Huawei Mate 50 Pro im Test: Es hätte das beste Smartphone sein können

Huawei Mate 50 Pro
Pro und Contra
  • Top-Performance
  • exzellente Kamera
  • IP68-zertifiziert 
  • keine Google-Dienste
  • kein 5G
  • hässliche Notch 
  • 4.0

Teile diesen Beitrag

Beliebt auf TechStage

Günstige Alternativen zu Apples Macbook-Netzteilen

Günstige Alternativen zu Apples Macbook-Netzteilen

Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz 

Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz 

Samsung Galaxy S23, S23+ und S23 Ultra: Jetzt schon bestellen

Samsung Galaxy S23, S23+ oder S23 Ultra: Wo man sie jetzt schon bestellen kann

Adapter und Lautsprecher mit Bluetooth, WLAN, Funk: So geht kabelloser Sound

Adapter und Lautsprecher mit Bluetooth, WLAN, Funk: So geht kabelloser Sound

Huawei liefert mit dem Mate 50 Pro ein Flagship mit Top-Kamera und rasantem Snapdragon 8 Plus Gen 1. Wie gut das Smartphone ohne Google ist, zeigt der Test.

Das neue Flaggschiff der Chinesen verbindet eine starke Hardware mit einer erstklassigen Kamera. Huawei gibt nicht auf und schnürt ein starkes Paket, trotz der Folgen der US-Sanktionen gegen das Unternehmen. Bereits der hervorragende Vorgänger Huawei Mate 40 Pro (Testbericht) musste ohne Google-Dienste auskommen. Ob die Chinesen mit Technik die Nachteile durch die Einschränkungen wirklich wettmachen, zeigt unser Test.

Optisch kommt das Mate 50 Pro daher, wie man es von einem Flaggschiff von Huawei erwartet. Die Rückseite ziert das große, runde Element mit den Kameralinsen – der „Space Ring“. Er ist ein Markenzeichen der Chinesen. Besonders edel, fast schon protzig, wirkt dieser dank des goldenen Metallrings. Das an den Seiten gebogene Display schmiegt sich harmonisch an den Gehäuserand aus Metall. Das Mate 50 Pro ähnelt damit verdächtig dem Honor Magic 4 Pro (Testbericht), das sich die Form der Kamera auf der Rückseite von der einstigen Kontermutter abgeschaut hat.

Die Rückseite aus Glas schimmert in Klavierlack-Optik in Schwarz. Ohne Frage verleiht das einen edlen Charakter, aber glänzende Oberflächen erscheinen uns nicht mehr die ideale Lösung. Fingerabdrücke sind einfach zu gut sichtbar, was das optische Erlebnis schmälert. Wir empfehlen hier ohnehin, zur transparenten Schutzhülle zu greifen, die dem Smartphone beiliegt. Denn das Mate 50 Pro hinterlässt einen sehr filigranen und nahezu zerbrechlichen Eindruck. Etwas unschön ist die ausgeprägte Notch mit Selfie-Kamera am oberen Bereich des Bildschirms – eine Praxis, die wir vor allem von Apple kennen. Diese ragt deutlich in das Display hinein und ist in unseren Augen nicht mehr zeitgemäß.

Mit einer Größe von 162,1 x 75,5 x 8,5 mm bei einem Gewicht von rund 209 g gehört das Mate 50 Pro zu den größeren Smartphones. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet. Der Druckpunkt der Tasten ist solide, Spaltmaße, wackelige Komponenten oder unangenehme Unebenheiten gibt es keine. Sehr erfreulich: Eine IP68-Zertifizierung ist ebenfalls vorhanden. Damit übersteht das Mate 50 Pro also auch unliebsame Erfahrungen mit Wasser und Staub unbeschadet.

Der OLED-Bildschirm ist knackscharf mit einer Auflösung von 2616 x 1212 Pixel bei einer Diagonale von 6,74 Zoll. Das führt zu einer Pixeldichte von 427 ppi, andere Smartphones wie das Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) schaffen 500 ppi. Aber auch beim Mate 50 Pro sind Pixel nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Die Bildqualität ist einfach hervorragend. Kontraste sind perfekt abgestimmt im Zusammenspiel mit satten Schwarzwerten. Farben sind kraftvoll, ohne aufdringlich zu erscheinen. Die Blickwinkelstabilität fällt sehr hoch aus. Mehr braucht es eigentlich nicht. Mit einer Bildwiederholrate von 120 Hertz wirkt das Bild beim Scrollen oder Spielen immer geschmeidig.

Die Ablesbarkeit im Freien ist ebenfalls stark. Zugegeben, mangels Sonne im tristen Herbstwetter Münchens hatten wir keine Möglichkeit, das bei Sonnenschein auszuprobieren. Mithilfe einer hellen Tageslichtlampe kamen wir bei automatischer Helligkeit auf etwa 750 cd/m². Wir vermuten, dass bei echtem Sonnenlicht knapp unter 1000 cd/m² realistisch sind. Besser ist hier nur das Samsung Galaxy S22 Ultra und Apple iPhone 14 Pro Max.

Das Paradestück des Mate 50 Pro ist die Kamera – eine Disziplin, in der Huawei bei seinen Flaggschiffen seit Jahren überzeugte, inzwischen aber nicht mehr wie früher dominiert. Der US-Bann hat hier offenbar ebenfalls seine Spuren hinterlassen. Beim Huawei Mate 50 Pro hat sich der Hersteller aber wieder einiges einfallen lassen, etwa eine variable Blende bei der Hauptkamera. Die Idee ist zwar nicht ganz neu, schon das Samsung Galaxy S9 (Testbericht) und das Sony Xperia Pro I (Testbericht) konnten die Blende zwischen zwei Größen verstellen. Beim Mate 50 Pro sind es jetzt aber stolze zehn Stufen, die man auch manuell wählen kann in den Pro-Einstellungen.

Das Hauptobjektiv löst mit 50 Megapixel auf und nutzt einen optischen Bildstabilisator (OIS), Laser- und Kontrast-Autofokus sowie einen Farbspektrumsensor. Üblicherweise schießt dieser Fotos mit 12,5 Pixel und fasst per Pixel-Binning vier Bildpunkte zu einem zusammen. Optimal kann man auch die vollen 50 Megapixel abrufen – was sehr große Bilddateien nach sich zieht.

Die Aufnahmen sind einfach klasse und überzeugen mit hohen Bilddetails und einem großen Dynamikumfang. Auch bei trübem Herbstwetter wirken Fotos lebendig, aber natürlich. Selbst bei Dunkelheit sehen die Aufnahmen richtig gut aus und bieten genügend Bilddetails. Lediglich das Honor Magic 4 Pro (Testbericht) erzeugt hier noch etwas mehr Dynamik. Fotografie-Experten bedienen sich an den umfangreichen Optionen im Pro-Modus.

Die zweite Linse mit 13 Megapixel und f/3.5-Blende dient Ultraweitwinkelaufnahmen. Sie überzeugt ebenfalls. Klar, die Details können nicht mit der Hauptlinse mithalten, aber der Unterschied fällt nicht so stark ins Gewicht. Verzerrungen an den Rändern gibt es kaum. Die Weitwinkellinse kommt zudem im Makromodus bei Aufnahmen zum Einsatz. Besonders eindrucksvoll ist die Periskop-Kamera mit 64 Megapixel. Sie erlaubt einen optischen Zoom mit 3,5-facher Vergrößerung. Selbst bei zehnfachem Hybrid-Zoom sind die Aufnahmen noch ausreichend scharf, solange man eine ruhige Hand behält beim Knipsen.

Vorne kommt eine 13-Megapixel-Kamera zum Einsatz, die gute Selfies schießt. Es steht zudem ein Weitwinkelmodus bereit für Gruppenfotos. Beeindruckend ist zudem die Gesichtserkennung zum Entsperren des Handys. Hier kommt eine 3D-Technologie zum Einsatz, die nicht so leicht getäuscht werden kann. Der Sensor erkennt das Gesicht flott, auch bei Dunkelheit.

Videoaufnahmen mit bis zu 4K bei 60 fps (Frames pro Sekunde) sehen ebenfalls hervorragend aus. Der Bildstabilisator (OIS) verhindert weitgehend verwackelte Clips. Das klappt auch ausgezeichnet im Hybrid-Zoom bei mehrfacher Vergrößerung.

Was den Antrieb eingeht, macht das Mate 50 Pro keine Kompromisse. Unter der Glashaube tuckert ein Qualcomm Snapdragon 8 Plus Gen 1 – momentan der stärkste Chipsatz von Qualcomm. Im Alltag braucht es so viel Leistung eigentlich nicht, das System läuft stets flüssig. Einen großen Unterschied zu anderen Prozessoren zeigt die Benchmark-Software Work 3.0 von PCmark mit etwa 11.000 Punkte auch nicht. Die wahre Stärke zeigt die CPU erst bei 3D-Grafik für Gaming & Co. Hier mussten wir schon zum Test „Wild Life Extreme“ von 3Dmark greifen und erreichen mit 2800 Punkten gemeinsam mit dem Asus Zenfone 9 (Testbericht) einen Spitzenwert.

Der Arbeitsspeicher fällt mit 8 GByte RAM dafür nicht üppig für ein Flagship aus, reicht aber aus. Der interne Speicher beträgt 256 GByte und nutzt den flotten Standard UFS 3.1. Erweitern ist möglich, aber mit einem großen Haken verbunden: Das Mate 50 Pro nutzt nur das Huawei-eigene, proprietäre und teurere Format NM-Card. Eine Micro-SD-Karte kann man also nicht nutzen. Der Fingerabdrucksensor sitzt im Display und arbeitet schnell und verlässlich. Einen klaren Sound bieten die Stereo-Lautsprecher.

Kommen wir zu den ersten Folgen des US-Bannes gegen Huawei: Mobil ist maximal LTE (4G) möglich – auf 5G-Technologie darf das Unternehmen nicht zugreifen. Im Alltag mag das keine große Rolle spielen mangels Netzabdeckung in Deutschland, dennoch fehlt hier ein typisches Feature von Top-Smartphones, das sich mittlerweile auch schon in der Mittelklasse findet. Beim Rest ist immerhin alles auf dem neusten Stand: Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2, NFC und ein Infrarot-Port sind vorhanden. Für die Ortung greift das Huawei Mate 50 Pro auf A-GPS, GLONASS, Beidou, Galileo, QZSS und Navic zurück.

Als Software in Europa verkauften Modellen läuft EMUI 13 auf Android-Basis. Schade, Huawei hätte die Chance nutzen können, sein Harmony OS hier prominenter zu platzieren. Auf dem Tablet Huawei Matepad 11 (Testbericht) hinterließ die Software einen guten Eindruck. Um Patches kümmert sich Huawei ausreichend gut, das Sicherheits-Update stammt zum Testzeitpunkt (Ende November) vom 1. Oktober, was noch in Ordnung geht.

Größtes Manko ist das Fehlen sämtlicher Google-Dienste, also Play Store, Maps, Youtube und mehr. Zwar hilft die eigene Suchmaschine Petal-Search, apk-Dateien für Android aus dem Netz zu suchen. Das erlaubt es, Anwendungen zu installieren, die es nicht in der Huawei Appgallery gibt. Dieser Umweg ist aber alles andere als nutzerfreundlich und birgt das Risiko, unwissentlich an Malware zu geraten. Zwar wächst das Angebot an Apps in der Appgallery von Huawei beständig, zahlreiche US-Anbieter wie Netflix, aber auch Banking-Apps wird man nicht finden. Immerhin macht Petal Maps eine gute Figur.

Der Akku bietet eine Kapazität von 4700 mAh, was auf eine ordentliche Laufzeit hoffen lässt. Das bestätigt dann auch der Battery Test von PCmark: Im simulierten Betrieb bei einer Helligkeit von 200 cd/m² und automatischer Bildwiederholrate hielt das Mate 50 Pro zwölf Stunden durch. Das ist richtig gut für ein Gerät mit dem energiehungrigen Snapdragon 8 Plus Gen 1 und einer der bisher besten Werte aus unseren Tests. Die Mitbewerber kommen beim gleichen Benchmark meistens auf knapp zehn Stunden.

Das Laden ist mit 66 Watt möglich, ein Netzteil liegt glücklicherweise bei. Das ist zwar nicht so rasant wie die 120 Watt beim Xiaomi 12T Pro (Testbericht), aber immer noch deutlich schneller als bei Samsung oder Apple. Ein vollständiger Ladevorgang dauert weniger als eine Stunde.

So viel Technik hat ihren Preis: Die UVP für das Huawei Mate 50 Pro liegt bei 1199 Euro. Bei Online-Händlern wie Ebay bekommt man das Gerät bereits für 1099 Euro. Verfügbar ist es in den Farben Schwarz und Silber.

Wer auf Google-Dienste nicht verzichten will, bekommt Alternativen mit ähnlich starker Hardware. Erster Anwärter wäre hier das Honor Magic 4 Pro (Testbericht), das mit der Kamera mehr als nur mithalten kann und vom US-Bann nicht betroffen ist. Allerdings nutzt er noch den Snapdragon 8 Gen 1, nicht die effizientere Plus-Variante, kostet aber dafür auch 200 Euro weniger.

Eine weitere gute Option ist das Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) – unser aktueller Spitzenreiter der Top 10 der besten Smartphones. Ebenfalls erstklassig ist das Sony Xperia 1 IV (Testbericht) mit einem starken Teleobjektiv. Eine richtig tolle Kamera hat auch das Google Pixel 7 Pro (Testbericht).

Es ist schon eine Tragödie. Mit dem Mate 50 Pro gelingt Huawei erneut ein erstklassiges Smartphone mit exzellenter Kamera. Das hilft aber alles nichts, denn ohne Google-Dienste müssen Käufer mit enormen Einschränkungen bei Apps und Services leben. Wen das nicht stört, der bekommt hier vielleicht das derzeit beste Smartphone auf Android-Basis. Eine klare Kaufempfehlung können wir aber nicht geben, das Gerät bekommt deshalb nur vier statt fünf Sterne. Es ist schon bewundernswert, dass Huawei dennoch die Flinte nicht ins Korn wirft und trotz Sanktionen weiter erstklassige Endgeräte fabriziert.

In vielen Bereichen ist das Huawei Mate 50 Pro absolut top. Die Kamera überzeugt mit einem starken Zoom, einer variablen Blende, die auch bei Dunkelheit gute Aufnahmen liefert. Mehr Leistung gibt es derzeit im Android-Kosmos nicht, sogar die Akkulaufzeit ist richtig gut. Neben fehlenden Apps und Google-Diensten fehlt dem Mate 50 Pro aber auch 5G. Ein Support für eine Micro-SD-Karte wäre schön gewesen, etwas irritiert sind wir von der überpräsenten Notch.

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.