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iRobot Braava Jet M6 im Test: Nachtblinde Premium-Wischfee

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Wischen ist beschwerlich und zeitraubend, es sei denn, man verfügt über einen Wischroboter. Der iRobot Braava Jet M6 will seine Sache besonders gut machen – muss er für fast 700 Euro aber auch.

Neben klassischen Saugroboter gibt es inzwischen auch ordentliche Hybrid-Modelle wie Eufy L70 Hybrid (Testbericht) oder Xiaomi Roborock S5 Max (Testbericht), die saugen und wischen. Gerade die Wischfunktion überzeug uns aber bei den meisten Alleskönnern bislang nicht vollends. Die reichte nämlich meist nur für feuchtes Staubwischen, nicht aber, um Flecken zu entfernen. Hier kommen reine Wischroboter zum Einsatz. Diese Spezialisten rühmen sich damit, deutlich bessere Wischergebnisse zu erreichen – Augenwischerei oder glanzvolle Realität?

Übrigens: Tipps, worauf beim Kauf eines Wischroboters zu achten ist, haben wir in diesem Ratgeber zusammengefasst. Saugroboter und Hybridmodelle finden sich auf unserer entsprechenden Themenseite.

Im Gegensatz zu den meisten runden Saugrobotern der Konkurrenz und auch den neuen D-förmigen iRobot-Modellen ist der Wischroboter Braava Jet M6 quadratisch. Design-technisch übernimmt der M6 Elemente vom Luxus-Sauger Roomba S9(+). Dazu gehört etwa die auf Metalloptik getrimmte runde Platte auf der Oberseite, unter der sich der Wassertank verbirgt, und das ringförmig um die Platte gezogene LED-Band. Damit macht der Bot in verschiedenen Farben optisch auf sich Aufmerksam und unterstützt Aktivitäten sowie Statusmeldungen visuell. Die Platte ist etwas im Gehäuse versenkt, im hinteren Teil lugt eine Kamera darüber hinweg, mittels derer der Roboter navigiert. Vorne befinden sich auf der Oberseite drei Tasten für Spotcleaning, Start/Stopp und Rückkehr zur Basisstation. Außerdem platziert der Hersteller hier ein winziges Sensortürmchen. Das ragt aber nicht weit aus dem Gehäuse hervor, es würde ansonsten auch einen der Vorteile der Kamera-Navigation negieren: Ohne eine Laserturm auf dem Roboter ist die Bauform zumindest theoretisch flacher.

Tatsächlich ist der Braava Jet M6 mit rund 9 Zentimetern Bauhöhe niedrig genug, um unter die meisten Möbel zu kommen. Neben der Kamera nutzt er zusätzliche Sensoren und auch einen Bumper, um Hindernisse zu erkennen. Der Bumper umfasst dabei die gesamte Front und jeweils die vordere Hälfte der Seiten. Damit erkennt er nicht nur frontales Auffahren auf ein Hindernis, sondern auch seitliches. In den Bumper integriert ist zudem eine Düse, aus dem der Wischroboter Reinigungsmittel vor sich auf den Boden sprüht, darunter befindet sich zudem eine Auswurftaste für die mechanisch befestigten Wischtücher. Positiv sticht die gute Verarbeitung und das durchaus elegante Design des Braava Jet M6 in schlicht weißem Kunststoff hervor – das ist bei dem recht hohen Preis aber auch zu erwarten.

Zum Lieferumfang gehört eine Ladestation mit Kabelmanagement und Grundplatte, damit der Wischroboter während des Ladevorgangs nicht auf der zu reinigenden Fläche steht. Das soll etwa im Falle von Holzböden Beschädigungen durch Aufquellen verhindern. Außerdem packt iRobot abgesehen von einer Bedienungsanleitung in Papierform ein kleines Fläschchen Reinigungsmittel, ein wiederverwendbares Feuchtwischtuch sowie zwei Einweg-Feuchtwischtücher in den Lieferkarton. Hinzu kommen ein etwas weicheres wiederverwendbares Tuch zur Trockenreinigung sowie zwei Einwegtücher zur Trockenreinigung. Gerade bei den Einwegtüchern stellt sich allerdings die Frage, ob das wirklich notwendig ist. Denn einerseits ist das aus ökologischen Gesichtspunkten nicht sinnvoll, außerdem reißen sieben solcher Tücher mit etwa 12 Euro auf Dauer auch finanziell ein Loch in die Geldbörse.

Ladestation mit Abstellfläche aus Kunststoff gegen Nässeschäden und Kabelmanagement

Die Einrichtung des iRobot Braava Jet M6 läuft denkbar einfach ab: Schnell die kostenlose iRobot-App auf Smartphone oder Tablet installieren und starten, einen Account einrichten und schon führt ein kleiner animierter Roboter durch den Einrichtungsprozess. Dafür muss das Smartphone in ein WLAN-Netz eingewählt sein, über das (und zusätzlich über die Cloud) der Roboter später auch Updates und Befehle von unterwegs bezieht. Zudem sehen Nutzer den Reinigungsverlauf, dürfen Zeitpläne zur automatischen Reinigung erstellen, Karten der Reinigungsflächen modifizieren und Einstellungen wie die Sprache des M6 einstellen. Ebenfalls hier anzupassen: Die Wassermenge, die der Roboter immer wieder vor sich auf den Boden appliziert und die Überlappungsstärke der einzelnen Bahnen. Damit passt der Nutzer die Reinigungsleistung an den Grad der Verschmutzung an.

In der App lässt sich außerdem eine Freigabe für Amazon Alexa, Google Assistant, IFTTT und Yonomi einrichten. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, die per Stimme meist nur aktiviert und wieder zur Ladestation zurückgeschickt werden können, erlaubt iRobot seinen Nutzern sogar das gezielte Reinigen einzelner Räume, die zuvor in der App festgelegt und benannt wurden – vorbildlich! Das klappt aber erst nach einer Anlernphase, in der der M6 die Raumkarten seines Reinigungsbezirks nach und nach verfeinert. Im Test dauerte es drei volle Durchgänge, bis der endgültige Plan stand. Über IFTTT und Yonomi lässt sich der Roboter noch besser ins Smart Home integrieren. So ist etwa das Versenden von Mails bei Abschluss des Reinigungsvorgangs oder das Ausschalten der Zimmerbeleuchtung nach der Arbeit denkbar. NoGo-Areas dürfen Nutzer natürlich auch einrichten.

Statt Laser-Navigation setzt iRobot auch beim M6 weiterhin auf Kameras zur Orientierung im Raum. Das System erlaubt theoretisch zukünftig auch angepasste Vorgehensweisen bei entsprechend erkannten Hindernissen. So könnten kleine Störfaktoren wie Spielzeug oder Exkremente von Haustieren erkannt und umfahren werden, statt wie bei aktuellen Modellen einfach drüberzurollen. Derzeit bietet die Kameranavigation aber eher Nach- als Vorteile, die sich auch beim 700 Euro teuren M6 bemerkbar machen. In erster Linie ist hier die Navigationsleistung bei wenig Licht zu nennen, aber auch die Angst von potentiellen Käufern, ständig von ihrem Roboter beobachtet zu werden, spielt eine Rolle. Dunkelheit mag der M6 nicht. So wischte der Roboter im Test eine gleich große Fläche im gleichen Wischmodus bei Licht in rund 20 Minuten, bei völliger Dunkelheit brauchte er gut eine Dreiviertelstunde. Das ist für ein teures Highend-Modell unzumutbar und wirft durchaus berechtigte Kritik am Festhalten iRobots an der Kameratechnologie auf.

Bei Licht hingegen funktioniert die Navigation vorbildlich. Der M6 findet sich gut im Raum zurecht, selten dreht er sich zur Orientierung im Kreis. Bahnen werden je nach Einstellung stark oder weniger stark überlappend gefahren, auch kleine, dünne Hindernisse wie Stuhlbeine umrundet der Bot in sehr geringem Abstand. Kanten stellen kein Problem dar, der Wischroboter fährt zuverlässig und mit minimalem Abstand daran vorbei, sodass keine Staubränder zurückbleiben. Gelegentlich stößt er etwas härter vor Hindernisse, Sorgen machen muss sich aber letztendlich wohl niemand um sein Mobiliar. Einziges kleines Problem: Der Roboter navigiert zwar unbeeindruckt und hartnäckig selbst durch Stuhlbein-Wälder, kommt dann aber nicht mehr zum Versprühen der Reinigungsflüssigkeit. Die setzt er nämlich nur ein, wenn er die zu benetzende Strecke bereits einmal abgefahren ist und somit sicher stellen kann, dass er nicht ungewollt Wände, Teppich oder sonstige Gegenstände besprüht. Daher setzt er vor Einsatz der Düse den letzten halben Meter zurück und aktiviert den Ausstoß erst dann.

Der M6 schiebt das Tuch vor sich her, leider fährt er mit den Rädern anschließend über die nasse Fläche

Teppiche werden auf zwei Wegen erkannt: Das Befahren von fest verlegter Auslegeware erkennt der Braava Jet M6 durch den plötzlich erhöhten Reibungswiederstand beim Wechsel etwa von Fliesen zu Teppich. Brücken, Läufer und sonstige Zusatzteppiche befährt der Bot hingegen nicht, weil er so gut wie keine Höhenunterschiede überwinden kann. Während es bei Saugrobotern teilweise 2 Zentimeter und mehr sein dürfen, schafft der Wischroboter nur wenige Millimeter. So werden zwar keine Teppiche geduscht, besonders in Altbauten ist es dem Haushaltshelfer aber auch nicht möglich, mehrere Räume autark zu reinigen, da ihn Türschwellen vom Rest der Wohnung abschneiden.

Die Reinigungsleistung ist je nach gewählter Einstellung befriedigend bis gut, für einen Roboter sogar sehr gut. Im Maximal-Modus fährt der iRobot sehr stark überlappende Bahnen und versprüht recht viel Reinigungsflüssigkeit, im schnellsten Modus ist die Überlappung weit weniger ausgeprägt und es wird deutlich weniger Flüssigkeit verbraucht. Bei Verwendung von reinem Wasser ist die Fähigkeit, Flecken zu entfernen, durchaus vorhanden, mit Reinigungszusatz klappt das noch einmal besser. Außerdem wird das Gesamtergebnis auch optisch etwas besser. Streifenfrei ist es aber auch dann nicht, zumal je nach Lichteinfall die konstruktionsbedingten Reifenspuren des M6 leicht zu sehen sind. Der Bot schiebt das Reinigungstuch schließlich vor sich her und fährt anschließend mit den Antriebsrädern über den feuchten Boden – suboptimal.

Flecken werden wie angedeutet durchaus entfernt – trotz der nicht einmal 2,5 Kilogramm besser als bei Hybridmodellen. Einfache Flecken, etwa frische Kaffeeflecken, schafft der Bot dabei schon beim ersten Durchlauf. Eingetrocknete Kaffeeflecken sind zwar nach der ersten Überfahrt sichtbar dezimiert, aber gelegentlich noch da. Hier hilft dann der Spotreinigungsmodus, anschließend sind solche Verunreinigungen passé. Auch die Matschflecken, die wegen des Winterwetters unweigerlich beim Abstellen von Schuhen im Eingangsbereich entstehen, beseitigte der M6 erstaunlich gut. Größere Verunreinigungen oder schmierige Substanzen wie Senf oder Ketchup sollten Nutzer lieber gleich manuell mit einem feuchten Tuch entfernen. Ansonsten werden solche Substanzen eher im Umkreis verteilt als wirklich beseitigt – wie Saugroboter sind eben auch Wischroboter eher dazu da, durch kontinuierliches Fahren ein gewisses Grundlevel an Sauberkeit zu halten.

Angenehm: Während des Reinigungsvorgangs ist der M6 im Vergleich zu Saugrobotern mit ihrem Gebläse sehr leise, einziges hörbares Geräusch ist das der Motoren, die ihn antreiben und die Sprühdüse. Damit stört der Roboter selbst dann kaum, wenn seine Besitzer im gleichen Raum fernsehen.

Etwas unschön, gerade in Verbindung mit einem elektronischen Gerät: Der sehr einfach entnehm- und befüllbare Wassertank bzw. das Verbindungsventil zum Roboter leckt leicht, sodass immer einige Tropfen im Inneren des Roboters zu finden sind. Zu Problemen führte das im Test aber nicht. Bleibt zu hoffen, dass iRobot das bei der Konstruktion des Roboters berücksichtigt hat und so auch keine Langzeitschäden entstehen.

Die Sprühdüse in Aktion

Im einfachsten Reinigungsmodus, also mit wenig Flüssigkeitseinsatz und nur geringfügiger Überlappung der einzelnen Bahnen, reicht der Wassertank locker für 60 Quadratmeter, eher sogar mehr. Im Maximalmodus ist rund nach 30 Quadratmetern Schluss, dieser Modus ist unserer Meinung nach aufgrund der hohen Wassermenge allerdings nicht für unversiegelte Flächen wie Laminat zu empfehlen. Einen Abwassertank hat der iRobot Braava Jet M6 übrigens nicht, das Reinigungstuch sollte entsprechend regelmäßig gewechselt oder gereinigt werden.

Beim Preis langt iRobot richtig zu: 699 Euro in der UVP des Herstellers sind schon richtig viel Geld, schließlich sind die meisten Hybridmodelle mit Saug- und Wischfunktion meist mehrere Hundert Euro günstiger. Zum Testzeitpunkt kostete der M6 ab 569 Euro.

iRobot Braava jet m6 Wischroboter (m613440)

(Kein Produktbild vorhanden)

Wischtücher

(Kein Produktbild vorhanden)

Feuchttücher

(Kein Produktbild vorhanden)

Wischtuch

Ja, Hybridmodelle können Saugen und Wischen und sind sogar meist noch günstiger als der iRobot Braava Jet M6. Aber die Wischleistung beim M6 geht tatsächlich über reines Staubwischen hinaus und ist teils deutlich besser. Natürlich reicht auch das konstruktionsbedingt nicht für große Verunreinigungen oder hartnäckigen Schmutz. Stattdessen erhält der Braava Jet M6 wie alle Reinigungsroboter ein bestimmtes, durchaus recht hohes Sauberkeitsniveau, indem er regelmäßig mehrfach pro Woche fährt.

Dass kann er dank ausgereifter Navigation auch in Abwesenheit des Besitzers zuverlässig – zumindest, solange es hell genug, der Wassertank gefüllt und das Wischtuch sauber ist. Bei Dunkelheit leidet die Navigationsfähigkeit spürbar, die Reinigungszeit des eh schon nicht übermäßig schnellen Roboters sinkt dramatisch. Ansonsten überzeugt der M6 im Test auf (fast) ganzer Linie. Größter Kritikpunkt ist allerdings der Preis. Für fast 700 Euro können Interessenten theoretisch eine externe Putzkraft ziemlich lange beschäftigen – und die wischt vermutlich noch besser. Dennoch: Der iRobot Braava Jet M6 gehört aktuell zu den besten Wischrobotern auf dem Markt.

Was generell beim Kauf eines Wischroboters beachtet werden sollte, haben wir in diesem Ratgeber zusammengefasst. Saugroboter und Hybridmodelle finden sich auf unserer entsprechenden Themenseite.

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