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Motorola Defy
Pro und Contra
  • widerstandsfähig dank IP68 und MIL-STD 810H
  • ordentliche Alltagsgeschwindigkeit
  • Software veraltet
  • 4.0

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Wenn das Smartphone gegen Wasser und Stürze gefeit sein soll, könnte das Motorola Defy genau das richtige sein. Wir haben das Outdoor-Handy getestet.

Motorola Defy – war da nicht schon mal was? Richtig, das erste Motorola Defy kam 2010 auf den Markt, damals noch mit aus heutiger Sicht geradezu winzigem 3,7-Zoll-Display, aber ebenfalls schon staub- und wasserdicht. Das 2021-Modell des Motorola Defy bietet mit 6,5 Zoll fast die doppelte Display-Größe und natürlich ein Vielfaches an Leistung und Speicher.

Wobei – aus heutiger Sicht ist beides nicht gerade weit oben angesiedelt. Stattdessen liegt der Schwerpunkt klar auf der Widerstandsfähigkeit des Outdoor-Smartphones. Dafür arbeitete Motorola für das Defy mit der Bullit-Group zusammen, die unter anderem die CAT-Smartphones wie das Cat S62 Pro (Testbericht) im Programm hat. Wir haben im Test überprüft, ob das Motorola Defy auch in allen anderen Disziplinen überzeugt.

Beim Motorola Defy hat sich der Hersteller für ein eher zurückhaltendes Design entschieden – für ein Smartphone für draußen zumindest. Es gibt keine sichtbaren Schrauben oder Metallelemente, die bei anderen Modellen dieser harten Zunft auf Macho machen. Stattdessen setzt Motorola im Zusammenspiel mit der Bullit-Group auf gummierten Kunststoff und unser schwarzes Testgerät ist komplett einfarbig, Akzentfarben fehlen. Dieser wenig martialische Auftritt lässt das Gerät auf den ersten Blick beinahe wie ein ganz normales Handy erscheinen, zumal das Modell mit knapp 11 Millimeter nicht viel dicker als ein herkömmliches Smartphone ist.

Bei genauerem Hinsehen werden dann aber doch Besonderheiten eines Outdoor-Handys sichtbar. So wiegt das Motorola Defy mit 232 Gramm mehr als normale Modelle, auch wenn das noch vergleichsweise harmlos für ein Ruggedphone ist. Außerdem ist das Gerät recht kantig und damit wenig handschmeichlerisch ausgelegt, wobei der Rahmen rings um den Bildschirm als schützender Wall beim Fall die Widerstandskraft des von Gorilla Glas Victus erhöhen soll. Zudem ist die untere linke Ecke kantiger ausgeprägt und bietet so Platz für einen Lanyard, also eine Handschlaufe, die solches Hinunterfallen ganz unterbinden soll. Dieses praktische Designmerkmal lässt das Gerät leicht asymmetrisch, aber auch interessant wirken. Auch auf der Rückseite hat man sich einiger Design-Elemente bedient, die bei einem Outdoor-Smartphone nicht unbedingt zu erwarten sind. Dort platziert der Hersteller einige grobe, in 90-Grad-Versatz zueinander positionierte Schraffuren, die diagonal aufgebracht sind. Etwas filigraner ausgeführt könnten sie auch jedes herkömmliche Modell aufhübschen.

Die erwähnte Bautiefe bietet einen Vorteil: Die Kameraeinheit auf der Rückseite ist plan eingelassen, sie nimmt neben drei Kameralinsen auch den LED-Blitz und einen Fingerabdrucksensor auf. Der trägt wie gewohnt den Batwing, also das Logo von Motorola. An der Verarbeitung lässt sich insgesamt nicht viel aussetzen. Aufgrund der ausschließlichen Verwendung von Kunststoff wirkt das ganze Handy zwar nicht übermäßig hochwertig, unregelmäßige Spaltmaße oder wackelige Hardware-Tasten findet man aber nicht. Der Rand rings um das Display würde normalerweise altbacken wirken, bei einem Outdoor-Handy bietet aber auch er – wie schon der erwähnte, überstehende Rahmen – eine Schutzfunktion und ist dem Modell daher nicht anzulasten. Die optische Härte hat das Motorola Defy durch Zertifizierungen nach IP68 und MIL-STD 810H bewiesen. Außerdem nimmt das Gerät nach Aussage des Herstellers keinen Schaden beim Abwischen mit Seife, Desinfektionsmittel, Alkohol und Bleiche.

Mit erweiterter 720p-Auflösung bewegt sich das Motorola Defy nach heutigen Maßstäben eher im Bereich von herkömmlichen Smartphones bis 100 Euro (Top 10) oder 150 Euro (Top 10). Bei Outdoor-Smartphones ist diese niedrige Auflösung aber auch im Jahr 2021 (leider) zumindest bei günstigeren Modellen bis 300 oder 400 Euro noch nicht von der Bildfläche verschwunden. Entsprechend ist die Darstellung von Inhalten auf dem 6,5 Zoll großen IPS-LCD nicht so knackig wie anderen Modellen dieser Größe, die Pixeldichte liegt nur bei rund 270 Pixel pro Zoll (ppi). Während das für ein Outdoor-Modell wie angedeutet gerade noch in Ordnung ist, spart Motorola allerdings bei der Helligkeit zu stark.

Denn die konnten wir im Test nur mit rund 350 cd/m² messen. Das ist für ein normales Smartphone in dieser Preisklasse gerade noch akzeptabel, für ein Outdoor-Handy, das per Definition schon viel im Freien verwendet werden dürfte, ist das zu wenig. Farbintensität und Kontraste sind durchschnittlich. Was im Bereich bis 300 Euro ausreichen würde, für ein Outdoor-Smartphone und die potenzielle, von immer mehr OLED-Screens verwöhnte Kundschaft hingegen beinahe etwas flach ausfallen könnte. Auch die Blickwinkelstabilität fällt schwächer aus, vor allem im Freien. Insgesamt ist das Display für den angegebenen Einsatzzweck etwas enttäuschend. Mehr als 60 Hertz wird bei einem Outdoor-Handy hingegen wohl niemand ernsthaft vermissen. Der Screen lässt sich immerhin auch mit nassen Fingern bedienen – das passt zum Einsatzzweck.

Bei der Kamera müssen Interessenten von Outdoor-Smartphones normalerweise Abstriche machen, beim Motorola Defy ist das nicht anders. Immerhin gibt es eine Hauptkamera mit 48 Megapixel und f/1.8, die weiteren Linsen für Makro- und Tiefenschärfeaufnahmen sind mit je 2 Megapixel zu vernachlässigen. Die Frontkamera knipst Selfies mit 8 Megapixel und f/2.2.

Die Hauptkamera knipst normalerweise dank Pixel Binning Aufnahmen mit 12 Megapixel. Bei ausreichendem Licht werden Fotos überraschend scharf und detailliert, in der Vergrößerung sieht man allerdings eine Software-seitige Überschärfung. Bilder sehen dadurch in der Gesamtansicht klasse aus, im Zoom nicht mehr unbedingt. Die Bilddynamik geht in Ordnung, befindet sich aber eher im Mittelfeld der Konkurrenz. Farben werden insgesamt recht natürlich in den Speicher gebannt. Bei wenig Licht wechselt das Defy zu einer etwas kühlen Farbdarstellung und die Bildschärfe sinkt naturgemäß. Hinzu kommt Bildrauschen und eine zu niedrige Bilddynamik.

Unterm Strich sieht die Bilanz für die Hauptlinse des Motorola Defy allerdings positiv für ein Outdoor-Smartphones um 300 Euro aus. Schade, dass man die beiden anderen Linsen im Alltag nicht gebrauchen kann, hier wäre ein Weitwinkel die bessere Wahl gewesen. Bei Videos, die maximal in Full-HD mit immerhin 60 Frames möglich sind, sieht die Qualität ganz ähnlich aus: Bei Licht werden Filme dank ausreichender, aber nicht überragender Bildstabilisierung ganz ordentlich, nur mit großen Helligkeitsunterschieden kommt die Kamera nicht so gut zurecht. Bei schwachem Licht bekommt zudem der Autofokus Probleme.

Die Leistung des Motorola Defy geht im Alltag in Ordnung. Das überrascht, denn der Snapdragon 662 ist mit 2,5 Jahren auf dem Buckel nicht mehr übermäßig frisch. Zusammen mit der verwendeten Adreno 610 als GPU und 4 GByte RAM reicht es im PCmark-Work-3.0-Benchmark immerhin für 6500 Punkte, in 3Dmark Wildlife sind es hingegen nur etwa 360 Punkte. Im Alltag läuft das Defy vielleicht nicht komplett ruckelfrei und es genehmigt sich schon mal eine Gedenksekunde, insgesamt zeigt es sich dort aber zufriedenstellend.

Wer keine deutlich stärkeren Modelle gewohnt ist, wird zufrieden sein. Zumindest, sofern er keine anspruchsvollen 3D-Games damit zocken will, denn die verlangen schnell nach deutlicher Reduzierung der Grafik – wenn sie denn überhaupt halbwegs flüssig laufen sollen. 64 GByte internen eMMC-Speicher baut Motorola in das Defy ein, das reicht normalerweise, zumindest für ein Outdoor-Smartphone. Zur Not schluckt das Smartphone Micro-SD-Karten bis 512 GByte. Die meisten Standards wie LTE, Bluetooth 5.0 und NFC sind an Bord, genauere Auskunft gibt unsere Hardware-Tabelle. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite arbeitet schnell und zuverlässig.

Bei der Software verspielt Motorola beim Defy wieder einige Punkte. Eigentlich sollten bald die ersten Smartphones mit Android 12 auf den Markt kommen, das Defy bietet aber sogar nur Android 10. Outdoor-Smartphone hin oder her – das ist zu alt. Das gilt auch für den Sicherheits-Patch, der bei unserem Testgerät trotz aufgespielter Updates bei Juni 2021 lag. Selbst 100-Euro-Geräte sind hier aktueller!

5000 mAh sind für ein Outdoor-Smartphone angemessen, denn das verspricht ordentliche Laufzeiten ohne Nachladen. Tatsächlich zeigte sich das Motorola Defy im Test ausdauernd und brachte es in PCmark Battery Test auf stolze 14 Stunden Laufzeit. Das ist ordentlich, ohne neue Bestmarken zu setzen und spricht zusammen mit den restlichen Testerfahrungen dafür, dass realistische Laufzeiten von zwei bis drei Tagen möglich sind. Kabelloses Laden gibt es nicht, mit dem 20-Watt-Netzteil aus dem Lieferumfang geht es per Kabel in etwas unter 1,5 Stunden von null auf Hundert.

Die UVP des Motorola Defy liegt bei 329 Euro, inzwischen ist das Modell klar darunter zu bekommen. An Farben stehen nur Schwarz und Grün zur Wahl, eine andere Speicherkonfiguration gibt es weder für Geld noch für nette Worte.

Für ein normales Smartphone im 300-Euro-Bereich ist die gebotene Hardware klar zu wenig – aber das Motorola Defy ist ja auch kein normales Smartphone. Es ist ein Outdoor-Smartphone und als solches hart im Nehmen. Daher passt das preislich wieder, zumal das Gerät eine ordentliche Hauptkamera, viel Akkulaufzeit und gute Alltagsgeschwindigkeit bietet.

Das Gehäuse ist wasser- und staubdicht und gut gegen Stürze gefeit, selbst der Touchscreen sollte dank Gorilla Glas Victus mehr oder weniger widerstandsfähig sein. Viel Auswahl gibt es bei schicken Ruggedphones ohnehin nicht. Alternativen wären hier Modelle wie Cat S52 (Testbericht) oder Samsung Galaxy Xcover 5 (Testbericht), das Ausnahme-Modell Cat S62 Pro (Testbericht) ist eher was für anspruchsvolle Überlebenskünstler.

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