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Oneplus Nord CE
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Das ursprüngliche Oneplus Nord war ein Paukenschlag, schließlich brachte der Hersteller damit endlich wieder Top-Qualität zum kleinen Preis. Die Core-Edition soll jetzt in die gleiche Kerbe schlagen.

Das Oneplus Nord (Testbericht) war eine Umkehr. Oder besser: eine Rückkehr. Eine Rückkehr zu alten Tugenden von Oneplus, denn nachdem es beim Marktstart des Herstellers in Deutschland viel Technik zum kleinen Preis gab, entwickelte sich zumindest der Preis immer weiter nach oben. Das Nord war zwar auf dem Papier nur gute Mittelklasse, der Preis passte aber dazu und insgesamt bot das Gerät ein rundes Gesamtpaket – ein Mittelklasse-Flaggschiffkiller quasi.

Mit dem Oneplus Nord CE will der Hersteller nun seine Preis-Leistungs-Erfolgsgeschichte weiterspinnen. Das CE steht für Core Edition, sie soll das Wichtigste mitbringen und auf unnötigen Schnickschnack verzichten. Beim Blick auf das Datenblatt wird daher schnell klar: Das CE ist schwächer als das Ur-Nord aufgestellt und eher ein Upgrade des Oneplus Nord N10 5G (Testbericht). Ist das gut oder schlecht?

Das neue Oneplus Nord CE ist handlich und erstaunlich leicht. Wiegen moderne Flaggschiff-Smartphones gefühlt inzwischen alle ein halbes Kilo, kommt das CE mit luftigen 170 Gramm aus. Außerdem ist es nicht einmal 8 Millimeter dünn. Mit ein Grund für das niedrige Gewicht ist sicherlich der verwendete Werkstoff: Oneplus setzt bei Rahmen und Rückseite ausschließlich auf Kunststoff. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, schließlich ist das Material widerstandsfähig und stellt kein Hindernis für Funkwellen dar. Nur ganz so hochwertig wie mancher Konkurrent in der 300-Euro-Klasse wirkt das neue Nord CE nicht. Denn die verwenden meist Glas für die Rückseite und Metall beim Rahmen.

Schick ist das CE trotzdem. Unser schwarzes Testmodell bietet hinten ein paar nette Lichtspiele, je nach Beleuchtung wirkt das Gerät mal schwarz, mal tiefblau. Die Triple-Cam fällt beim Nord CE ziemlich dezent aus und steht nicht weit aus dem Gehäuse hervor. Neben einer Beige-Gold-Version mit ebenfalls glänzender Rückseite gibt es zudem noch ein mattes Blau - hübsch. Vorn sind die Ränder rings um den Screen zwar sichtbar, aber ausreichend schmal. Die Verarbeitung ist vorbildlich, das Smartphone wirkt trotz des eher einfachen Werkstoffes robust. Powertaste rechts und Lautstärkewippe links weisen zudem perfekten Druckpunkt und optimalen Tastenhub auf. Den Alert-Slider, den teurere Oneplus-Modelle haben, sucht man beim CE-Modell vergeblich. Gleiches gilt auch für andere Boni wie eine IP-Zertifizierung gegen Wasser.

Oneplus baut in das Nord CE ein OLED-Display mit 6,4 Zoll und einer Auflösung von 2400 x 1080 Pixel im 20:9-Format ein. Die Bildschärfe ist entsprechend mit 409 Pixel pro Zoll angenehm hoch. Zwar gibt es keine 120 Hertz, Oneplus verpasst dem Nord CE aber immerhin 90 Hertz – das reicht, um bei bewegten Inhalten einen merklichen Unterschied zu den standardmäßigen 60 Hertz zu sehen. Neben den typischen Pluspunkten von OLED, etwa starke Kontraste und Farben, bietet das Panel des Oneplus-Modells zudem eine hohe Helligkeit von rund 720 cd/m2. Dank der guten Blickwinkelstabilität gibt es damit auch im Freien kaum Probleme mit der Ablesbarkeit.

Software-seitig gibt es ein paar Einschränkungen gegenüber dem Topmodell Oneplus 9 Pro (Testbericht). So fehlt die "Komforttönung" genannte automatische Anpassung der Farbtemperatur an das Umgebungslicht, die Bildwiederholungsfrequenz ist ohne Zwischenschritte fest auf 60 oder 90 Hertz eingestellt und Bildverbesserer oder Video-Upscaling gibt es für das günstige Nord CE nicht. Immerhin lässt sich inzwischen per Knopfdruck das Inaktivitätsdisplay zum echten Always-on-Display umschalten. Spitze ist das Display daher nicht, aber sehr gut.

Hasselblad gibt es beim Oneplus Nord CE natürlich nicht, die Zusammenarbeit mit dem Kameraspezialisten ist den Topmodellen Oneplus 9 (Testbericht) und Oneplus 9 Pro (Testbericht) vorbehalten. Dennoch schlägt sich die Kamera im CE-Modell in Relation zum Preis nicht übel. Die Hauptkamera knipst dabei mit für die Mittelklasse branchenüblichen 64 Megapixel und f/1.79, einen optischen Bildstabilisator gibt es nicht. Hinzu kommt ein Weitwinkelsensor mit 8 Megapixel und f/2.25. Sehr schön: Auf einen dieser unsäglichen Makrosensoren verzichtet der Hersteller dieses Mal. Die Frontkamera bietet 16 Megapixel.

Ein Stück Hasselblad scheint Oneplus dem günstigen Nord CE dennoch mitgegeben zu haben. Denn Farben sehen natürlicher als bei älteren Modellen aus und auch Kontraste wirken gefällig. Selbst die Bilddynamik gibt wenig Grund zum Meckern, Bildrauschen ist ebenfalls gemäßigt ausgeprägt. Bildschärfe und Detailreichtum der dank Pixel Binning 16 Megapixel großen Fotos sind in der Vollbildbetrachtung am PC in Ordnung, in der Vergrößerung sieht man dann aber doch schnell gröbere Strukturen. Für die 300-Euro-Klasse ist das aber ordentlich. Auch das künstliche Bokeh bei Nachaufnahmen gefällt. Bei Aufnahmen mit vollen 64 Megapixel steigt zwar bei gutem Licht die Schärfe, die Dynamik geht aber zurück, gelegentlich finden sich dann außerdem leichte Bildfehler und die Dateigröße steigt von 4,5 auf fast 10 MByte. Normalerweise lohnt sich das Umschalten daher nicht.

Der Weitwinkel kann mit der Qualität der Hauptkamera leider nicht mithalten. Er bietet nicht nur eine sichtbar schlechtere Auflösung, sondern Verzerrungen an den Rändern, mehr Bildrauschen und weniger Schärfe. Zudem arbeitet die Software zu stark nach und verpasst entsprechenden Aufnahmen einen unnatürlicheren Look als bei der Hauptkamera.

Nachtaufnahmen gelingen dem Nord CE und der Hauptkamera überraschend gut – trotz fehlendem Bildstabilisator. Im Nachtmodus fängt das Gerät ausreichend viel Licht ein, um mit halbwegs ruhiger Hand vor allem leicht beleuchtete Objekte erstaunlich scharf in Szene zu setzen. Bildrauschen ist dabei für ein Mittelklasse-Smartphone recht zurückhaltend und Kunstlicht wird nicht zu gelblich aufgenommen. An die Topmodelle kommt das Nord CE damit längst nicht heran, in der Mittelklasse ist man so aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Die Selfiecam schießt beim CE-Modell ebenfalls ordentliche Portraits – trotz Fixfokus. Die Bildschärfe stimmt und sogar die Bilddynamik reicht, um etwa den Himmel nicht ausbrennen zu lassen.

Videos sind qualitativ klar schlechter als Fotos. Bei 4K/30 ist Schluss, die elektronische Stabilisierung reicht hier nicht aus, um angenehm ruhige Aufnahmen zu generieren. Das sieht bei FHD/60 besser aus, hier sinkt aber die Qualität spürbar. Wer gute Videos aufnehmen will, sollte zu einem anderen Smartphone greifen.

Im Oneplus Nord CE steckt ein Snapdragon 750G. Der Chip bietet Taktraten bis zu 2,2 GHz, wird im modernen 8-Nanometer-Verfahren gefertigt und liefert im Zusammenspiel mit der Grafikeinheit Adreno 619 ordentliche Mittelklasse-Leistung. Kombiniert mit 6, 8 oder sogar 12 GByte RAM kommt das Mittelklasse-Modell auf knapp 9000 Punkte in PCmark Work 3.0, 3Dmark Wildlife offenbart 1100 Punkte. An ein kaum teureres Poco F3 (Testbericht) kommt das CE leistungstechnisch nicht heran, mit 128 oder sogar 256 GByte bietet das Smartphone dennoch eine gute Basis für Alltag und auch Games. Die sollten dann allerdings nicht zu fordernd sein oder der Nutzer muss sich mit herabgestufter Grafik zufriedengeben. Im Normalbetrieb zumindest gibt es gewöhnlich keine Ruckler und dank des 90-Hertz-Displays wirkt das Mittelklasse-Smartphone stets souverän.

Ausstattungstechnisch bietet das Modell gute Mittelklasse inklusive NFC und 5G. Eine Erweiterung des internen Speichers ist nicht möglich, immerhin nimmt das Gerät 2 Nano-SIMs auf. Der Monolautsprecher am unteren Ende des Smartphones klingt etwas blechern und übersteuert leicht. Der Fingerabdrucksensor im Display entsperrt das Gerät ausreichend schnell und überwiegend zuverlässig. Unser Testgerät hatte aber die Angewohnheit, nach einer Fehlerkennung einige Sekunden lang keine Reaktion mehr auf Eingaben zu zeigen - nervig. Weitere Details zur eingebauten Technik finden sich in der Tabelle.

Auf dem Oneplus Nord CE läuft Android 11 mit OxygenOS 11 als Nutzeroberfläche. Das System läuft schnell und flüssig und bietet einige nützliche Erweiterungen. Bloatware gibt es bis auf Netflix nicht. Der Sicherheits-Patch stammt auf unserem Testmodell von April 2021 – das geht aktueller. Oneplus verspricht 2 Jahre lang Android-Updates, also vermutlich bis Android 14.

Der Akku des Oneplus Nord CE leistet 4500 mAh. Er lässt sich mit dem mitgelieferten Netzteil per Warp Charge 30 mit 30 Watt Schnellladen, das dauert rund 1 Stunde und ist ausreichend, wenngleich nicht rekordverdächtig schnell. Kabelloses Laden gibt es wenig verwunderlich nicht. In PCmark Battery Test kommt das Smartphone auf knapp 12,5 Stunden mit 90 Hertz. Im Alltag sollte das in den meisten Fällen problemlos für 2 Tage normale Nutzung reichen, nur Hard-Core-Zocker kommen auf Laufzeiten von unter einem Tag.

Neben den Farben Schwarz, Blau und Beige haben Interessenten die Wahl zwischen Versionen mit 6, 8 und 12 GByte RAM und 128 oder 256 GByte internem Speicher. Die UVP beginnt bei 320 Euro.

Das Oneplus Nord CE ist ein gutes Mittelklasse-Smartphone. Es sieht recht schick aus, hat ein tolles 90-Hertz-OLED, bietet auf Wunsch viel Speicher und bietet mit seinem Snapdragon 750G ausreichende Power. Die Kamera macht der Preisklasse angemessene Fotos und die Akkulaufzeit ist nicht von schlechten Eltern. Aber es gibt auch ein paar Nachteile. So besteht das Gerät gewissermaßen komplett aus Kunststoff und der Weitwinkel könnte besser sein. Insgesamt überwiegen dennoch die Vorteile. Begeistern kann das CE-Modell aber trotzdem nicht, denn echte Highlights hat es nicht zu bieten. Falsch macht man für 300 Euro aber auch nichts.

(Bessere) Alternativen sind etwa das sehr leistungsfähige Xiaomi Poco F3 (Testbericht), Samsung Galaxy A52 (Testbericht) oder Xiaomi Redmi Note 10 Pro (Testbericht)

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