Falt-Smartphone Samsung Galaxy Z Fold 4 im Test: Gelungenes Tablet für die Hosentasche

Samsung Galaxy Z Fold 4
Pro und Contra
  • tolles Gesamtpaket
  • grandiose Displays
  • rasend schnell
  • miese, alles andere als unsichtbare Frontcam (4MP)
  • immer noch zu teuer
  • 4.5

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Samsung hat zwei Foldables auf dem Markt, das größere ist das Galaxy Z Fold 4. Auf den ersten Blick gibt es wenig Unterschiede zum Vorgänger – reicht das für ein gutes Testergebnis?

Das Samsung Galaxy Z Flip 4 (Testbericht) ist bei den Falt-Smartphones die Kategorie kleines Gehäuse, normal großes Display. Beim Z Fold 4 ist es genau andersherum: normal großes Gehäuse, doppelt so großes Display. Genaugenommen sind es sogar nach wie vor zwei Displays: eines außen in einer Größe, die nicht viel kleiner als bei den meisten anderen Smartphones auf dem Markt ist, aufgeklappt kommt es hingegen an ein kleines Tablet heran – zwei Fliegen mit einer Klappe also.

Das Hauptproblem: Smartphones mit Falt-Displays sind nach wie vor ziemlich teuer. So verlangt Samsung für das Fold 4 immer noch stolze 1800 Euro in der UVP, mehr für mehr Speicher. Bei anderen Modellen wie etwa dem Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) bekommt man trotz weniger Geld noch mehr Technik. Da wundert es nicht, dass im Gegensatz zum Fold das Flip bislang wesentlich häufiger verkauft wurde – schließlich ist das Modell kurz nach Marktstart schon für unter 1000 Euro zu haben, das Fold bleibt sehr lange darüber. Gibt es beim neuen Fold 4 vielleicht mehr Gründe als bei den Vorgängern, so viel Geld auszugeben?

Samsung hat bei der Vorstellung großen Wert darauf gelegt, dass das neue Galaxy Z Fold 4 nun nicht mehr ganz so lang, dafür aber breiter sei. Das verbessere das Handling ungemein, so die Behauptung. Tatsächlich haben wir davon kaum etwas bemerkt. Das Gerät wirkt zusammengeklappt immer noch ziemlich dick, dabei entspricht es eigentlich nur etwa dem 1,5-fachen eines typischen Barren-Smartphones. Zusammen mit dem immer noch langgestreckten Formfaktor passt das aber irgendwie nicht so recht, im Verhältnis ist das Fold 4 zusammengeklappt nach wie vor einfach zu dick. Auseinandergefaltet sieht das schon wieder ganz anders aus. Hier überzeugt das dann doppelt so große Gerät mit im Verhältnis enorm dünnem Gehäuse, wirkt beinahe grazil und gleich viel hochwertiger.

Dabei geht es nicht um Design oder Verarbeitung an sich – beides ist wieder hervorragend und genau das, was man von einem so teuren Smartphone einfach erwarten darf. Es geht um den Formfaktor – der überzeugt auch in der vierten Version des Foldables nicht wirklich. Der Rest ist in Ordnung. Die drei Kameralinsen auf der Rückseite stehen aus dem Gehäuse hervor, fallen bei unserem schwarzen Testgerät aber dennoch nicht sonderlich auf. Der glänzende, leicht schwärzlich eloxierte Metallrahmen ist enorm hochwertig und die Rückseite aus Glas sehr dezent. Viel verändert hat sich zum Vorgänger nicht. Achtung bei der IP-Angabe: Dank IPx8 ist das Fold zwar wasser-, aber nicht staubdicht. Gerade wegen des Faltscharniers müssen Nutzer hier besondere Vorsicht walten lassen.

Das gilt auch für die beiden Displays. Klar – wegen der eingangs erwähnten Änderungen in die Breite hat sich auch das Pixelverhältnis leicht verschoben, das sieht man aber nur auf dem Datenblatt. Statt 2208 x 1768 Pixel gibt es im aufgeklappten Zustand nun 2176 x 1812 Pixel – geschenkt. Immerhin stellt der OLED-Screen jetzt 1 bis 120 Hz dar, beim Vorgänger waren es minimal 48 Hz. Die Bildqualität ist nach wie vor überzeugend. Farbwiedergabe, Kontraste und Blickwinkelstabilität sind vorbildlich, die Helligkeit liegt mit knapp 800 cd/m² sogar leicht höher als beim Vorgänger. Weil hier nach wie vor nur Kunststoff als Screen-Oberfläche verwendet wird, fühlt sich die Bedienung nicht nur anders als beim äußeren Glas-Display an, sondern der Innen-Screen ist auch anfälliger für Kratzer.

Das Außendisplay hat im Gegensatz zu den Z-Flip-Modellen einen echten Mehrwert, da es mit seinen 6,2 Zoll eine durchaus brauchbare Größe hat. Störend ist hier wieder der pummelige Formfaktor des Smartphones an sich, sodass die meisten Nutzer das Gerät ohnehin meist bei Nutzung aufklappen werden. Dabei gilt auch für das Außendisplay: Die Qualität ist gut, die Darstellung mit jetzt 2316 x 904 Pixel schön scharf. Die Helligkeit liegt mit 850 Candela etwas niedriger als beim Vorgänger, ist aber nach wie vor sehr gut.

Dennoch sind wir etwas enttäuscht: Im Gegensatz zu Huawei, dessen Mate 2 Xs (Testbericht) kaum noch eine sicht- und fühlbare Faltstelle aufweist, ist die bei Samsung weiterhin unverändert zu sehen und spüren. Auch wenn man das bei direkter Draufsicht im Alltag kaum bemerkt, hätte hier trotzdem ruhig mehr Fortschritt kommen dürfen.

Bei der Kamera gibt es da schon mehr Fortschritt zu verzeichnen. Die alte 12-Megapixel-Optik hat Samsung nun ans Flip 4 (Testbericht) durchgereicht, das Fold 4 setzt nun stattdessen auf eine Optik mit 50 Megapixel und Blende (f/1.8) samt optischem Bildstabilisator (OIS). Damit gelingen hervorragende Fotos, die in den wichtigen Bereichen Schärfe, Bilddynamik, Farbwiedergabe und Weißabgleich definitiv in der Oberliga spielen. Zu absoluten Oberklassemodellen wie dem Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) fehlt dann aber doch noch das letzte Quäntchen. Der Nachtmodus liefert allerdings auch im Fold ansprechende Ergebnisse. Beim Weitwinkel und leider auch etwas beim dreifachen optischen Teleobjektiv ist der Unterschied zur Kameraelite noch größer, ohne aber zu schlecht zu werden. Hier ist die Bildschärfe der limitierende Punkt – Aufnahmen sehen insgesamt zwar durchaus ordentlich aus, gerade im Detail können sie aber nicht mit den besten Smartphones mithalten.

Schlimmer ist allerdings die „Front“-Kamera im aufgeklappten Zustand. Sie ist auf den ersten Blick versteckt im Display, gerade bei einfarbigen Inhalten fällt sie aber durch ein grobes Display-Raster auf, das sich vor der Linse befindet. Das ist wie beim Vorgänger nett gemeint, aber schlecht umgesetzt. Sie knipst Bilder mit 4 Megapixel und ist doppelt unnütz: einerseits ist ihre Qualität erstaunlich schlecht, andererseits erlaubt die UI der Kamera zumindest auf Umwegen, Selfies mit der Hauptkamera zu knipsen – warum dann nicht gleich auf die mehr schlecht als recht getarnte Kamera verzichten? Dann hätte aber die Bedienung besser sein müssen: Erst auf dem großen Display das Außendisplay aktivieren, dann auf dem Außendisplay die Selfie-Funktion aktivieren, dann kurz auf das Neuladen des UI warten und dann kann es endlich losgehen – wer hat denn das verbrochen?

Immerhin ist die Frontkamera, die Selfies im zusammengeklappten Zustand knipst, besser. Sie macht wie beim Vorgänger brauchbare Bilder. Ein kleines Highlight zum Schluss: Die Videofunktion der Hauptkamera ist wie von Samsung inzwischen gewohnt sowohl bei Bild als auch bei Ton sehr gut. Insgesamt sind die Kameras – bis auf die 4-Megapixel-Knipse – ordentlich und werden die meisten Nutzer zufriedenstellen.

Die restliche Ausstattung des Samsung Galaxy Z Fold 4 ist vorbildlich: Ultraschneller Qualcomm Snapdragon 8 Plus Gen 1 mit bis zu 3,2 GHz und bärenstarker Adreno 730, dazu 12 GByte RAM und je nach Ausstattungsvariante 256, 512 oder gar 1 TByte Speicher – das ist ordentlich. Die größte Speichermenge gibt es übrigens nur bei Samsung selbst und erweiterbar ist das Fold 4 dabei auch nicht. Bei solchen Speichermengen ist das in unseren Augen aber nur eine Randnotiz. In dieser Kombination aus Spitzen-Hardware erreicht das Falt-Smartphone bei PCmark Work 3.0 auf dem großen Display stolze 15.000 Punkte – viel schneller geht es derzeit nicht.

Das merkt man im Alltag, vor allem, wenn man das mit dem Start der S22-Modelle Anfang des Jahres vergleicht. Denn während diese Exynos-Modelle gerade zu Beginn immer wieder Gedenk-Millisekunden einlegten und des Öfteren hakten, rennt das Galaxy Fold 4 mit Qualcomm-Chip in TSMC-Herstellung (und ironischerweise nicht mehr bei Samsung …) wie die sprichwörtliche Sau. Vielleicht sollte Samsung nun wirklich mal darüber nachdenken, auch in Europa endgültig auf Snapdragon-Chips zu setzen.

Die restliche Ausstattung ist dank des Chipsatzes ebenfalls eine wahre Wonne. Der interne Speicher ist dank UFS-3.1-Technik schnell, das Smartphone unterstützt USB-C 3.2, bietet Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.2 und vieles mehr. Der Fingerabdrucksensor arbeitet tadellos, auch wenn man bei „normalen“ Smartphones sonst in der Preisklasse jenseits der 500 Euro ausschließlich welche bekommt, die schick und unsichtbar im Display versteckt sind. Eine Wonne sind auch die Stereo-Lautsprecher, sie klingen wie beim Vorgänger voll und kräftig. Dual-SIM gibt’s nur mit eSIM. Die restlichen Daten zum Gerät findet man übersichtlich aufbereitet in der Tabelle.

Bei der Software geizt Samsung ebenfalls nicht – oder nur in vertretbaren Ausnahmen. Android 12 ist Standard, darüber liegt OneUI in Version 4.1.1. Allerdings stammt der Sicherheits-Patch bei unserem Testgerät von Juli, das passt nicht zum neuen Gerät und auch nicht zu Samsung. Der Hersteller verspricht nämlich auch beim Fold 4 wieder vier Jahre Major-Updates sowie fünf Jahre Sicherheits-Patches und liefert die normalerweise auch zeitnah. Ansonsten gibt es zur Software wenig zu sagen. Bloatware ist zum Glück spärlich gesät und für den großen Bildschirm liefert Samsung Spezialitäten wie Multi-Window mit drei laufenden Apps gleichzeitig plus eine weitere im schwebenden Fenster – klasse! Nur der Dex-Mode fällt weg, zur Steigerung der Produktivität dürfen Nutzer aber auch einen S-Pen verwenden. Der muss allerdings genau wie das passende Cover zum Verstauen des Stiftes dazugekauft werden, zudem ist das Cover enorm dick.

Beim Samsung Galaxy Z Flip 4 (Testbericht) ist der Akku im Vergleich zum Vorgänger erstarkt, beim Z Fold 4 ist er mit 4400 mAh gleichgeblieben. Das ist etwas schade, andererseits war die Verbesserung des Akkus beim Flex auch deutlich nötiger. Denn das Fold 4 war und ist zwar kein Dauerläufer, in PC-Mark Battery Test kommt es aber immerhin auf fast 9 Stunden bei 120 Hz und aufgeklappten, großen Display – das ist erstaunlich. Damit reicht der Kraftspender normalerweise problemlos über den Tag, nur bei Dauernutzung der 4K-Videofunktion oder beim Dauerzocken kommt man hier schneller an Grenzen.

Etwas unverständlich ist, dass Samsung wieder mal kein Netzteil in den Lieferumfang packt, dafür war wohl beim niedrigen Preis von gerade einmal 1800 Euro kein Spielraum mehr (Ironie aus). Ebenfalls unverständlich: Das Fold 4 lädt nur mit 25 Watt und braucht entsprechend rund 1,5 Stunden für eine volle Dröhnung, kabellos mit nur 15 Watt dauert das sogar etwa 2,5 Stunden. Reverse Wireless Charging klappt auch – mit 10 Watt. Das ist von den bloßen Werten her gerade noch so Mittelklasse-Niveau, auch wenn dort kabelloses Laden generell noch eher spärlich vertreten ist.

Das Samsung Galaxy Z Fold 4 gibt es in den Farben Schwarz, Beige und Graugrün. Zudem hat der Nutzer die Wahl zwischen Modellen mit 12/256, 12/512 und (bei ausschließlich bei Samsung) 12/1024 GByte. Die UVP des Gerätes beginnt bei knapp 1800 Euro.

Im Bundle mit einem Mobilfunktarif geht es ab etwa einmalig 30 Euro für das Smartphone los. Dann erhält man beispielsweise einen O2-Tarif mit 1 GByte (max. 50 MBit/s) sowie Flatrates für SMS und Telefonie für monatlich 70 Euro – ganz schön teuer. Wer bei der Einmalzahlung etwas mehr Geld in die Hand nimmt – etwa 60 Euro bei Smartmobil – erhält auch bessere Tarife.

Das Samsung Galaxy Z Fold 4 ist ein rundum gelungenes Smartphone mit aufwändiger Falt-Display-Technologie. Es bietet allerdings auf den ersten Blick wenig Verbesserungen zum Vorgänger, in erster Linie hat Samsung noch mehr an dessen Ecken und Kanten geschliffen und die Technik insgesamt auf den aktuellen Stand gebracht. Dadurch halten Käufer ein interessantes Falt-Modell in der Hand, das sich keine echten Schwächen leistet, dafür aber viele Stärken bietet. Größtes Manko ist in unseren Augen die miese 4-Megapixel-Kamera, auf die der Hersteller gleich hätte verzichten können. Auch der Preis ist immer noch zu hoch, um in den Massenmarkt vorzudringen. Ansonsten ist das Fold 4 ein rundum gelungenes Tablet für die Hosentasche.

Die besten Smartphones 2022 haben wir in dieser Top 10 zusammengefasst. Wer weniger Geld ausgeben will, findet in unserer Bestenliste bis 500 Euro vielleicht das passende Smartphone. Etwas günstiger als das aktuelle Fold 4 ist der Vorgänger Samsung Galaxy Z Fold 3 5G (Testbericht).

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