Mini-Beamer – Riesen-Hype: Samsung The Freestyle im Test

Samsung The Freestyle
Pro und Contra
  • schickes und praktisches Design
  • umfangreiche Multimedia-Funktionen
  • teuer
  • geringe Helligkeit
  • sehr langsames Betriebssystem
  • kein integrierter Akku, Powerbank notwendig
  • 2.0

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Der kleine Beamer Samsung Freestyle wurde zu seiner Einführung von vielen Influencern in den Himmel gelobt. Wir holen ihn im Test zurück auf den Boden der Tatsachen.

Beamer werden immer beliebter. Das zeigen uns unsere Tests und Ratgeber, die regelmäßig auf hohes Interesse stoßen. Etwa unsere Top-5-Bestenliste: China-Beamer von 80 bis 250 Euro. Das scheint auch Samsung erkannt zu haben und bringt mit dem Freestyle einen mobilen Beamer für den Mainstream – so zumindest das Ziel.

Um zum Marktstart Interesse zu schüren, verteilt Samsung den Freestyle an Lifestyle-Influencer, die in großen Teilen das Gerät in den Himmel loben. Man kann davon ausgehen, dass hier der ein oder andere Euro den Eigentümer gewechselt hat. Die Kritik an der Medienaktion und am Beamer selbst folgte auf dem Fuß. Wir machen uns in diesem Test selbst ein Bild vom Samsung Freestyle.

Der Samsung Freestyle ist der wohl schickeste Beamer, den wir bisher getestet haben. Er besteht im Grunde aus einem 13 Zentimeter langen Zylinder mit einem Durchmesser von 9,5 Zentimetern. Die weiße Oberfläche ist gummiert und kann gewechselt werden. Am unteren Ende sitzt ein Fuß, in dem der Zylinder um gut 180 Grad geschwenkt werden kann. So lässt er sich flexibel platzieren. Die Konstruktion ist nicht nur clever und praktisch, sie hat auch Style.

Auf der schwarzen Hochglanzvorderseite des Zylinders sitzt die recht kleine Linse, flankiert von mehreren Sensoren. Unter der Linse dienen vier berührungsempfindliche Buttons zur rudimentären Bedienung. Fingerabdrücke sind hier deutlich zu sehen. Unter der perforierten schwarzen Kunststoffhinterseite des Zylinders sitzt der Monolautsprecher und ein Anschluss für Zubehör, welches jedoch (noch) nicht erhältlich ist.

Seitlich am The Freestyle befinden sich ein USB-C-Port für die Stromversorgung, ein Micro-HDMI-Port und ein Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten des Mikrofons. Um ein normales HDMI-Kabel anzuschließen, benötigt der Nutzer einen Adapter (Amazon-Kauflink), der nicht beiliegt.

The Freestyle ist mit 840 Gramm recht leicht. Wer ihn jedoch mobil betreiben will, benötigt eine starke Powerbank, die gut und gerne 400 Gramm hinzuaddiert. Für den Transport legt Samsung einen milchig weißen Deckel bei, um die Linse zu schützen. Der Deckel dient gleichzeitig als Diffusor, um den Projektor als Ambient-Light zu verwenden.

Die Fernbedienung funkt über Infrarot. Das heißt, sie benötigt Sichtkontakt zum The Freestyle und sie kann keine Sprachbefehle entgegennehmen. Sie ist flach und benötigt keine Batterien, sondern verfügt über einen Akku. Geladen wird sie über USB-C. Die Tasten sind zwar unbeleuchtet, aber auch im Dunkeln gut zu erfühlen. Auch ihr Druckpunkt ist in Ordnung.

Der Beamer kann nativ Full-HD ausgeben und leuchtet laut Samsung mit einer Helligkeit von 550 LED-Lumen. Samsung verzichtet auf die realistischere Angabe der Helligkeit in ANSI-Lumen, wohl wissend, dass ihr Projektor nicht wahnsinnig hell ist. Er hat etwa 250 ANSI-Lumen und ist damit nur etwas heller als der gute Budget-Beamer Blitzwolf BW-VT2 (Testbericht) und deutlich dunkler als der preislich vergleichbare Akku-Beamer XGIMI Halo+ (Testbericht). In deutlich abgedunkelten Räumen mit einer Diagonale von etwa einem Meter ist dennoch ein ordentliches Bild möglich. Sobald jedoch etwas Licht vorhanden ist, wirkt das Bild verwaschen und nicht leuchtstark genug.

Um eine etwas bessere Bildqualität zu erreichen, raten wir zur Verwendung einer Leinwand. Mehr dazu in unserem Ratgeber Billig-Beamer und Billig-Leinwand: Mit gut 100 Euro zum Monster-Bild?

Laut Samsung reicht die Projektionsgröße des Beamers von 0,75 Meter Diagonale (0,8 Meter Abstand) bis 2,5 Meter Diagonale (2,7 Meter Abstand). Allerdings kann man auch deutlich näher an die Projektionsfläche heran. Vorteil: Die gesamte Helligkeit verteilt sich dann auf einer kleineren Projektion, wodurch das Bild insgesamt heller ist.

Dank Auto Keystone, Auto Leveling und Autofokus richtet sich das Bild automatisch aus und wählt den passenden Fokus. Das funktioniert allerdings nicht so gut wie beim XGIMI Halo+. So wirkt das Bild häufig weiterhin leicht verzerrt. Auch der Autofokus arbeitet nicht perfekt, gerade Schriften sind stets leicht verwaschen. Rücken wir den Beamer dann etwas an die Leinwand heran, ist das Bild scharf. Zwar kann man über die Fernbedienung nachjustieren, das gelingt aber nur umständlich über das Einstellungsmenü und nicht so selbsterklärend wie beim Halo+. Trotzdem ist das Bild in dunkler Umgebung gut. Gerade die Farben können überzeugen.

Der ordentlich laute 5-Watt-Mono-Lautsprecher eignet sich, um etwa ein Fußballspiel zu vertonen. Den Lüfter übertrifft er mühelos, mit Bässen darf man jedoch nicht rechnen. Auch strahlt der Lautsprecher zwar im weiten Winkel ab. Trotzdem kommt mit ihm beim Betrachten von Filmen wenig Freude auf. Zum Glück lassen sich über Bluetooth externe Lautsprecher verbinden. Wir empfehlen unsere Kaufberatung JBL, Sonos, Sony: Outdoor-Lautsprecher mit Akku für die beste Party draußen.

Auf dem The Freestyle läuft das Samsung-eigene Betriebssystem Tizen. Beim Erststart bietet Tizen das Einrichten über das Smartphone an. Das funktionierte zumindest mit unserem Google Pixel 6 Pro (Testbericht) nicht. Nach dem Herunterladen der Smartthings-App und dem Einloggen findet die App zwar den Beamer sofort. Auch die Kopplung mit dem WLAN und das Übertragen des SMS-Bestätigungscodes scheinen zu funktionieren. Beim Registrieren des Beamers im Samsung-Account dann die Fehlermeldung, die uns dazu zwingt, die Erstinstallation über die Fernbedienung vorzunehmen. Kurios: Nach einem Software-Update spiegelt der Beamer das Bild. Ein Neustart behebt das Problem. Mehr dazu in den Fotos und Screenshots der Bildergalerie.

Tizen wirkt in seiner Optik recht aufgeräumt und erinnert mit seinem großen Kacheln, die horizontal navigiert werden, an viele weitere TV-Betriebssysteme wie Android TV oder Fire OS. Allerdings ist die App-Auswahl mit etwa 300 Apps gegenüber Android-TV eingeschränkt. Dennoch sind die wichtigsten Apps verfügbar. Dazu gehört auch Samsung TV Plus und ein kostenloser Live-TV-Dienst. Insgesamt bleiben bezüglich des Streaming-Angebots kaum Wünsche offen.

Wer will, kann über die Android-App Smartthings (Testbericht) oder unter iOS über Airplay 2 Smartphone-Inhalte auf den Projektor spiegeln. Auch Bixby und Alexa sind mit dabei. Riesen-Manko: Das Navigieren durch die Menüs ist zuweilen quälend langsam. Gerade wenn sich Tizen über einen im Hintergrund laufenden Stream legt, geht die Hardware in die Knie. Das erstickt jede aufkommende Freude im Keim.

Samsung bewirbt den The Freestyle als mobilen Mini-Beamer für den Außeneinsatz. Da verwundert es doch sehr, dass der Projektor keinen Akku integriert. Hier empfiehlt Samsung dein Einsatz einer Powerbank ab 60 Watt und Power Delivery (pd). Im Test funktionieren auch Powerbanks mit 45 Watt (min. 3A/9V). Billig ist eine solche Powerbank jedoch nicht. Hier müssen Käufer je nach Kapazität mit mindestens 50 Euro rechnen.

Wir testen die Akkulaufzeit mit einer 88-Wattstunden-Powerbank und erreichen 109 Minuten. Das reicht nur für kurze Filme. Beim Wechseln der Powerbank schaltet sich der The Freestyle aus, eine kleine Batterie zum Überbrücken gibt es nicht. Wer The Freestyle mobil länger einsetzen will, kann zu einer Powerstation greifen. Diese fangen etwa bei 250 Euro an. Einen guten Überblick liefert unsere Top-10-Solargeneratoren: Die besten Powerstations mit Photovoltaik.

Der Samsung The Freestyle kommt zu einem Straßenpreis von knapp 750 Euro. Sein Skin ist wechselbar, alternative Farben kosten etwa 40 Euro. Ein passender Akku mit 32.000 mAh ist für gut 150 Euro vorbestellbar. Das Adapterkabel auf HDMI gibt es für rund 10 Euro.

Der Samsung The Freestyle soll vor allem Nutzer ansprechen, die bisher wenig Kontakt zu Mini-Beamern hatten. Die Strategie ist nachvollziehbar. Denn wer sich etwas auskennt, weiß, dass es für vergleichbares Geld deutlich bessere Projektoren gibt, allen voran den XGIMI Halo+ (Testbericht). Der Samsung The Freestyle sieht zwar toll aus, seine Haptik und Mechanik sind durchdacht und praktisch. Doch ihm mangelt es an grundlegenden und wichtigen Eigenschaften. So integriert Samsung keinen Akku, die Helligkeit ist zu gering und die Geschwindigkeit des im Grunde guten Betriebssystems ist unterirdisch. Zudem funktionieren das Auto-Keystone und der Autofokus nicht optimal, er hat nur einen Micro-HDMI-, keinen normalen HDMI-Port und der Sound ist höchstens durchschnittlich.

Für den aufgerufenen Preis von 750 Euro ohne Powerbank ist das zu wenig. Selbst der 180-Euro-Akku-Beamer Blitzwolf BW-VT2 (Testbericht) ist in Teilen besser. Wer bei seinem Beamer auf einen Akku verzichten kann und zudem im Vergleich richtig Geld sparen will, sollte sich unsere Top-5-Bestenliste: China-Beamer von 80 bis 250 Euro anschauen. Allen anderen raten wir zum viel besseren XGIMI Halo+ (Testbericht).

Im folgenden Preisvergleich zeigen wir die aktuell beliebtesten Beamer mit Akku:

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