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Oneplus Nord 2
Pro und Contra
  • tolles Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Display, Leistung und Speicher großartig
  • keine IP-Zertifizierung, kein Tele, kein Qi-Laden
  • 4.5

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Mit dem Oneplus Nord fand der Hersteller vergangenes Jahr zurück zu alter Preis-Leistungs-Stärke. Jetzt ist der Nachfolger da – trifft Oneplus mit dem Nord 2 erneut ins Schwarze?

Das Oneplus Nord (Testbericht) leitete 2020 eine kleine Wende beim erfolgreichen Hersteller Oneplus ein. Denn während nach anfänglicher Tiefpreisstrategie immer mehr Geld für die zunehmend besser werdenden Smartphones des Unternehmens aufgerufen wurde, war das Nord endlich wieder ein Smartphone mit richtig gutem Preis-Leistungs-Niveau. Natürlich konnte das nicht mit den Topmodellen wie dem Oneplus 9 (Testbericht) mithalten, dafür kostete es aber auch deutlich weniger. Vom Nachfolger erwarten Fans daher natürlich das Gleiche: Tolle Oberklassetechnik zum Mittelklasse-Preis. Werden die Erwartungen erfüllt?

Beim Design schon. Denn hier kommt das Oneplus Nord 2 mit flachem Korpus in hochwertigem Gorilla-Glas auf Front und Rücken daher und setzt erneut auf außergewöhnliche Farben. Der Rahmen ist hingegen wieder aus Kunststoff. Das spürt man aber erst, wenn man das Smartphone in die Hand nimmt. Dann merkt man aber gleichzeitig auch die gute Handlichkeit, die einerseits durch das vergleichsweise niedrige Gewicht des Handys kommt, außerdem fühlt man den Übergang von Rahmen zu Vorder- oder Rückseite kaum und vor allem die Rückseite ist an den Kanten sanft gerundet. Dadurch schmiegt sich das Nord 2 angenehm in die Hand.

Auch das Kameramodul ist an den Rändern abgeflacht und zeigt eine Art Schliffkante, das sieht schick aus. Die ganze Verarbeitung ist generell sehr gut. Alle Tasten, also auch der Klingelmodus-Wahlschieber, sind hervorragend in den Rahmen eingelassen und optimal bedienbar. Die Front punktet mit insgesamt recht schmalen Rändern um das große Display, die ab Werk aufgebrachte Schutzfolie ist wie fast immer etwas scharfkantig. Lediglich am unteren Ende ist der Rahmen etwas breiter geraten, ansonsten macht das Oneplus Nord 2 einen hochwertigen Eindruck. Eine IP-Zertifizierung gibt es weiterhin nicht. Wie so häufig beteuert der Hersteller aber, dass eine gewisse Wasserdichtigkeit aufgrund der Fertigungsweise gegeben ist.

Beim Nord 2 hat sich Oneplus erneut für OLED als Technologie entschieden. Mit rund 6,4 Zoll ist der Screen in etwa genauso groß wie beim Vorgänger, die Auflösung ist mit 2400 x 1080 Pixel sogar minimal geringer. Fast 410 ppi sind aber weiterhin schön scharf und Inhalte werden auch bei Bewegung dank erneuten 90 Hertz Bildwiederholungsfrequenz absolut flüssig wiedergegeben. Die Helligkeit ist mit über 530 cd/m² ziemlich gut und etwas höher als beim Vorgänger, auch wenn manch Spitzenmodell hier noch mehr leistet – zu entsprechend höherem Preis natürlich. Wegen der tollen Kontraste und dem OLED-typischen Schwarzwert reicht die Helligkeit aber auch, um im Freien Inhalte noch gut ablesen zu können. Insgesamt überzeugt das Panel auf ganzer Linie, nur das „Always“-on-Display, das leider nur bei Berührung oder Anheben des Smartphones zu sehen ist, hätte Oneplus noch einmal überdenken sollen. HDR fehlt ebenfalls, das dürften die meisten Nutzer im Alltag aber kaum vermissen.

Oneplus lässt beim Nord 2 etwas weg – und wir finden das gut! Gemeint ist die überflüssige Makrolinse, die beim Oneplus Nord (Testbericht) noch dafür sorgte, dass der Hersteller stolz von Quad-Kamera sprechen konnte, ohne dem Nutzer dabei echten Mehrwert zu bieten. Beim neuen Modell ist die nicht mehr mit dabei und vermutlich wird die auch kaum jemand vermissen. Stattdessen setzt das Unternehmen beim Nord 2 auf eine Hauptkamera mit 50 Megapixel, optischem Bildstabilisator (OIS) und F/1.88-Blende sowie einen Weitwinkel mit 8 Megapixel und f/2.25. Eine Monochrom-Linse mit 2 Megapixel sorgt für Tiefenschärfe.

Die im Vergleich zum Vorgänger etwas höher auflösende Hauptkamera punktet mit guter Bildschärfe und ordentlichem Detailreichtum bei ausreichender Bilddynamik und geringem Bildrauschen. Dank OIS bleiben diese Qualitäten auch noch bei weniger Licht recht lange erhalten. Erst bei echten Lowlight-Szenen haben Highend-Smartphones hier die Nase vorn. Auch bei der Bildschärfe gibt es letztendlich noch etwas Luft nach oben. Das scheint an der Software zu liegen, die zugunsten von weniger Bildrauschen alles etwas weichzuzeichnen scheint. Insgesamt macht das Nord 2 bei Tageslicht sehr ausgeglichene, gute Aufnahmen. Der Weitwinkel bietet keine Überraschung. Mangels höherer Auflösung fallen Bildschärfe und Detailreichtum deutlich geringer aus, auch Bildrauschen ist stärker ausgeprägt. Trotz schwächerer Qualität ist der Mehrwert des Weitwinkels aber eindeutig gegeben.

Bei Videos ist die Qualität insgesamt in Ordnung, vor allem die Bildstabilisierung überzeugt und der Fokus wirkt zielsicher. Leider ist bei 4K/30 Schluss, sodass Nutzer immer die Wahl zwischen scharfem 4K oder flüssigen Schwenks und Bewegungen bei 1080p/60 treffen müssen. Schade. Die Selfiecam mit stolzen 32 Megapixel überzeugt mit ausgewogenen Bildern, sofern die Helligkeitsverteilung des Motives nicht zu unterschiedlich ist.

Der Vorgänger Oneplus Nord (Testbericht) kam noch mit einem kräftigen Snapdragon 765G als Antrieb, beim neuen Nord 2 setzt der Hersteller auf einen Mediatek-Chip. Wer jetzt abwinkt, der sollte sich mehr mit den neuen Chips des Herstellers beschäftigen. Denn die Dimensity-Chips sind kein Vergleich mehr zu den Vorgänger-Generationen. Vor allem beim Thema Grafik-Leistung und Energieeffizienz punktet der eingebaute Dimensity 1200 AI, der nach Angaben des Herstellers sogar in der Oberklasse wildern soll, zumindest in der oberen Mittelklasse aber absolut leichtes Spiel hat. So erreicht das Nord 2 im Work-3.0-Test von PCmark stramme 8500 Punkte und in 3DMark Wildlife sind es mal eben 4250 Punkte. Je nach Benchmark schlägt das Oneplus-Modell mit dem Dimensity 1200 AI sogar Smartphones mit Snapdragon 870 wie das Xiaomi Mi 11 Lite 5G (Testbericht), der Vorgänger wird teilweise mit doppelt so hohen Ergebnissen deklassiert. Auch Smartphones wie ein Samsung Galaxy A52 (Testbericht) mit Snapdragon 750G kommen hier nicht mit und haben teils deutlich das Nachsehen.

Das merkt man im Alltag, das Oneplus Nord 2 wirkt in allen Lebenslagen schnell und direkt. Dank 90-Hertz-Display ruckelt auch das typische Scrollen durch Menüs oder im Browser nicht. Hier macht sich das Zusammenspiel aus starkem Chip und herausragenden 12 GByte RAM absolut positiv bemerkbar. Kleines Easteregg: Im Menüpunkt „Über das Telefon“ gibt Oneplus 120 GByte Arbeitsspeicher an, nach einem Update passte es dann wieder. Bis wir so weit sind, dürften aber noch etwas Wasser den Rhein herunterfließen. Die Version mit 8/128 GByte kostet übrigens 399 Euro in der UVP. Auch beim internen Speicher kleckert der Hersteller nicht, sondern klotzt gleich doppelt: Einerseits bei der schieren Größe von 256 GByte, andererseits bei der Geschwindigkeit des Speichers. Denn auch, wenn Oneplus das Nord 2 mit einer UVP von 499 Euro noch in der (gehobenen) Mittelklasse verkauft, baut das Unternehmen schnellen UFS-3.1-Speicher ein. Das macht sich durchaus bemerkbar. Wer etwa Spiele mit großen Installationsmengen spielt, wird sich über vergleichsweise kurze Ladezeiten freuen. Das gilt auch für die generelle Gaming-Leistung, auch wenn die 90 Hertz des Panels hier bei Weitem nicht ausgereizt werden können. Dabei wird das schicke Smartphone allerdings ziemlich warm.

Dass sich die restliche Hardware ebenfalls sehen lassen kann, sollte niemanden überraschen. Neben allen Standards inklusive NFC, Wifi6 und 5G verfügt das Nord 2 im Gegensatz zum Vorgänger nun über Stereolautsprecher. Die werden recht laut und sind kräftig, dann auch etwas spitz, aber nicht schlecht. Der Fingerabdrucksensor im Display sitzt für unseren Geschmack etwas zu tief am unteren Rand, arbeitet davon abgesehen aber ausreichend schnell und zuverlässig.

Bei der Software setzt Oneplus wie immer auf seine eigene Nutzeroberfläche OxygenOS, die beim Nord 2 in Version 11.3 vorliegt und über Android 11 gestülpt ist. Sie orientiert sich an originalem Android und bleibt dadurch recht übersichtlich, bietet aber zusätzliche Features. So lässt sich das Aussehen von Oberflächen und Icons anpassen, es gibt einen Modus für Einhandbedienung und eigene Apps wie die Bildergalerie. Bloatware gibt es kaum, dazu könnte man am ehesten die Netflix-App nennen. Dank Widevine-L1-Zertifizierung lassen sich deren Inhalte in Full-HD genießen. Sicherheits-Updates verspricht Oneplus für 3 Jahre, System-Updates für 2 Jahre. Unser Testgerät hat ein Sicherheitspatch von August 2021 und ist damit zum Testzeitpunkt ziemlich aktuell.

Der Akku des Nord 2 liefert 4500 mAh, das ist gutes Mittelmaß. Bei mäßiger Nutzung zeigt er sich ziemlich ausdauernd, sodass zwei oder drei Tagen ohne Steckdose nichts im Wege steht. Wird die Leistung des Chips abgerufen, sinkt die maximale Laufzeit wie immer dramatisch. In PCmarks Battery Test schafft das Mittelklasse-Smartphone eine Laufzeit von rund 13,5 Stunden bei 60 Hertz und etwa 11,5 Stunden bei 90 Hertz. Das sind ordentliche Werte, die etwas über dem Vorgänger liegen. Zugelegt hat das Modell auch bei der Ladegeschwindigkeit. Strom pumpt der Hersteller jetzt nicht mehr mit 30, sondern mit 65 Watt in den Speicher und braucht dafür nur rund 40 Minuten für eine komplette Ladung. Kabelloses Laden gibt es leider nicht, das ist weiterhin den Topmodellen vorbehalten.

Eigentlich gibt es drei Farbvarianten des Oneplus Nord 2, allerdings wird „Green Woods“ hierzulande nicht verkauft. Stattdessen gibt es „Gray Siera“ und „Blue Haze“ (unser Testmodell) – jeweils in den Versionen 8/128 und 12/256 GByte Speicher. Die UVPs liegen bei 399 und 499 Euro.

Wer Angst hatte, Oneplus könnte es mit dem Nord 2 etwas langsamer angehen lassen, um mehr Abstand zu den Topmodellen Oneplus 9 (Testbericht) und Oneplus 9 Pro (Testbericht) herzustellen, kann aufatmen: Eher das Gegenteil ist der Fall. Auf dem Papier bietet das Nord 2 natürlich nicht das Beste vom Besten, im Alltag ist der Unterschied allerdings gering. So überzeugt das OLED-Display, auch wenn es „nur“ 90 Hertz bietet, der Prozessor ist zwar langsamer als ein Snapdragon 888, aber dennoch stets Herr der Lage, die Speicherbestückung liegt auf Spitzenniveau und die Kamera kann sich auch sehen lassen. Selbst die Akkuleistung ist ordentlich und bei den Verbindungsmöglichkeiten liegt das „Mittelklasse-Smartphone“ nahezu auf Toplevel – kurz: Auch das Nord 2 ist ein Flagship-Killer.

Konkurrenz gibt es natürlich trotzdem. Da wäre etwa das Xiaomi Mi 11 Lite (Testbericht), das Poco F3 (Testbericht) oder das Realme GT 5G (Testbericht). Alle genannten Modelle bieten ihre eigenen Vor- und Nachteile.

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