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Realme 8 Pro
Pro und Contra
  • gute Hauptkamera
  • ordentliches Gesamtpaket
  • Akku ausdauernd
  • Zusatzkameras eher mau
  • gleicher Chipsatz seit drei Generationen
  • 4.0

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Realme setzt seinen 2020 begonnen Großangriff auf die Konkurrenz fort und bringt im Realme 8 Pro nun eine Quad-Kamera mit bis zu 108 Megapixel für erstaunlich wenig Geld. Wo ist der Haken?

Schon Anfang 2020 titelten wir: Das neue Xiaomi? und verglichen die damals erstmals auf den deutschen Markt gekommenen Modelle der 6er-Reihe. Sein furioses Smartphone-Feuerwerk setzte der Hersteller mit Modellen wie Realme 7 (Testbericht) oder Realme X50 Pro 5G (Testbericht) fort und die Konkurrenz damit weiter unter Druck. Größtes Problem bleibt die Unbekanntheit in Deutschland, um gegen etablierte Größen wie Samsung oder inzwischen auch Xiaomi ankommen zu können, aber offensichtlich ist das Unternehmen gewillt, sich mit Beharrlichkeit kontinuierlich einen guten Ruf zu erarbeiten. Das geschieht beim Realme 8 Pro erneut durch eine Mischung aus hochwertiger Technik und verblüffend niedrigem Preis.

Waren die Designs von Realme bislang eher zurückhaltend schick, so wechselt der Hersteller beim neuen Realme 8 Pro die Gangart. Auf der Rückseite aus mattem und recht griffigem Kunststoff prangt groß das Herstellermotto "Dare to Leap", das sich zwar nicht farblich, aber durch glänzenden Werkstoff vom Rest abhebt. Auch bei der Kamera wurde alle Zurückhaltung aufgegeben. Die vier Linsen der Quad-Cam sind nun äußerlich gleich groß eingefasst und in ein Rechteck gequetscht, in dem neben dem LED-Blitz und Sensoren auch noch Platz für einen 108-MP-Schriftzug gefunden wurde. Böse Zungen könnten spöttisch fragen, warum Realme für seine Kamera das Design eines Küchen-Herdes imitiert, immerhin ist das komplette Kameradesign aber immer noch deutlich dezenter als bei den aktuellen Flaggschiffen von Samsung und Xiaomi.

Die Front wird natürlich vom großen Touchscreen geprägt, dem Preis des Realme 8 Pro entsprechend fallen die Ränder vor allem unterhalb des Panels aber ausladender als bei teuren Smartphones aus. Insgesamt geht das letztendlich in Ordnung, zumal die Punch-Hole-Notch im oberen linken Eck des Screens das Gerät ausreichend modern wirken lässt. Im Gegensatz zu vorherigen Modellen platziert der Hersteller die Lautstärkewippe auf der rechten Seite, zuvor war sie immer links. Zumindest Rechtshändern dürfte das entgegenkommen. Die Verarbeitung ist gewohnt gut, trotz der ausschließlichen Verwendung von Kunststoff wirkt das Smartphone stabil. Gut in der Hand liegt es auch noch, denn das Modell ist mit rund 8 Millimeter recht dünn und das Gewicht ist mit unter 180 Gramm sehr moderat. Zusammen mit den gerundeten Rändern der Rückseite wirkt es in der Hand nicht wie ein Fremdkörper.

OLED ist in der Preisklasse unter 300 Euro längst keine Selbstverständlichkeit. Realme sorgt allerdings langsam aber sicher dafür, dass sich das ändern dürfte. 6,4 Zoll misst der Bildschirm in der Diagonale, die Auflösung von 2400 x 1080 Pixel sorgt für eine scharfe Darstellung von 409 Pixel pro Zoll (ppi). Größtes Manko: 90 Hertz bietet das Realme 8 Pro leider nicht, stattdessen bleibt es bei 60 Hertz. Das sollte früher oder später sogar in Verbindung mit OLED-Technik ein Auslaufmodell sein.

Davon abgesehen schlägt sich das Panel sehr gut. Kontraste, Farben und Schwarzwert sind wie immer klasse, die Blickwinkelstabilität sowieso. Die Helligkeit überzeugt mit bis zu 550 cd/m2 sowohl im manuellen als auch im automatischen Helligkeitsmodus. Etwas seltsam: In beiden Modi wird die Helligkeit in Abhängigkeit zum Umgebungslicht angepasst. Ein Always-on-Display gibt es auch, hier überrascht das Realme 8 Pro allerdings mit einer überschaubaren Anpassbarkeit. Das macht die Konkurrenz oftmals besser und Realme sollte hier noch einmal Hand anlegen. Die wichtigsten Funktionen wie die Anzeige von Uhrzeit, Datum, Akku und verpassten Nachrichten und Anrufen sind aber mit dabei.

Bislang schwamm Realme bis auf wenige Ausnahmen wie dem Realme X50 Pro 5G (Testbericht) beim Thema Kamera eher im Mittelfeld mit, das soll sich nach Angaben des Herstellers, der dafür extra ein spezielles Kamera-Event abhielt, bald ändern. Dafür setzt das Unternehmen im neuen 8 Pro auf einen Isocell-HM2-Sensor von Samsung, der wie dort und bei Xiaomi eingesetzt satte 108 Megapixel auf die Waage bringt. Der Sensor ist mit 1/1,52 Zoll relativ groß, neben Aufnahmen mit 108 Megapixel knipst das Smartphone Bilder in der Werkseinstellung dank Pixel-Binning für bessere Bildqualität mit 12 Megapixel.

Generell liefert das Pixel-Monster gute Bildqualität, vor allem die Bilddynamik fällt ordentlich aus und Bildrauschen ist kaum ausgeprägt. Die Bildschärfe sitzt hingegen bei Objekten, die vergleichsweise nah an der Kamera sind, nicht aber bei weiter entfernten Objekten. Besser wird das bei Fotos in voller Auflösung, hier ist aber Licht der entscheidende Faktor. Farben sehen insgesamt nicht mehr so bunt wie bei älteren Smartphones von Realme aus. Bisweilen ist die Farbwiedergabe aber nicht ganz akkurat, aus Lila oder Rosa wird gern fast schon rot. Kontraste werden bisweilen etwas stark betont. Bei Nachtaufnahmen macht das Realme 8 Pro dem Preis angemessene, sogar gute Aufnahmen. Bildschärfe und Detailgrad sinken dann zwar teilweise deutlich, insgesamt ist das aber in Ordnung. Bei allen Kameras muss der Nutzer bisweilen dem Autofokus nachhelfen, der ansonsten gerade im Zoom unentschlossen vor sich hinpumpt. Die Auslösegeschwindigkeit der Hauptkamera dürfte gern etwas höher ausfallen, geht aber noch klar.

Die Weitwinkelkamera mit ihren 8 Megapixel kommt qualitativ nicht an die Bildqualität der Hauptkamera heran, dafür fehlt es an Bildschärfe und Bildrauschen ist fast immer gegenwärtig. Außerdem sind zu den Rändern zunehmend Verzerrungen zu erkennen. Bei gutem Licht geht die Qualität insgesamt noch, mit schwindendem Licht sollten Nutzer vom Weitwinkel die Finger lassen. Die Makrokamera mit 2 Megapixel ist wie immer eine eher sinnlose Spielerei, die mit mangelnder Bildschärfe wegen zu niedriger Auflösung zu kämpfen hat – genau das, was man bei einer Makroaufnahme nicht braucht. Hinzu kommt ein Gelbstich bei entsprechenden Aufnahmen.

Die Selfiecam macht ordentliche Bilder mit 16 Megapixel, das künstliche Bokeh sieht teilweise richtig gut aus. Auch hier werden Kontraste manchmal etwas zu hart betont. Bei der Software hat sich Realme ins Zeug gelegt. So gibt es nun Features wie einen überarbeiteten Sternenhimmel-Zeitraffer-Modus, gleiches gilt für einen Tilt-Shift-Modus und Selfies mit dynamischem Bokeh. Vieles davon ist aber eher Spielerei denn nützlich. Anders sieht das beim Zoom aus. Der Hersteller kombiniert dabei mehrere fast gleichzeitig geschossene Bilder und nutzt die Bildinformation daraus für eine verbesserte Zoom-Aufnahme. Das klappt auch ganz ordentlich, ohne allerdings an einen optischen Zoom heranzureichen.

Bei Videos ist bei 4K30 Schluss, das ist gerade bei Schwenks zu wenig. Die Bildqualität an sich ist wie schon bei Fotos in Ordnung, die Stabilisierung vor allem im Ultra-Bildstabilisierungsmodus gut.

Beim Chipsatz gibt es beim Realme 8 Pro keine Neuigkeiten zu verkünden, der Hersteller setzt auf den gleichen Chip, der auch schon im Realme 6 Pro und Realme 7 Pro (Testbericht) steckte: Qualcomm Snapdragon 720G. Einerseits ist das egal, denn im Alltag leistet der Chip nach wie vor ordentliche Arbeit und ist dabei auch noch vergleichsweise energieeffizient. Hier gibt es normalerweise keine Ruckler zu beklagen und auch die meisten Spiele stellen das Realme 8 Pro nicht vor Probleme. Im Work-2.0-Test von PCmark erreicht das Gerät ordentliche 9600 Punkte, sicherlich auch dank der üppigen 6 oder 8 GByte RAM, die Realme in das Gerät einbaut. Leider fühlt sich das bisweilen weniger performant an, als es eigentlich ist. Der Grund dürfte (auch) in der einfachen Bildwiederholungsrate des Displays liegen. 60 Hertz sind – sofern man sich einmal an 90 oder gar 120 Hertz gewöhnt hat – zu wenig. Andererseits fehlt dem Gerät so der moderne 5G-Funkstandard. Und ganz ehrlich: Drei Generationen lang der gleiche Chip? Das ist dann doch etwas langweilig...

Davon abgesehen ist das Technikpaket umfangreich. Die 128 GByte interner Speicher lassen sich erweitern, zwei Nano-SIMs schluckt das Gerät dann trotzdem noch. WLAN ac, Bluetooth 5.0 und NFC sind genauso mit dabei, wie Fingerabdrucksensor im Display, 3,5-Millimeter-Anschluss und ein kräftiger Mono-Lautsprecher. Der Fingerabdrucksensor ist allerdings nicht von der schnellsten Sorte.

Über Android 11 liegt Realme UI 2.0, das natürlich komplett auf Deutsch ist und Google-Dienste beinhaltet. Das UI punktet mit aufgeräumter Oberfläche und bietet dennoch nützliche Zusatz-Features. Dazu gehört etwa die Seitenleiste mit Schnellzugriffen, die die Einhandbedienung vereinfacht oder der Splitscreen-Modus. Bloatware gibt es nicht.

4500 mAh leistet der Akku des Realme 8 Pro – also ganz wie im Vorgänger Realme 7 Pro (Testbericht). Da dort Chips und Display ähnlich oder gar gleich ausfielen, ist ein fast identisches Ergebnis bei der Laufzeit nicht weiter verwunderlich. Etwa 11,5 Stunden schaffte das Realme 8 Pro bei uns im Battery Test von PCmark, das sorgt für normale Laufzeiten von ein bis zwei Tagen und kann sich sehen lassen.

Etwas überraschend ist die Ladeleistung des neuen Modells. Obwohl ein 65-Watt-Netzteil zum Lieferumfang gehört und schon der Vorgänger bereits mit entsprechender Leistung laden konnte, drosselt Realme die Ladegeschwindigkeit beim 8 Pro auf 50 Watt – seltsam. Groß ist der Zeitunterschied für eine Ladung allerdings nicht, in wenig mehr als 45 Minuten ist das Smartphone komplett geladen und Zwischentanken geht immer noch richtig flott.

Farblich haben Interessenten die Wahl zwischen Blau und Schwarz, wobei unsere schwarze Version eher dunkelgrau wirkt. Beim Speicher stehen 6/128 und 8/128 GByte zur Auswahl. Überraschenderweise ist die Version mit 8 GByte RAM kaum teurer oder bisweilen sogar günstiger.

Das Realme 8 Pro ist ein tolles Smartphone für den Preis. Gut gefallen haben uns grundsätzlich das OLED-Display, der große Speicher, das Design und die Hauptkamera. Auch die generelle Leistung geht in Ordnung, ebenfalls die Akkulaufzeit. Im Detail wäre aber mehr drin gewesen, zumal das Motto des Herstellers, "Dare to Leap", fett auf das Gehäuse des Smartphones gedruckt ist. So hätten wir uns wenigstens ein 90-Hertz-Display gewünscht und der Chipsatz hätte nicht noch ein drittes Mal im Nach-Nachfolger des Realme 6 Pro stecken müssen. Letztendlich ist das 8 Pro aber erneut ein gutes Smartphone, mit dem Nutzer nichts falsch machen.

Höhere Bildwiederholungsfrequenz bei fast identischer Kamera liefert das Xiaomi Redmi Note 10 Pro (Testbericht) für kaum mehr Geld. Wer noch weniger ausgeben will, sollte einen Blick auf das Poco X3 NFC (Testbericht) werfen.

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