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Garmin Instinct Esports im Test: Sportuhr für Zocker
Pro und Contra
  • Gute Akkulaufzeit
  • Top Verarbeitung und Displayhelligkeit
  • Umfangreiche Tracking- und Aktivitätsfunktionen
  • Esports-Funktion eher überflüssig
  • Kein Touch-Display
  • Gewöhnungsbedürftige Tastenbedienung
  • 4.0

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Eine Sportuhr mit speziellem Esport-Modus und der Möglichkeit, den Puls in Streams zu übertragen? Klingt großartig und irgendwie seltsam. TechStage testet die Garmin Instinct Esports und zeigt, für wen sie sich lohnt.

Garmin bietet eine der Instinct-Sportuhren mit einem besonderen Clou an: Die Esports-Edition richtet sich speziell an Gamer und ermöglicht die Aufzeichnung eines Aktivitätsprofils beim Spielen. Außerdem verfügt die Uhr über eine Streaming-Funktion, mit der wir Stresslevel und Herzfrequenz live übertragen können. Wir haben uns die Instinct Esports im Test genauer angesehen und geprüft, was die Uhr in der Praxis taugt und ob die Esport-Funktionen mehr sind als nur nette Spielerei.

Wir testen die Uhr im Rahmen unserer Themenwelt Sportuhren . Dort haben wir bereits andere Produkte unter die Lupe genommen, etwa die Garmin Venu Sq (Testbericht) , die Polar Grit X (Testbericht) , die Huawei Watch GT2 Pro (Testbericht) oder die Suunto 7 (Testbericht) . Zudem haben wir eine Bestenliste Sportuhren und einen Ratgeber Sportuhren für Schwimmer .

Obwohl sich die Garmin Instinct mit ihrem Esport-Feature betont modern gibt, setzt der Hersteller beim Äußeren der Uhr eher auf Retro-Optik. Das Gehäuse der Instinct ähnelt ein wenig dem einer Casio G-Shock und kommt dementsprechend wuchtig daher. Als dezentes Accessoire zum Anzug eignet sich die Uhr entsprechend weniger, stattdessen sieht man ihr direkt an, dass sie eine kompromisslose Sportuhr darstellen will.

Das Gehäuse der Garmin Instinct besteht aus Kunststoff (Polymer), macht aber trotzdem einen robusten und wertigen Eindruck, ebenso wie das schwarze Silikonarmband. Die Uhr besitzt eine Wasserdichtigkeit von 10 ATM und eignet sich daher auch zum Freiwasserschwimmen – zugehörige Aktivitätsprofile inklusive.

Die Instinct verfügt über ein monochromes MIP-Display ohne Touchfunktion, das wir ausschließlich über die fünf Tasten an den Seiten des Gehäuses steuern. Eine der Tasten beleuchtet den Bildschirm, wobei die Helligkeit sich in den Einstellungen der Uhr für Aktivitäten und den normalen Gebrauch jeweils separat regulieren. Je nachdem, wie hoch wir die Helligkeit einstellen, verringert sich die Akkulaufzeit. In der höchsten Helligkeitsstufe kann man den Bildschirm auch bei starker Sonneneinstrahlung und von schräg oben problemlos ablesen.

Leider hat die fehlende Touch-Funktion am Display einen gravierenden Nachteil: Die Steuerung der Uhr über die Tasten am Gehäuse ist ziemlich umständlich. Die Tasten sind teilweise mehrfach belegt und ändern ihre Funktion, je nachdem, ob wir die Hauptanzeige oder ein Menü der Instinct steuern. Dadurch wird die Bedienung insgesamt sehr gewöhnungsbedürftig und erfordert ein paar Tage Eingewöhnungszeit.

Die Einrichtung der Smartwatch funktioniert ansonsten aber wie von Garmin gewohnt absolut problemlos. Wir wählen beim ersten Start der Uhr eine Sprache und legen ein paar Einstellungen fest, bevor wir sie mit der Garmin-Connect-App per Zahlencode koppeln. Das lief in unserem Test einfach und intuitiv über die Bluetooth-Verbindung unseres Smartphones.

Die Garmin Connect App bietet wie bei anderen Garmin-Smartwatches auch die üblichen Funktionen und Daten, übersichtlich in diversen Diagrammen aufbereitet. Nutzer können auf verschiedene Tracking-Funktionen zurückgreifen und sowohl Aktivitäten als auch Schlafdaten umfangreich überwachen. Außerdem verfügt die App über dedizierte Trainingspläne für Lauf- und Radfahrtraining, die je nach Trainingsziel entsprechende Einheiten vorsehen.

Wir können einzelne Datenprofile anwählen, um detaillierte Informationen zu zurückgelegten Schritten, Trainingseinheiten, Trainingsausrüstung, Herzfrequenz, verbrauchten Kalorien und Schlaf zu erhalten. Ein Newsfeed fasst unsere bisherigen Aktivitäten in einer Übersicht zusammen, während wir uns per Klick auf die einzelne Aktivität weitere Details wie Distanz, Strecke (per Google Maps), Kalorien, Schrittfrequenz, Herzfrequenz und mehr anzeigen lassen können.

Die Bedienung der App funktioniert absolut einfach und intuitiv, alle gewünschten Informationen sind leicht auffindbar und übersichtlich aufbereitet. Die Instinct Esports unterstützt dabei alle bekannten Garmin-Funktionen wie LiveTrack, Unfall- und Notfallhilfe sowie PacePro (erstellt individuelle Pacing-Strategie für Wettkämpfe).

Die Garmin Instinct Esports folgt dem Smartwatch-Standard und liefert diverse Aktivitätsdaten zusätzlich zur Herzfrequenz. Sie misst zurückgelegte Schritte, Intensitätsminuten, Stockwerke, Stresslevel und die Garmin-eigene sogenannte Body Battery, die den Energielevel des eigenen Körpers beschreibt. Wir können mithilfe der App spezifische Aktivitätsziele festlegen und uns von der Instinct informieren lassen, sobald wir die Ziele erreicht haben. Ergänzend dazu haben wir die Möglichkeit, über die Apps an Community Challenges teilzunehmen, für die wir beispielsweise eine bestimmte Laufstrecke in einer bestimmten Zeit zurücklegen müssen.

Die Smartwatch misst bei allen Aktivitäten und im Alltag unsere Herzfrequenz. Das funktionierte in unserem Test erwartungsgemäß sehr zuverlässig. Die Werte wichen lediglich im niedrigen einstelligen Bereich von den Messungen unseres Brustgurts ab, der als Vergleichsgerät diente. Wir können uns den Puls in einem Diagramm anzeigen lassen und den niedrigsten sowie höchsten Wert ablesen. Aktivitäten werden in der Detailanzeige der Herzfrequenz gesondert mit Angabe der Dauer angezeigt. Die Herzfrequenzmessung dient auch der Bestimmung der Body Battery, die unsere Energiereserven mit einem Wert zwischen Null und 100 anzeigt. Der Wert entsprach im Test unserem subjektiven Empfinden und gibt dementsprechend brauchbare Informationen aus.

Die große Besonderheit der Garmin Instinct Esports besteht in den schon erwähnten Esports-Funktionen. Die Smartwatch besitzt ein eigenes Esports-Aktivitätsprofil, das wir aktivieren können, um unsere Herzfrequenz und unseren Stresslevel beim Spielen aufzuzeichnen. Das Ergebnis zeigt uns dann die App in einem gesonderten Diagramm mit diversen Details zu Puls und Dauer an. Dieses Feature wirkt auf den ersten Blick eher wie ein nettes, aber eigentlich unnützes Gimmick. Wer aber sehr viel und regelmäßig spielt, kann auf diese Weise bequem überwachen, wie sich das Spielen an sich auf den eigenen physischen Zustand auswirkt.

Es wäre aber doch schade, die Daten nur für sich zu behalten! Garmin liefert zur Uhr das Tool STR3AMUP!, mit dem sich die Live-Daten der Uhr (Puls, Stresslevel und Body Battery) als Overlay ein Let’s Play oder einen Live-Stream einblenden lassen. Die Einrichtung ist dabei erfreulich einfach, solange der Rechner Bluetooh beherrscht. Nach dem Start der Esports-Aktivität auf der Uhr startet man die App am PC und sie zeigt die Uhren in Reichweite. Anschließend kann man einrichten, wie die Daten angezeigt werden sollen. Klickt man Start, bekommt man die Daten in einem separaten Fenster mit einfarbigem Hintergrund. Dieses kann man in eine Aufnahmesoftware wie OBS importieren und den Hintergrund per Chromakey entfernen. Anschließend überlagern die Daten den eigenen Stream. Wie das aussehen kann, zeigt unser Video mit einer (zugegebenermaßen miesen) Runde Fortnite:

Interessant ist, dass die meisten anderen Garmin-Uhren ebenfalls per Bluetooth Informationen wie die Herzfrequenz an andere Produkte übertragen können. Es wäre spannend zu sehen, ob Garmin dieses Feature für seine anderen Uhren nachrüstet – machbar wäre es wahrscheinlich.

Trotz des Namenszusatzes Esports bleibt die Garmin Instinct alles in allem trotzdem eine reinrassige Sport-Smartwatch mit diversen unterschiedlichen Trainingsprofilen. Neben verschiedenen Profilen für Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren und Schwimmen gibt es auch Profile für Krafttraining, Winter- und Wassersport, Yoga und Outdoor-Aktivitäten wie Wandern. Außerdem gibt es eine Navigationsfunktion, die sich das integrierte GPS, den barometrischen Höhenmesser, den Kompass und das Thermometer zunutze macht. Weil die Instinct Esports auch über eine ANT+ Funktion verfügt, können wir mit der Uhr zusätzlich einen Pulsgurt koppeln.

Wenn wir ein Outdoortraining starten, sucht die Instinct automatisch nach einem GPS-Signal. Das dauert nur wenige Sekunden und funktioniert zuverlässig wie von Garmin gewohnt. Wir können eine zurückgelegte Strecke auch ohne GPS messen, dann fällt die Messung aber etwas ungenauer aus. Außerdem müssen wir dann auf eine Karte der Strecke verzichten. Die Höhenmessung funktioniert dank des integrierten barometrischen Höhenmessers aber trotzdem.

Während die Aufzeichnung von Ausdauersportarten grundsätzlich sehr gut funktioniert, hapert es leider erwartungsgemäß beim Tracking von Krafttraining: Die Uhr lässt zwar die Aufzeichnung von Sätzen zu und soll einzelne Wiederholungen erkennen, letzteres funktioniert aber nicht zuverlässig. Die Uhr erkennt zwar eindeutig und strikt ausgeführte Wiederholungen von Übungen wie Kniebeugen, hat aber mit komplexeren Übungen wie Reißen und Stoßen erhebliche Probleme. Kraftsportler greifen also besser zu herkömmlichen Methoden der Trainingsaufzeichnung.

Die Pulsmessung funktioniert bei der Garmin Instinct Esports aber bei allen Sportarten gut und genau. Die Uhr kommt auch mit schwankenden Pulsraten gut zurecht und eignet sich daher für die Aufzeichnung von HIT- oder Tabata-Workouts. Die Garmin Connect App bietet eine Übersicht über alle absolvierten Trainingseinheiten und liefert diverse Daten. Wer sich für einen spezifischen Trainingsplan entscheidet, kann die Trainings außerdem direkt auf der Uhr auswählen, bevor die nächste Einheit startet. Die Uhr zeigt dann die einzelnen Übungen der Einheit auf dem Bildschirm an. Das funktioniert in der Praxis sehr gut. Trotz der Abstriche beim Krafttraining eignet sich die Instinct also nicht nur für Gamer, sondern auch für ambitionierte Hobbyathleten.

Nutzer der Garmin Instinct Esports erwarten beim Schlaftracking keine großen Überraschungen. Die Smartwatch misst Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt, die Schlafstadien (Leichtschlaf, Tiefschlaf, Wachphasen, REM-Phasen), Sauerstoffsättigung im Blut und Atmung. Die App gibt die entsprechenden Werte für die vorangegangene Nacht sowie die vorigen sieben Tage an und berechnet die Durchschnittswerte. Ergänzend zeigt sie ein Bewegungsprofil an.

Die Garmin Instinct Esports bewertet den Schlaf in Kombination mit der App zwar nicht direkt, bezieht die entsprechenden Daten aber in die Bewertung der Body Battery mit ein. Die Aufzeichnung des Einschlaf- und Aufwachzeitpunktes funktionierte in unserem Test zuverlässig und auch die Schlafphasen wirkten unserem subjektiven Empfinden nach zutreffend ausgewertet. Die Schlafanalyse funktioniert übrigens komplett automatisch. Wir haben außerdem die Möglichkeit, verschiedene Wecker einzustellen, die im Test zuverlässig weckten.

Weil es sich bei der Garmin Instinct um eine Smartwatch handelt, können wir diverse Benachrichtigungsfunktionen aktivieren. Dabei legen wir in der App fest, welche Benachrichtigungen wir erhalten möchten und welche Art von Benachrichtigungen uns die Uhr auf dem Display anzeigen soll. Wir haben außerdem die Möglichkeit, einen Nicht-Stören-Modus zu aktivieren und vorgefertigte SMS-Antworten zu verschicken. Die Instinct Esports informiert uns auch über eingehende Anrufe, telefonieren können wir mit der Uhr mangels eines eigenen Mikrofons aber nicht. Die Benachrichtigungen lassen sich Garmin-typisch umfangreich konfigurieren. Die Uhr zeigt sie übersichtlich auf dem Display an. Die Antwortfunktion macht ebenfalls einen sehr guten Job.

Garmin gibt die Akkulaufzeit der Instinct Esports je nach Modus mit 16 Stunden bei aktiviertem GPS, mit bis zu 80 Stunden mit Esports-Funktion und mit bis zu 14 Tagen im Smartwatch-Modus an. Wir haben die Uhr mit aktivierten Benachrichtigungen und mehreren Trainingseinheiten inklusive GPS- und Herzfrequenzmessung getestet und kamen dabei auf eine Akkulaufzeit von zehn Tagen – ein sehr guter Wert für eine Smartwatch mit GPS-Funktion.

Die Garmin Instinct Esports kostet im offiziellen Garmin-Online-Shop 292,43 Euro (UVP). Der Straßenpreis der Uhr lag zum Testzeitpunkt aber bei knapp 250 Euro. Damit liegt die Instinct Esports preislich auf einem ähnlichen Niveau wie die Garmin Vivoactive 4 (Testbericht) , mit der sie auch in Bezug auf die Funktionen vergleichbar ist.

Garmin hat mit der Instinct Esports eine klare Zielgruppe vor Augen und will sowohl mit dem Design der Uhr als auch mit den Esports-Funktionen ganz klar sportbegeisterte Gamer ansprechen. Leider geht dieser Plan unserer Meinung nach nicht ganz auf. Denn das fehlende Touch-Display und die gewöhnungsbedürftige Bedienung machen Garmin ebenso einen Strich durch die Rechnung wie die Esports-Zusätze, die sich im Test größtenteils und erwartungsgemäß eher als unnütze Spielerei denn als hilfreiche Erweiterung der bekannten Instinct-Smartwatch erwiesen haben.

Wer mit dem Kauf der Instinct Esports liebäugelt, sollte sich über diese kleinen Mankos bewusst sein. Wir würden in Anbetracht des Preises eher zur vivoactive 4 oder zur Venu (Testbericht) raten als zur Instinct Esports. Der Kauf der Instinct Esports lohnt unserer Meinung nach nur, wenn die Optik der Uhr ein entscheidendes Kaufargument darstellt und die hohe Akkulaufzeit in Kombination mit den Esports-Funktionen voll zur Geltung kommen können.

Wer seinen Puls streamen möchte, ohne gleich die Garmin-Uhr zu kaufen, dem raten wir zu einem Bluetooth-Pulsgurt (Preisvergleich) und der Android-App Pulsoid .

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