 mit Realme UI 3.0 zum Einsatz. Die Benutzeroberfläche basiert auf Color OS von Oppo und hält sich sowohl mit Bloatware als auch mit größeren Veränderungen an Googles Betriebssystem angenehm zurück. Beim Einrichten entscheiden Nutzer, ob sie einen App-Drawer wünschen und eher die neuere Gestensteuerung nutzen möchten oder die klassischen drei System-Icons von Android. Der Sicherheitspatch stammt von April und ist damit noch hinreichend aktuell.

Stark ist der Akku mit einer Kapazität von 5000 mAh. Viele andere Hersteller opfern gerne das Fassungsvermögen der Akkus bei schlanken Modellen – nicht so aber Realme. In Verbindung mit der eher gemächlichen CPU beschert das dem Realme 9 eine starke Akkulaufzeit. Beim Battery Test von PCmark konnten wir bei einer Helligkeit von 200 cd/m² und automatischer Bildwiederholrate ganze 13,5 Stunden messen. Damit reiht es sich im oberen Drittel unserer Tests ein. Das ist ein wirklich starker Wert, so kann das Handy gut 2 bis 3 Tage durchhalten bei nicht übermäßiger Nutzung.

Etwas gespart hat Realme beim Netzteil, verglichen mit seinen anderen Modellen. Hier kommt ein 33-Watt-Ladegerät zum Einsatz statt des bärenstarken 60-Watt-Netzteils aus dem Realme 9 Pro+ (Testbericht). Das geht aber in Ordnung und ist Jammern auf hohem Niveau. Damit ist der Akku nach knapp 1 Stunde aufgeladen, nach 30 Minuten beträgt die Kapazität bereits 50 Prozent. Kabelloses Laden geht aber nicht.

Realme gibt für die Variante mit 6 GByte RAM eine UVP von 279 Euro an. Bereits ab 249 Euro ist derzeit das Realme 9 in Gold bei Amazon zu haben. Die Ausführung mit 8 GByte RAM startet je nach Farbe ab 280 Euro und reicht bis maximal 299 Euro. Zur Auswahl stehen neben Gold noch Schwarz und Weiß.

Das Realme 9 weiß optisch mit einem schicken und schlanken Gehäuse zu überzeugen. Für einen Preis ab 250 Euro bietet die Kamera mit 108 Megapixel einiges. Allerdings schießt sie keine Fotos auf Top-Niveau. Speziell Nachtaufnahmen und Videos sind eine Enttäuschung. Der Prozessor sorgt nur für eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit und bietet kein 5G. Zwar ist die Netzabdeckung hierzu in Deutschland noch schwach ausgebaut, aber es bleibt ein Gefühl, auf ein altes Eisen zu setzen. Die größte Stärke ist der Akku, der für eine lange Laufzeit sorgt und das tolle OLED-Display.

In diesem Preissegment ist die Konkurrenz sehr groß, insgesamt fehlt es dem Realme 9 an einem Alleinstellungsmerkmal – abgesehen vom Design. Eine 108-Megapixel-Kamera für unter 300 Euro bieten auch das Xiaomi Redmi Note 10 Pro (Testbericht), Xiaomi Poco X4 Pro (Testbericht) oder Motorola Edge 20 (Testbericht). Weitere starke, aber preiswerte Alternativen zeigen wir in unserer Top 10: Die besten Smartphones bis 300 Euro – viel Xiaomi, wenig Samsung. Fotofans werfen am besten einen Blick auf den Ratgeber Für jeden Geldbeutel: Diese Smartphones haben die beste Kamera.

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