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Motorola-RAZR-5G-01
Pro und Contra
  • Tolles Retro-Design
  • zusammengefaltet sehr klein
  • extrem teuer für die gebotene Technik
  • unpraktischer Formfaktor
  • Nur Android 10 und veralteter Sicherheits-Patch
  • 3.5

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Klein und handlich ist das Motorola RAZR 5G, lässt sich aber dank Falt-Display auf ein normales Smartphone-Maß aufklappen. Das kostet ordentlich – lohnt ein Kauf dennoch?

Motorola war vor fast 20 Jahren der Hersteller von Klapp-Handys schlechthin, die RAZR-Marke der Inbegriff eines stylischen Mobiltelefons. Nach wenigen Jahren verschwanden die schicken Geräte dann vom Markt und mit ihm auch beinahe Motorola. Seit einem Kurswechsel vor einigen Jahren ist der Hersteller wieder da und baut seitdem überwiegend ordentliche Mittelklasse-Smartphones statt echte Technologieträger - bis zum Motorola RAZR 5G. Denn das Modell bringt nicht nur einen berühmten Namen wieder zurück, sondern auch eine zukunftsweisende Technologie, die immer noch nur sehr spärlich verbreitet ist: Falt-Displays. Vertreter dieser Gattung sind bislang Geräte wie Samsung Galaxy Fold 2 (Testbericht) und Huawei Mate Xs (Testbericht). Sie versuchen, im zusammengefalteten Zustand Smartphone-Größe zu erreichen, um sich ausgeklappt zum kleinen Tablet aufzuschwingen. Zum Motorola RAZR 5G passt der Vergleich daher besser zum Samsung Galaxy Z Flip (Testbericht), da beide ausgeklappt herkömmliche Smartphone-Größe aufweisen, zusammengefaltet hingegen deutlich kleiner sind. Eben wie früher bei den Klapphandys. Aber funktioniert das heute immer noch?

Zusammengeklappt misst das Motorola RAZR 5G knapp 7 x 9 Zentimeter und ist unter 1,5 Zentimeter dünn. Oder dick. Denn während herkömmliche Smartphones in der Baugröße immer ausufernder werden, sind Bautiefen unter einem Zentimeter selbst bei günstigen Modellen heute gang und gäbe. Die Oberseite besteht aus seitlich stark gebogenem Glas, darunter befindet sich ein Außen-Display zur Steuerung im geschlossenen Zustand. Darunter platziert der Hersteller eine große Kameralinse samt LED-Blitz, die auf den ersten Blick etwas deplatziert erscheint, im aufgeklappten Zustand aber dort sitzt, wo man es von herkömmlichen Smartphones gewohnt ist: auf der Rückseite. An der oberen Kante findet sich ein auffälliges Klappscharnier aus Metall mit überstehenden Endkappen, gegenüber flacht das Gehäuse in ein breites Kunststoffkinn ab. Das umschließt die kürzere Oberseite im zusammengeklappten Zustand und sorgt dafür, dass beim RAZR 5G zusammengefaltet kein hässlicher Spalt zwischen Ober- und Unterseite zu sehen ist. Hinten ist nur gebogenes Glas und ein Fingerabdrucksensor in Form des typischen Batwings von Motorola zu sehen.

Klappt man das Gerät auf, wird es quasi zum “normalen” Smartphone. Dann misst der Screen über 6 Zoll und ist wegen des ungewöhnlichen 22:9-Formates enorm langgestreckt. Auffällig sind die vergleichsweise breiten Display-Ränder an den Seiten, hinzu kommt eine breite, mittig angeordnete Notch am oberen Display-Rand. Das ist insgesamt nicht altbacken, allerdings machen das heute die meisten deutlich günstigeren Smartphones besser. Die Knickstelle in der Mitte des Displays ist sicht- und spürbar, allerdings gewöhnt man sich schnell daran und nimmt sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr wahr. Das gilt auch für den Umstand, dass Smartphone sich nicht volle 180 Grad aufklappen lässt, sondern gefühlt nur 178 Grad – das ist nicht viel, störte uns aber anfangs.

Etwas schade: Einhändig lässt sich das Moto RAZR 5G kaum aufklappen, normalerweise benötigt man dafür beide Hände. Anschließend lässt es sich nicht wie etwa das Samsung Z Flip (Testbericht) halb geöffnet aufstellen, denn die Spannung des Displays sorgt dafür, dass das RAZR normalerweise ganz oder gar nicht geöffnet werden will. Spezielle Software für eine 90-Grad-Öffnung fehlt entsprechend. Eine IP-Zertifizierung fehlt dem Klapp-Smartphone.

Der Haupt-Screen im Inneren des Gerätes setzt auf OLED-Technologie und langgestrecktes 22:9-Format. Das erklärt auch die außergewöhnliche Bildschirmauflösung von 2142 x 876 Pixel – nicht aber, warum Motorola sich dafür entschieden hat. Selbst für Kinofilme ist das zu schmal und sorgt für schmale schwarze Streifen links und rechts. Mit 373 ppi (Pixel pro Zoll) ist die Auflösung ausreichend, aber nicht superscharf. Kontraste und Farben werden ordentlich dargestellt, die Helligkeit ist hingegen nicht überragend. Ihre 490 Candela reichen zwar in den meisten Situationen aus, allerdings sind hier viele Konkurrenten mit OLED deutlich besser. Zudem ist die manuelle Anpassung erstaunlich schwierig. Beim Verschieben des typischen Helligkeits-Sliders tut sich erst lange Zeit kaum etwas, ganz am Schluss gibt es dann aber einen regelrechten Boost.

Das Außen-Display misst 2,7 Zoll und bietet 800 x 600 Pixel im 4:3-Format. Der Touchscreen zeigt wie ein typisches Always-on-Display Uhrzeit, Datum, verpasste Nachrichten und einiges mehr an, zudem erlaubt der kleine Screen auch die Bedienung per Schnelleinstellungen und Widgets. Nachrichten lassen sich sogar direkt per winziger Onscreen-Tastatur beantworten, auf dem großen Hauptscreen klappt das aber deutlich entspannter. Dennoch ist das Zweit-Display eine sinnvolle Erweiterung, zumal das Aufklappen des RAZR etwas fummelig vonstattengeht. Bei 60 Hertz ist bei beiden Screens Schluss.

Es gibt genau eine Kamera im Moto RAZR 5G. Sie ist unter dem kleinen Außen-Display installiert und dient auf Wunsch so gleichzeitig auch die Selfiecam. Aufgeklappt können Nutzer aber auch auf die ordentlich 20-Megapixel-Kamera in der Notch des Haupt-Displays zurückgreifen. Auf Weitwinkel oder optischen Zoom müssen Nutzer aber trotz des stattlichen Preises verzichten. 48 Megapixel, Blende f/1.7 und optischer Bildstabilisator (OIS) versprechen aber immerhin ordentliche Qualität - und das stimmt im Alltag auch.

Bei gutem Licht knipst die Hauptkamera scharfe und mit ordentlicher Bilddynamik versehende Aufnahmen, die qualitativ fast auf Spitzenniveau liegen. Farben sind ausreichend natürlich dargestellt, Bildrauschen ist kein Problem. Umso erstaunlicher ist es mit Blick auf die lichtstarke Blende, dass die Qualität schon bei bedecktem Himmel nachlässt und bei schwachem Licht deutlich schlechter wird. Trotz OIS liegt verwackeln Aufnahmen dann leicht und die Bildqualität liegt bestenfalls auf Mittelklasseniveau. Dann hilft nur noch eine sehr ruhige Hand – mangels Aufklappmöglichkeit im 90-Grad-Winkel kann man das RAZR 5G nicht einmal irgendwo hinlegen. Videos sind maximal in 4K/30 drin, die Bildstabilisierung ist in Ordnung, für Videos gibt es aber bessere Smartphones.

Normalerweise haben Smartphones jenseits der 1000-Euro-Marke einen Spitzenprozessor an Bord, im Moto RAZR 5G ist das anders. Hier sorgt ein Snapdragon 765G für durchaus ordentliche Alltagsleistung, erst in Benchmarks und bei sehr anfordernden Spielen werden Nutzer normalerweise einen Chipsatz der 8er-Reihe mit stärkerer Video-Performance vermissen. So kommt das Falt-Smartphone trotz strammer 8 GByte RAM im Work-2.0-Test von PCmark auf 8100 Punkte, im Wildlife-Benchmark von 3DMarkt auf knapp 1700 Punkte – ausreichend, aber nicht spitze.

Bluetooth 5.1, NFC, GPS und namensgebendes 5G gibt es beim RAZR 5G natürlich, WLAN ist hingegen nicht in Version 6 vertreten und Dual-SIM gibt es nur in Kombination mit einer eSIM. Passend für ein hochpreisiges Gerät: 256 GByte Speicher baut Motorola in der RAZR 5G ein, da fällt auch die fehlende Erweiterungsmöglichkeit per Micro-SD-Karte nicht weiter ins Gewicht. Der Monolautsprecher ist kräftig, aber auf höchster Lautstärke etwas spitz. Einen Fingerabdrucksensor findet man nicht wie sonst bei OLED-Modellen im Display, sondern auf der Rückseite. In zusammengeklappten Zustand ist das Smartphone etwas klein, um ihn bequem zu treffen, dafür arbeitet er schnell und zuverlässig. Das Außen-Display bietet einen echten Mehrwert, sogar einige Apps wie Youtube oder Spotify laufen darauf. Auch Videochats lassen sich hiermit bequem durchführen.

Bei der Software leistet sich Motorola einen echten Schnitzer: Android 10 und ein Sicherheits-Patch von Oktober 2020...?! Das ist absolut nicht nachvollziehbar bei einem Smartphone weit jenseits der 1000 Euro und ein Schlag ins Gesicht aller Käufer. Schade, denn ansonsten gibt es eine klare, kaum veränderte Nutzeroberfläche mit einigen wenigen, aber sinnvollen Ergänzungen durch die Moto Actions.

Auch beim Akku bekleckert sich Motorola beim RAZR 5G nicht mit Ruhm, gerade einmal 2800 mAh bringt das Unternehmen hier unter. Dass das nicht für den Titel “Dauerläufer des Jahres” reicht, ist schon mit Blick ins Datenblatt klar. Tatsächlich geht die Ausdauer dafür sogar fast noch in Ordnung: fast 8,5 Stunden hält das Smartphone im Battery Test von PCmark damit durch. Dabei durchläuft das Gerät in einem Testbereich von 80 bis 20 Prozent und einer zuvor auf 200 Candela eingestellten Helligkeit diverse Alltagssimulationen, die tatsächliche Laufzeit ist also größer.

Dennoch: 8,5 Stunden ist im unteren Mittelfeld, wenn auch nicht schlecht. Über einen Tag sollten die meisten Nutzer damit kommen. Nur für Intensiv-Anwender wird selbst das knapp. Auch bei der Ladegeschwindigkeit gibt es viel Luft nach oben. Gerade einmal 18 Watt leistet das Ladegerät im Lieferumfang, damit dauert es gut über 2 Stunden, bis das Gerät vollständig geladen ist – von “Quickcharge” kann man da heute eigentlich schon gar nicht mehr reden, auch wenn damit die entsprechenden Spezifikationen gerade so erfüllt sind. Kabelloses Laden fehlt ganz.

Das Motorola RAZR 5G ist offiziell schon über ein halbes Jahr in Deutschland auf dem Markt, dennoch kostet das Modell immer noch mindestens 1250 Euro – und das in der offenbar weniger geliebten Farbe Gold. Außerdem gibt es noch Schwarz und Silber. Andere Speicherkonfigurationen gibt es hierzulande nicht.

Retro ist das RAZR 5G definitiv, denn das typische Klapphandy-Gefühl samt extrem handlichem Formfaktor bringt das Smartphone toll ins Jahr 2020/2021. Dabei wirkt das Gerät ausreichend modern, allein schon durch sein aufgeklappt großes Display und die Power, die der moderne Chipsatz mitbringt. Trotz des Preises ist das neue RAZR aber von einem echten Spitzenmodell weit entfernt und das macht es schwer, ihm diverse Einschränkungen zu verzeihen. Nur eine Hauptkamera ohne Weitwinkel und optischem Zoom für 1500 Euro? Kein Spitzen-Chipsatz? Keine IP-Zertifizierung, kein WLAN 6? Das wäre selbst in der oberen Mittelklasse mittlerweile schon fast schwierig zu verkaufen, für 1500 Euro erst recht. Der mangelnde Software-Support scheint ein gutes Indiz dafür zu sein, dass es tatsächlich kaum Käufer gibt.

Letztendlich ist das Motorola RAZR 5G mangels Praktikabilität ein echtes Liebhaberstück für alle, die etwas Außergewöhnliches ihr Eigen nennen wollen und schon damals Fan der RAZR-Klapphandys waren. Alle anderen bekommen für deutlich weniger Geld (mit Ausnahme des faltbaren Displays) wesentlich bessere Technik bei herkömmlichen Smartphones. Und selbst Smartphones mit faltbarem Screen gibt es woanders besser: Etwa das Samsung Galaxy Z Flip (Testbericht) oder mittlerweile sogar das Samsung Galaxy Fold 2 (Testbericht). Beide Modelle sind inzwischen deutlich unter 1000 Euro zu bekommen.

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