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Oppo Find X3 Lite
Pro und Contra
  • Starker und schnell ladender Akku
  • Tolles OLED-Display mit 90 Hz
  • Hauptkamera gut
  • Zusatzkameras weniger gut
  • Kaum hervorstechende Merkmale für den Preis
  • 4.0

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Die neue Find-X3-Serie von Oppo ist da. Das Find X3 Lite stellt das günstigste Modell dar, bietet fast Oberklasse-Technik, ist aber alles andere als billig. Geht die Rechnung für Oppo und Käufer auf?

Oppo ist neu auf dem deutschen Markt. Bei ersten offiziell hier erhältlichen Modellen wie dem Reno 4 Pro (Testbericht) kritisierten wir vor allem die Preispolitik. Denn der hierzulande weitestgehend unbekannte Hersteller geht sehr selbstbewusst – aka “zu teuer” - in den Kampf um Kundengunst. Anders ist das bei Oppo A53s (Testbericht) und Oppo A73 5G (Testbericht), hier stimmt fast alles. Mit der Find-X3-Serie sind nun die ersten drei Modelle für 2021 verfügbar und wer dachte, Oppo habe aus seiner Selbstüberschätzung bei den ersten beiden Modellen gelernt, der irrt: Das Find X3 Lite kommt zu einer UVP von 449 Euro in den Handel. Zwar hat das Gerät technisch einiges zu bieten, aber reicht das gegen die starke Konkurrenz in diesem Preisbereich?

Optisch kommt das Oppo Find X3 Lite eher zurückhaltend daher. Der Rahmen rings um den großen OLED-Screen auf der Vorderseite ist ansprechend dünn, nur unten gibt es etwas mehr Rand zu sehen. Die Frontkamera lugt oben links durch das Display, alles andere als eine Punchhole-Notch (oder einer Popup-Cam) wäre in der Preisklasse um 450 Euro auch nicht angemessen. Um die Kanten gebogene Displaykurven gibt es trotz OLED nicht zu bestaunen, stattdessen einen hübschen verchromten Rahmen. Der stellt sich leider beim Anfassen als Kunststoff heraus und das gleiche gilt auch für die Rückseite des Smartphones.

Kunststoff bei einem Smartphone für 450 Euro? Selbst Modelle unterhalb der 300-Euro-Grenze kommen bisweilen mit schicker Glasrückseite und/oder mit Metallrahmen – was also hat sich Oppo dabei gedacht? Die Frage ist berechtigt, auch wenn die Verarbeitung beim Find X3 Lite sehr gut ist und das Gerät auch insgesamt recht schick aussieht. Das Problem: Es fühlt sich einfach nicht nach 450 Euro an. Dabei verpasst der Hersteller dem Modell zumindest in unserer türkisblauen Farbgebung sogar ein auffälliges Oberflächen-Finish auf der Rückseite, das entfernt an feines Schleifpapier erinnert. Oneplus hatte vor Jahren ähnliche, aber etwas gröbere Oberflächen, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Beim Find X3 Lite sorgt das zusammen mit einer fettabweisenden Beschichtung dafür, dass Fingerabdrücke so gut wie keine Chance haben. Außerdem ist das Smartphone weniger rutschig. Dass Oppo weiß, dass es eigentlich für den Preis Glas geben müsste, zeigt die silberne Farbversion des Find X3 Lite: Sie kommt mit glänzender, glatter Glasrückseite.

Ansonsten ist das Design eher zurückhaltend, weitere Auffälligkeiten gibt es nicht. Lediglich die Quad-Cam fällt mit ihrer durchsichtigen Acrylglas-Abdeckung positiv ins Auge, sie kaschiert das Hervorstehen der Kameralinsen etwas. Positiv fallen niedriges Gewicht (172 Gramm) und flache Bauform (7,9 Millimeter) auf, die das Lite-Modell zusammen mit angenehmen Rundungen und fließenden Übergängen gut in der Hand liegen lassen. Gegen Wasser ist das Smartphone nach IP52 geschützt, mehr als einen Regenschauer übersteht das Oppo Find X3 Lite nicht.

Eines der Highlights am Oppo Find X3 Lite ist das OLED-Display mit seiner Größe von knapp über 6,4 Zoll bei 2400 x 1080 Pixel Auflösung. Das sieht dank Pixeldichte von rund 410 ppi nicht nur toll aus, sondern scrollt Inhalte mittels 90 Hertz butterweich und wirkt entsprechend hochwertig – in einem Lite-Gerät! Auch die restlichen Werte passen, die Helligkeit liegt im manuellen Betrieb bei maximal 390 cd/m2, im Automatikmodus geht sie sogar bis 560 Candela hoch. Zusammen mit sehr guter Blickwinkelstabilität erlaubt das auch bei Sonne im Freien gute Ablesbarkeit von Inhalten.

Neben einem Darkmode dürfen Nutzer diverse andere Einstellungen tätigen, darunter ein umfangreich konfigurierbares Always-on-Display und das “Naturfarbendisplay”, das die Farbtemperatur automatisch an das Umgebungslicht anpasst. Eine Benachrichtigungs-LED gibt es zwar nicht, bei eingehenden Nachrichten leuchtet der Display-Rand aber auf Wunsch in Lila, Blau oder Orange auf – schick und praktisch.

Fünf Kameras stehen im Datenblatt des Oppo Find X3 Lite, drei davon kann man im Prinzip gleich wieder vergessen. Dazu gehört neben dem Makro- und dem Tiefensensor leider auch der Weitwinkel. Grund ist die niedrige Auflösung von 8 Megapixel, die im Vergleich zur Hauptkamera mit 64 Megapixel (f/1.7) und der Frontkamera mit 32 Megapixel (f2.4) viel zu klein dimensioniert wurde. Dadurch fällt der Unterschied bei Bildschärfe und Detailreichtum einfach zu gravierend auf – was bei einem Smartphone für 250 Euro wenig ins Gewicht fällt, stört beim fast doppelten Preis umso mehr. Die Makrokamera mit mickrigen 2 Megapixel ist genauso wenig einer Erwähnung wert wie der Tiefensensor.

Dafür passt die Hauptkamera zum Preis. Die Bildschärfe stimmt hier, Details kommen gut zur Geltung und dank Auto-HDR gehen die auch in sehr hellen oder dunklen Teilbereichen einer Aufnahme kaum verloren. Farben werden zwar sehr satt in den Speicher gebannt, bleiben dabei aber insgesamt weitestgehend natürlich. Schön zu sehen ist ein natürlich wirkendes Bokeh bei Aufnahmen mit starkem Distanzunterschied von Motiven, hier macht sich der eigentlich überflüssige Tiefensensor vielleicht doch mal positiv bemerkbar. Bildrauschen ist in den meisten Situationen auch in Innenräumen kaum ein Thema, erst bei wenig Licht steigt das sichtbar an. Die Bildschärfe geht im Nachtmodus in Ordnung, solange das Motiv sich nicht zu schnell bewegt. Auf Stativ sind dann sogar Dauerbelichtungen bis 35 Sekunden möglich. Anders sieht das beim Weitwinkel aus. Wie erwähnt fällt die Bildqualität in allen Bereichen sichtbar ab – schade.

Die Frontkamera macht bei gutem Licht hingegen scharfe Selfies, die insgesamt sehr natürlich wirken. Bei der Verwendung von künstlichem Bokeh im Portraitmodus klappt die Abgrenzung von Motiv und Hintergrund ziemlich gut, nur bei genauem Hinsehen findet man Bildfehler. Videos mit der Hauptkamera sind gut stabilisiert, leider ist bei 4K/30 Schluss. Das führt wie immer bei Videos mit so niedriger Frame-Zahl zu Bildunschärfe bei Schwenks. Insgesamt ist die Kameraqualität gut, in dieser Preisklasse wäre aber ein besserer Weitwinkel und eine Telelinse statt des Makromodus wünschenswert gewesen.

Als Chipsatz setzt Oppo im neuen Find X3 Lite auf einen Snapdragon 765G. Der steckte in der Vorgängergeneration im X2 Neo, also dem mittleren Modell der Reihe. Oppo reicht hier die Technik aus dem Vorjahr nach unten durch – legitim, zumal der Chipsatz noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Im Alltag liefert er souveräne Leistung ab, die gerade in Kombination mit stolzen 8 GByte RAM beim Multitasking keine Probleme aufkommen lässt. Auch die meisten Spiele laufen mit maximaler Grafik flüssig und laden schnell, nur einige wenige extrem fordernde 3D-Spiele machen die Anschaffung eines Smartphones mit Spitzenchipsatz der 8er Reihe nötig. In PCmark Work 2.0 erreicht das Find X3 Lite gute 8400 Punkte, im Wildlife-Benchmark sind es immer noch 1700 Punkte. Das Gerät ist damit auf einem Level mit anderen Modellen mit Snapdragon 765G wie Oppo Reno 4 Pro (Testbericht) oder Oneplus Nord (Testbericht).

Beim Speicher knausert Oppo etwas – nicht bei den eingebauten 128 GByte, auch wenn hier nur UFS 2.1 statt einem aktuelleren Standard zum Einsatz kommt. Schade finden wir viel mehr, dass der Hersteller auf eine Erweiterbarkeit für Micro-SD-Karten verzichtet, auch wenn die meisten Nutzer mit dem internen Speicher auskommen dürften. Zwei SIM-Karten nimmt das Lite-Modell auf, von denen eine 5G unterstützt. Die andere ist LTE vorbehalten. Ansonsten sind alle gebräuchlichen Standards mit an Bord: USB- C (2.0), ein 3,5 Millimeter Klinkenanschluss, WLAN ac, Bluetooth 5.1, NFC und ein Fingerabdrucksensor im Display. Der arbeitet verlässlich, aber nicht übermäßig schnell. Der einzelne Lautsprecher liefert solide Lautstärke, ohne zu übersteuern.

Software-seitig setzt Oppo auf Android 11 mit Color OS 11.1 als Nutzeroberfläche. Sie wirkt aufgeräumt und bietet dennoch etliche Zusatz-Features, die im Alltag hilfreich sind. Dazu gehören etwa die umfangreichen Personalisierungen mit Themes, dem Fingerabdrucksensor-Stil oder der bereits erwähnten Randbeleuchtung für eingehende Nachrichten. Bloatware hält sich in Grenzen und dürfte von einigen Nutzern nicht mal als solche angesehen werden, dazu gehört etwa Netflix oder WPS Office. Der Sicherheits-Patch stammt von Februar 2021 und ist damit ausreichend aktuell.

4300 mAh sind für einen modernen Smartphone-Akku nicht mehr übermäßig viel, dennoch erreicht das Oppo Find X3 Lite damit ordentliche Leistung – selbst mit aktivierten 90 Hertz. Im PCmark Battery Test erreichte das Gerät im Automatikmodus für die Bildwiederholungsfrequenz und auf 200 cd/m2 Helligkeit eingestellt fast 11,5 Stunden Alltags-Dauerlast – das ist ein guter Wert. Noch besser wird es bei der Ladegeschwindigkeit. Oppo setzt wieder auf seine SuperVOOC 2.0 genanntes Schnellladetechnik mit 65 Watt, die das Gerät tatsächlich in weniger als 40 Minuten komplett auflädt. Viel schneller geht es aktuell selten.

Bei der Hardware gibt es keine unterschiedlichen Varianten, nur bei der Farbe haben Interessenten die Wahl: Astral Blue wie unser Testgerät, Starry Black und Galactic Silver. Silber kommt mit glatter Rückseite aus Glas, Blau und Schwarz mit der beschriebenen, schleifpapierartigen Kunststoff-Rückseite.

Das Oppo Find X3 Lite ist ein gutes Smartphone, keine Frage. Aber erneut stellt sich uns die Frage, warum der Hersteller nicht einfach mal echte Preis-Leistungsknüller raushaut, um die Konkurrenz das Fürchten zu lehren. So wird das nichts. Nicht, weil das Gerät zu schlecht wäre, sondern einfach, weil es aus der Masse der ähnlich teuren Modelle nicht hervorsticht. Klar: Display, Leistung, Haupt- und Frontkamera sowie der Akku sind gut. Aber gleichzeitig besteht das Gehäuse nur aus Kunststoff (abgesehen von der silbernen Version), der Weitwinkel ist zu schwach und es fehlt ein Teleobjektiv. Oder alternativ ein niedrigerer Preis. So wird es das Oppo-Gerät schwer haben, gegen etablierte Größen wie Oneplus Nord (Testbericht), Realme X50 Pro (Testbericht) oder Xiaomi Mi 10 Lite (Testbericht) zu bestehen.

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