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Oppo Find X2 Pro im Test: Leistungs-Schnäppchen
Pro und Contra
  • Tolles Display
  • Extrem viel Speicher
  • Klasse Kamera
  • Akku Mittelmaß
  • Kein Kabelloses Laden
  • Preis deutlich überhöht
  • 5.0

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Der chinesische Hersteller Oppo ist neu in Deutschland, erstmals bekommt man seine Smartphones hierzulande ganz offiziell. Von billig ist aber nichts mehr zu sehen, das Flagship Find X2 Pro kostet knapp 1200 Euro – unverschämt oder gerechtfertigt?

BBK Electronics startete 2020 in Deutschland voll durch. Nach Oneplus und Realme, die beide zu diesem Unternehmen gehören, kommen nun auch die weiteren Tochterunternehmen Oppo und Vivo hierzulande offiziell in den Handel. Was zuvor bestenfalls Geheimtipp war und günstig direkt aus China importiert werden musste, ist hierzulande zumindest bei Oppo alles andere als ein Schnäppchen. Im Gegensatz zu Realme, das toll ausgestattete Modelle wie Realme 7 (Testbericht) oder das X50 Pro (Testbericht) überraschend günstig verkaufen, richten sich Oneplus und Oppo mit Preisen um 1000 Euro bei ihren Flaggschiffmodellen eher an kaufkräftige Interessenten.

Überraschend: Obwohl Oneplus hier inzwischen einen richtig guten Namen hat und mit Modellen wie dem Oneplus 8 Pro (Testbericht) beweist, dass der Hersteller endlich zu Recht ganz weit oben mitspielt und dafür auch entsprechende Preise aufruft, fungiert das hierzulande weitestgehend unbekannte Unternehmen Oppo als neue Hochpreis-Speerspitze: Das Oppo Find X2 Pro kostet satte 1200 Euro in der UVP – fast Apple-Niveau. Da muss schon alles perfekt sein und selbst dann ist diese Strategie zweifelhaft, denn warum sollte ein Interessent zum vermeintlichen Noname Oppo greifen, wenn er für den gleichen Preis Samsung bekommt?

Noname? Das sieht man bei Design und Verarbeitung nicht. Und natürlich stimmt das so auch nicht, schließlich ist Oppo in Asien schon länger sehr erfolgreich. Die Qualität, die Oppo beim Find X2 Pro allerdings liefert, dürfte kaum jemand erwartet haben. Der Hersteller bedient sich edler Materialien und greift ein schlankes, modernes Design auf, das jedoch auch andere Hersteller in ähnlicher Form verwenden. Es begeistert vielleicht aber auch, gerade weil ein seriöses und nicht himmelschreiend buntes oder ausgeflipptes Smartphone dabei rausgekommen ist.

Unser schwarzes Testgerät ist beinahe etwas langweilig, erst im Detail offenbart es einige Besonderheiten. So besteht die Rückseite aus Keramik und erst bei ganz genauem Hinsehen ist eine haarfeine Riffelung der auf den ersten Blick glatt aussehenden Oberfläche zu bemerken. Das hört man, wenn man mit dem Fingernagel darüberstreift – dann ergibt das einen typischen Pfeifton. Ansonsten ist bei unserem schwarzen Testmodell noch die hintere Kamera interessant, deren Linsen wie bei Huawei in einer Reihe untereinander anordnet sind. Sie steht durchaus spür- und sichtbar aus dem Gehäuse hervor, das stört aber insgesamt deutlich weniger, als beim Kameraklumpen, den Samsung bei Modellen wie Galaxy S20 Ultra (Testbericht) oder Note 20 Ultra (Testbericht) auf die Rückseite geflanscht hat.

Die Übergänge von Rück-, aber auch Vorderseite verlaufen angenehm gerundet und fast unspürbar in den Metallrahmen, dessen Verarbeitung mit einem Wort abgehandelt werden kann: perfekt. Die eingelassenen Antennenfugen sind derart plan in das Metall eingelassen, dass sie zwar sicht-, aber nicht erfühlbar sind. Power- (rechts) und Lautstärketasten (links) weisen zwar minimales Spiel auf, lassen sich aber dank tollem Druckpunkt und knackigem Tastenhub optimal bedienen. Dank des Curved-Displays auf der Front sind seitlich fast keine, oben und unten nur ziemlich schmale Ränder zu sehen. Das verpasst dem Oppo Find X2 Pro das hochwertige Design, das dem Preis angemessen ist. Trotz seines Gewichts von stolzen 207 Gramm wirkt das Smartphone insgesamt für seine Größe recht handlich. Die grüne und orangene Version mit Kunstleder auf der Rückseite wiegt übrigens rund sieben Gramm weniger, dafür ist die Version mit Keramikrückseite etwas dünner (8,8 statt 9,5 Millimeter). Alle Varianten sind wasser- und staubdicht nach IP68.

6,7 Zoll Bilddiagonale, 3168 × 1440 Pixel und OLED-Technik mit 120 Hertz – das Display des Oppo Find X2 Pro sieht nicht nur spitze aus, sondern bietet auch die zu einem Topmodell passenden Werte. Samsungs Panels haben zwar ähnliche Eckpunkte, schafft die 120 Hz aber nur bei FHD+-Auflösung. Kontraste, Farben und Blickwinkel sehen bei Oppo hervorragend aus, die Helligkeit geht mit knapp 780 cd/m2 im Automatikmodus und bis zu 485 cd/m2 im manuellen Modus mehr als in Ordnung, selbst bei direkter Sonneneinstrahlung dürfte niemand Probleme mit der Ablesbarkeit bekommen.

Zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten erlauben dem Nutzer die Anpassbarkeit des Screens an seine Vorlieben. Hier fallen dann auch erstmals einige holprige Übersetzungen auf: Der Blaufilter wird “Augenpflege” genannt, die automatische Anpassung der Farbtemperatur an das Umgebungslicht heißt “Naturfarbendisplay”. Weitere Highlights sind neben HDR10+ die Ultra Vision Engine von Oppo, die SD-Inhalte an das HD-Display anpasst und eine Zwischenbildberechnung für Videos mit weniger als 60 Bildern pro Sekunde. Auch die große Auswahl an Designs für das Always-on-Display gefällt.

Bei der Kamera geht Oppo einen ähnlichen Weg wie Oneplus – kein Wunder, schließlich gehören die Unternehmen zur gleichen Gruppe. Außerdem hat Oneplus beim 8 Pro (Testbericht) bereits bewiesen, dass der Griff zu Sony-Sensoren zumindest bei gutem Licht zu sehr guten Ergebnissen führt. In unserem Blindtest aus Mitte 2020 (Artikel) sahen unsere Leser das Oneplus 8 Pro bei Tageslicht sowohl mit Haupt- als auch Weitwinkelkamera vor der Konkurrenz. Wäre damals schon das Find X2 Pro dabei gewesen, hätte es vermutlich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Konzerntöchter gegeben, denn auch das Oppo-Modell hat die gleichen Tugenden. Immerhin jubelt der Hersteller Käufern im Gegensatz zu anderen Anbietern keine sinnlosen Kameras unter: Hauptkamera, Weitwinkel und Teleobjektiv – das ist alles.

Die Hauptkamera mit 48 Megapixel, optischem Bildstabilisator, Laserautofokus und Sony-Sensor IMX 689 knipst ab Werk 12-Megapixel-Aufnahmen. Per Pixel-Binning werden dabei immer die Informationen aus vier Pixel zu je einem verbesserten Bildpunkt zusammengefasst. Das bringt gerade bei wenig Licht bessere Bildqualität bei gleichzeitig geringerer Datengröße. Und macht sich bezahlt: Die Qualität bei gutem Licht ist beim Oppo Find X2 Pro auf sehr hohem Niveau, Bildschärfe, Bilddynamik und Bildrauschen bewegen sich auf Spitzenniveau, nur gelegentlich wünscht man sich noch etwas mehr Bildschärfe. Klasse: Der Weitwinkel stammt ebenfalls von Sony (IMX 586) und bietet ebenfalls 48 Megapixel, die im Alltag zu 12 Megapixel werden. Zwar ist auch beim Find X2 Pro ein Unterschied in der Qualität zwischen Hauptkamera und Weitwinkel zu sehen, der fällt aber weit geringer als bei manchem Konkurrenzprodukt aus. Dadurch können Nutzer öfter auch zum Weitwinkel greifen und müssen dabei nicht mit gravierenden Qualitätseinbußen leben.

Der Telesensor knipst Bilder nativ mit 12 Megapixel und bietet 5-facher optische Vergrößerung. Wie bei Samsung und Huawei erreicht Oppo das, indem der Hersteller eine Periskopkonstruktion in das flache Gehäuse des Smartphones installieren. Die lange Kamera ist also liegend eingebaut, ihre Sicht wird umgelenkt. Dadurch kommt die starke Vergrößerung zustande, die für tolle Ergebnisse wie bei der Konkurrenz sorgt. Bis 10-fach (Hybrid) ist der Zoom beeindruckend, die maximale digitale Vergrößerung von 60-fach sollte aber – ebenfalls wie bei der Konkurrenz – niemand bemühen, sofern er dann noch halbwegs ordentliche Qualität haben will. Für alle drei Kameras gilt: Bei Nacht ist die Qualität für ein Smartphone immer noch gut und der Preisklasse insgesamt angemessen, Huawei holt hier aber immer noch mehr raus. Einen Pro-Modus gibt es übrigens auch, der erlaubt unter anderem Aufnahmen im RAW-Format. Makroaufnahmen erledigt der Weitwinkel mit leichtem Zoom – entsprechende Aufnahmen sehen dann auch klasse aus und nicht, als seien sie (Grüße an Xiaomi mit seiner 2-Megapixel-Makro-Frechheit...) mit Ölfarbe gemalt.

Videos sehen wie schon Fotos toll aus, 4K/60 auf Wunsch mit Live-Bokeh stellen das Smartphone nicht vor Probleme und sehen toll aus. Das ändert sich auch in Bewegung nicht wesentlich, die verwendete Bildstabilisierung ist ziemlich gut. Auffällig ist die Übersättigung von Farben, die in Fotos (zumindest ohne aktivierte AI) nicht so stark zutage tritt. Selfies mit der 32-Megapixel-Kamera sind sehr scharf und überzeugen auf ganzer Linie.

Angetrieben wird das Oppo Find X2 Pro von einem Snapdragon 865, dessen acht Kerne mit bis zu 2,84 GHz takten. Highlight ist aber der eingebaute Speicher: Satte 12 GByte RAM und 512 GByte interner Speicher stehen dem Nutzer zur Verfügung, das ist nah am Limit derzeitiger Gaming-Modelle. Dass damit die Bediengeschwindigkeit über alle Zweifel erhaben ist, dürfte wohl niemanden mehr wundern. Nur fürs Protokoll: Antutu bescheinigt dem Spitzen-Smartphone rund 610.000 Punkte, PCmark Work 2.0 spuckt rund 10.100 Punkte aus. Der ohnehin kräftige Eindruck wird durch die geschmeidige 120-Hertz-Wiedergabe noch verstärkt, die Arbeitsgeschwindigkeit ist in jeder Hinsicht eines Flagship-Modells würdig.

Bei so viel internem UFS-3.0-Speicher sollte es auch kaum noch stören, dass eine Speichererweiterung per Micro-SD nicht möglich ist. Dafür ist sonst alles an Bord, was aktuell gut und teuer ist – das reicht von Wifi 6 über 5G bis hin zu einem schnellen und zuverlässigen In-Display-Fingerabdrucksensor. Beim Thema Sound überzeugen die Stereolautsprecher, die ihrem Namen entsprechend nicht nur laut, sondern auch voll klingen. Überraschend: Oppo legt dem Lieferumfang nicht nur die inzwischen fast obligatorische Schutzhülle bei, sondern auch ein kabelgebundenes USB-C-Headset. Das klingt ordentlich und dürfte den meisten Nutzern nicht nur als Übergang zu besseren Kopfhörern reichen. Erstaunlich stark finden wir den Vibrationsmotor, mit dessen Hilfe das X2 Pro Feedback auf Berührungen gibt. Schade: Dual-SIM-fähig ist das Oppo-Modell nicht.

Als Betriebssystem setzt Oppo auf Android 10, darüber installiert das Unternehmen seine eigene Nutzeroberfläche ColorOS 7.1. Sie überzeugt mit Übersichtlichkeit und einigen Zusatz-Features wie der Smart Sidebar, die als Schnellzugriff für Apps fungiert, oder den Standby-Gesten. Sind sie aktiviert, startet der Nutzer etwa durch das Aufmalen des Buchstaben V die Taschenlampenfunktion, ein O öffnet die Kamera-App. Bloatware gibt es zwar, allerdings nur in sehr eingeschränktem Rahmen. Zudem lassen sich diese Apps, etwa Soloop für Videoschnitt und der Opera-Browser, komplett deinstallieren.

Ein flaches Gehäuse – das lässt nichts Gutes für die Akkulaufzeit erwarten. Aber keine Sorge, ein Sprinter mit kurzem Atem ist das Oppo Find X2 Pro nicht – nur eben kein Marathonläufer. 4260 mAh teilen sich bei dem Smartphone in zwei Packs mit je 2130 mAh auf, die insgesamt für eine Laufzeit von einem guten Tag sorgen – bei voller Auflösung und 120 Hz wohlgemerkt. Der Battery Test von PCmark bestätigt unsere Angabe mit knapp 7,5 Stunden Dauernutzung von 80 auf 20 Prozent Akkuladung bei 200 cd/m2 und maximaler Frequenz.

Wer mehr will, der muss die Bildwiederholungsrate am besten manuell auf 60 Hz begrenzen und vielleicht sogar noch die Auflösung auf Full-HD+ herunterschrauben, dann gibt PCmark fast 10 Stunden an – aber wer will das schon? Dann kommt man zwar auch noch über den zweiten Tag, verzichtet aber auch auf angenehme Vorzüge des schicken Smartphones. Apropos Vorzüge: Ein weiterer davon ist das schnelle Aufladen des Akkus. Mit satten 65 Watt prügelt das Ladegerät Strom geradezu in den Akku, der dann in unter 40 Minuten wieder randvoll ist – das ist fix! Größtes Manko und bei einem Preis von 1200 Euro in der UVP nicht zu akzeptieren: Kabelloses Laden gibt es nicht.

Unterschiedliche Speicherversionen gibt es nicht, Auswahl gibt es nur bei der Farb- und damit auch der Materialgestaltung: Schwarz kommt mit Keramikrückseite, Orange in “veganem Leder” - also Kunststoff in Lederoptik.

Der Einstand von Oppo in Deutschland ist gelungen – eigentlich. Technisch ist das Find X2 Pro in meisten Bereichen Spitzenklasse, auch Design und Verarbeitung passen dazu. Das OLED-Panel ist hervorragend, die Speicherausstattung opulent, die restliche Technik ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Das gilt in weiten Teilen auch für die Kamera, die auf dem Niveau eines Oneplus 8 Pro (Testbericht) liegt und damit zumindest bei Tag sehr gut ist. Der Akku ist in Ordnung, auch wegen der 120 Hertz des Displays aber insgesamt eher mittelmäßig. Dafür lädt er sehr schnell wieder auf.

Störend sind vor allem drei Dinge am Oppo Find X2 Pro: fehlendes Dual-SIM, fehlendes Qi-Laden und der viel zu hohe Preis. Ja, er ist weitestgehend gerechtfertigt, aber wenn ich mir als Hersteller in einem neuen Markt erst einmal einen Namen machen muss, ist diese Preispolitik wohl eher kontraproduktiv. Das spiegelt auch der aktuelle Straßenpreis wider: rund 750 Euro kostet das Modell von den ursprünglichen 1200 Euro noch – das bei der UVP günstigere Oneplus 8 Pro ist immer noch deutlich teurer. Bleibt zu hoffen, dass Oppo aus diesen Fehlern lernt und nicht nach der verschenkten Chance, hierzulande Marktanteile von Huawei zu übernehmen, frühzeitig aufgibt und sich wieder zurückzieht. Schnäppchenjäger freuts: So viel Technik in einem aktuellesn Smartphones gibt es für 750 Euro sonst nirgends.

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