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Motorola Moto G 5G Plus Test: Viel Akku für wenig Geld
Pro und Contra
  • Gute Akkulaufzeit
  • Ordentliche Gesamtleistung
  • Kamera unterdurchschnittlich
  • Preis zu hoch für Gebotenes
Rating:
  • 3.0
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Motorola bietet mit dem Moto G 5G Plus ein ausdauerndes Mittelklasse-Smartphone an, das bereit für die Zukunft sein soll. Reicht allein 5G dafür wirklich aus?

5G ist so eine Sache, zumindest in Deutschland. Eigentlich ist der immer noch recht neue Datenstandard spitze: Höhere Übertragungsraten und vor allem niedrigere Latenz machen ihn zu dem Standard der Zukunft, mit dem unter anderem das IoT (Internet of Things) und Dinge wie autonomes Fahren endlich Wirklichkeit werden könnten.

Hierzulande krankt der Fortschritt aber am spärlichen Ausbau, sodass die Vorteile in den meisten Fällen nur auf dem Papier gegeben sind. Daher ist es hier schwierig, 5G als Hauptargument für einzelne Modelle zu bringen. Das Motorola Moto G 5G Plus versucht genau das – oder hat es vielleicht noch mehr zu bieten? Wir beantworten diese Frage im Test.

Knapp 350 Euro verlangt Motorola für das Moto G 5G Plus in der unverbindlichen Preisempfehlung. Da enttäuschen Kunststoff auf Rückseite und beim Rahmen schon etwas. Auch, wenn der beim Moto-Modell gar nicht billig aussieht. Auf den ersten Blick könnte man vor allem die Rückseite für Glas halten. Sie überzeugt bei unserem blauen Testmodell nicht nur mit sanften Rundungen zu allen Seiten, sondern auch mit schicker, glänzender Oberfläche. Sie ist mit einem dezenten Farbverlauf von hell nach dunkel versehen und punktet außerdem mit einer leichten Riffelstruktur, die man bei Lichteinfall zwar sehen, generell aber nicht erfühlen kann. Wer das Gerät in die Hand nimmt, spürt neben ausreichend sanften Übergängen in den Kunststoffrahmen vor allem eines: fehlende Kühle. Das identifiziert das verwendete Material trotz optischer Glas-Ähnlichkeit schnell als Kunststoff.

Beim Rahmen spürt man das noch schneller, optisch könnte er mit ein wenig Fantasie ansonsten als eloxiertes Metall durchgehen. Auf der Rückseite fällt abgesehen vom Batwing-Logo des Herstellers noch die Quad-Cam in der oberen linken Ecke auf, die leicht hervorsteht, ohne übermäßig klobig zu wirken. Vorn dominieren abgesehen vom großen Display zwei Dinge: Die zwar ausreichend schmalen, aber durchaus präsenten Rahmen um den Bildschirm und die doppelte Frontcam. Sie ist in zwei einzelnen Punchhole-Notches untergebracht.

Trotz ausschließlicher Verwendung von Kunststoff macht das Moto G 5G Plus einen ausreichend hochwertigen Eindruck. Das liegt auch an der guten Verarbeitung. Verwindungsversuchen widersteht das Smartphone ohne Knarzgeräusche, unsaubere Verarbeitung sucht man vergeblich. Größter Kritikpunkt ist für uns daher der zu hoch positionierte Powerbutton, der gleichzeitig Fingerabdrucksensor ist. Er lässt sich selbst mit großen Händen nur gerade so eben ohne Verrenkung erreichen. Da er regelmäßig und mehrfach am Tag verwendet wird, hätte hier eine ergonomischere Anordnung gutgetan. Auch beim Thema Wasserdichtigkeit hätte Motorola ruhig etwas mehr tun dürfen. So ist das Gerät zwar inoffiziell wie heute fast alle verklebten Smartphones durchaus gegen leichtes Spritzwasser geschützt, eine echte IP-Zertifizierung trägt es aber nicht.

6,7 Zoll (ca. 17 cm) bei erweiterter 1080p-Auflösung im 21:9-Format sind eine Ansage. Das Bild ist beeindruckend farbintensiv für ein IPS-Display, warum Motorola wohl auch das bunte Live-Wallpaper als Hintergrund voreingestellt hat. Es wirbelt bei jedem Start in zahllosen Farben ordentlich durcheinander und betont so den farb- und kontrastreichen Eindruck des Screens. Bei der Helligkeit hat Motorola aber etwas gespart, unser Testgerät kommt nur auf etwa 450 cd/m². Das ist zwar in den meisten Fällen ausreichend und alles andere als schlecht, in der Mittelklasse aber kein Bestwert. Lichthöfe sind im Alltag kaum zu sehen, aber vorhanden. Dafür ist die Blickwinkelstabilität ordentlich, auch wenn sie technikbedingt nicht an OLED-Modelle herankommt. Gut gefällt uns außerdem die dank 90-Hertz-Wiedergabe flüssige Darstellung von bewegten Inhalten.

Vier Kameras baut Motorola hinten ins Moto G 5G Plus ein. Das stimmt – aber wie so oft nur auf dem Datenblatt. Tatsächlich setzt der Hersteller auf eine Hauptlinse mit 48 Megapixel und f/1.7-Blende und einen Weitwinkel mit 8 Megapixel (f/2.2). Die dritte Kamera ist mal wieder eine Makrolinse, immerhin mit 5 Megapixel, dazu ein Tiefensensor. Sie sollte aber eigentlich gar nicht als eigenständige Kamera aufgeführt werden dürfen, da der Nutzer sie nicht wirklich verwenden kann oder gar muss. Google schafft Portraitaufnahmen mit ordentlichem künstlichem Bokeh ganz ohne Tiefensensor. Über die Makrokamera kann man in diesem Fall immerhin noch streiten, schließlich bringt sie nicht wie so häufig nur 2-, sondern wenigstens 5 Megapixel mit.

Dennoch sind die Ergebnisse damit kaum brauchbar. Makroaufnahmen mangelt es an Schärfe, stattdessen strotzen sie vor Bildrauschen. Leider schlägt die Weitwinkelkamera mit 8 Megapixel in die gleiche Kerbe, gerade zu den Rändern hin wird sie unbrauchbar unscharf und Bildrauschen ist selbst bei optimalen Bedingungen sichtbar. Vernünftig ist nur die Hauptkamera mit ihren 48 Megapixel. Sie knipst Aufnahmen für bessere Bildqualität mit Pixel-Binning und kombiniert entsprechend immer die Informationen aus vier Pixel zu einem. Die 12-Megapixel-Aufnahmen sind bei gutem Licht ausreichend scharf und rauscharm, auch die Bilddynamik ist ordentlich ausgeprägt. Somit gehen Details in dunklen oder sehr hellen Bildbereichen kaum unter.

Leider wendet sich das Blatt, sobald die Lichtbedingungen schwieriger werden. Nachtaufnahmen gehören definitiv nicht zur Stärke des Moto G 5G Plus, hier ist die Bildschärfe zu schwach ausgeprägt und Bildrauschen zu stark. Beides setzt schon vergleichsweise früh ein, sodass die von Motorola in das Moto G 5G Plus eingebaute Kamera passend als Schönwetterkamera bezeichnet werden darf. Das machen ähnlich teure Konkurrenten wie das Xiaomi Redmi Note 9 Pro (Testbericht) oder sogar das günstige Poco X3 NFC (Testbericht) teils deutlich besser.

Übrigens: Bisweilen gibt es Probleme mit dem ungenauen Fokus, im Ergebnis schleicht sich dann ungewollt Unschärfe ein. Das gilt auch für Videos, die mit 4K/30 maximal aufgenommen werden dürfen. Deren Bildqualität ist – bis auf Schwenks – gut, die Bildstabilisierung ist aber verbesserungswürdig. Die zweite Frontkamera hätte sich Motorola beim Moto G 5G sparen sollen, die zusätzliche Weitwinkelkamera leidet unter ähnlichen Problemen wie der Weitwinkel der Hauptkamera.

Motorola baut in das Moto G 5G Plus einen Snapdragon 765 in Kombination mit 4 GByte RAM ein, alternativ gibt es auch eine Version mit 6 GByte RAM. Der Chipsatz bietet mit seinem Spitzentakt von bis zu 2,3 GHz ordentliche Leistung bei adäquatem Stromverbrauch. Allerdings gab es im Test bei unserer 4-GByte-RAM-Version trotz generell flüssiger Darstellung immer mal wieder kurze Ruckler und Gedenksekunden. Bei Spielen ist die Leistung grundsätzlich ebenfalls in Ordnung, High-End-3D-Titel schafft das Moto G 5G Plus allerdings auf bester Grafik nicht flüssig.

Hier würde letztendlich aber wohl auch die G-Variante des Snapdragon 765 nicht gereicht haben, für Hard-Core-Zocker empfehlen sich wegen der stärkeren Grafikeinheiten nur die Chips der 8er-Baureihe. Von den gelegentlichen Rucklern abgesehen überzeugt das Smartphone insgesamt mit seiner dank 90 Hertz sehr flüssigen Wiedergabe. Im PCmark-Benchmark erreicht das Modell knapp 8350 Punkte, bei Antutu etwa 280.000 Punkte. Beides ist nicht schlecht, ähnlich ausgestattete Smartphones wie ein Oneplus Nord (Testbericht) ist teils bis zu 20 Prozent schneller.

Technisch ist das Moto G 5G Plus ansonsten gut aufgestellt. An Speicher gibt es intern 64 oder (in der Version mit 6 GByte RAM) 128 GByte, beide Versionen sind erweiterbar. Wer eine Micro-SD-Karte einsetzt, verzichtet aber auf den gleichzeitigen Betrieb einer zweiten SIM-Karte – der SIM-Schlitten ist als Hybrid-Version ausgelegt. Neben namensgebendem 5G-Funk unterstützt das Smartphone natürlich auch LTE, USB-C 2.0, 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, WLAN ac, Bluetooth 5.1 und NFC. Der Fingerabdrucksensor in der seitlichen Power-Taste arbeitet schnell und zuverlässig, der Lautsprecher ist ausreichend laut und klirrt dabei nicht, allerdings ziemlich bassarm.

Als Software installiert Motorola Android 10 mit dezenten, aber sinnvollen Erweiterungen. Erwähnenswert sind dabei wie immer die cleveren Moto-Actions wie die Hack-Bewegung zum Aktivieren der LED auf der Rückseite als Taschenlampe. Aktivieren lässt sie sich wie andere Features über die MyUX-Suite. Absolut unnachvollziehbar: Der Sicherheits-Patch des Moto G 5G Plus stammt noch von Mai 2020 und wurde offensichtlich nie aktualisiert. Unser Testgerät verfügte angeblich über die aktuelle Version.

5000 mAh bieten heute einige Smartphones, oft handelt es sich dabei aber um sehr teure Modelle, die viel Akkuleistung als Ausgleich für ihren Leistungshunger brauchen. Beim Moto G 5G Plus ist das anders. Mit 90-Hz-Wiedergbabe schafft das Smartphone im Battery Test von PCmark bei 200 cd/m² fast 13,5 Stunden, das ist ein sehr guter Wert, der sich im Alltag bestätigt. Hier sollten die meisten Nutzer locker über zwei Tage kommen, bei moderater Verwendung des Smartphones sind auch drei Tage gut drin. Das erreichen nach wie vor nur wenige Modelle. Gefühlt wäre mit besserem Energie-Management sogar noch mehr drin gewesen.

Kabelloses Laden gibt es zwar nicht, dafür fließt neuer Saft mit immerhin 20 Watt nach. So ist der Akku nach rund 1,5 Stunden wieder voll.

Von den ursprünglichen 349 Euro für die Version mit 4/64 GByte Speicher ist das Motorola Moto G 5G Plus mittlerweile weit entfernt – und das ist auch gut so. Rund 240 Euro zum Testzeitpunkt sind ein fairer Preis, die größere Speicherausstattung kostet rund 100 Euro mehr. Farbauswahl gibt es nicht, in Deutschland steht nur die getestete blaue Version zur Wahl.

Insgesamt ist das Moto G 5G Plus ein solides Mittelklasse-Smartphone, bietet aber Schwächen im Detail. So überzeugen die Kameras insgesamt nicht, lediglich die Hauptkamera macht ordentliche Aufnahmen und das auch nur bei gutem Licht. Die Alltagsleistung ist ordentlich, allerdings gibt es – zumindest bei der von uns getesteten 4-GByte-Version immer wieder kurze Hänger. Das Design ist insgesamt zwar schick und ausreichend modern, allerdings dürfen Kunden mittlerweile bei einer UVP von 350 Euro durchaus höherwertige Materialien als Kunststoff erwarten.

5G – um die eingangs aufgestellte These zu stützen - reicht zumindest hier in Deutschland nicht aus, um einen Kauf zu rechtfertigen. Zum Glück hat das Motorola-Modell noch einen ausdauernden Akku als eigentliches Highlight. Letztendlich gibt es aber bessere Alternativen als da wären Xiaomi Poco X3 NFC (Testbericht) , Realme 7 (Testbericht) oder Samsung Galaxy A51 (Testbericht) .

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