Fairphone 4 im Test: Das beste nachhaltige Smartphone

Fairphone 4
Pro und Contra
  • reparaturfreundlich dank modularem Aufbau
  • so fair, nachhaltig und umweltbewusst wie möglich
  • viertes Fairphone endlich alltagstauglich
  • Technik entspricht eher 350-Euro-Smartphone
  • Kamera derzeit mit mangelhafter Software
  • 4.5

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Das passende Handy zum Jutebeutel? Genau das will das Fairphone 4 sein, sieht dabei endlich modern aus und fordert auch im Alltag weniger Kompromisse als seine Vorgänger.

Die Idee hinter den bislang erschienenen Fairphones war schon immer klasse: Die Smartphones wurden unter Berücksichtigung der Umwelt, der Lieferketten, der beteiligten Menschen gebaut und wiesen außerdem eine gewisse Modularität auf. Damit konnten einzelne Komponenten problemlos auch ohne Vorkenntnisse vom Kunden selbst ausgetauscht werden, anstatt bei einem Teildefekt das ganze Handy in den Müll zu werfen. Das alles hatte seinen Preis – und der lag meist deutlich in der oberen Mittelklasse oder darüber. Dafür bekamen Interessenten aber bestenfalls technischen Gegenwert aus der unteren Mittelklasse. Dass die Nachfrage trotzdem da war, zeigt allein die Tatsache, dass das Unternehmen hinter dem neuen Fairphone 4 noch da ist und ein neues Modell auf den Markt bringen konnte.

Zum weltweiten Massenphänomen wurden die fairen Smartphones bislang aber nicht – vielleicht auch einfach darum, weil sie ihrer Zeit voraus waren. Das könnte sich langsam ändern, denn Aktionen wie Fridays for Future schafften es in jüngster Vergangenheit immerhin, Politikern zumindest vor Wahlen Lippenbekenntnisse pro Umwelt zu entlocken. Außerdem sorgte die erhöhte Medienpräsenz dafür, die Umweltproblematik wenigstens in der Theorie mehr in den Fokus der breiten Bevölkerung zu rücken. Hinzu kommt, dass das neue Fairphone 4 im Alltag ein vollständiges und universell brauchbares Smartphone ist, bei dem Käufer keine großen Kompromisse mehr bei Technik oder Design eingehen müssen. Wir zeigen im Test, warum das Fairphone 4 eigentlich das Handy ist, das wir alle kaufen sollten.

Auf den ersten Blick wirkt das Fairphone 4 ganz normal. Im Gegensatz zum Vorgänger Fairphone 3, dass eher an einen Backstein als ein Smartphone erinnerte, ist es nicht übermäßig dick und wirkt ausreichend modern. Klar – Glas auf der Rückseite und ein extraflaches Gehäuse bietet das Modell nicht, aber insgesamt ist es gefällig. Es liegt sogar gerade wegen der Abwesenheit von schickem Glas recht gut in der Hand, denn der zu 100 Prozent recycelte Kunststoff der Rückseite fühlt sich leicht gummiert an und bietet damit mehr Grip. Die Verarbeitung ist außerdem klasse. Der Metallrahmen bietet kaum fühlbare Antennenfugen und ist angenehm gerundet, die Lautstärketasten sowie die leicht im Rahmen verschwindende Power-Taste samt Fingerabdrucksensor lassen sich hervorragend bedienen.

Dass das Fairphone doch nicht ganz perfekt in der Hand liegt, hat andere Gründe. So ist das Modell unterm Strich mit rund 10,5 Millimeter dann doch vergleichsweise dick und 225 Gramm Gewicht sind ebenfalls mehr, als ein „normales“ Smartphone auf die Waage bringt. Das hat gute Gründe: Das Fairphone 4 ist schlichtweg kein normales Smartphone. Die zusätzliche Bautiefe erklärt sich durch die bereits angedeutete Modularität: Kunden können Komponenten wie Lautsprecher, Hörmuschel, USB-Buchse, Akku, Kamera, Frontkamera und Display in Eigenregie austauschen, wenn die außerhalb der 5-jährigen Garantiezeit defekt sein sollten. Das sorgt für längere Nutzbarkeit des Handys und senkt den ökologischen Fußabdruck. Ersatzteile dafür sind bis zurück zum Fairphone 2 erhältlich – und das ist schon 5 Jahre alt. Benötigt wird dafür neben dem Ersatzteil lediglich ein kleiner Kreuzschlitzschraubendreher aus einem Feinwerkzeugset – und etwas Feinmotorik.

Neben Gewicht und Bautiefe ist auch die komplett gerade Rückseite ein kleiner Kompromiss. Denn mangels Wölbung liegt das Gerät nicht ganz optimal in der Hand, allerdings baut das Ökohandy dadurch keine weitere Bautiefe auf. Zudem ist die Rückseite komplett abnehmbar, um an die Innereien zu kommen. Akkutausch leicht gemacht – das ist heutzutage bis auf ganz wenige Ausnahmen wie etwa die Shift-Phones aus Deutschland einzigartig. Besonders bemerkenswert: Trotz seiner Modularität ist das Fairphone nach IP54 gegen Spritzwasser und Staub geschützt, obwohl das Fairphone im Gegensatz zu anderen Smartphones ohne verklebte Komponenten auskommt.

Übrigens: Beim Fairphone 4 geht Design einen Schritt weiter als bei der Konkurrenz. Da hier das Innenleben für jeden erreichbar ist, peppt der niederländische Hersteller auch dieses mit geometrischen Formen und Farben sowie grundlegenden Beschreibungen der Einzelteile auf – schick und nützlich.

Beim Display machen Technik-Freaks lange Gesichter. Der Screen ist mit 6,3 Zoll und 2340 x 1080 Pixel zwar ausreichend dimensioniert und scharf (409 ppi), setzt aber nur auf IPS-LCD als Technik und 60 Hertz Bildwiederholungsfrequenz. Beides ist bei einer UVP von knapp 580 Euro eigentlich ein Nogo für ein aktuelles Smartphone. Außerdem bietet es keine schicke Punchhole-Notch, sondern die Frontkamera lugt durch eine herkömmliche Tropfen-Notch. Noch dazu ist der Rand um den Bildschirm gerade oben und unten erstaunlich breit – das wirkt beinahe altbacken, bietet im Gegenzug im Verbund mit dem stabilen Metallrahmen aber einen besseren Schutz vor mechanischen Einflüssen und damit potenziell mehr Langlebigkeit.

Im Alltag kann man mit dem Screen gut leben, zumal ein Austausch im Fall der Fälle nicht über 300, sondern nur rund 80 Euro kostet. Im Test konnten wir eine Helligkeit von bis knapp 500 cd/m² messen, die erst ab rund 45 Grad sichtbar abnimmt. Damit passt auch die Blickwinkelstabilität. Die generelle Darstellung von Kontrasten und Farben geht ebenfalls in Ordnung, ohne Bestmarken zu setzen. Mit dem Gedanken an Nachhaltigkeit im Hinterkopf dürfte mit diesem Screen eigentlich niemand ein echtes Problem haben – auch wenn wir etwa ein Always-on-Display vermissen und es woanders mehr fürs Geld gibt.

Beim Vorgänger Fairphone 3 gab es noch eine einzelne Linse mit niedriger Auflösung und ohne viel Technik drumherum. Entsprechend waren die Resultate. Im neuen Fairphone 4 stecken immerhin zwei Sensoren – einmal die Hauptkamera und zusätzlich ein Weitwinkel. Die Hauptkamera setzt dabei auf 48 Megapixel, Phasenvergleichs- und Laserautofokus und außerdem auf einen optischen Bildstabilisator (OIS). Der Weitwinkel verfügt ebenfalls über 48 Megapixel, was auf eine ähnlich hohe Qualität wie bei der Hauptkamera hoffen lässt. Hier fehlt allerdings der OIS und die Blende liegt bei f/2.2 statt f/1.6.

Im Alltag kann die Bildqualität die Versprechen der Hardware nicht ganz halten – und das scheint an der Software zu liegen. Dank Pixel Binning reduziert das Fairphone 4 die 48-Megapixel-Aufnahmen auf 12 Megapixel und nimmt stattdessen die Bildinformationen von vier Bildpunkten für jeweils ein besseres Pixel. Dadurch sollte die Bildqualität eigentlich besonders unter schlechten Lichtverhältnissen verbessert werden, gerade im Zusammenspiel mit dem optischen Bildstabilisator. Davon war im Test leider wenig zu bemerken. Standard-Fotos gerieten in der Voreinstellung gerne etwas zu düster und schon in der Vollbilddarstellung ist Bildrauschen deutlich zu sehen. Die Bildschärfe geht in Ordnung, in der Vergrößerung sieht man allerdings schnell nicht nur das deutlich präsente Farb- und Bildrauschen, sondern auch die nicht überzeugende Bildschärfe. Hinzu kommt eine deutliche Auslöseverzögerung, die gerade Schnappschüsse, bei denen es auf Schnelligkeit ankommt, schwierig machen. Trotz OIS sorgt das außerdem dafür, dass bei abnehmendem Licht Aufnahmen mehr und mehr verwackeln – genau das sollte aber eigentlich nicht der Fall sein.

Anders sieht das unter Verwendung der Funktion „Hohe Auflösung“ aus. Hier werden Bilder mit vollen 48 Megapixel aufgenommen. Zumindest im Freien geraten Fotos deutlich natürlicher, zeigen kein auffälliges Bildrauschen mehr und sind zudem schärfer. Auch hier reicht die Bildschärfe nicht an wirklich gute Smartphone-Kameras heran, ist aber absolut akzeptabel. Generell stört bei der Fairphone-Kamera der Umstand, dass manche Aufnahmen erstaunlich gut, viele andere hingegen spätestens bei der Betrachtung am PC enttäuschend ausfallen. Hier fehlt eindeutig die Konsistenz. Gut gefallen hat uns der digitale Zoom – zumindest manchmal und vor allem bis zu einer zweifachen Vergrößerung. Immerhin fällt der Unterschied zwischen Haupt- und Weitwinkelkamera wie erhofft qualitativ gering aus, wie schon bei der Hauptkamera stört hier Bildrauschen und etwas zu geringe Schärfe sowie ein zu düsterer Gesamteindruck. Das gilt für beide Kameras erst recht für Aufnahmen bei wenig Licht – selbst bei Verwendung der Super-Nacht-Funktion.

Erstaunlicherweise sehen nicht nur Bilder mit voller Auflösung mit ausreichendem Licht besser aus, sondern auch Videos. Die leiden zwar darunter, dass sie maximal in 4K/30 aufgenommen werden können, was sich primär bei seitlichen Bewegungen durch Unschärfe negativ bemerkbar macht. Außerdem ist die Bildstabilisierung, die bei Videos offenbar nur per elektronischer Bildberuhigung (EIS) übernommen wird, dann zu schwach ausgeprägt. Dafür sehen selbst Standbilder aus einem Video am PC oft besser als 12-Megapixel-Fotos aus.

Die Frontkamera knipst – halbwegs ordentliches Licht vorausgesetzt – mit ihren 25 Megapixel recht gute Aufnahmen, die scharf und detailliert wirken. Auch hier kommt Pixel Binning zum Einsatz, sodass die Ergebnisse nur etwas größer als 6 Megapixel sind. Bildrauschen ist hier schwächer ausgeprägt, in der Vergrößerung sieht man allerdings, dass die Software etwas zu aggressiv nachschärft. Das bemerkt man aber erst in der Vergrößerung, sodass uns die Aufnahmen der Selfiecam fast besser als die Standard-Fotos der Hauptkamera gefallen.

Auch mit der Kamera des Fairphone 4 kann man unterm Strich leben, leider vermasselt es Fairphone bei der Software – mit der eingebauten Hardware müsste eigentlich mehr gehen. So liegt die Kameraqualität eher im Bereich eines 200-Euro-Smartphones. Ein Update, das diese Probleme angeht, ist nach Hersteller-Angaben allerdings bereits geplant.

In der Vergangenheit war abgesehen vom Design die Hardware immer eine der viel zitierten Schwachstellen der Fairphones. Das Problem: Käufer bekamen bei anderen Herstellern immer wesentlich mehr fürs Geld als bei Fairphone, denn im Prinzip war die verwendete Hardware immer schon bei Auslieferung veraltet. Das ist beim neuen Fairphone 4 nicht mehr der Fall, zumindest nicht mehr so stark. So setzt das Unternehmen als Antrieb auf einen Qualcomm Snapdragon 750G, der zwar immerhin mit Marktstart 2020 nicht mehr ganz taufrisch, aber noch in Mittelklassegeräten anzutreffen ist. Mit je nach Version 6/128 und 8/256 GByte Speicher ist die Speichermenge ebenfalls angemessen und passt gut in die (gehobene) Mittelklasse.

Ein Hardware-Monster ist das Fairphone 4 damit aber längst nicht. Im PCmark-Benchmark Work 3.0 erreicht das Modell 10.700 Punkte – das ist okay, aber nicht überragend. Gleiches gilt für das Wildlife-Benchmark von 3Dmark mit 1100 Punkten. Im Alltag läuft das Öko-Smartphone hingegen gut. Normalerweise werden Inputs direkt umgesetzt und es ruckelt nichts. Bei normaler Nutzung wirkt das Gerät performant und niemand dürfte Angst haben, dass das Gerät in einigen Jahren – denn genau auf so eine lange Nutzungsdauer ist das Fairphone 4 ausgelegt – zu schwachbrüstig sein wird. Wer hingegen aufwendige 3D-Spiele wie PUBG Mobile oder Asphalt 9 auf höchster Grafikpracht spielen will, der wird schon heute nicht restlos zufrieden sein. Solches Klientel benötigt allein wegen der GPU-Power Smartphones mit Spitzen-Chipsatz.

Ansonsten ist das Fairphone 4 beim Thema Konnektivität recht gut mit dabei. Besonders hervorzuheben sind hier 5G-Funk und die eingebaute eSIM, die das Smartphone mit der grünen Seele für die Zukunft gewappnet erscheinen lassen. NFC, WLAN ac, Bluetooth 5.1 und einiges andere bescheinigen dem Modell eine gute, wenngleich keine sehr gute Ausstattung, über die man sich in unserer Tabelle weiter informieren kann. Der Fingerabdrucksensor in der seitlichen Power-Taste reagiert schnell und zuverlässig, allerdings reicht dafür nicht einfaches Auflegen, sondern die Power-Taste will zusätzlich mechanisch gedrückt werden. Die Stereolautsprecher klirren zwar nicht und sind ausreichend laut, klingen aber insgesamt recht dünn.

Übrigens: Das Fehlen einer 3,5-Millimeter-Buchse überraschte uns, schließlich haben sicherlich noch viele Nutzer Kopfhörer mit diesem Anschluss. Der Hersteller verweist darauf, dass er absichtlich darauf verzichtete, da dieses Bauteil sich als zu anfällig erwiesen habe. Wir können das nicht ganz nachvollziehen und hätten so eine Buchse für eine bessere Nachhaltigkeit bevorzugt. Stattdessen bietet Fairphone inzwischen ein fair gehandeltes, kabelloses True Wireless Headset für knapp 100 Euro an.

Die Hardware klingt alles andere als berauschend, erst recht für 579 (oder für die größere Speicherversion sogar 649) Euro. Aber da war ja noch der Punkt mit der grünen Seele und dem Fair in Fairphone. Die Modularität des Gerätes wurde schon hervorgehoben: Ersatzteil kaufen und selbst mit wenig Aufwand zu Hause umschrauben klingt nicht nur spannend, das ist es auch. Vor allem, weil der Hersteller satte 5 Jahre Garantie gibt – obwohl jeder Idiot mit mehr Kraft als Sensibilität in seinen äußersten Extremitäten im Fairphone 4 herumfummeln darf und sogar soll. Damit wird nicht nur die Reparierbarkeit des Smartphones auf ein ganz neues Level gehievt, sondern gleichzeitig das Müllaufkommen reduziert. Denn hier steht günstiges Austauschen vor Wegwerfen – und das ist gut für die Umwelt.

Außerdem hilft Fairphone schon bei der Produktion, Müll zu vermeiden und geht Probleme wie die menschenverachtende Gewinnung der für Smartphones seltenen Erden in ärmsten Krisengebieten wie Kongo und Ruanda an. So recycelt Fairphone für jedes verkaufte Fairphone 4 ein anderes Smartphone oder eine ähnliche Menge Elektroschrott und bezieht inzwischen 14 der für das Fairphone 4 benötigten Materialien aus nachhaltigen und fairen Quellen. Dazu gehören für das Fairphone 4 Fairtrade-zertifiziertes Gold, Aluminium nach Stewardship Initiative Performance Standard, fair abgebaute seltene Erden und Kunststoffe, unter humanitären Bedingungen abgebautes Wolfram und recyceltes Zinn.

In den letzten Jahren stiegt die Zahl der Arbeiter, die von den verbesserten Produktionsbedingungen der Fairphones profitierten, auf über 10.000 Menschen im Jahr 2020. So erhielten Mitarbeiter des chinesischen Produktionslieferanten von Fairphone einen Bonus in Höhe des vierfachen Monatslohns, um insgesamt einen existenzsichernden Gesamtlohn garantieren zu können. Das alles hat negativen Einfluss auf den Verkaufspreis des Fairphone 4 – ein Preis, den Interessenten für eine bessere Welt zu zahlen bereit sein müssen. Andere Hersteller stecken sich Geld lieber in die eigene Tasche, statt die Taschen ihrer Mitarbeiter zu füllen.

Ein großes Thema bei Nachhaltigkeit von Smartphones ist die Software und deren Unterstützungszeitraum. Auf dem Fairphone 4 kommt Android 11 in nahezu unangetasteter Form zum Einsatz. Einziger Zusatz ist die Fairphone-App, über die Nutzer Handbücher anschauen, mehr über das Unternehmen erfahren und falls nötig den Support kontaktieren können. Neben der Hardware-Garantie strebt Fairphone außerdem Software-Support für 5 Jahre an. Das würde bedeuten, dass nicht nur Android 12 und 13 auf das Fairphone 4 kommen wird, sondern vielleicht sogar Android 14 und 15. Bei den Vorgänger-Modellen hat das Unternehmen tatsächlich so lange Unterstützung gegeben. Nicht ganz dazu passen will der Sicherheits-Patch unseres Testgerätes vom 5. Juli 2021 – hier mahlen die Mühlen wohl langsam, dafür aber (hoffentlich) lang anhaltend.

Der Akku des Fairphone 4 liefert 3905 mAh. Das ist für heutige Smartphones nicht übermäßig viel, dennoch erreichte das Gerät damit im Battery Test von PCmark gute 12,5 Stunden, was für rund 2 Tage normale Nutzung spricht. Das Verhalten des Öko-Handys im Testzeitraum untermauert diesen Eindruck, selbst bei intensiver Nutzung sollte das Gerät einen vollen Tag durchhalten. Wem das nicht reicht, der kann sich einfach für 30 Euro beim Hersteller einen Zweitakku kaufen und ihn bei Bedarf geladen einsetzen. Das klappt wie früher ganz ohne Werkzeug und bietet heute kaum noch ein anderes Smartphone.

Apropos geladen: Ein Netzteil ist nicht mit im Lieferumfang, ebenso kein USB-C-Kabel. Beides zusammen kostet bei Fairphone knapp 35 Euro extra. Im Gegensatz zu Samsung oder Apple mit seinen 1500-Euro-Geräten nimmt man dem niederländischen Hersteller allerdings ab, dass so nicht die Kasse gefüllt, sondern unnötiger Elektromüll vermieden

werden soll. Kabelloses Laden gibt es trotz des Preises des Fairphone 4 nicht.

Das Fairphone 4 gibt es in zwei Speicher- und 2,5 Farbversionen. An Speicher stehen 6/128 GByte für 579 Euro und 8/256 GByte für 649 Euro zur Wahl, an Farben Grau und Grün sowie das gleiche Grün mit feinen Farbsprenkeln in Grau, Weiß und Rot.

Auf der Höhe der Zeit ist auch das Fairphone 4 technisch nicht ganz, zumindest nicht in Relation zum aufgerufenen Preis. Für um 600 Euro bekommen Käufer bei herkömmlichen Geräten mehr Chip-Power, ein besseres Display mit OLED-Technologie, eine bessere Kamera mit zusätzlichem Teleobjektiv, bisweilen mehr Akkulaufzeit, sogar kabelloses Laden und noch den ein- oder anderen technischen Zusatz-Leckerbissen. Dafür wissen halbwegs informierte Käufer allerdings, dass für ihren Konsum Menschen am anderen Ende der Welt unter schlechtesten, teils lebensbedrohlichen Bedingungen dahinvegetieren und die Umwelt mit neuem, unnötigem Elektroschrott belastet wird – und zwar alle 1,5 Jahre wieder, wenn der Provider ein neues Smartphone subventioniert.

Beim Fairphone ist das anders. Hier liegt der grundlegende Gedanke schon im Namen der Firma und das Fairphone 4 ist die bislang beste Ausbaustufe dieses gelebten Altruismus. Zudem ist sie erstmals nicht schon bei Marktstart völlig veraltet, sondern stellt ein im Alltag absolut brauchbares Mittelklasse-Smartphone dar. Ist es perfekt? Sicherlich nicht – das gilt für die gebotene Hardware zu einem dafür zu hohen Verkaufspreis, aber vermutlich auch für die Bestrebungen, Umwelt und Menschen bei der Herstellung und Nutzung des Öko-Handys gleichermaßen etwas Gutes zu tun. Denn vermutlich geht das trotz aller Bemühungen noch besser. Besser als bei der etablierten Konkurrenz mit ihren Milliardengewinnen ist das Fairphone 4 bei Fairness und Nachhaltigkeit aber allemal – mit Abstand. Daher ist das Fairphone 4 eigentlich genau das Smartphone, dass wir alle kaufen sollten, um es die nächsten 5 Jahre oder mehr zu nutzen.

Passieren wird das aber wohl leider in der Masse nicht. Wer mehr auf Preis-Leistung als auf Umwelt und Fairness setzt, wird in unseren Top 10 der Smartphone bis 300 und bis 400 Euro fündig.

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