Motorola Edge 20 Pro im Test: 144-Hz-OLED, viel Speicher und eine ordentliche Kamera

Motorola Edge 20 Pro
Pro und Contra
  • schickes Design, flach
  • 144-Hz-OLED
  • viel Speicher
  • im Detail nicht perfekt
  • kein Qi, Gorilla Glas 5, Kunststoffrahmen und mehr
  • 4.5

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Die Edge-Serie von Motorola ist gut aufgestellt, mit dem Edge 20 Pro wildert der Hersteller sogar im Flagship-Bereich. Wir verraten im Test, wie gut das für knapp 700 Euro gelingt.

Schickes Design, flache Bauform, starke Kamera, viel Speicher und ein Chipsatz, der das Motorola Edge 20 Pro sogar zum PC-Ersatz machen soll – das klingt alles richtig klasse. Gleichzeitig schwingt aber immer auch die Frage mit, wie das alles für 700 Euro klappen soll, schließlich verlangt die Konkurrenz für seine Flagship-Modelle nahezu das Doppelte. Wir klären im Test, wo Käufer Abstriche machen müssen und wo nicht.

Beim Design fängt der Rotstift schon an – nicht wirklich schlimm, aber im Detail doch bemerkbar. Denn Vorgänger Motorola Edge kam namensgebend mit einem Display, das seitlich um die Kanten gebogen war. Das Edge 20 Pro verfügt nur noch über 2,5D-Glas, also ein flaches Display, das nur an den äußersten Kanten abgerundet ist. Außerdem setzt Motorola beim neuen Modell zwar auf schickes Glas auf Front und Rückseite, der Rahmen besteht hingegen aus Kunststoff. Besonders schlimm ist das nicht, doch für 700 Euro erwartet man da eigentlich mehr. Ansonsten wirkt das Smartphone gefällig. Die Rückseite mit den zu den Seiten hin deutlichen Rundungen kommt mit einer interessanten Mischung aus matter und doch wieder glänzender Oberfläche, die je nach Blickwinkel hübsche Lichteffekte zaubert. Die Kameraeinheit auf der Rückseite fällt durch ihren dreistufigen Aufbau und die Form der Linsen auf.

Die unterste Stufe bildet ein Rechteck, in dem neben den drei sichtbaren Linsen auch ein Richtmikrofon, der Dual-LED-Blitz und Schriftzüge zu sehen sind, die einige technische Daten preisgeben. Die zweite Stufe bildet ein schmaleres Rechteck, das nur noch die Linsen beherbergt und als dritte Stufe stehen die Linsen daraus noch einmal hervor. Das fällt auf. Hinzu kommt die Form der Linsen: Zwei davon sind wie immer rund, die Dritte hingegen eckig. Grund ist die verwendete Periskop-Bauweise für die 5-fache Vergrößerung, sonst hätte die Telekamera nicht ins Gehäuse gepasst. Das ist nämlich nur rund 8 Millimeter dünn, im Zusammenspiel mit der abgerundeten Rückseite liegt das Edge 20 Pro angenehm in der Hand. Beim Thema Haptik rückt auch der Kunststoff-Rahmen wieder in den Fokus. Optisch wirkt der zwar zurückhaltend schick, in der Hand merkt man aber schnell, dass es sich nicht um Metall, sondern eben um Kunststoff handelt – es fehlt die typische Kühle.

Wichtiger als dieser Umstand ist aber die Platzierung der Tasten. Motorola entscheidet sich beim Topmodell Edge 20 Pro dafür, den Fingerabdrucksensor trotz OLED-Display nicht ins Display zu integrieren, sondern baut stattdessen einen Powerbutton mit Sensor auf der rechten Seite ein. Der ist nicht wie bei anderen Smartphones in den Rahmen eingelassen, sondern steht minimal hervor und ist dadurch ausreichend gut zu erfühlen. Das Problem: Button und Sensor sind für unseren Geschmack deutlich zu hoch angebracht, sodass man selbst mit großen Händen immer etwas umgreifen muss, um mit dem Daumen heranzukommen. Zur Bedienung der sogar noch darüber angebrachten Lautstärkewippe muss man sich sogar noch mehr strecken und der kleine Taster an der oberen linken Seite des Smartphones, über den der Google Assistant aufgerufen werden kann, ist ohne akrobatische Verrenkungen gar nicht erreichbar – Ergonomie sieht anders aus.

Immerhin gibt es davon abgesehen an der Verarbeitungsqualität nichts zu bemängeln, das Edge 20 Pro wirkt insgesamt wertig und solide. Wasserdicht ist es außerdem – wenn auch nur gegen Spritzwasser wie Regen nach IP54.

OLED darf man im Preisbereich um 700 Euro im Jahr 2021 erwarten, das ist also beim Motorola Edge 20 Pro keine Überraschung. Die baut der Hersteller an anderer Stelle ein, nämlich bei der Bildwiederholungsfrequenz. Denn während derzeit bis auf wenige Ausnahmen 120 Hertz als Obergrenze gelten, setzt Motorola auf 144 Hertz wie in einigen Gaming-Smartphones. Die Abtastrate erreicht in Spielen für besonders direkte Bedienung sogar 576 Hertz. Der Rest ist da schon wieder etwas konventioneller: 6,7 Zoll, 2340 x 1080 Pixel (385 ppi) – das ist nicht weltbewegend, aber völlig in Ordnung. Als Schutzmaterial kommt nur Gorilla Glas 5 zum Einsatz. Außerdem haben wir ein echtes Always-on-Display vermisst – diese Art Anzeige wird wie bei den Vorgängern nur bei Bewegung oder Antippen des Displays kurz aktiviert.

OLED-typisch sieht die Darstellung klasse aus: Auf Wunsch leuchtende Farben, sattes Schwarz und hervorragende Blickwinkelstabilität sorgen für eines tolles Nutzungserlebnis. Die Helligkeit geht in Ordnung, im Test haben wir etwas über 550 cd/m² gemessen, das könnte für HDR10 allerdings etwas mager sein. Die Konkurrenz schafft hier mehr, ist dabei aber nicht zwangsläufig teurer. Und noch eine kleine Einschränkung gibt es: Im Automatikmodus, in dem das Gerät selbstständig die Hertz-Zahl anpasst, agiert es nur zwischen 48 und 120 Hertz. Bedeutet: Weder kommt es so weit herunter wie einige Konkurrenten, die damit potenziell stromsparender unterwegs sind, noch nutzt es die möglichen 144 Hertz aus. Das klappt nur in der manuellen 144-Hertz-Einstellung. Insgesamt gefällt uns das Panel trotzdem recht gut, Motorola hat unserer Meinung nach aber aufs falsche Pferd gesetzt: 144 Hertz wären nicht nötig gewesen, stattdessen hätte dem Screen etwas mehr Detailarbeit gutgetan.

Bei der Kamera trumpft Motorola beim Edge 20 Pro richtig auf. Die Hauptkamera bietet 108 Megapixel, der 1/1,52 Zoll große Isocell-HM2-Sensor stammt von Samsung. Hinzu kommen ein Weitwinkelsensor mit 16 Megapixel und erstmals bei Motorola ein Teleobjektiv in Periskopbauweise mit 5-facher Vergrößerung und 8 Megapixel. Einen optischen Bildstabilisator (OIS) gibt es nur für die Hauptkamera.

Beim Betrieb zeigt sich schnell, dass Motorola noch nicht ganz mit der teureren Konkurrenz mithalten kann. Die Bildschärfe könnte etwas höher ausfallen, geht insgesamt aber in Ordnung. Positiv bleibt hier im Hinterkopf, dass der Hersteller im Gegensatz zu einigen Konkurrenten nicht zu aggressiv per Software nachschärft, was einen vergleichsweise natürlichen Look erhält. Dieser Kompromiss sieht dafür auf den ersten Blick nicht so beeindruckend wie Bilder von Spitzenphones wie dem Oneplus 9 Pro, dem Leserwahl-Sieger 2021 (Artikel), aus. Das versucht Motorola offenbar über knallige Farben wieder wettzumachen – das gelingt nur zum Teil, vor allem Grün und Blau werden überbetont und verpassen entsprechenden Aufnahmen mit viel Gras oder Himmel einen etwas bonbonartigen Look.

Bei wenig Licht macht das Edge 20 Pro hingegen wieder ziemlich ordentliche Aufnahmen. Das dürfte neben dem OIS vor allem am Pixel Binning im Verhältnis 9:1 liegen, bei dem die Informationen aus 9 Bildpunkten jeweils in ein verbessertes Pixel einfließen. Entsprechend sind Bildschärfe und Dynamik hier in Ordnung, ohne an die Topmodelle der Konkurrenz heranzukommen.

Der Weitwinkel macht seine Sache ebenfalls gut. Zwar sind Bildschärfe und Dynamik hier noch einmal etwas niedriger, das ist aber bis auf wenige Ausnahmen in dieser Preisklasse normal. Der 5-fache optische Zoom hätte ein paar Megapixel mehr vertragen können. Zwar sehen Aufnahmen damit letztendlich qualitativ ansprechend aus, allerdings vermissen wir hier etwas Bildschärfe – genau das sollte ein optischer Zoom aber bieten. Das Ergebnis ist bei Bildrauschen und Dynamik nicht übel, gestochen scharf sieht aber anders aus. Der bis zu 50-fache Digitalzoom macht seine Sache anfangs noch ganz gut, spätestens bei 10-facher Vergrößerung wird das Ergebnis aber immer matschiger.

Die Frontcam knipst Bilder mit 32 Megapixel und nutzt ebenfalls Pixel Binning. Damit schafft das Edge 20 Pro eine gelungene Balance zwischen Weichzeichnung und Bildschärfe, die insgesamt für ausgewogene Selfies bei gutem Licht sorgt. Dabei ist ein leichter Ansatz von Bokeh, also künstlicher Unschärfe im Hintergrund, zu sehen. Auf den Porträtmodus sollte man daher lieber gleich verzichten. Denn der verstärkt den Bokeh-Effekt zwar, bietet aber eine wesentlich schlechtere Bilddynamik, was zu starker Aufhellung mit ausgebrannten Bildbereichen führt.

Videos kann das Motorola Edge 20 Pro sogar bis 8K/30 aufnehmen. Einerseits findet man dafür aktuell immer noch kaum Abspielgeräte, andererseits verzichtet das Smartphone dann offenbar komplett auf eine Bildstabilisierung. Aufnahmen damit sind entsprechend ausschließlich auf einem Stativ aufgenommen genießbar – und auch dann sind wegen der niedrigen FPS-Zahl nur sehr langsame Schwenks empfehlenswert. Besser sind daher Aufnahmen in 4K/60, wobei wie bei 8K nur die Hauptkamera verwendet werden kann. Ein Wechsel zwischen den Objektiven während der Aufnahme ist erst bei 1080p möglich, hier ist auch die Bildstabilisierung erstmals gut. Die Selfiecam erlaubt ebenfalls Aufnahmen in 4K.

Bei der Ausstattung hat Motorola auch etwas knapper kalkuliert, zumindest beim Chip. Denn statt des Spitzen-Chipsatzes des Jahres 2021, nämlich dem Snapdragon 888 oder 888+, setzt der Hersteller beim Edge 20 Pro „nur“ auf einen Snapdragon 870. Dabei handelt es sich letztendlich um den Spitzen-Chip aus 2020, der immerhin etwas auf bis zu 3,2 GHz übertaktet wurde. Im Alltag wird den Unterschied kaum ein Nutzer wirklich bemerken. Das Motorola-Modell rennt dank 12 GByte RAM und schnellem UFS-3.1-Speicher mit 256 GByte in allen Lebenslagen schnell und ruckelfrei, Ladezeiten fallen angenehm kurz aus. Auch bei Spielen gibt es keinen Grund zur Beanstandung, auf fordernde Titel laufen hier mit maximaler Grafik absolut flüssig, vor allem wird das Smartphone dabei nicht heiß. Allerdings scheinen weder 120, noch gar 144 Hertz erreicht zu werden.

Nur in Benchmarks bemerkt man Unterschiede zum Topchip, die sind aber letztendlich überschaubar. So erreicht das Edge 20 Pro in PCmark Work 3.0 stramme 14.500 Punkte, in 3Dmark Wildlife sind es immerhin 1200 Punkte. Modelle mit Snapdragon 888 sind etwa 15 bis 20 Prozent schneller. Ansonsten ist das Gerät gut aufgestellt. Es bringt zwei 5G-fähige SIM-Schächte mit, außerdem NFC, WLAN ax, Bluetooth 5.1 und einiges mehr mit, was das Modell für die Zukunft gut aufgestellt erscheinen lässt. Mehr Informationen zur Hardware findet man in der Vergleichstabelle.

Der Fingerabdrucksensor im Powerbutton ist zwar wie bereits erwähnt zu hoch platziert, funktioniert davon abgesehen sehr schnell und zuverlässig. Gesichtserkennung über die Frontkamera ist möglich und funktioniert bei gutem Licht ebenfalls schnell, ist aber aus Sicherheitsgründen weniger zu empfehlen. Das Edge 20 Pro bietet nur einen einzelnen Lautsprecher – auch nicht ganz passend in dieser Preisklasse. Immerhin ist der Speaker recht laut und übersteuert dabei nicht, klingt aber nicht übermäßig voll.

Android 11 und MyUX als Nutzeroberfläche – das ist immer eine tolle Kombination. Denn Motorola punktet nach wie vor mit einigen außergewöhnlichen und besonders praktischen Features wie der Chopchop-Geste, die durch eine doppelte Hackbewegung das helle LED-Licht auf der Rückseite als Taschenlampe aktiviert. Eine doppelte Roll-Bewegung mit dem Handgelenk startet die Kamera – simpel, schnell und einfach klasse. Eine Sicherheits-Software namens Thinkshield soll das Smartphone zudem vor Malware und Phishing-Attacken schützen. Der Sicherheits-Patch war zum Testzeitpunkt auf dem Stand von August 2021 und sollte bald ein Update bekommen.

Ein weiteres Highlight ist die Ready-for-Option des Motorola Edge 20 Pro. Damit lässt sich das Smartphone kabellos oder mittels des beiliegenden USB-C-zu-HDMI-Kabels an passende Monitore oder einen Fernseher anschließen. Zusammen mit (Bluetooth)Maus- und Tastatur wird das Handy dann dank einer Chromebook-ähnlichen Oberfläche zum PC-Ersatz und bietet mit Multi-Window-Verwendung sogar echtes Multitasking. Wie gut das echte Arbeiten mit einem Smartphone statt eines PCs funktioniert, werden wir uns in einem späteren Artikel dediziert anschauen.

Wer bei der Power das letzte Bisschen zum Snapdragon 888 vermisst, könnte mit der besseren Energieeffizienz des Snapdragon 870 wieder versöhnt werden. Denn trotz (im Automatikmodus „nur“) 120 Hertz Bildschirmwiederholung erreicht das Motorola Edge 20 Pro im Battery Test von PCmark ordentliche 10,5 Stunden Laufzeit. Das sorgt für einen mehr oder weniger sorgenfreien Tag normaler Nutzung. Wer viel zockt, sollte natürlich lieber in Reichweite einer Steckdose bleiben. Dank 30 Watt-Ladetechnik lädt das Modell in rund 120 Minuten wieder voll auf. Kabelloses Laden fehlt – bei einer UVP von knapp 700 Euro nicht ganz passend.

Die UVP des Motorola Edge 20 Pro liegt wie erwähnt bei 699 Euro. Dafür gibt es hierzulande immer 12/256 GByte Speicher, die Wahl besteht lediglich zwischen den Farben Dunkelblau und Weiß (Glasrückseite) sowie einem indigofarbenen Kunstlederüberzug der Rückseite.

Insgesamt ist das Motorola Edge 20 Pro ein tolles Smartphone mit Highend-Features zu einem vergleichsweise moderaten Preis. Es liegt toll in der Hand, sieht schick aus, kommt mit einer ordentlichen Kamera, viel Speicher, mehr als genug Power und einem akzeptablen Akku. Auch das Display ist klasse und bietet sogar 144 Hertz. Dennoch sind wir nicht so recht zufrieden, denn im Detail passt nicht alles.

So schießt Motorola unserer Meinung nach mit den 144 Hertz über das (sinnvolle) Ziel hinaus, hätte an anderer Stelle stattdessen lieber etwas mehr investieren sollen. So fehlen Dinge wie kabelloses laden, bei der Kamera vermissen wir das letzte Quäntchen Exzellenz und der Akku hätte gerne noch stärker sein dürfen. Wer damit leben kann, bekommt ein gutes Gerät, das zusätzlich als PC-Ersatz dienen will – das können nicht viele Smartphones.

Viele der angesprochenen Punkte lösen Modelle wie das Oneplus 9 (Testbericht) oder das Xiaomi Mi 11 (Testbericht) besser. Weitere gute Smartphones finden sich ansonsten in unserer Bestenliste bis 500 Euro.

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