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Marshall Kilburn II im Test: Bluetooth-Box mit Retro-Charme
Pro und Contra
  • Kann sehr laut und lange spielen
  • Trageriemen, Klangregelung, hochwertiger Aufbau
  • Integriertes Netzteil
  • Wenig für echten Outdoor-Einsatz geeignet
  • 4.0

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Der Marshall Kilburn II verbindet Retro-Charme mit toller Verarbeitung und einem warmen, nostalgisch angehauchten Klang. Wir haben den detailverliebten Rock-Opa getestet.

Die Babyboomer kennen die Marke Marshall noch aus den Hochzeiten des Gitarrenrocks. Die legendären Bühnenverstärker prägten mit Bands wie Deep Purple den Sound einer Ära. Bis auf das markante Retro-Design haben die modernen Bluetooth-Speaker der traditionsreichen Marke damit nur wenig gemeinsam. Jedoch orientiert sich auch die warme, volle Klangabstimmung des Kilburn II einen Hauch an den historischen Vorbildern. Wir haben den Bluetooth-Lautsprecher auf zehn gedreht.

Aus dem gleichen Haus haben wir bereits den ANC-Kopfhörer Marshall MID A.N.C. (Testbericht) getestet. Bei den Bluetooth-Boxen steht der Marshal Kilburn II in direkter Konkurrenz zu den Nostalgie-Alternativen Fender Monterey (Testbericht) und Fender Newport (Testbericht) .

Wer kennt noch die fetten Gitarrenverstärker mit eingebautem Lautsprecher, mit denen Rockbands der 60er und 70er-Jahre auf der Bühne standen? Der Marshall Kilburn II schaut mit seinem Kunst-Leder-Look, dem Metallgrill und gegen Kratzer geschützten Ecken aus wie eine maßstabsgetreue Verkleinerung seiner Vorbilder. Das kultige Design schlägt sich in vergleichsweise hochwertigen Materialien und dem stattlichen Gewicht von 2,5 Kilogramm nieder. Der nostalgisch angehauchte Bluetooth-Speaker wirkt für diese sonst vor Kunststoff strotzende Gattung geradezu hervorragend verarbeitet.

Drei Drehregler auf der Oberseite des mit einem fetten Trageriemen bestückten Bassreflex-Gehäuses sind für Lautstärke, Bass und Höhen zuständig – eine Reminiszenz an Rock-Giganten vom Schlage Deep Purple . Damit es auch zünftig zur Sache geht, spendierten die Entwickler dem Kilburn II zwei 20-Watt-Class-D-Verstärker für den Tieftonbereich plus zwei weitere mit je sechs Watt für die Hochtöner.

Damit sollen sich, so verspricht Marshall, sagenhafte 100 Dezibel Schalldruckpegel in einem Meter Abstand erzielen lassen. Zur besseren Einordnung: So viel schafft nicht mal so manche ausgewachsene HiFi-Box. Eine Besonderheit ist die vom Aufnahme-Pionier Alan Blumlein inspirierte 360-Grad-Klangabstrahlung, die den relativ kompakten Lautsprecher größer wirken lassen soll.

Der nach IPX2 eingestufte Bluetooth-Lautsprecher hält leichtem Spritzwasser stand. Letztlich zielt sein Konzept aber wie das des Teufel Motiv Go (Testbericht) oder Bose Portable Home Speaker (Testbericht) eher auf den Indoor-Einsatz, wofür auch das eingebaute Netzteil spricht.

Klangpuristen kommen schnell auf die Idee, die Bass- und Höhenregler des Marshall Kilburn II bis zum Anschlag aufdrehen. In Neutralstellung fehlt es dem Schwergewicht unter den Bluetooth-Boxen an Pep. Doch auch bei Rechtsanschlag beider Regler spielt der Nostalgiker weder besonders luftig noch bietet er überzeugenden Tiefgang.

Der Bass-Potentiometer betont lediglich den Oberbass und ist nicht frei von Nebenwirkungen. Exzessiver Einsatz lässt den für natürliche Stimmwiedergabe entscheidenden Mitteltonbereich gegenüber den dann etwas aufgeblähten Bässen verblassen.

Der Effekt lässt Stimmen leicht bedeckt klingen, als stünden die Sängerinnen und Sänger hinter einem Vorhang. Schließlich sind auch die Höhen nicht sonderlich brillant. Der Speaker ist eher etwas für jene, die es laut, satt, aber nicht schrill mögen. Wenn man den Bassregler mit Augenmaß verwendet, verwöhnt er jedoch mit angenehmer, stimmiger Tonalität.

Der Kilburn II klingt mit seiner Blumlein-Stereophonie mit einer gewissen rückseitigen Schallabstrahlung nicht so sehr nach kleinem Kasten wie manch anderer Lautsprecher in dieser Größe. Allerdings sollte man davon keine Raumklang-Wunder erwarten.

Vor allem aber laut spielen, das liegt dem Marshall wirklich ausgesprochen gut. Dabei fällt zusätzlich positiv auf, dass ihm das von den meisten anderen Bluetooth-Speakern bekannte „Pumpen“ DSP-gesteuerter Limiter auch bei hohen Abhörpegeln fremd ist. Insgesamt ergibt das einen durchwachsenen Höreindruck. Verglichen mit seinem Vorgänger, erzielt der Kilburn II aber einen spürbaren Klangfortschritt.

Die bereits erwähnten Drehregler nützen der Haptik und ermöglichen zudem eine Klangregelung, die Bluetooth-Boxen gewöhnlich abgeht. Die Hommage an gute alte Zeiten birgt aber einen Nachteil: Die Lautstärke zwischen dem Marshall Kilburn II und dem über Bluetooth gekoppelten Smart Device geht nicht synchron. Eine Abstimmung zwischen dem mechanischen Drehpotentiometer – er dient übrigens auch zum Ein- und Ausschalten – und dem Smartphone findet nicht statt. Das ist ausgesprochen unpraktisch und inzwischen auch ungewöhnlich. Wer voll aufdrehen will, muss dazu die Lautstärkeregelung an beiden Geräten separat auf Maximum stellen.

Abgesehen davon gibt es keine Möglichkeit, die Wiedergabe über die Box zu starten und stoppen. Dafür lässt sich das Bedienfeld auf der Oberseite an Übersichtlichkeit kaum toppen und hält sogar eine Batterieanzeige mit vielen kleinen LED-Segmenten bereit. Auch der Pairing-Button sitzt oben, während man ihn etwa beim Teufel Motiv Go kaum sichtbar an der Seite versteckt hat. Der Marshall Kilburn II verfügt über eine Multi-Host-Funktion, um rasch zwischen zwei Bluetooth-Geräten zu wechseln.

Die Schnellladefunktion versprüht einen Hauch Tesla. Mit nur 20 Minuten Ladezeit lässt sich der Lithium-Ionen-Akku für ganze drei Stunden tragbarer Spieldauer befüllen. Das vollständige Aufladen für über 20 Stunden Spielzeit dauert nur gut zweieinhalb Stunden. Dank integriertem Netzteil kann man den Kilburn II direkt an der Steckdose betreiben.

Dieses Extra ist inzwischen vom Aussterben bedroht: Immer weniger Bluetooth-Lautsprecher bieten einen Analog-Eingang. Der AUX-Anschluss mit 3,5-mm-Klinkenbuchse ermöglicht den Anschluss von Stereo-Quellen, die nicht über eine Bluetooth-Konnektivität verfügen. Allerdings unterstützt der Kilburn II für den gemeinhin gebräuchlicheren Wireless-Betrieb weder AptX- noch AAC-Codecs. Auf der Rückseite des 24,3 × 16,2 × 14 Zentimeter großen Gehäuses findet sich ein Netzanschluss – eine sehr praktische Sache.

Den Marshall Kilburn II gibt es in den Farben Schwarz, Grau, Burgundy und Indigo. Er kostet aktuell etwa 200 Euro. Allerdings zeigt der Preisverlauf, dass er in der Vergangenheit schon häufig deutlich günstiger den Eigentümer wechselte. Sein Tiefstpreis liegt bei 155 Euro. Wer warten und im besten Fall etwa bei Geizhals einen Preisalarm setzt, kann im Vergleich zum derzeitigen Preis viel Geld sparen.

Wer einen Outdoor-Lautsprecher für die nächste Beach Party sucht, findet leicht günstigere Alternativen wie den Dockin D-Fine (Testbericht) , muss dann aber bezüglich der Lautstärke und der Akkulaufzeit Einbußen in Kauf nehmen.

Mit seiner Bassreflex-Öffnung und dem Schallaustrittsgitter auf der Rückseite ist der Marshall Kilburn II trotz IPX"-Zertifizierung am Sandstrand etwa so fehl am Platz wie umgekehrt Flip-Flops in der Oper. Wer bereit ist, für Style, Verarbeitung und Pegelfestigkeit etwas tiefer in die Tasche zu greifen, der bekommt ein lebendes Fossil mit einem nicht zu unterschätzenden Charme und kompletter Ausstattung. Denn ein integriertes Netzteil gibt es nur selten in diesem Bereich.

Für weitere gute Bluetooth-Lautsprecher, die teilweise deutlich günstiger sind als der Marshall Kilburn II, empfehlen wir unseren Ratgeber Die besten Bluetooth-Speaker bis 100 Euro . Immernoch zu teuer? Dann hilft unsere Kaufberatung Günstig & gut: Vergleich von fünf Bluetooth-Speakern unter 50 Euro .

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