Oneplus 10 Pro im Test: Gutes Gesamtpaket mit Hasselblad-Kamera

Oneplus 10 Pro
Pro und Contra
  • schickes Design, tolle Verarbeitung
  • viel Power
  • guter Akku
  • zu wenig Fortschritt
  • Kamera sogar Rückschritt
  • keine IP-Zertifizierung
  • 4.5

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Das Oneplus 9 Pro war das bisherige Meisterstück des Herstellers, Nachfolger Oneplus 10 Pro soll da nahtlos anknüpfen. Das klappt teilweise, aber nicht überall.

Das Oneplus 9 Pro (Testbericht) war in 2021 so gut, dass es gleich in mehreren Kategorien in unserem Foto-Blindtest in der Lesergunst am besten abschnitt und auch insgesamt viel Zuspruch von Käufern und Fachpresse bekam. Es bot einfach ein richtig gutes Gesamtpaket. Seitdem hat sich einiges getan, so wurde Oneplus inzwischen an Oppo verkauft. Das scheint sich auf die neuen Geräte auszuwirken, auch wenn Oneplus das natürlich bestreitet. Das beginnt mit sehr viel Ähnlichkeit etwa zwischen Modellen wie dem Oneplus Nord CE 2 (Testbericht) und dem Oppo Find X5 Lite an und wirkt sich offenbar auch auf Fortschritte bei Oneplus-Modellen aus. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Das neue Oneplus 10 Pro bietet zu viel Stillstand und zu wenig Neuerungen – ist das etwa auch eine politische Entscheidung? Ein tolles Smartphone ist es aber trotzdem.

Äußerlich sind die größten Unterschiede zwischen Oneplus 9 Pro und neuem Oneplus 10 Pro bei der Farbauswahl und der Kameraeinheit auf der Rückseite auszumachen. Die Maße sind fast gleichgeblieben. Nach wie vor ist das Gerät geradezu vorbildlich verarbeitet, was auch durch das haptische Feedback bestätigt wird. Die Rückseite besteht erneut aus Gorilla Glas und ist mattiert, das fühlt sich fast samtig an, sieht schick aus und verhindert Fingerabdrücke. Die Farbauswahl wurde dabei auf nur noch zwei Optionen reduziert: Grün und Schwarz.

Weitere Auffälligkeit ist die neue Formgebung der Kameraeinheit. Oneplus vergrößert sie und verpackt sie vom Rahmen her in einen stufenlosen Übergang, während die oben, unten und rechts rund einen Millimeter kantig vorsteht. Das erinnert im weitesten Sinne an Samsungs Kameradesign, ohne jedoch zu viel abzukupfern. Oneplus greift außerdem auf Keramik als Oberfläche für die Kameraeinheit zurück. Ob die deutlich gestiegenen Ausmaße trotz Streichung der Monochromlinse vom Vorgänger gefallen, hängt in erster Linie vom persönlichen Geschmack ab. Wir halten den Vorgänger für dezenter, das Oneplus 10 Pro moderner.

Einen Rückschritt macht Oneplus beim neuen Modell bei aller Verarbeitungs- und Designqualität bei der IP-Zertifizierung. Hatte das Oneplus 9 Pro noch eine IP68-Zertifizierung, die hohen Schutz gegen Staub und Wasser verspricht, fehlt dem neuen Modell dieses Feature. Oneplus selbst spricht davon, dass das neue Modell so gefertigt ist, dass es entsprechenden Schutz wie die IP-Schutzklasse bietet. Offenbar wollte man nur die hohen Kosten für die Zertifizierung umgehen. Tatsächlich verfügt der SIM-Karteneinschub etwa eine Gummidichtung und in den USA wird bei der Telekom ein zertifiziertes Modell verkauft. Zu einem Topmodell will diese Vorgehensweise des Herstellers aber nicht so richtig passen – auch wenn das neue Oneplus 10 Pro bei der UVP genauso hoch (oder niedrig) wie der Vorgänger liegt. Die meisten Smartphones werden gefühlt jedes Jahr teurer.

Nach deutlichen – und alles andere als schlimmen – Parallelen zum Vorgänger beim Design gibt es weitere Ähnlichkeiten beim Display. Wie beim Vorgänger setzt Oneplus beim neuen 10 Pro auf ein 6,7 Zoll großes OLED-Display mit 120 Hz und einer Auflösung von 3216 x 1440 Pixel. Die Bildschärfe liegt entsprechend wieder bei über 520 Pixel pro Zoll (ppi) und darf getrost als scharf bezeichnet werden. Neu ist der erweiterte Hertz-Spielraum. War der beim Vorgänger noch auf 1, 24, 30, 60, 90 und 120 Hz festgelegt, wählt das neue Display automatisch eine passende Bildwiederholrate frei zwischen 1 und 120 Hz aus. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Das Panel gibt HDR-10+-Inhalte wieder und bietet 10 Bit Farben, also nicht die typischen 16,6 Millionen anderer Screens, sondern wie im Vorjahr etwas über eine Milliarde Farben. Das soll besonders bei Farbverläufen flüssigere Übergänge erlauben, Stufeneffekte bei schwierigen Bildern wie etwa bei einem Sonnenuntergang sind so Schnee von gestern.

Die Darstellungsqualität ist gefühlt so gut wie beim Vorgängermodell, auch die gemessene Helligkeit von knapp 800 cd/m² ist ähnlich. Das ist gut, aber nicht ganz auf Spitzenniveau wie bei einem Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht), bei dem wir 1350 Candela gemessen haben. Der Rest ist wie im Vorjahr auf hohem Niveau, darunter Schwarzwert, Kontraste, Farbwiedergabe und Blickwinkelstabilität. Der größte Vorwurf, den man Oneplus hier machen kann, ist der mangelnde Fortschritt, stattdessen stagniert das Display des Oneplus 10 Pro weitestgehend auf hohem Niveau.

Auch bei der Kamera gibt es wenig Neues zu berichten. Hauptkamera und Telelinse sind auf dem Papier im Vergleich zum Oneplus 9 Pro (Testbericht) identisch. Neu ist die Weitwinkelkamera, die jetzt mit 150 Grad Sichtfeld auftrumpft und weiterhin auf 50 Megapixel setzt, außerdem die Selfiecam mit 32 Megapixel. Gestrichen wurde die Monochromlinse des Vorgängers, sodass jetzt eine ehrliche Triple-Cam im Datenblatt zu finden ist. Die Zusammenarbeit zwischen Oneplus und Kameraspezialist Hasselblad besteht weiterhin, sie wurde inzwischen aber auf Oppo erweitert. Die Beschränkung auf Software besteht weiterhin, auch wenn es in der Vergangenheit hieß, „zukünftig“ werde die Zusammenarbeit auch auf Hardware-Kooperation erweitert. Entsprechend gibt es wieder den typischen Auslösesound von Hasselblad, Filter und spezielle Fotomodi des Anbieters.

Letztendlich ist es egal, mit welcher Hardware gute Ergebnisse erzielt werden – solange sie überhaupt erreicht werden. Gefühlt gibt es da aber bei der Hauptkamera keine Fortschritte, bestenfalls erscheint die Farbtreue etwas natürlicher. Bildschärfe, Details, Bilddynamik und Rauschverhalten sind wie beim Vorgänger, zumindest bei voreingestellten 12-Megapixel-Aufnahmen. Greift man auf volle Auflösung zurück, erschien uns das Bild sogar etwas weniger scharf – seltsam. Der Nachtmodus scheint außerdem überarbeitet zu sein und sorgt für gleichbleibende, gute Ergebnisse. An ein Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) oder ein Google Pixel 6 Pro (Testbericht) kommt das Oneplus 10 Pro trotzdem leider nicht heran.

Das gilt erst recht für Tele- und Weitwinkellinse. Die neue Weitwinkellinse ist werksmäßig auf 110 Grad eingestellt, wer auf die versprochenen 150 Grad wechselt, bekommt sichtbare Einbußen bei Bildschärfe und Detailreichtum zu sehen. Das gilt erst recht bei schlechtem Licht, hier war das Oneplus 9 Pro besser. Hinzu kommen teils starke Verzerrungen, die offensichtlich von der Software nicht ausgeglichen werden können. Ansonsten ist die Qualität der Weitwinkelkamera ordentlich, bisweilen gibt es aber leichte Unterschiede bei Weißabgleich und Farbtemperatur im Vergleich zur Hauptlinse – das sollte bei einem Spitzen-Smartphone eigentlich nicht passieren.

Die Telelinse kommt uns schwächer als im vergangenen Jahr vor. Die Bildschärfe fällt hauptsächlich bei schwächerem Licht schnell sichtbar ab, außerdem werden Kontraste bisweilen überbetont. Dadurch gehen dann Details verloren und mit „verlustfrei“ hat das dann nicht mehr viel zu tun. Bei höheren Zoomstufen, bei denen der Digitalzoom hinzugezogen wird, verstärkt sich dieser Eindruck zusehends. Das ist zwar alles nicht schlecht, auf Spitzenniveau sind aber weder Weitwinkel- noch Telelinse. Selfies sind hingegen sichtbar besser geworden. Die höhere Megapixelzahl schlägt sich tatsächlich in höherer Bildschärfe als im Vorgänger nieder, allerdings ist hier der Weißabgleich immer noch nicht optimal, Gesichter wirken gern etwas zu kühl.

Gut gefallen haben uns Videos, die problemlos in 4K/60 aufgenommen werden können - sofern man auf die AI-Funktion verzichtet. Ansonsten wird direkt auf 1080p/60 umgestellt. Die Qualität ist in 4K überzeugend, die Bildstabilisierung einwandfrei. Das ist fast auf Samsung-Niveau.

Die Technik macht beim neuen Oneplus 10 Pro im Vergleich zum Vorgänger keine großen Sprünge, sondern kommt mit den typischen Verbesserungen, die mit den Jahreszyklen von Smartphones einhergehen. So kommt das neue Modell mit dem aktuellen Spitzenchip Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1, der in Benchmarks bessere Ergebnisse abliefert, im Alltag aber keine großartigen Vorteile zeigt. Im PCmark-Work-3.0-Benchmark erreicht das neuere Modell 12.000 Punkte, der Vorgänger schaffte im damaligen Work-2.0-Test bereits 11.900 Punkte. In 3Dmark Wildlife sind es beim 10 Pro 9650 Punkte, hier lag das 9 Pro mit 5700 Punkten wesentlich deutlicher hinten. Im Alltag ist das egal, hier reichen beide Modelle locker für alle anstehenden Aufgaben sowie 3D-Spiele aus.

Das Oneplus 10 Pro wird dabei nicht einmal übermäßig heiß, obwohl der verwendete Snapdragon 8 Gen 1 auch nicht gerade zu den effizientesten Chips gehört. Offenbar reduziert Oneplus früh genug die Leistung des Octa-Cores, ohne sie dabei zu stark zu beschneiden. Zusammen mit – je nach Version – 8 oder 12 GByte RAM ist das Oneplus 10 Pro wie schon der Vorgänger absolut fix unterwegs, Ruckler gibt es nicht. Das hatte Samsung bei seiner aktuellen S22-Reihe gerade anfangs nicht so im Griff. Bei der restlichen Ausstattung bietet Oneplus kaum erwähnenswerte Fortschritte, in unserer Tabelle zeigen wir alle wesentlichen technischen Komponenten im Überblick. Der Fingerabdrucksensor arbeitet schnell und zuverlässig, im Vergleich zum 9 Pro wurde er etwas höher im Display platziert und ist so leichter mit dem Daumen zu erreichen. Die Stereolautsprecher klingen in etwa genauso gut wie im Vorjahresmodell – das ist ordentlich, es bleibt aber noch etwas Luft nach oben.

Die hohe Bediengeschwindigkeit des Oneplus 10 Pro liegt sicherlich auch an der fluffigen Nutzeroberfläche, die über Android 12 liegt. Auch wenn immer mehr Bereiche von Oppo dominiert zu werden scheinen, bleibt die Oberfläche von Oneplus OxygenOS, hier in Version 12.1. Ähnlichkeiten zu Oppos ColorOS sind zwar erkennbar, insgesamt gehört Oxygen aber zu den übersichtlichen Nutzeroberflächen. In Zukunft will Oneplus wohl wieder noch näher an Vanilla Android rücken, das könnte ein Unterscheidungsmerkmal zu Oppo sein. Derzeit bietet Oneplus drei Jahre Versions- und vier Jahre Sicherheits-Updates. Das ist besser als noch der Durchschnitt vor wenigen Jahren, Samsung und Google bieten hier aber jeweils noch ein Jahr mehr. Der Sicherheits-Patch unseres Testgerätes stammt von März 2022 und ist damit ausreichend aktuell.

Beim Akku hat Oneplus nachgelegt. Statt 4500 mAh wie beim Vorgänger bietet das Oneplus 10 Pro nun 5000 mAh – und das steht dem Smartphone ziemlich gut. In PCmark Battery Test hält das neue Modell mit rund 10,5 Stunden bei 120 Hz entsprechend länger durch, sodass auch die meisten Intensivnutzer eines Smartphones zumindest bis zum Abend über die Runden kommen sollten. Die Erfahrung aus dem Test und die Alltagserfahrung bestätigen, dass das Oneplus 10 Pro bei normaler Nutzung gut über zwei Tage kommt.

Muss doch mal Zwischengeladen werden, stellt das ebenfalls kein Problem dar. Oneplus hat die Ladeleistung von 65 Watt (Oneplus Warp Charge) auf 80 Watt (Oppo SuperVooc) angehoben. Trotzdem braucht eine volle Ladung jetzt etwa 35 Minuten – der größere Akku dürfte da die Hauptursache sein. Etwas mehr als eine halbe Stunde ist ein guter Wert – auch wenn es inzwischen noch schneller geht. Kabellos lädt das Smartphone mit bis zu 50 Watt und ist dabei nicht wesentlich langsamer.

Das Oneplus 10 Pro gibt es in den Farben Volcanic Black und Emerald Forest, an Speicherversionen stehen Modelle mit 8/128 oder 12/256 GByte für 899 und 999 Euro zur Verfügung. Mangels Speichererweiterungsmöglichkeit raten wir zur größeren Variante.

Insgesamt ist das Oneplus 10 Pro schon ein ziemlich gutes Smartphone, aber irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Oneplus fahre gerade mit angezogener Handbremse. Die Frage ist: Liegt das an Oppo und interner Firmenpolitik oder daran, dass man sich noch etwas Pulver für ein gerüchteweise kommendes Oneplus 10 Ultra aufbewahren wollte?

Insgesamt überzeugt das Oneplus 10 Pro mit tollem Design, hervorragender Verarbeitung, ausgezeichnetem Display, enorm viel Power und einem tollen Gesamtpaket. Auch die Kamera ist alles andere als schlecht und der Akku schlägt sich ziemlich gut. Leider gibt es bei Display und genereller technischer Ausstattung sowie der Leistung kaum Neuerungen und die Kamera scheint insgesamt sogar eher ein kleiner Schritt zurück zu sein. Hinzu kommen offensichtliche Rückschritte wie eine fehlende IP-Zertifizierung und schon erscheint auch der vermeintlich „günstige“ Preis von 899 Euro letztendlich als zu hoch. Gerade wer das Vorjahresmodell besitzt, muss sich über einen Wechsel keine Gedanken machen

Auch bei einer generellen Neuanschaffung gibt es nur wenig Gründe, nicht zum Vorgänger Oneplus 9 Pro (Testbericht) für aktuell unter 700 Euro zu greifen. Alternativen wären ein Google Pixel 6 Pro (Testbericht) oder – wenn es auf ein paar hundert Euro nicht ankommt – gleich ein Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht). Deutlich günstiger, aber nicht viel schlechter wird es bei den Modellen in unserer Top 10 der besten Smartphones bis 500 Euro.

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