TechStage | Tests, Ratgeber und Kaufberatungen zu Smartphones, Smart Home, Computer und Technik, die Spaß macht

Huawei P30 Pro im Test: starke Kamera, schwache Software
Pro und Contra
  • exzellente Kamera
  • leistungsstarke Hardware, lange Akkulaufzeit
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • Software hat doppelte Apps und Werbung
  • Display-Auflösung könnte höher sein
  • kein Stereo-Sound
  • 5.0

Teile diesen Beitrag

Beliebt auf TechStage

Bis zu 10 GByte: Monatlich kündbare Handytarife unter 10 Euro

Gaming-PC aufrüsten: Welche Komponenten sich jetzt lohnen

Tele, Weitwinkel & Co: Aufstecklinsen für Smartphones ab 5 Euro

Top 10: Überwachungskameras mit WLAN und Cloud-Speicher für drinnen

Mit dem P30 Pro zeigt Huawei das bisher beeindruckendste Kamera-Smartphone des Jahres 2019. Warum es dennoch kein perfektes Smartphone ist, verrät der Test von TechStage.

Huawei bringt sein neues Top-Smartphone wieder einmal in schrillen und bunten Farbverläufen auf den Markt. Für alle, die es konservativ mögen, gibt es auch Schwarz und Weiß. Beim P30 Pro ist die Verarbeitung gut gelungen. Die hohe Qualität ist an vielen Stellen des Gehäuses sichtbar: Übergänge gehen weich und nahtlos ineinander über, alles sitzt fest und wirkt präzise aufeinander abgestimmt. Die vordere und hintere Seite ist aus Glas, das an den Rändern gebogen ist. Trotz der Hochglanzoptik zeigt die Oberfläche weniger Fingerabdrücke und Fettflecken, als andere Hochglanz-Smartphones. Das liegt primär an der fettabweisenden Schicht des P30 Pro. Wie nachhaltig diese Politur ist, können wir noch nicht einschätzen. Für gewöhnlich hält eine solche Veredlung nur wenige Monate.

Eines der großen Nachteile von Smartphones aus Glas: sie sind glatt und rutschen auf vielen Oberflächen. Auch das P30 Pro bewegt sich schleichend auf leicht unebenen Untergründen, bis es auf den Boden knallt und sich damit bemerkbar macht. Stürze und Stöße wie diese will der Metallrahmen abfedern, der zwischen Front und Rückseite sitzt. Das Telefon vermittelt einen soliden und stabilen Eindruck.

Mit einer Höhe von 158 und einer Breite von 73,4 mm ist das P30 Pro kein kleines und kompaktes Smartphone, obwohl es mit einer Tiefe von 8,4 mm im guten Normalbereich liegt. Nichtsdestotrotz hat Huawei das Smartphone effizient designt, sodass die vordere Seite mehr Display-Fläche (6,47 Zoll) anbietet, als bei Telefonen, die vergleichbar hoch und breit sind. Die linke und die rechte Kante des Displays verlaufen nach innen, ähnlich wie Samsung es mit seinen Smartphones der Galaxy-S-Reihe macht. Durch das nach hinten Rücken fallen die Display-Ränder kaum auf – aber auch sonst ist der Rahmen schmal gehalten.

Die Einkerbung im OLED-Bildschirm ist klein und beinhaltet lediglich eine einzige Kamera. Beim Mate 20 Pro (Testbericht) hatte Huawei ein umfangreiches 3D-Kamerasystem zur sicheren Entsperrung per Gesichts-Scan integriert. Das P30 Pro lässt sich zwar auch mit dem Gesicht öffnen, ist allerdings aufgrund des 2D-Verfahren unsicherer. Alternativ sitzt im unteren Sechstel des Bildschirms ein eingebetteter Fingerabdrucksensor. Er arbeitet optisch, das ist zwar schneller als die Ultraschall-Technologie wie im Galaxy S10 Plus (Testbericht) , dafür bietet er weniger Sicherheit.

Das Huawei P30 Pro ist IP68-zertifiziert und damit staub- und wasserfest. Regen und erhöhte Luftfeuchtigkeit machen dem Gerät nichts aus. Auch beim Untertauchen bis zu einer Tiefe von einem Meter drang während des Tests kein Wasser ein.

Im P30 Pro verbaut der Hersteller seinen neusten Prozessor mit 7-nm-Verfahren. Der Kirin 980 von Huawei Hisilicon Technologies verfügt über acht Kerne: 2 × 2,6 GHz, 2 × 1,92 GHz sowie 4 × 1,8 GHz. Je nach Ausstattungsvariante hat das Gerät 6 oder 8 GByte RAM und 128 oder 256 GByte Speicher. Damit arbeitet es schnell, flüssig und ohne Verzögerungen; Software und Hardware wirken gut aufeinander abgestimmt.

Mit alltäglichen Aufgaben wie dem Schreiben von E-Mails, dem Hören von Musik oder dem Surfen im Web kommt das P30 Pro ebenso gut klar wie mit der Wiedergabe von hochauflösenden und detaillierten 3D-Spielen. Die spitzenmäßige Leistung macht sich sowohl bei der täglichen Nutzung, als auch bei synthetischen Bewertungssystemen bemerkbar. Im Antutu Benchmark erreicht das P30 Pro einen Wert von 289.000 Punkten, das Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) ist mit 307.000 Punkten etwas schneller. Bei der Grafik hat das P-Modell die Nase vorn: Bei aufwendigen Spielen mit detailgenauer Grafik erklimmt das P30 Pro einen Vorsprung von etwa 15 Prozent. Im Vrmark Professional Edition erreicht es rekordverdächtige 5023 Punkte, der Durchschnitt aller bisher getesteten Smartphones im Jahr 2018 liegt bei 2295 mit einer Standardabweichung von 1862. Hochauflösende VR-Inhalte konnte das P30 Pro im Test durchgehend mit 60 Bildern pro Sekunde wiedergeben. Das schafften bisher die wenigsten Geräte.

HerstellerSmartphoneGeräteklasseTestdatumPreis in EuroOSSOCCPUGPUUXMEMScorePreis-Leistungs-Quotient in Punkte pro EuroEchtzeit-Temperatur in Grad CelsiusBildrate in FPSGesamtscoreAkkukapazität in Milliamperestunden30-Min-Quantil in ProzentLadedauer in StundenSOT in StundenHelligkeit in Candela pro QuadratmeterY in PixelX in PixelY × X in QuadratpixelDiagonale in ZollPunktdichte in Pixel-per-Inch
HUAWEI DeviceP30 ProOberklasseMärz 20191.099 €Android 9 PieHisilicon Kirin 980102.771111.80962.0912.801289.47126326,6 °C60 fps5.0284.200 mAh73%00:56:0012:47:00920 cd/m22.340 px1.080 px2.527.200 px6,47 in398 ppi
HUAWEI DeviceMate 20 ProOberklasseOktober 2018999 €Android 9 PieHisilicon Kirin 980102.81596.83360.84412.354307.84230827,0 °C60 fps4.9754.200 mAh46%1:42:0012:11:00812 cd/m23.120 px1.440 px4.492.800 px6,39 in538 ppi
OnePlusOnePlus 6T McLaren EditionOberklasseJanuar 2019699 €Android 9 PieQualcomm Snapdragon 84592.893128.36863.42210.944295.62742326,7 °C57 fps4.7133.700 mAh62%1:00:0013:27:00550 cd/m22.340 px1.080 px2.527.200 px6,41 in402 ppi
OnePlusOnePlus 6TOberklasseNovember 2018579 €Android 9 PieQualcomm Snapdragon 84591.15128.40264.0910.646294.28850828,4 °C57 fps4.7113.700 mAh48%1:27:0013:22:00550 cd/m22.340 px1.080 px2.527.200 px6,41 in402 ppi
Samsung ElectronicsGalaxy S10 PlusOberklasseMärz 2019999 €Android 9 PieSamsung Exynos 9820106.276150.0871.53313.002340.89134124,4 °C60 fps4.9724.000 mAh49%1:42:0014:51:00996 cd/m23.040 px1.440 px4.377.600 px6,40 in526 ppi
XiaomiMi Mix 3OberklasseFebruar 2019499 €Android 9 PieQualcomm Snapdragon 84591.618126.97663.32510.562292.4858624,2 °C56 fps4.6843.200 mAh47%1:44:0011:32:00573 cd/m22.340 px1.080 px2.527.200 px6,39 in403 ppi
ZTEAxon 9 ProOberklasseNovember 2018629 €Android 8.1 OreoQualcomm Snapdragon 84582.882126.48654.68710.059275.41343824,0 °C56 fps4.74.000 mAh49%1:37:0013:49:00587 cd/m22.248 px1.080 px2.427.840 px6,21 in402 ppi

Das vorliegende Testgerät mit 256 GByte gibt unterm Strich 225 GByte für die Nutzung frei. Bei Bedarf lässt sich der Speicher erweitern, allerdings nur mit einer Huawei-eigenen Speicherkarte, statt mit einer herkömmlichen Micro-SD. Die Huawei NM Card mit 128 GByte und einer Lesegeschwindigkeit von 90 Mbit/s kostet rund 50 Euro. Eine Micro-SD-Karte mit der gleichen Kapazität und einer Rate von 100 Mbit/s gibt es schon ab 17,99 Euro. Dafür ist die Micro-SD-Karte etwas größer als die NM Card und hat nicht die gleichen Ausmaße wie eine Nano-SIM-Karte des Mobilfunkanbieters.

Übrigens: Das P30 Pro unterstützt Dual-SIM. Im Allgemeinen waren die Gesprächsqualität und der Empfang des Huawei-Smartphones während des Tests ohne Auffälligkeiten. Auf eine echte Hörmuschel mit Lautsprecher und Membran verzichtet Huawei, dafür war einfach kein Platz mehr im Gehäuse. Das Telefonieren funktioniert über die Knochenleitertechnologie. In der Praxis funktioniert das tadellos und viel besser, als die ersten Gehversuche vor einigen Jahren. Wenn man’s eigentlich nicht weiß, merkt man den geringen Unterschied zu einer Hörmuschel kaum. Schade nur, dass der Stereo-Sound dadurch wegfällt – beim Vorgänger war der noch drin.

Der fest verbaute Akku des Huawei-Smartphones hat eine Kapazität von 4200 mAh, das sind fünf Prozent mehr als beim Vorgänger. Bei moderater und gemischter Nutzung beträgt die Laufzeit zwei Tage. Im Test mit einem kontinuierlich laufenden Video bei maximaler Display-Helligkeit hat das P30 Pro zwölf Stunden und 30 Minuten mit einer Akkuladung erreicht. Das ist gut. Das kabelgebundene Aufladen mit dem Schnellladegerät nimmt ungefähr eine Stunde in Anspruch. Nach 30 Minuten steht der Akku auf 73 Prozent. Das drahtlose Laden per Qi-Standard dauert dagegen deutlich länger. Das Telefon unterstützt Reverse Wireless Charging, genau wie das Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) und Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) . Damit gibt das P30 Pro seine Energie per Qi wieder ab und lädt drahtlos andere Geräte auf.

Das Display des Huawei P30 Pro ist gewachsen: Statt 6,1 wie beim P20 Pro (Testbericht) misst es nun 6,47 Zoll in der Diagonale. Dabei haben sich die Höhe und die Breite nur minimal verändert; der Fußabdruck des Smartphones ist fast gleich. Beim Bildschirm setzt Huawei erneut auf OLED-Technik. Die Auflösung mit 2340 × 1080 Pixeln ist etwas gering, gerade für die Nutzung von VR-Inhalten. Bei einer Gesamtdarstellung von 2,5 Millionen Pixeln beträgt die Punktdichte ausreichende 398 ppi. Führend in diesem Segment ist nach wie vor Sony mit seinem Xperia XZ2 Premium (Testbericht) mit etwa 8,3 Millionen Pixeln und einer Schärfe von 760 ppi. Farben und gemessene Helligkeit von 920 cd/m2 sind dagegen hervorragend.

Wie anfangs erwähnt, hat das P30 Pro eine Einkerbung in der oberen Mitte des Bildschirms. In der Tropfen-artigen Notch sitzt die auf den Benutzer gerichtete 32-Megapixel-Kamera mit Fixfokus-Objektiv. Wegen der kleinen Ränder verzichtet Huawei auf eine Benachrichtigungs-LED. Dafür gibt es seit neustem das Always-on-Display (AoD) für alle Apps. So sieht der Nutzer alle eingehenden Ereignisse monochrom auf dem Display aufleuchten.

Die Kamera des P30 Pro hat unsere Schwester, das c’t Magazin, bereits mit einem sehr guten Ergebnis getestet. Siehe dazu: Huawei P30 Pro: Vier Kameras mit Nachtsicht im Kurztest

Huawei ist mittlerweile wie Samsung: Top Hardware, die richtig viel Lust macht mit einer Software, bei der eben diese Lust wieder vergeht. Genau wie bei den Galaxy-Modellen sind auch die Geräte der P- und Mate-Reihe exzellent ausgestattet und teilweise führend in einigen Bereichen (Kamera, Akku, Ladetechnik, Verarbeitung). Doch die Oberfläche, die auf Android 9 Pie basiert, ruiniert den Spaß an der Sache. Oder anders gesagt: Überall ist bei Huawei Fortschritt sichtbar, nur das Anwendererlebnis der Software ist nach wie vor stehengeblieben: doppelte Apps, Werbung von Drittanbietern und überladene Menü-Strukturen mit verwirrend umfangreichen Funktionen.

Um nur einige Beispiele zu nennen: Was soll ein Nutzer mit dem Huawei Web Browser machen, wenn Google Chrome ebenfalls auf dem Telefon installiert ist? Oder warum gibt es eine Fotogalerie, wenn Google Fotos parallel existiert? Gut, der Nutzer soll die Wahl haben, das ist verständlich. Aber warum lassen sich dann die nicht genutzten Apps nicht deinstallieren oder deaktivieren?

Huawei sollte seine Software verbessern, und zwar radikal. Den Weg, den Oneplus und Nokia gehen, sollte auch Huawei mit seinen leistungsstarken Geräten in Angriff nehmen.

Das P30 Pro ist ein exzellentes Smartphone mit einem Schwerpunkt auf Kamera. Wie der Kurztest von c't zeigt, ist die Vierfach-Kamera für nahezu jede Lichtsituation und jedes Szenario ausgerüstet. In anderen Bereichen ist die Entwicklung eher evolutionär, statt revolutionär (Fingerabdrucksensor im Display, großer Akku, effizientes Design, leistungsstarker Prozessor und mehr). Dennoch kann das P30 Pro mit der Konkurrenz mithalten, wie der Vergleich zu Galaxy und Co. zeigt. Das Gesamtpaket und die hervorragende Kamera rechtfertigen den hohen UVP-Preis von rund 900 Euro. Dinge wie das niedrig auflösende Display und die schwache Software verhindern jedoch, dass das P30 Pro perfekt ist. Eine Kaufempfehlung gibt es dennoch!

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.