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Gigaset GS4 Senior
Pro und Contra
  • gute Verarbeitung und Ausstattung
  • austauschbarer Akku mit kabelloser Lademöglichkeit
  • sinnvolle Anpassung der Benutzeroberfläche  
  • Software und Sicherheitspatch veraltet
  • Anpassung nicht konsequent
  • zu hoher Preis im Vergleich zum normalen GS4 
  • 4.0

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Wie sieht ein Smartphone für ältere Menschen aus? Gigaset wagt mit einer Sonder-Edition des GS4 eine Lösung. Wir zeigen, ob das gelingt.

Das Gigaset GS4 Senior richtet sich gezielt an ältere Smartphone-Nutzer. Bei dem Mittelklasse-Handy handelt es sich um das Gigaset GS4 (Testbericht) mit einer speziellen Benutzeroberfläche, die für die Bedürfnisse von älteren Personen ausgerichtet ist. Ähnlich ging das Unternehmen aus Bocholt schon beim Gigaset GS195 LS (Testbericht) vor.

Ein Smartphone für Senioren sollte älteren Menschen die Bedienung vereinfachen. Dazu gehören große und deutliche Symbole und Icons, unkomplizierten Benutzermenüs und die Beschränkung auf das Wesentliche. Praktische Features wie ein magnetischer Steckplatz fürs Netzteil oder ein stabiles Gehäuse gehören ebenfalls dazu. Wir haben das Gigaset GS4 Senior ausprobiert und zeigen, was es anders macht als herkömmliche Smartphones mit Android. Worauf ältere Menschen noch bei einem Smartphone achten sollten, haben wir im Beitrag Senioren-Smartphones: Kauf-Ratgeber für Silver Surfer zusammengefasst.

Optisch ist das Gigaset GS4 Senior identisch mit dem „herkömmlichen“ GS4-Modell. Neu hinzugekommen sind eine transparente Schutzhülle, die Nutzer abnehmen können sowie ein magnetischer Adapter im USB-C-Steckplatz für das beigelegte Netzteil.

Mit einer Größe von 157 x 75 x 9,8 Millimetern ist das Gigaset weder besonders klobig und groß noch zu zierlich geraten. Damit findet der Hersteller aus Bocholt einen sinnvollen Kompromiss. Das Gewicht ist mit über 206 Gramm selbst für ein Android-Smartphone aber schwer. Das dürfte allerdings bei älteren Zeitgenossen ein Gefühl der „Sicherheit“ vermitteln.

Für ein Smartphone in dieser Preisklasse macht das Gigaset GS4 Senior mit dem schwarzen Gehäuse einen soliden, modernen und überaus seriösen Eindruck. Die Verbreitung ist gut und kommt ohne Spaltmaße oder wackelige Knöpfe aus. Rechts befinden sich der geriffelte Power-Button sowie die Lautstärkewippe. Durch die mitgelieferte Schutzhülle sind die Knöpfe ohnehin bedeckt, was für einen stärkeren Druckpunkt sorgt, aber etwas zulasten der Haptik geht. Der Displayrand fällt angenehm schmal aus, die Frontkamera ist dabei in einer mittigen Waterdrop-Notch eingefasst.

Sehr elegant ist der Fingerabdrucksensor mit goldenem Rand auf der Rückseite aus gehärtetem Glas, der mittig platziert ist. Für eine gewisse Bruchsicherheit sorgt die Silikonhülle. Das Kamera-System ist eben in der Oberfläche integriert. Eine Aussparung in der Schutzhülle sorgt dafür, dass die Linsen nicht bedeckt sind. Der Schriftzug „Made in Germany“ unterhalb des Gigaset dürfte für Vertrauen bei älteren Nutzern sorgen.

Ein weiterer Unterschied des Gigaset GS4 Senior zum normalen Modell: Im USB-C-Anschluss steckt von Haus aus ein magnetischer Adapter. Dieser ragt etwa einen halben Zentimeter heraus. Das dazugehörige Ladelabel des Netzteils docken Handynutzer dann nur noch leicht an den Adapter an. Das soll Personen mit motorischen Beeinträchtigungen entgegenkommen. Die Idee ist interessant, allerdings wirkt der hervorstehende Adapter wie ein Fremdkörper, wenn man das Gerät in der Hosentasche trägt – zumal USB-C im Gegensatz zu Micro-USB-Steckern eigentlich sehr pflegeleicht zu nutzen ist. Zudem löst sich das Ladekabel über die magnetische Verbindung leicht, wenn man nicht aufpasst. Es ist aber möglich, den Adapter herauszunehmen und jedes andere USB-C-Kabel zu nutzen.

Das Gigaset GS4 Senior nutzt das gleiche Display wie das Standardmodell. Die Größe von 6,3 Zoll halten wir für angemessen, diese bietet eine ausgedehnte Fläche, der Nutzer kann sie aber noch ausreichend gut mit einer Hand bedienen. Die Auflösung des LC-Displays mit IPS-Panel ist mit 2340 x 1080 Pixel (FHD+) wirklich gut für ein Gerät dieser Klasse – das sorgt für eins scharfes Bild mit einer hohen Pixeldichte von 410 ppi (Pixel pro Zoll). Bei Smartphone-Flaggschiffen von Samsung oder Xiaomi ist das nur unwesentlich höher. Eine hohe Bildschärfe ist sehr nützlich für Personen mit Sehschwächen.

Der Bildschirm liefert zudem ausgeprägte Kontraste. Die Farben könnten zwar etwas kräftiger und lebendiger ausfallen, dennoch liefert der Bildschirm ein gutes und buntes Bild ab. Die Blickwinkelstabilität ist aus verschiedenen Perspektiven weitgehend gegeben, auch wenn das Bild etwas an Helligkeit verliert, wenn man das Smartphone schräg hält. Das geht für uns aber absolut in Ordnung.

Die von uns gemessene maximale Helligkeit fällt mit 430 cd/m² im Vergleich zu anderen Smartphones nur durchschnittlich aus für ein LC-Display. Bei direkter Sonneneinstrahlung fällt es dadurch schwer, Inhalte vom Bildschirm abzulesen. Hier wäre gerade für Personen mit Sehschwächen ein helleres Display eine gute Lösung gewesen.

Tatsächlich finden sich bei der Kamera-App keine Anpassungen bei der Benutzeroberfläche. Auch die Ausstattung der Dreifachkamera ist identisch mit dem „gewöhnlichen“ Gigaset GS4 (Testbericht): Eine Hauptkamera mit f/1.8-Blende und 16 Megapixel, ein Weitwinkel-Objektiv mit 5 Megapixel und f/2.4 sowie ein Makro-Objektiv mit 2 Megapixel f/2.4-Blende. Bei hellem Tageslicht gelingen damit gute und scharfe Aufnahmen. Die Bilddynamik und die Farben wirken jedoch etwas zu blass und kraftlos, ein leichter Grauschleier fällt zudem auf. Wie Verzerrungen bei der Weitwinkelkamera fallen zwar minimal aus, dafür gehen Bilddetails verloren. Das Makro-Objektiv ist mit seinen 2 Megapixel zu vernachlässigen und eher eine Spielerei, die man vielleicht einmal ausprobiert.

Bei Dunkelheit verlieren die Aufnahmen rasch an Qualität und neigen zu Bildrauschen – da hilft auch der Nachtmodus nicht viel. Für gelegentliche Schnappschüsse erfüllt die Kamera des GS4 Senior aber ihren Zweck. Die Frontkamera mit 13 Megapixel geht für gelegentliche Selfies bei guten Lichtverhältnissen in Ordnung. Die Videoaufzeichnungen mit 1080p-Auflösung und 30 Bilder pro Sekunde wackeln mangels ausreichendem Bildstabilisator stark und sehen blass aus.

Die größten Unterschiede bei der Senior-Edition liegen neben dem USB-C-Adapter und der Schutzhülle bei der Software – genauer gesagt, der Benutzeroberfläche. Den von Android bekannten Startscreen gibt es nicht. Stattdessen kommt ein minimalistisches Startmenü als Homescreen zum Einsatz auf schwarzem Hintergrund mit bis zu zehn großen Icons in zwei Spalten. Das ganze Design mit eckigen und sehr großen Icons erinnert an einen Homescreen, wenn sich Android-Handys im Stromsparmodus befinden oder eine minimalistische Variante von Windows Phone.

Auch der Lockscreen ist angepasst. Dieser zeigt eine große analoge Uhr mit darunterliegender Datumsangabe sowie einen großen Button mit einem Schloss, den Anwender zum Entsperren länger drücken müssen. Was sich uns nicht ganz erschließt: Das Schloss muss immer gedrückt werden – auch wenn eine Entsperrung per Fingerabdruck oder PIN aktiv ist. Es ist aber möglich, diesen Lockscreen in den Einstellungen dauerhaft zu deaktivieren.

Der angepasste Homescreen beschränkt sich mit kachelförmigen Icons auf die grundlegendsten Funktionen wie Telefonie, Adressbuch, Fotos oder SMS. Am unteren Ende befindet sich zudem der Button für die Einstellungen des angepassten Homescreens sowie die Notruftaste. Über die Einstellungen können Nutzer zusätzliche Icons aktivieren oder ausblenden, etwa für Internet (also den Browser), E-Mail-Programme, die Kamera, weitere Apps oder die Notruftaste.

Die Anpassungen der Oberfläche betreffen auch einzelne Funktionen – etwa die Telefon-App mit besonders große Zifferntasten. Die SMS-App nutzt ein ABC-Schema und nicht QWERTZ. Drückt man jedoch E-Mail oder Internet, gelangt man direkt zum Chrome-Browser oder zur Gmail-App – die jedoch nicht an Bedürfnisse älterer Menschen angepasst sind. Dadurch entsteht ein unschöner Bruch in der Benutzererfahrung.

Ruft man die Systemeinstellungen auf, zeigt das Smartphone eine Warnung: Diese Option sei nur erfahrenen Nutzern vorbehalten. Mit einem Klick auf „trotzdem öffnen“ übergeht man die Warnung und hat dann das gewohnte Einstellungsmenü von Android vor sich. Um das Gigaset GS 4 Senior mit dem Internet zu verbinden oder mit einem Google-Account zu verknüpfen, führt aber kein Weg vorbei an den Systemeinstellungen. Das sollte jemand wissen, der das Handy einem älteren Familienmitglied schenkt. Eine bessere Abgrenzung zu den Systemeinstellungen wäre hier wünschenswert, zum Beispiel über eine PIN für einen Administrator oder Ähnliches.

Unter der angepassten Benutzeroberfläche läuft Android 10. Ein Update auf Android 11 gibt es derzeit nicht. Der Sicherheitspatch stammt aus dem Juni und ist damit veraltet – hier sollte Gigaset zumindest für zeitnahe Updates sorgen, damit sich weniger versierte Nutzer nicht durch ihr Surf- und App-Verhalten Malware bekommen.

Wer das Gigaset GS4 zurücksetzen will, muss aufpassen. Damit geht die spezielle Benutzeroberfläche leider verloren. Man hat danach ein GS4 mit einfachem Android in der Hand.

Die übrige Hardware ist identisch mit dem Gigaset GS4 (Testbericht). Als Antrieb dient der solide Mittelklasseprozessor Mediatek Helio P70 mit acht Kernen (4x Cortex A-73 und 4x Cortex A-53), die bis zu 2,1 GHz leisten. Die Performance weiß zu überzeugen. Beim Benchmark-Test von PC Mark 3.0 erreichten wir fast 8000 Punkte. Damit liegt es nur geringfügig hinter dem fast doppelt so teuren Mittelklasse-Smartphone Sony Xperia 10 III (Testbericht) und deutlich vor dem ähnlich teuren Nokia X20 (Testbericht).

In Sachen Hardware ist die Senior-Variante des GS4 viel stärker als noch der etwas schwachbrüstige Vorgänger Gigaset GS195 LS (Testbericht). Beim Benchmark-Test „Wildlife“ von 3D Mark erreichten wir knapp 700 Punkte. Für aufwendigere Spiele mag die Hardware nicht stark genug sein – das wäre für die ältere Zielgruppe ohnehin weniger interessant. In Kombination mit dem Arbeitsspeicher von 4 GByte RAM sorgt das für ein flüssig und zuverlässig laufendes System.

Der interne Speicher fällt mit 64 GByte groß genug aus für Fotos und Ähnliches. Per Micro-SD ist die Erweiterung auf bis 512 GByte möglich. In den Dual-Slot passen zwei SIM-Karten. Mobiles Internet geht bis LTE, zudem unterstützt das Mobiltelefon Wifi-5 und Bluetooth 5.0. Ein integrierter NFC-Chip erlaubt zudem bargeldloses Bezahlen. Der auf der Unterseite liegende Lautsprecher neigt etwas zum Scheppern bei höherem Volumen, geht aber so weit in Ordnung. Das integrierte UKW-Radio funktioniert allerdings nur mit kabelgebunden Kopfhörern – diese gehren nicht zum Lieferumfang. Der Fingerabdrucksensor verrichtet seine Arbeit zuverlässig. Leider ist das Gigaset GS4 nicht gegen Wasser geschützt – was praktisch sein könnte bei älteren Personen. Allerdings deckt die Gewährleistung für 2 Jahre eine Zufriedenheitsgarantie mit Rückgaberecht in den ersten 90 Tagen ab – die auch Bruch- und Feuchtigkeitsschaden beinhaltet.

Der Akku des Gigaset GS4 Senior gehört mit 4300 mAh nicht zu den stärksten – kann aber im Mittelfeld eingeordnet werden. Im PC Mark Battery Test schafft das Testgerät unter simulierter Dauerbelastung einen Wert von etwa 9 Stunden. Das ist ordentlich, damit dürfte das Gerät bei gelegentlicher Nutzung bis zu zwei Tage ohne Ladung auskommen. Der Ladevorgang selbst dauert dann gut über zwei Stunden – das geht auch schneller, ist aber nicht unüblich in dieser Preisklasse.

Wie das Gigaset GS4 unterstützt auch die Senior-Edition kabelloses Laden bis 15 Watt – auch wenn ein passendes Ladepad nicht beiliegt. Eine Auswahl zeigen wir im Ratgeber Die besten Qi-Ladegeräte 2021: 27 Ladepads im Vergleichstest. In Sachen Nachhaltigkeit setzt hier Gigaset Maßstäbe: Der Akku ist austauschbar. Allerdings ist das Smartphone dadurch nicht wasserdicht. Um den Akku zu tauschen, muss man den Dual-SIM-Slot entfernen.

Das Gigaset GS4 Senior ist deutlich teurer als sein normaler Ableger. Die UVP liegt bei 280 Euro. Online-Händler sind hier kaum preiswerter. Das liegt 60 Euro über der UVP für die Standard-Ausführung. Teilweise ergeben sich Straßenpreise, bei denen das gewöhnliche Gigaset GS4 (Testbericht) bis zu 100 Euro günstiger ist. Der Aufpreis für eine angepasste Benutzeroberfläche, einen USB-C-Adapter und eine Silikonschutzhülle erscheint damit zu hoch.

Das Gigaset GS4 Senior bietet spannende Features für die Bedürfnisse älterer Menschen. Mit dem minimalistischen Startmenü dürften die meisten auf Anhieb gut zurechtkommen. Allerdings wirkt manches nicht ganz bis zu Ende durchdacht. So ist eine Ersteinrichtung nicht möglich, ohne in die Systemeinstellungen zu gelangen. Das bedeutet, ein weniger erfahrener Nutzer braucht definitiv Hilfe von jemand anderem.

Das Smartphone selbst bietet solide Mittelklasse-Hardware, wie man sie schon vom Gigaset GS4 (Testbericht) kennt. Damit gehört es definitiv zu den modernerer und leistungsstärkeren Smartphones für Senioren. Einer wirklich guten Verarbeitung und mehr als ausreichende Performance für den Alltag sowie einem scharfen Bildschirm stehen eine eher mäßige Kamera und veraltete Software-Version gegenüber. Größter Kritikpunkt ist der deutliche Aufpreis zum normalen Modell – diesen können wir nicht ganz nachvollziehen.

Etwas günstiger, aber technisch nicht mehr auf der Höhe ist das ebenfalls für Senioren entworfene Gigaset GS195 LS (Testbericht). Worauf ältere Menschen sonst noch achten sollten, erklären wir im Beitrag Senioren-Smartphones: Kauf-Ratgeber für Silver Surfer. Wenn auch ein „Feature Phone“ – also ein klassisches Handy ausreicht, erklären wir in unserer Kaufberatung: Was müssen Seniorenhandys können?

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