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Nokia XR20
Pro und Contra
  • Extrem robust und wasserdicht
  • Helles Display
  • Regelmäßige Updates und erweiterte Display-Garantie 
  • Teuer im Vergleich zum Nokia X20
  • Wenig RAM  
  • 4.0

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Ein Handy für den Alltag, das jedes Missgeschick übersteht? Das Nokia XR20 wirkt wie ein gewöhnliches Smartphone – entpuppt sich aber als robustes Outdoor-Handy mit guter Leistung.

Outdoor-Geräte von Nokia gibt es schon länger – jüngster Vertreter dieser Sorte ist das Feature Phone Nokia 800 Tough. Mit dem Nokia XR20 begibt sich Hersteller HMD Global auf neue Pfade bei den Nokia-Smartphones. Es handelt sich dabei um ein vollwertiges und alltagstaugliches Outdoor-Smartphone mit den technischen Features eines Mittelklasse-Geräts. Neben der Garantie auf Android-Updates für 3 Jahre tauscht Nokia das Display kostenlos im ersten Jahr aus, falls es doch Schaden nehmen sollte.

Die Sparte der Outdoor-Geräte gehört nicht gerade zu den Lieblingen in der Smartphone-Branche. Häufig entsprechen die Geräte technisch einem Einsteiger-Smartphone, wie das Samsung Galaxy Xcover 5 (Test). Andere robuste Geräte bieten spannende Features wie eine Wärmebildkamera, schwächeln aber bei der Hardware, sind sehr klobig und trotzdem teuer, wie das Cat S62 Pro (Test).

Das Nokia XR20 ist im Prinzip eine Mischung aus dem Nokia X10 (Test) und Nokia X20 (Test) im Outdoor-Gewand. Wie gut das neue Mobiltelefon von Nokia ist und wie viel es wirklich einstecken kann, zeigt unser Hands-On-Test. Weitere Alternativen zeigen wir in unserem Beitrag Robust und wasserdicht: 8 Outdoor-Smartphones im Vergleichstest.

Wer das Nokia XR20 das erste Mal vor sich hat, denkt nicht unbedingt, dass es für den Outdoor-Einsatz gedacht ist. Es sieht eher aus wie ein modernes Mobiltelefon in einer Schutzhülle. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, dass die Hülle ein Teil des Gehäuses ist. Es ist fast groß wie ein Xiaomi Mi 10 T Pro (Test) oder Samsung Galaxy S21 Ultra (Test) mit Schutzhülle.

Die Optik ist sehr ansprechend und modern – ganz anders als man es von Totschlägern von Doogee oder Cat her kennt. Mit Abmessungen von 17,2 x 8,2 x 1,1 Zentimetern ist es zwar ziemlich groß. Das trifft aber ohnehin auf die meisten Mobiltelefone mit 6,7-Zoll-Display zu – spätestens, wenn man eine fast schon obligatorische Schutzhülle nutzt. Das ist beim Nokia XR20 gar nicht nötig. Der Schutz ist von Haus aus integriert. Das Einzige, was den Outdoor-Charakter verrät, ist das üppige Gewicht von fast 250 Gramm. Das weckt allerdings auch Vertrauen.

Der gummierte Rand sorgt für mehr Schutz bei Stürzen. Die Rückseite besteht aus Kunststoff mit einer schicken, geriffelten Oberfläche. Der Rand um den Bildschirm fällt etwas größer aus als bei anderen Modellen in dieser Größenordnung. Das dient zusätzlich als Schutz bei einem Sturz.

Wie man es bei Nokia kennt, befinden sich Lautstärkewippe und Ein-/Ausschalter mit integriertem Fingerabdrucksensor auf der rechten Seite. Links sitzt ein zusätzlicher Knopf zur Aktivierung des Google Assitant. Neu hinzugekommen beim Nokia XR20 ist der programmierbare Button auf der Oberkante – dieser ist auffällig rot. Zusätzlich befindet sich eine Öse an der Ecke, um ein Band zum Umhängen daran zu befestigen

Die Verarbeitung ist tadellos und unterstreicht den robusten Charakter. Spalte zwischen den Einzelteilen sind nicht spürbar – alle Tasten sitzen fest und bieten einen soliden Druckpunkt. Das Gehäuse ist nach IP68 zertifiziert. Das bedeute, es ist staubdicht und wasserfest. Nokia gibt an, dass man es für eine halbe Stunde in 1,5 Meter Tiefe in Wasser tauchen kann. Zusätzlich ist das Gehäuse gegen starke Schwankungen der Außentemperatur und gegen Stürze aus bis zu 1,5 Meter auf Beton geschützt.

Wir haben das Nokia XR20 mehrfach durchs Büro geworfen und sogar im Treppenhaus fallen lassen – anschließend haben wir es in ein Waschbecken unter fließendes Wasser gelegt und in eine Schüssel getunkt. Es hat diese Prozedur abgesehen von kleinen Schrammen am Gummirand schadlos überstanden.

Das LC-Display mit IPS-Panel des Nokia XR20 misst in der Diagonale 6,67 Zoll und löst mit einer hohen Auflösung von 2400 x 1080 auf. Das sorgt für eine messerscharfe Pixeldichte von 395 PPI. Die Blickwinkelstabilität ist ordentlich, allerdings wirken die Farben etwas blass und die Kontraste sind weniger stark ausgeprägt. Die Bildwiederholfrequenz ist mit 60 Hz für den Preis nicht mehr zeitgemäß.

Während das Display bei der Darstellung sich nicht sonderlich abheben, fällt die Helligkeit ziemlich gut aus. Das ist für ein Outdoor-Gerät ein wichtiges Kriterium, das selbst Brocken wie das Cat S62 Pro (Test) aber nur mäßig erfüllen. Die Helligkeit liegt bei ausreichenden 600 cd/m². Das hat den Vorteil, dass man den Bildschirm auch in direktem Sonnenlicht noch gut ablesen kann. Selbst die Widergabe von Videos ist dann noch akzeptabel, auch wenn das Spiegeln der Sonne stört.

Für einen besonderen Schutz vor Kratzern und Stürzen sorgt das Gorilla Glass Victus – die bisher stärkste Variante von Corning. Ebenfalls sehr ungewöhnlich und positiv: Nokia tauscht das Display im ersten Jahr kostenlos aus, wenn es bei einem Sturz einen Schaden nimmt. So kulant zeigt sich sonst nur Cat, gewiss nicht Samsung oder Apple.

Das Nokia XR20 setzt im Vergleich zum Nokia X10 (Test) nur auf eine Dual-Kamera: 48 Megapixel mit f/1.79 und 13 Megapixel mit f/2.4 für Weitwinkelaufnahmen. Die Linsen für Makroaufnahmen und Tiefenschärfe entfallen. Gerade die Makrolinse dürften Nutzer im Alltag nur selten vermissen. Ein Dual-LED-Blitz sorgt für Licht bei Dunkelheit. Die 8-Megapixel-Frontkamera für Selfies ist in einer Punch-Hole-Notch oben im Bildschirm untergebracht.

Die Bildqualität der Hauptkamera ist insgesamt sehr ordentlich, zumindest bei Tageslicht. Aufnahmen mit zweifachem Digitalzoom sind allerdings stark verpixelt. Bildrauschen ist hingegen kaum wahrzunehmen, die Details sowie Bilddynamik sind ebenfalls zufriedenstellend. Die Farbgebung wirkt kräftig und natürlich. Trotzdem kann die Kamera hier nicht ganz mit anderen Smartphones in dieser Preisklasse mithalten – trotz des Zeiss-Schriftzugs. Bei Dunkelheit lässt die Bildqualität trotz Nachtmodus ganz schön nach. Das Weitwinkelobjektiv ist mit 13 Megapixel deutlich besser als noch beim Nokia X10 und X20. Das sieht man den farbtreuen Aufnahmen an, die lediglich bei den Details im Vergleich zur Hauptkamera Federn lassen.

4K-Videos sind leider nicht möglich – maximal 1080p bei 60 fps gibt die Hauptlinse her. Der digitale Bildstabilisator verhindert dabei effektiv das lästige Verwackeln bei Videoaufnahmen. Die Frontkamera bietet Standardkost – reicht aber für gelegentliche Selfies aus. Der Porträtmodus erzeugt ein gelungenes Bokeh ohne Fehler. Videoaufnahmen sind bis 1080p bei 30 fps möglich.

HMD Global setzt beim Nokia XR20 auf den Qualcomm Snapdragon 480 und die Adreno 619 wie schon beim Nokia X10 und X20. Bei der Leistung liegt dieser Snapdragon-Prozessor etwa auf Mittelklasse-Niveau. Beim Benchmark-Test Works 3.0 von PCmark ist es mit 7200 Punkten sogar etwas schneller als die beiden anderen Nokia-Geräte. Das XR20 kann zwar nicht ganz mit dem wasserdichten Mittelklasse-Gerät Samsung Galaxy A52 (Test) mithalten – ist aber eines der schnellsten Outdoor-Handys, das wir bisher getestet haben. Beim Benchmark-Test „Wildlife“ von 3Dmark erreichten wir ordentliche 980 Punkte.

Im Alltag läuft das Nokia XR20 insgesamt flüssig und nur mit wenig Ruckeln. Die Ladezeiten von Apps gehen in Ordnung. Zum Zocken ist das XR20 aber nicht gedacht. Der interne Speicher beträgt je nach Variante 64 oder 128 GByte. Eine Erweiterung mit einer microSD-Karte ist möglich. Etwas enttäuschend ist die Ausstattung beim Arbeitsspeicher: Hier setzt HMD Global bei der Variante mit 64 GByte Speicher nur 4 GByte RAM ein – während das X10 immerhin 6 GByte RAM bei 64 GByte internen Speicher und das X20 sogar 8 GByte RAM bieten. Das können wir nicht ganz nachvollziehen für den Preis. Das Nokia XR 20 mit 128 GByte Speicher verfügt immerhin über 6 GByte RAM.

Die Ausstattung des Nokia XR20 ist ansonsten mit 5G, NFC und weiteren Standards wie Wifi 5, Bluetooth 5.0, A-GPS und 3,5-Millimeter-Klinke sowie USB-C 3.1 Gen 1 gut aufgestellt. Der Fingerabdruckscanner in der Power-Taste reagiert flott und präzise. Der Monolautsprecher betont die Höhen etwas zu stark, was einen schrillen Eindruck hinterlässt. Das XR20 erlaubt die Nutzung einer Dual-SIM über Nano-SIM. Bei zwei SIMs fehlt dann aber der Platz für die microSD-Karte zur Speichererweiterung.

Als Betriebssystem kommt Android 11 zum Einsatz. Der Sicherheitspatch stammt von Juli dieses Jahres und ist damit aktuell. Als Teilnehmer von Android One zeigt sich HMD Global großzügig und verlässlich bei Updates. Das XR20 kann in den nächsten 3 Jahren fest mit Upgrades rechnen – bis Android 14. Sicherheitspatches bekommt das Gerät für 4 Jahre. Somit ist die Nutzung des XR20 bis 2025 mit sicherer Software möglich.

Der Akku bietet genau wie die übrigen Modelle der X-Reihe eine Kapazität von 4630 mAh. Das ist ok, reißt uns aber nicht vom Hocker. Nicht wenige chinesische Modelle bieten standardmäßig 5000 mAh oder sogar 6000 mAh. Da ein solches Gerät bei der Wandertour lange durchhalten sollte, hätten wir uns hier mehr Reserven gewünscht.

Die Akkulaufzeit unter Last ist mit 13,5 Stunden dennoch sehr ordentlich – setzt aber eben keine Maßstäbe. Im Alltag reicht das aber gut für zwei Tage ohne Nachladen. Das outdoorfähige Gigaset GX290 Plus (Test) hält zum Beispiel stolze 17 Stunden durch.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit verzichtet Nokia auf ein Netzteil im Lieferumfang. Das Nokia XR20 kann mit maximal 18 Watt per USB-C-Kabel oder 15 Watt per QI laden. Ein vollständiger Ladevorgang dauert etwa 2 Stunden. Wer noch ein Netzteil braucht, findet im Ratgeber USB-C-Ladegeräte im großen Vergleichstest: Das Beste kostet nur 15 Euro eine Lösung. Für kabelloses Laden empfiehlt sich ein Blick auf Die besten Qi-Ladegeräte 2021: 27 Ladepads im Vergleichstest.

Das Nokia XR20 gibt es in zwei Farben: Granite und Ultra Blue. Beim Speicher bietet HMD Global das Modell mit 4/64 GByte und 6/128 GByte an. Die UVP für das Modell mit 64 GByte liegt bei 500 Euro, für 128 GByte kommen 80 Euro dazu. Da ist in unseren Augen zu teuer – auch wenn es für ein Outdoor-Smartphone sehr leistungsfähig und alltagstauglich ist.

Das Nokia XR20 ist ein alltagstaugliches Outdoor-Handy auf dem Niveau eines Mittelklasse-Smartphones. Verglichen mit anderen Outdoor-Smartphones (Ratgeber) bietet es deutlich mehr Leistung, eine modernere Ausstattung und steckt trotzdem sehr viel ein. Optisch wirkt es wie ein gewöhnliches Smartphone mit 6,7-Zoll-Dispaly in einer Schutzhülle. Damit hat es absolut das Potenzial zu einem Mainstream-Gerät. Sehr löblich sind zudem die garantierten Android-Updates für 3 Jahre und die Sicherheitspatches für 4 Jahre. Nokia wechselt auch noch im ersten Jahr das Display kostenlos im Schadensfall aus.

Weniger schön ist der Preis, der etwas zu hoch gegriffen ist. Für ein Outdoor-Gerät hat es eine gute Ausstattung – aber im Vergleich zu anderen Smartphones in dieser Preiskategorie ist es doch zu langsam und bietet keine hervorstechenden Merkmale, außer der Robustheit und IP68-Zertifizierung.

Für den gleichen Preis bekommt man mit dem Cat S62 Pro (Test) ein ebenfalls sehr stabiles Smartphone – das sogar eine Wärmebildkamera bietet. Dafür fällt die Performance schwächer aus. Wer ein Outdoor-Gerät mit sehr langer Akkulaufzeit sucht, sollte einen Blick auf das Gigaset GX290 Plus (Test) werfen. Wem es nur um den Schutz vor Wasser geht, findet das passende Gerät in der Top 10: Wasserdichte Smartphones bis 400 Euro.

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