TechStage | Tests, Ratgeber und Kaufberatungen zu Smartphones, Smart Home, Computer und Technik, die Spaß macht

Huawei Sound X im Test: Dummer Smart-Speaker
Pro und Contra
  • Leistungsstarke Treiber
  • Interessantes Design
  • Keine smarten Funktionen
  • WLAN nutzlos, daher kaum Zuspielmöglichkeiten
  • Klang basslastig und unausgeglichen
Rating:
  • 3.0
Beliebt auf TechStage
Magnetische Druckauflagen für SLA-Drucker: Geniales Zubehör für wenig Geld
NAS-Kaufberatung: So findet man den perfekten Netzwerkspeicher
Vergleich: Die beste Festplatte fürs NAS von 4 bis 12 TByte
GPS, Fingerprint-Schloss, schlaue Helme: So wird das Fahrrad günstig smart

Der Sound X ist eigentlich Huaweis erster Smart Speaker, doch von smart ist er weit entfernt. Dafür hat die Devialet-Kooperation ordentlich Wumms, wie der Testbericht zeigt.

Huaweis erster eigener Smart Speaker hätte sicher nicht für so viel Aufsehen gesorgt, stünde nicht ein weiterer Name mit auf der Verpackung: Devialet. Der Hersteller für Premium-Audio-Technik verlangt für kompakte Wireless Speaker wie den Devialet Classic Phantom Preise ab 1.790 Euro. Im Internet kommen die Phantom-Lautsprecher dank außergewöhnlichem Design und überragender Klangqualität gut an und mit seinen Verstärkern konnte sich Devialet in der Hifi-Szene ohnehin längst einen Namen machen. Diese Expertise und den Mut hin zu eher unkonventionellen Lautsprechern wollen Devialet und Huawei im Sound X nun mit den Vorteilen eines Smart Speaker kombinieren und verkaufen alles zusammen für nur 350 Euro. Im Test zeigt sich, ob die Kooperation geglückt ist.

Die meisten Smart Speaker besitzen integrierte WLAN-Module und arbeiten mit Sprachassistenten zusammen, um Informationen und Musik aus dem Netz zu beziehen. Der Google Assistant, Amazons Alexa oder Apples Siri reagieren dabei auf unzählige Sprachbefehle und steuern als zentrale Einheit das Smart Home. Wie gut das funktioniert, zeigen wir im Beitrag: Sprachassistenten im Vergleich .

Huaweis hat auch einen solchen Sprachassistenten, allerdings ist Celia - so der Name der Sprachassistenz - in der aktuellen Version des Sound X nicht integriert. Sie soll später durch ein Software-Update nachgeliefert werden. Hierfür baut Huawei einen Quad-Core-Prozessor, 512 MByte Arbeitsspeicher und 8 GByte internen Speicher im Sound X ein. Genauere Informationen zum Erscheinen des Sprachassistenten konnte Huawei auf Anfrage nicht nennen.

Somit beraubt der abwesende Sprachassistent die sechs Mikrofone an der Oberseite des Huawei Sound X aktuell noch ihrer Funktion. Sie fungieren weder als digitale Ohren für den Sprachassistenten, noch lassen sie sich unter Android per Bluetooth für Telefonate als Freisprecher nutzen. Letzteres findet in der beiliegenden Kurzanleitung zwar Erwähnung, steht auf unterschiedlichen Android-Geräten im Test aber nicht zur Verfügung. Die letzte smarte Bastion ist somit das WLAN-Modul im Sound X.

Dessen Verbindung mit dem heimischen WLAN-Netzwerk erfolgt über die AI-Life-App und gestaltet sich sehr einfach. Für Musikstreaming vertraut Huawei dabei auf den eigenen Standard Audiocast, doch Apps ausfindig zu machen, die zu diesem Standard kompatibel sind, gestaltet sich schwer. Da Apples Airplay und Google Cast nicht mit dem Sound X zusammenarbeiten und auch Apps für Streaming über den Standard UPnP trotz ausgeschriebener Kompatibilität Fehlermeldungen ausgeben, dient das WLAN-Modul in der Summe nur zur Installation von Firmware-Updates.

Als einziger Trostpreis bleibt die Kompatibilität mit Huawei Share, für den der Hersteller dem Sound X ein NFC-Modul spendiert. Per Onehop spielt der Lautsprecher Musikdateien kompatibler Huawei-Smartphones nach einmaligem, kurzem Auflegen ab. Alternativ eignet sich NFC auch für den Aufbau der Bluetooth-Verbindung zu kompatiblen Android-Smartphones.

Insgesamt fehlen dem Huawei Sound X hierzulande so ziemlich alle smarten Funktionen. Womöglich liegt das am Handelsembargo der USA gegen Huawei, das dem Hersteller zu den Google-Diensten auf all seinen Smartphones nun auch die Anbindung an Musikstreamingdienste wie Spotify und Tidal nimmt. Bis sich daran etwas ändert, ist der Huawei Sound X ein sehr teurer Bluetooth-Speaker.

Zum Preis von knapp 350 Euro bringt der Sound X eine eher mittelmäßige Kompatibilität zu aktuellen Standards im Zusammenhang mit Bluetooth mit. Zwar hat der Speaker laut dem Datenblatt Bluetooth 5.0 und die Codecs A2DP und HFP; Zertifikate für Dolby Atmos und AptX fehlen allerdings. Da sich diese bereits in einigen Bluetooth-Speakern unter 100 Euro finden, hat Huawei hier Chancen verstreichen lassen.

Vom Bluetooth-Modul geht der Klang über den integrierten Verstärker an zwei Tieftöner und sechs Hochtöner. Zusammen decken diese einen Frequenzbereich von 40 Hertz bis 40 Kilohertz mit einer Gesamtleistung von beeindruckenden 108 Watt ab. Die beiden Tieftöner leisten zusammen 60 Watt und die sechs Hochtöner tönen gemeinsam mit 48 Watt Nennleistung. Die maximale Lautstärke liegt laut Herstellerangaben bei 93 Dezibel und in hohen Lautstärkebereichen soll der Sound X nicht gleich über den Tisch hüpfen, wenn die zwei Woofer ihrer Arbeit nachgehen. Insgesamt sind das für einen Smart Speaker sehr gute Eigenschaften, im Hifi-Bereich finden sich jedoch in vergleichbarer Preisklasse weitaus leistungsstärkere Systeme.

Neben den technischen Daten ist auch Devialets SAM-Technologie spannend. Denn mit Speaker Active Matching passt der Verstärker die Audiosignale den Eigenschaften des jeweiligen Lautsprechers in Echtzeit an. Doch Vorsicht: Nicht mit der Raumerkennung einiger Apple- und Sonos-Produkte wie dem Sonos Move (Testbericht) verwechseln. Diese vermessen den Raum über die integrierten oder externe Mikrofone und richten den Sound an die jeweilige Position im Raum aus. Beim Sound X ist dies nicht der Fall, auch wenn die Funktion aufgrund der kreisrunden Anordnung der Treiber sehr wünschenswert wäre.

Beim ersten Hörtest bekommt man dennoch einen Eindruck vom Wow-Effekt, den viele Tester den teuren Devialet-Modellen nachsagen. Die beiden Tieftöner verleihen dem Sound X eine eindrucksvolle Bassleistung, während die darunter liegenden Hochtöner ein wenig in den Hintergrund rücken. Trotz des mit 3,5 Kilogramm nicht gerade übermäßigen Gewichts und der vibrationsmindernden Push-Push-Technologie, gibt der Sound X genügend Vibrationen an seine Umgebung ab. Wer Musik mag, wenn sie in den Magen fährt, sollte den Lautsprecher auf einem stabilen Untergrund platzieren.

Wer hingegen geräuschempfindliche Nachbarn hat, der sollte den Huawei Sound X mit Vorsicht genießen. Denn dieser ist auch in geringen Lautstärkebereichen überaus basslastig und dringt dabei mühelos durch Tische, Wände und direkt in den Nebenraum. Während die Hochtöner sich beim Decrescendo brav zügeln, dröhnen und beben die Subwoofer recht beständig weiter. Die starke Neigung zum Bass ist dabei nicht bei jeder Musikrichtung angebracht.

Imponieren die kraftvollen Tieftöner bei elektronischen Titeln wie Ham von Mr. Oizo oder New Orders Blue Monday, wirkt der Sound X bei filigraner Musik überfordert. Jethro Tulls Locomotive Breath plätschert ein wenig ziellos daher, bis die gleichmäßigen Schläge der Bassdrum die sonstige Komposition überrennen. Selbst Freddy Mercurys kraftvollen Gesang in Bohemian Rhapsody vergräbt der Sound X erst unter John Deacons Bassläufen und anschließend im bekannten Schlagzeug-Beat. Urplötzlich ist dann Brian Mays Gitarrensolo im Mittelteil viel lauter, als alle anderen Töne. Das Gesamtergebnis ist ein wenig unausgeglichen und wirkt über Kopfhörer oder auf anderen Lautsprechern deutlich kontrollierter. Die Feinheiten der qualitativ hochwertigen Premium-Streams in Master-Qualität beim Musikstreamingdienst Tidal gehen insgesamt zu sehr im bebenden Bass unter.

Die Gesamtlautstärke ist insgesamt ausreichend und wird ohne Verzerrung oder Kratzen dargeboten. Dabei hat man ein wenig das Gefühl, der Huawei Sound X könnte ohne softwareseitige Limitationen noch mehr leisten, ohne zu übersteuern. Dank des 360-Grad-Sounds füllt der Sound X den Raum gleichmäßig mit Musik, wirkt hierdurch in Regalen oder vor Wänden sehr eingeengt.

Gleichzeitig ist die Stereoleistung durch die runde Anordnung sehr gering. Beim nach links und rechts faden von Musiktiteln verschiebt sich der Klang nur minimal in die jeweilige Richtung. Für echten Stereo-Sound mit dem Sound X arbeiten prinzipiell auch zwei Speaker mit einem Gesamtpreis von 700 Euro zusammen. Bei der Nutzung als Heimkino-Anlage gibt es für so viel Geld schon sehr gute Soundbars. In unserem Testsieger-Artikel nennen wir zahlreiche Beispiele.

Die AI-Life-App besitzt Funktionen zur Anpassung der Klangfarbe des Sound X, die sich jedoch auf einen Bassregler und zwei Sound-Profile beschränken. Hier böte ein Equalizer mit mehreren Kanälen deutlich mehr Spielraum. Im Test hatte keine der Änderungen eine Auswirkung auf den Klang. Laut Huawei sollten die Klanganpassungen eigentlich funktionieren. Das Problem scheint gerätespezifisch zu sein oder hängt mit der WLAN-Konfiguration im Test-Szenario zusammen. Insgesamt ist der Klang des Huawei Sound X beeindruckend und enttäuschend zugleich. Wer sehr viel Bassleistung in einem kompakten Lautsprecher sucht, findet daran sicher Gefallen. Feingeister eher nicht.

Das Design des Huawei Sound X ähnelt dem des Apple Homepod, der Huawei womöglich als Vorbild diente. Schließlich orientiert sich der Hersteller auch bei seiner Homepage und seinen Matebook-Laptops am Unternehmen aus Cupertino. So ist die Form des Sound X nahezu identisch zum Homepod, sogar ein berührungsempfindliches Display findet sich auf der Oberseite. Im Testbericht zum Apple Homepod finden sich viele Fotos als Vergleich. Die oberen zwei Drittel des Lautsprechers sind jedoch mit glänzendem Klavierlack überzogen, der äußerst anfällig für Fingerabdrücke und Staubpartikel ist. Markant und vor allem einzigartig sind die zwei Aussparungen, durch die man die beiden Devialet-Woofer bei der Arbeit beobachten kann.

Schön ist, dass Huawei sich in puncto Verarbeitung nicht hinter Apple verstecken muss. Diese ist insgesamt sehr hochwertig und durch das Gewicht von 3,5 Kilogramm lässt sich erahnen, dass Huawei viel Metall im Sound X verwendet. Zusätzlich zeigt sich der Hersteller bei der Platzierung des Stromanschlusses einfallsreich. Der Steckplatz für das mitgelieferte Netzteil befindet sich an der Unterseite. Durch einen kleinen Kabelkanal bleibt das Design des Speakers schön bündig. Ein Stativgewinde oder sonstige Möglichkeiten zur Wandmontage fehlen allerdings.

Der Sound X sieht modern aus und fügt sich dennoch wenig in bestehende Lautsprecher-Setups oder Regale ein. Hier zieht er vor allem dann Aufmerksamkeit auf sich, wenn das farbige Display an der Oberseite zum Leben erwacht.

Das Display steuert grundlegende Funktionen wie die Lautstärke oder die Aktivierung der internen Mikrofone. Die Multifunktionstaste dient aktuell nur für das Pairing von Bluetooth-Geräten. Durchaus praktisch ist die Möglichkeit, die Wiedergabe durch Handauflegen zu unterbrechen.

Hierbei pausiert das verbundene Bluetooth-Gerät den aktuellen Titel, bleibt jedoch verbunden. Das Display des Huawei Sound X indiziert das mit einem roten Kreis. Als weitere smarte Funktion leuchtet das Display schon dann auf, wenn man die Hand in Richtung Sound X bewegt. Hierfür integriert Huawei einen Näherungssensor an der Oberseite des Speakers. Physikalische Knöpfe oder weitere Anschlüsse bietet der Huawei Sound X nicht.

Ohnehin sind die Extras beim Sound X recht mau. Gemeint sind clevere Funktionen, die bei der Nutzung eher im Hintergrund arbeiten, aber viel zum Nutzererlebnis beitragen. Apple stattet seinen Homepod beispielsweise mit einer Umgebungserkennung aus, was gerade bei einem Speaker mit 360-Grad-Klang sinnvoll ist. Stellt man den Homepod an eine Wand, misst er über Töne im nicht-hörbaren Bereich den Abstand und passt die Lautstärke der integrierten Lautsprecher dementsprechend an. Beim Google Home Max richtet sich hingegen eine Leuchtleiste beim Positionswechsel automatisch aus.

Derartige Funktionen fehlen im Huawei Sound X und auch eine manuelle Ausrichtung des 360-Grad-Sounds ist über die App nicht möglich. Da dem Lautsprecher auch ein integrierter Akku fehlt, ist eine Platzierung nahe einer Steckdose und somit eher nahe einer Wand wahrscheinlich.

Zwei weitere Extras finden sich im Lieferumfang des Huawei Sound X. Der Hersteller legt dem glänzenden Lautsprecher ein Mikrofasertuch bei, das man am besten in Griffweite zum Lautsprecher lagert. Dazu liefert Huawei den Sound X in einer Stofftasche, die aufgrund des fehlenden Akkus nach dem Auspacken wahrscheinlich in der Schublade landet. Ansonsten finden sich im Karton das Netzteil, eine Schnellstartanleitung und der Lautsprecher selbst.

Insgesamt ist das Leben mit dem Huawei Sound X von vielen Rückschlägen durchzogen. Wer nach dem Kauf einen Smart Speaker erwartet, wird nach der Einbindung ins WLAN-Netzwerk sehr enttäuscht sein. Wer hingegen einen leistungsstarken Bluetooth-Speaker kaufen möchte, den könnte der kraftvolle Sound der acht Treiber durchaus beeindrucken. Zum Preis von 350 Euro sind diese kräftig, aber leider eher schlecht abgestimmt. Sanfte Töne gehen dabei im wummernden Bass der zwei Tieftöner unter, die technisch trotz aller Kritik kleine Meisterwerke sind.

Bis Huawei es schafft, seinen Sprachassistenten Celia für den deutschen Markt zu lokalisieren und Software-Fehler wie die wirkungslose Bassregelung zu reparieren, ist der Kauf des Sound X nicht sonderlich empfehlenswert. Hier gibt es zum gleichen Preis aktive Lautsprechersysteme mit besserem Stereoklang, die mehr Anschlussmöglichkeiten und vor allem einen anpassbaren oder einen von Haus aus wohltemperierten Klang bieten.

Der Markt für kraftvolle Smart Speaker ist mit dem Apple Homepod (lohnt sich der Kauf noch?) , dem Google Home Max und dem Amazon Echo Studio ohnehin schon sehr gesättigt. Denn hier kommen zu kraftvollen Speakern etablierte Sprachassistenten hinzu, die im Vergleich zu Huaweis Celia schon mehrere Jahre Erfahrung im Bereich der Spracherkennung mitbringen. Ob Huawei diesen massiven Vorteil bei Nachlieferung der smarten Funktionen des Sound X einholen kann, bleibt zwar abzuwarten.

Nochmal eine Ecke teurer ist der Sonos Move (Testbericht) . Dafür integriert er sich ins Sonos-System, kennt Google Assistant sowie Alexa und hat einen eingebauten Akku. Deutlich günstiger und dennoch gut sind klassische Bluetooth-Boxen. Wir empfehlen dazu unsere Kaufberatung Die besten Bluetooth Speaker bis 100 Euro .

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.