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Nokia X20
Pro und Contra
  • Nachhaltigkeit im Fokus
  • an sich ordentliches Gesamtpaket
  • zu teuer
  • zu schwache Technik
  • Nachhaltigkeit nicht konsequent bis zu Ende gedacht
  • 3.5

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Neuer Name, längere Garantie und mehr Nachhaltigkeit – das ist der Weg, den HMD Global mit seiner Marke Nokia neu beschreiten will. Wir haben uns angeschaut, wie gut das beim Nokia X20 klappt.

HMD Global gibt seiner Marke Nokia ein neues Gesicht. Zumindest ist das der Plan. Einer der Änderungspunkte: der Name. Kamen vorher ausschließlich Ziffern zum Einsatz, die je nach Version des Gerätes durch eine weitere Ziffer nach einem Punkt erweitert wurde, kommen jetzt auch Buchstaben hinzu. Damit lassen sich die einzelnen Klassen besser voneinander abgrenzen. Denn welcher Laie wusste vorher schon, wo bei Gerätebezeichnungen wie Nokia 2.3, 4.2 (Testbericht) oder 5.4 (Testbericht) die Einsteigerklasse aufhörte und wo die Mittelklasse anfing? Außerdem war nicht einmal klar, ob etwa ein Nokia 5.4 neuer als ein Nokia 8.3 (Testbericht) war – auch das ändert sich hoffentlich bei den neuen Bezeichnungen.

Aber es gibt noch andere Neuerungen bei Nokia: Das Unternehmen will nachhaltiger werden. Dafür spendiert der Hersteller seinen Kunden eine längere Update-Garantie und setzt auf kompostierbares Zubehör. Gleichzeitig müssen Kunden an anderer Stelle mit Einschränkungen leben - was genau das bedeutet, erörtern wir im Test des Nokia X20.

Die UVP des Nokia X20 liegt bei strammen 399 Euro – das ist zweifelsfrei Mittelklasse. Das Problem dabei: Das Smartphone sieht zwar nicht billig aus, besteht aber bei Rückseite und Rahmen aus Kunststoff und kann da mit teils deutlich günstigerer Konkurrenz qualitativ nicht mithalten. Denn Xiaomi, Oppo oder auch Realme kommen in dieser Preisregion schon mit Glasrückseite und/oder Metallrahmen, das wirkt dann deutlich hochwertiger. Dass das X20 dennoch recht hübsch aussieht, liegt an den geschwungenen Formen. Die vorstehende, runde Kameraeinheit auf der Rückseite wird von der Kunststoffrückseite sanft ansteigend eingeschlossen, an allen Seite wölbt sie sich zum Rahmen nach innen und fühlt sich in der Hand schon fast organisch an. Soweit das bei einem so großen und schweren Smartphone eben geht: Etwas über 9 Millimeter Bautiefe sind recht viel für ein modernes Modell, 220 Gramm Gewicht ebenfalls.

Die Rückseite ist leider nicht vor Fingerabdrücken gefeit, sieht ansonsten mit seinem Türkis-Farbton aber schick aus. Wer sich ständiges Putzen sparen will, kann auf die im Lieferumfang befindliche Schutzhülle zurückgreifen. Die passt farblich mit ihrem schmutzigen Weiß mit grünen Sprenkeln zwar nicht zur Farbe des Smartphones, ist dafür aber nachhaltig und kompostierbar – irgendwas ist nun mal immer. Vorn passt das nicht übermäßig moderne Äußere irgendwie zum pummeligen Rest-Design. Hervorgerufen wird dieser Eindruck durch ziemlich breite Ränder rings um das Display, unterhalb ist der sogar noch breiter. Der Hersteller versucht das durch einen Nokia-Schriftzug zu kaschieren – mit mäßigem Erfolg. Auch die mittig am oberen Display-Rand platzierte Punchhole-Notch kann hier nicht mehr viel herausreißen - übermäßig modern wirkt das X20 einfach nicht.

Das 6,67 Zoll große Display bietet eine ordentliche Bildschärfe mit 2400 x 1080 Pixel, sie liegt bei 395 Pixel pro Zoll. HMD Global setzt trotz des Preises auf ein IPS-LCD, nicht auf OLED. Auch bei der Bildwiederholungsrate gibt es nur Standardkost: 60 statt 90 oder 120 Hertz. Beides ist etwas mau. Immerhin stimmen die Werte des Screens: Rund 600 cd/m2 sind ausreichend hell, um auch im Sommer draußen noch halbwegs etwas auf dem Display erkennen zu können, allerdings dürften die Kontraste ruhig etwas höher sein. Die Blickwinkelstabilität ist ordentlich, Farben könnten aber etwas intensiver ausfallen. Alles in allem ist das Panel des Nokia X20 okay, ohne Bestwerte zu bieten.

Die Kamera des Nokia X20 besteht mal wieder aus zwei sinnvollen und zwei Alibi-Linsen. Sinnvoll sind die Hauptkamera mit 64 Megapixel und der Weitwinkel, bei dem allerdings die Auflösung mit 5 Megapixel etwas niedrig ist. Hinzu kommen Tiefensensor und Makrokamera mit je 2 Megapixel – beides macht sich aber nur auf dem Datenblatt als dritte und vierte Kamera gut. Dank Pixel Binning der Hauptkamera sind die Fotos normalerweise 16 statt 64 Megapixel groß und profitieren von besserer Bildqualität, volle Auflösung ist für noch mehr Details aber auch möglich. Das sollte man aber nur bei hellem Tageslicht versuchen, sonst steigt Bildrauschen zu schnell an.

Die Bildqualität der Hauptkamera ist insgesamt ordentlich, zumindest bei gutem Licht. Dann stimmen die Details, Bildrauschen ist kaum zu sehen und die Bilddynamik ist auch noch in Ordnung. Bei Dynamik und Details fehlt es zur Oberklasse aber dann doch noch ein Stück weit. Bei wenig Licht versucht Nokia, mittels Nachtmodus brauchbare Bilder zu knipsen, das funktioniert aber nicht besser als bei teilweise deutlich günstigerer Konkurrenz – trotz Zeiss-Schriftzug auf der Kamera des X20. Deutlich schwächer schneidet der Weitwinkel ab. Ihm fehlt es an Bildschärfe, Bilder wirken düster, Bildrauschen ist erkennbar und Verzeichnungen zu den Rändern hin sind ebenfalls vorhanden. Das reicht bei gutem Licht nur für gelegentliche Schnappschüsse. Da ist die Frontkamera mit ihren 32 Megapixel und Pixel Binning deutlich besser, wenngleich auch nicht perfekt. Auch bei Videos erfüllt das Nokia X20 nicht den Klassenstandard: Statt 4K gibt es nur 1080p/60 - das ist zu wenig.

HMD Global setzt beim Nokia X20 auf einen Snapdragon 480 von Qualcomm. Wer wegen der 4 in der Bezeichnung Angst vor Einsteiger-Leistung hat, darf sich beruhigen: Der Snapdragon 480 ist zwar vom Hersteller als günstige 5G-Einstiegsversion gedacht, liegt leistungstechnisch aber in etwa auf dem Niveau der Mittelklasse-Chips aus dem Vorjahr. Wirklich befriedigend ist das natürlich für ein 400-Euro-Smartphone nicht, aber auch keine Vollkatastrophe. Dank der modernen Fertigungstechnik in 8 Nanometer und der recht starken Adreno 619 ist das X20 gar nicht so weit hinter der Klassenkonkurrenz, wie zuerst befürchtet. Im Work-3.0-Benchmark von PCmark schafft das Modell immerhin 6400 Punkte, ein Samsung Galaxy A52 5G (Testbericht) mit Snapdragon 750G schafft hier allerdings rund 3000 Punkte mehr. In 3Dmark Wildlife sind es nur 980 Punkte, das A52 ist da mit seinen 1100 Punkten gar nicht so weit weg.

Im Alltag läuft das Nokia X20 insgesamt flüssig und Ruckler sind nur selten zu finden. Auch Ladezeiten von Apps sind in Ordnung, sogar normale Spiele laufen auf dem Smartphone gut, sofern bisweilen die Grafik reduziert wird. Die gute Alltagsleistung dürfte auch am großen Arbeitsspeicher liegen: Stolze 8 GByte RAM baut der Hersteller ein, für Apps stehen 128 GByte interner UFS-2.1-Speicher bereit. Der Monolautsprecher des Smartphones ist etwas höhenbetont, was auf maximaler Lautstärke sogar etwas schrill klingt. Der Fingerabdruckscanner in der Power-Taste leistet gute Arbeit. Die Ausstattung ist mit 5G, NFC und weiteren Standards wie Wifi 5, Bluetooth 5.0 und 3,5-Millimeter-Klinke gut aufgestellt.

Das gilt auch für die Software. HMD Global setzt auf Android One in Version 11 und gewährt nicht nur 3 Jahre Sicherheits-, sondern jetzt auch Systemupdates. Der Sicherheits-Patch stammt von April 2021.

Der Hersteller packt 4470 mAh in das Nokia X20, das ist schon eine ganze Menge. Daher wundert es auch nicht, dass der Battery Test von PCmark dem Smartphone eine Laufzeit von rund 14 Stunden bescheinigt. Das ist ein ordentlicher, wenn auch kein herausragender Wert, zumal er mit 60 Hertz erreicht wird. Im Alltag reicht das aber gut für zwei Tage ohne nachladen.

Dabei müssen Nutzer sowieso Abstriche machen. Denn aus Gründen der Nachhaltigkeit spart sich der Hersteller das Ladegerät im Lieferumfang. Wer unbedingt eines braucht, muss das also nachkaufen. Was bei anderen Herstellern wie eine lahme Ausrede zum Geldsparen klingt, ist bei HMD Global aber glaubhaft. Denn der Hersteller spendet das Geld, das mit den Netzteilen eingenommen wird. Nicht nur das zeigt das ernstgemeinte Umwelt-Engagement des Unternehmens. Auf dieser Internet-Seite finden Interessenten zudem das “Environmental Profile” aller halbwegs aktuellen Nokia-Smartphones. Allerdings hätte der Akku im X20 ruhig wechselbar sein dürfen - was nutzt ein Update-Versprechen, wenn der Akku nach 2 Jahren schwächelt?

Das Nokia X20 gibt es in Nordic Blue und Midnight Sun, einem Bronzeton. Offiziell gibt es in Deutschland ausschließlich die Speicherversion mit 8/128 GByte.

Wer zum Smartphone einen passenden Mobilfunktarif sucht, findet im Tarifrechner von heise vielleicht einen passenden Vertrag. Neben Netzanbieter und Datenvolumen kann man hier auch beispielsweise nach Vertragslaufzeit oder 5G filtern.

Den Umwelt-Ansatz von Nokia/HMD Global finden wir löblich. Das beinhaltet sowohl die biologisch abbaubare Schutzhülle des X20, als auch das fehlende Netzteil - hier wirkt es nämlich nicht so, als ob der Hersteller das nur aus Profitgier streicht. Auch die 3-Jahres-Garantie für Sicherheits- und Systemupdates ist klasse, schließlich können Nutzer das Gerät so länger verwenden. Die Frage ist allerdings, ob sie das wollen. Denn gerade der Chipsatz im Smartphone ist für die Preisklasse etwas schwachbrüstig und dürfte sich mit zunehmendem Alter immer schwerer mit fordernder Software tun. Hinzu kommt eine Kamera, die in ihrer Gesamtheit eher ausreichend als gut ist, auch wenn die Hauptlinse durchaus brauchbare Bilder schießt. Ähnlich ist es beim Display – das ist absolut okay, aber nicht herausragend. Und auch beim Thema Design wirkt das X20 nicht wirklich auf der Höhe der Zeit.

Insgesamt kommt uns der Kurswechsel von Nokia und damit auch dem X20 etwas überhastet, das Gerät mindestens aber etwas zu teuer für die gebotene Leistung vor. Wir glauben zumindest nicht an einen Erfolg des Nokia X20, da der Großteil der Nutzer persönlichen Vorteil durch mehr Technik zum gleichen Preis bei Konkurrenten wie Samsung Galaxy A52 5G (Testbericht), Xiaomi Redmi Note 10 Pro (Testbericht) oder Poco F3 Pro (Testbericht) suchen dürfte.

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